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Disneys Eine Weihnachtsgeschichte [2009]

Wertung:  4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. November 2011
Genre: Animation / Unterhaltung

Originaltitel: A Christmas Carol
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Zemeckis
Musik: Alan Silvestri
Stimmen: Jim Carrey (Stefan Fredrich), Gary Oldman (Udo Schenk), Colin Firth (Tom Vogt), Robin Wright (Alexandra Wilcke), Cary Elwes, Bob Hoskins (Mogens von Gadow), Lesley Manville, Molly C. Quinn, Fay Masterson, Leslie Zemeckis, Steve Valentine, Daryl Sabara, Sammi Hanratty, Julian Holloway, Jacquie Barnbrook


Kurzinhalt:
Vor sieben Jahren ist der Geschäftspartner von Ebenezer Scrooge (Jim Carrey / Stefan Fredrich), Jacob Marley (Gary Oldman / Udo Schenk), verstorben. Seither hat der seinen Reichtum nur noch vergrößert, hält seinen Angestellten Bob Cratchit (Gary Oldman / Udo Schenk) jedoch wie einen Leibeigenen und würde am liebsten auch den morgigen Weihnachtstag über durcharbeiten. Seinen Neffen Fred (Colin Firth / Tom Vogt), der ihn trotz seiner ablehnenden Haltung zum Weihnachtsessen einlädt, weist er gewohnt schroff ab.
Doch am Heiligen Abend erscheint dem Geizkragen Marleys Geist und kündigt ihm an, dass ihn noch in derselben Nacht drei Geister heimsuchen werden: Der Geist der vergangenen Weihnacht, der Geist der gegenwärtigen Weihnacht und der Geist der zukünftigen Weihnacht. Sie sollen Scrooge dazu bringen, über sein Leben und Handeln nachzudenken. Doch auch, wenn der alte Griesgram erkennt, wie ihn die Menschen um ihn herum wahrnehmen, ist er bei Vielem doch nicht bereit hinzusehen. Dabei kann nur er selbst verhindern, dass die düsteren Prophezeiungen des Geists der zukünftigen Weihnacht auch alle so eintreffen werden ...


Kritik:
Es ist leicht zu erkennen, welch ambitionierte Vision Regisseur Robert Zemeckis vorschwebte, als er sich anschickte, den Charles Dickens Klassiker Eine Weihnachtsgeschichte im Stile eines Animationsfilms umzusetzen. Jeder muss für sich entscheiden, woran er letztlich scheiterte. Dass er es tat, dafür spricht unter anderem das Einspielergebnis, das weit hinter den Erwartungen zurückblieb, insbesondere in den USA, wo man die bunte Weihnachtsvision eigentlich am ehesten hätte aufnehmen sollen.

Zemeckis, der auch die Buchvorlage selbst adaptierte, entscheidet sich sogar, die Geschichte nicht unnötig zu modernisieren, um den allzeit gültigen Bezug von Dickens Aussagen zu unterstreichen, und siedelt Eine Weihnachtsgeschichte im Jahr 1843 an. Die Welt, die er dabei erschafft, das Aussehen Londons in jenem bitteren Winter, ist atemberaubend. Es gelingt ihm, die Kälte und die Not der Menschen spürbar werden zu lassen und wenn wir sehen, wie sich Ebenezer Scrooge dazu durchringen muss, dem Bestatter seines Geschäftspartners Marley ein paar Münzen zu überlassen, kann man nicht umhin, jene hagere Gestalt des Scrooge als die Personifizierung des Geizkragens und der Herzlosigkeit zu erkennen. Das hat die Figur auch Jim Carrey zu verdanken, der ihm nicht nur die Bewegungen leiht, sondern im englischen Original auch die Stimme, die dank der angemessenen Wortwahl passender kaum sein könnte. Scrooge erscheint nicht nur in dem, was er tut, sondern auch darin wie er es tut, so glaubhaft, dass es einem die Sprache verschlägt. Lernen wir wenig später seinen Angestellten Cratchit kennen und Scrooges Neffen Fred, müssen wir leider feststellen, dass jener Detailreichtum nicht für alle Figuren gilt, auch wenn sich Gary Oldman und Colin Firth gleichermaßen Mühe geben.
Ein Animationsfilm steht und fällt mit der Animation, und während die Umgebung besser kaum umgesetzt sein könnte und Ebenezer Scrooge mit seinen Bewegungen und seinem Aussehen verblüfft, gilt selbiges leider nicht für die anderen Figuren. Sieht man die Passanten auf der Straße Scrooge nachsehen, wenn er verbeiläuft, verstummen die Sänger angesichts seines herablassenden Blickes, scheinen die Figuren durch die anderen hindurch zu sehen. Ihre Mimik ist wie festgefahren und die Gesichter der Kinder sehen aus, als wären es Erwachsene, die nur kleingeschrumpft wurden. Das London 1843 wirkt, als wäre es von Marionetten bevölkert.

Umso einfallsreicher und nah an der Vorlage sind die Geister der vergangenen, der jetzigen und der zukünftigen Weihnacht, die Scrooge im Laufe des Heiligen Abend erscheinen, wie ihm vom Geist Marleys angekündigt wurde. Sie zeigen ihm, was an jenem Tag früher geschah, führen Scrooge und uns vor Augen, wie fröhlich er einst gewesen ist, der Mittelpunkt der Welt seiner Schwester war und sich verliebt hat. Und wie sich all das veränderte, als sein Streben nach Reichtum immer mehr von seiner Persönlichkeit einnahm. Doch so bewegend, gerade durch die Details, die nicht kommentiert werden, der Blick in die Vergangenheit ist, so nervenraubend ist der Geist der gegenwärtigen Weihnacht, der ständig schallend lachend Ebenezer Momente der diesjährigen Festtage zeigt. Die Figur ist dabei dem der Romanvorlage sehr ähnlich und auch dort wird der Geist der gegenwärtigen Weihnacht als übergroßer bärtiger Mann beschrieben, der – wie an Weihnachten üblich – überfröhlich ist. Und doch verliert mit ihm Eine Weihnachtsgeschichte ganz merklich an emotionaler Zugkraft, was vielleicht auch an den zuckerbunten Hintergründen jener Szenen liegen mag. Seine ernsten Bemerkungen herauszuhören fällt so beinahe schon schwer und hat Scrooge seine Lektion schließlich gelernt, erwartet uns eine überkandidelte Auflösung mit Figuren, die in dem was sie tun nicht glaubwürdig sind. Es wirkt wie ein Zuckerguss auf einer Sahnetorte, der zur ersten Hälfte der düsteren Geschichte nicht passen mag. So ungelenk und uncharismatisch die Figuren von Scrooge abgesehen erscheinen mögen, es ist die unausgewogene Präsentation der Geschichte, die sprunghaft zwischen Extremen hin- und herpendelnd letztendlich das Potential der Produktion ungenutzt verpuffen lässt.


Fazit:
Die Altersfreigabe ist nicht unberechtigt, jüngere Kinder könnten bei den düsteren Eindrücken mitunter Angst bekommen. Aber richtet sich die Aussage von Charles Dickens' Erzählung überhaupt an ein kindliches Publikum? Regisseur Robert Zemeckis fängt den Geist des Buches hervorragend ein und erschafft ein London im Jahr 1843, das durchweg verblüfft. Sein Ebenezer Scrooge ist der digital fleischgewordene Griesgram, dem jedoch Figuren an die Seite gestellt werden, die ihm nicht ebenbürtig sind.
Angesichts der ersten Minuten ist es traurig, wie wenig Charme die verschiedenen Charaktere besitzen. Man hört die namhaften Stimmen und sieht in den Gesichtern die Darsteller, die hierfür verpflichtet wurden, und doch fehlt es ihnen an Herz. Auch bringen die Gesichter nicht zum Ausdruck, was die Stimmen an Gefühl zu transportieren versuchen. Eine Weihnachtsgeschichte verliert nicht das Ziel aus den Augen, versucht aber, die fehlenden Emotionen durch einen Bilderreigen aufzuwiegen, in dem die Gesichter und manche Bewegungen der Figuren nur störend wirken. Manchen Zuschauern mag das nicht wichtig sein, doch sieht man sich an, was aus der Ausgangslage hätte werden können, ist das Ergebnis leider enttäuschend.


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