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Ein Hologramm für den König [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. April 2017
Genre: Komödie / Drama

Originaltitel: A Hologram for the King
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Großbritannien / Frankreich / Deutschland / USA / Mexiko
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek, Tom Tykwer
Darsteller: Tom Hanks, Alexander Black, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen, Tracey Fairaway, Jane Perry, Amira El Sayed, Tom Skerritt, Ben Whishaw, David Menkin, Christy Meyer, Megan Maczko, Eric Meyers, Khalid Laith


Kurzinhalt:

Als Alan Clay (Tom Hanks) von seinem Vorgesetzten in den USA nach Saudi-Arabien gesandt wird, hofft er, bald nach Hause zurückkehren zu können. In der Heimat wartet seine Tochter Kit (Tracey Fairaway), bei der er nicht weiß, wie er ihr das College finanzieren soll. In Saudi-Arabien ist es Alans Aufgabe, dem König ein neuartiges Kommunikationssystem zu verkaufen. In dem fremden Land angekommen, sieht sich Alan einer Umgebung konfrontiert, deren Bräuche und Sitten er trotz der Hinweise seines Fahrers Yousef (Alexander Black) nur schwer versteht. Unter dem steigenden Erfolgsdruck droht Alan schließlich zusammenzubrechen, bis er auf die Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) trifft. Durch die Begegnung mit ihr hat er unerwartet wieder ein Ziel vor Augen ...


Kritik:
Wenn ein Film erst beinahe zwei Jahre, nachdem die letzte Klappe beim Dreh gefallen ist, in die Kinos kommt, dann handelt es sich für gewöhnlich entweder um einen in der Nachproduktion besonders aufwendigen Science Fiction-Film, oder eine Geschichte, für die sich nur schwer ein Verleih findet. Ein Hologramm für den König kommt ohne große Tricks aus und mit Tom Hanks in der Hauptrolle sollte es an sich nicht schwierig sein, Verleihfirmen für sich zu gewinnen. Dass es dennoch so lange dauerte, ehe die Dramödie auf die große Leinwand kam, liegt wohl eher daran, dass man Tom Tykwers Film kein großes Publikum zutraute. Bedauerlicherweise lag man damit sogar richtig.

Basierend auf dem Roman von Dave Eggers erzählt Ein Hologramm für den König vom Vertriebsspezialisten Alan Clay, der von seiner Firma nach Saudi-Arabien gesandt wird, um dort dem König, der mitten in der Wüste eine neue Stadt entstehen lassen möchte, eine zukunftsweisende Kommunikationstechnik zu verkaufen. Ein kleines Team der Firma, für die er arbeitet, ist bereits vor Ort, um sich auf den erwarteten Anbieterwettstreit vorzubereiten. Am anderen Ende der Welt findet Alan schließlich sich selbst, weit weg von einem Leben, das er nach einer bitteren Scheidung ohnehin kaum wiederkennt und in dem er es nicht schafft, seiner Tochter das College zu finanzieren. Wie Filmemacher Tykwer Alan vorstellt, ist dieser von sich selbst und seinem Leben mehr enttäuscht, als alle anderen. Auf das berufliche Abstellgleis gestellt, warten andere wie er selbst auf sein nächstes Scheitern.

Der grundsympathische Tom Hanks erweckt Alan dabei nicht als jemanden zum Leben, dem nichts gelingt, sondern als jemand, der in jedem Zeitpunkt die seiner Meinung nach richtige Entscheidung getroffen hat, nur um dann im Nachhinein festzustellen, dass sie es wohl nicht war. Vielleicht auch, weil er immer dazu gedrängt wurde, sich für etwas zu entscheiden, anstatt auch einmal gegen etwas. So interessant dies aus Sicht einer Charakterstudie klingt, Ein Hologramm für den König weiß aus der Ausgangslage nicht so recht etwas zu entwickeln. In kurzen Rückblenden erfahren wir, dass Alan in der Vergangenheit dafür verantwortlich war, dass ein großes Werk für Fahrräder in den USA geschlossen wurde und beinahe ein Tausend Mitarbeiter ihre Jobs verloren. Sein Vater Ron hält ihm dies immer noch vor, auch wenn Tom Skerritts Auftritt so kurz ist, dass man zweimal hinsehen muss, um ihn nicht zu übersehen.

Filmemacher Tykwer arbeitet heraus, wie Alans Tagesablauf von allen bestimmt wird, außer durch ihn selbst, bis hin zum allabendlichen Telefonanruf seines Vorgesetzten. Die Aussagen, die er hier findet, sind dabei zweifellos gültig und richtig für unsere Zeit. Nur scheinen die ersten zwei Drittel des Films dadurch überraschend ziel- und orientierungslos. Das Aufeinandertreffen der Kulturen ist nur wenig überraschend und auch die unerwartet politische Aussage, die Ein Hologramm für den König in der Szene mit der Wolfsjagd findet, wirkt, als wollte das Skript hier einen Punkt machen, der die Figur aber nicht weiterbringt.
Beginnt Alan schließlich, die Kontrolle wieder selbst zu übernehmen, dann wird nicht deutlich, wie er das tatsächlich anstellt. Dank Tom Hanks und Sarita Choudhury ist das toll gespielt und mit einigen behutsamen Dialogen versehen, aber gleichzeitig nur wenig packend. Stattdessen bleibt der Eindruck, als hingen auch am Ende einige Storystränge noch in der Luft, oder als hätte das Drehbuch sie schlichtweg unterwegs vergessen.


Fazit:
Aus einem ständigen, von anderen vorgegebenen Rhythmus gefangen, muss Alan ausbrechen, um sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Aussage selbst ist ermutigend und von Tom Hanks gelungen mit Leben erfüllt. Die sprunghafte und unwirklich erscheinende Erzählung passt zu Beginn, wenn sich Alan in einer für ihn völlig anderen Welt wiederfindet. Doch sprunghaft bleibt Ein Hologramm für den König in seinen Szenenwechseln und der Entwicklung der Figuren bis zum Schluss. Die gesellschaftlichen und sogar politischen Aussagen arbeitet Filmemacher Tom Tykwer gelungen heraus und findet auch viele passende (Sinn-) Bilder. Nur ohne eine fokussierte Erzählung ist das wenig mitreißend und Alans Entscheidungen selten greifbar. Für ein ruhiges Publikum.
 


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