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Denn sie sollen getröstet werden [2006]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Oktober 2011
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: One Guilty Deed
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: -

Regie: Jonathan Fox Bassett
Musik: Andy Price
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, David Hepple, Gabrielle Palmer, Shaun Parkes, Ian Burfield, Esther Hall, Trevor Byfield, Stuart Laing, Paul Hickey, Diana Payan, Jodi Albert, Abby Rakic-Platt, Tom Georgeson, Catherine Russell, Brett Fancy, Michael McStay, Valerie Lilley, Rupert Procter, James Bird


Kurzinhalt:
Eigentlich hätten Inspector Lynley (Nathaniel Parker) und Sergeant Havers (Sharon Small) in den Küstenort fahren sollen, um den Kronzeugen Roger Pollard (David Hepple) zu treffen. Dieser sollte in dem kommenden Prozess gegen den dubiosen Geschäftsmann Shand (Tom Georgeson) aussagen. Doch dann wird Pollards Leiche am Strand gefunden, wie es scheint mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Beweise, dass Shand dahintersteckt, finden die Ermittler zunächst nicht, auch wenn der ansässige Geschäftsmann Daniel Gill (Stuart Laing) von Shand finanziert wird und wohl Streit mit Pollard hatte.
In dem Wohnwagenpark, in dem Lynley und Havers untergebracht sind, wird indes gemunkelt, dass ein Geist sein Unwesen treibt, was die Leiterin des Parks, Carly Baker (Esther Hall), bestätigt. Es sei eine Geschichte, die den Touristenkindern erzählt wird, doch je weiter die Ermittler graben, umso mehr Geister aus der Vergangenheit der Dorfbewohner fördern sie zutage ...


Kritik:
Mit Denn sie sollen getröstet werden gelingt den Inspector Lynley-Machern, was man schon lange nicht mehr von ihnen gesehen hat: Sie erzählen einen stimmigen und stimmungsvollen Krimi an der englischen Küste, bevölkert mit vielschichtigen Figuren und einer Auflösung, die sich zwar langsam andeutet, die man aber nicht von Anfang an kommen sieht.
Dies gelingt insbesondere dem Drehbuch von Mark Greig, der sich nicht nur auf das Zweigespann aus Lynley und Havers konzentriert, sondern in dem beschaulichen Küstenort, beziehungsweise in dem dortigen meist von Touristen genutzten Wohnwagenpark, einen Mikrokosmos entwirft, in den wir einen Einblick bekommen, ohne dass die dort lebenden Personen verurteilt würden.

Die Rahmengeschichte bietet dabei zwar einen Anker für Lynley, doch ist sie nicht allein der Grund, den Krimi überhaupt zu erzählen. Nachdem Roger Pollard mit ansehen musste, wie seine Tochter vor seinen Augen niedergeschossen wurde – eine Kugel, die ihm galt – ist er bereit, gegen seinen Geschäftspartner Michael Shand, hinter dem die Polizei schon seit langem her ist, auszusagen. Hierfür taucht er ins Zeugenschutzprogramm ab, bis er zur Verhandlung geladen wird. Doch als seine Leiche am Strand gefunden wird, scheinen sich Lynleys Wünsche, Shand dingfest zu machen, in Luft aufgelöst zu haben. Was nach einer Hinrichtung aussieht, wirft schnell Fragen auf, den vor dem Kopfschuss war Pollard bereits tödlich verletzt worden.
Dass in dem windgepeitschten Ort nahe des Marschlandes Vieles nicht so ist, wie es scheint, spüren nicht nur die Ermittler sofort. Daniel Gill, ein Jugendfreund von Pollard, bevor dieser vor 20 Jahren urplötzlich verschwand, möchte ein Spielkasino aufbauen, dessen Finanzierung unter anderem Shands Briefkastenfirma übernimmt. Insofern kommt nicht nur Shand als Hintermann in Frage, sondern auch Gill hätte ein Motiv. Doch wieso würde Pollard im Zeugenschutz ausgerechnet in einen Ort zurückkehren, in dem ihn jeder kennt?

Es gibt eine Vielzahl interessanter Figuren in Denn sie sollen getröstet werden, wozu auch Pollards Witwe Tess zählt, die ihm den Tod der gemeinsamen Tochter nie verziehen hat. Auch die Betreiberin des Wohnwagenparks, deren Vater Pollard vor 20 Jahren zum Weggehen aus der Gemeinschaft quasi gezwungen hat, könnte darin verwickelt sein.
Was hier so verwundert ist nicht nur, dass so viele verschiedene Ansätze vorgestellt werden, sie werden auch glaubhaft zusammengeführt. Selbst die Geschichte um einen Geist, der sich in dem Parkgelände herumtreiben soll, macht Sinn, auch wenn ein paar Fragen hierzu unbeantwortet bleiben (darunter, was mit Havers' Uhr geschehen ist). Niemand in dem Küstenort, auch der örtliche Polizist, der als Kontakt mit Havers und Lynley zusammenarbeitet nicht, erscheint glücklich. Sie alle wirken gezeichnet, nicht nur vom harschen Wetter, sondern auch von dem, was das Leben ihnen hier zumutet. Sie akzeptieren, was eben so ist und zucken auch, als die Ermittler die Drogen ansprechen, die aus der Großstadt hier eingeschwemmt werden, nur beiläufig die Schultern. Es wirkt, als stünde die Zeit hier still, und als wären Lynley und Havers weniger nicht willkommen, weil sie den Mord aufklären wollen, sondern weil sie dabei Wunden aufreißen, die noch nicht genügend verheilt sind.

Atmosphärisch erzählt und durchweg gut gespielt finden Kenner der Reihe hier einige Momente der beiden Protagonisten, die ihre Beziehung etwas voranbringen. Die Tatsache, dass sie sich einen Wohnwagen gemeinsam teilen müssen, da die Hotels ausgebucht sind, liefert einen guten Nährboden für amüsante Situationen. Dass wir mehr über Havers erfahren, da ihr Erinnerungen an früher in den Sinn kommen, verbrachte sie doch einige Sommer ihrer Kindheit in diesem Wohnwagenpark, bereichert ihre Figur. Lynley erscheint merklich aktiver und weniger lethargisch als in den vorangegangenen Fällen und es bleibt zu hoffen, dass die Macher dieses Niveau halten können. So routiniert und überzeugend wie in Denn sie sollen getröstet werden waren die Lynley Mysteries schon lange nicht mehr.


Fazit:
Die Tatsache, dass man nicht nach einer Handvoll Minuten den Täter schon erahnt hat, ist nicht einmal der größte Pluspunkt des Krimis. Vielmehr gelingt dem Drehbuch ein authentischer Blick in die Gemeinschaft des Küstenorts, in dem sich manche niederlassen, um nicht gefunden zu werden, und aus dem andere nicht weggehen, weil was sie erlebt und getan haben sie auf unsichtbare Art und Weise festhält. In Denn sie sollen getröstet werden werfen wir gemeinsam mit den Ermittlern Havers und Lynley einen Blick auf jene Figuren und beobachten, ohne zu verurteilen.
Was wir erfahren ist überraschend, aber stimmig und weniger grausam als verzweifelt. Überzeugend gespielt, stimmungsvoll erzählt und mit der ein oder anderen unvorhersehbaren Wendung versehen, bleibt der Krimi als einer der besten der Reihe im Gedächtnis und lässt hoffen, dass die Autoren darauf aufbauen werden.


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