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Denn sie betrügt man nicht [2003]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Mai 2004
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: Deception On His Mind
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: -

Regie: Tim Leandro
Musik: Robert Lockhart
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, Saeed Jaffrey, Amita Dhiri, Tarek Ramini, Anjali Jay, Tanveer Ghani, Emily Joyce, Matthew Wait, Anjalee Patel, Demelza Randall


Kurzinhalt:
Während Inspektor Lynley (Nathaniel Parker) mit seiner frisch angetrauten Ehefrau in den Flitterwochen ist, fährt Barbara Havers (Sharon Small) an den Strand von Balford-le-Nez, wo die Leiche eines Pakistanis aufgefunden wurde. Den Fall bearbeitet Havers alte Freundin Emily Barlow (Emily Joyce), die erst kürzlich zum Inspector aufgestiegen ist.
In den Fall verwickelt ist auch der Vater von Havers Nachbarin Hadiyyah (Anjalee Patel), Azhar Taymullah (Tanveer Ghani), doch gehen die Geheimnisse der pakistanischen Familie Malik, die der Verlust betrifft, viel weiter, als Havers erahnt. Auch als Lynley aus den Flitterwochen kommt, um sie bei den Ermittlungen zu unterstützen wird das Geflecht aus Gier, Mord und Eifersucht nicht durchschaubarer – doch der Einsatz ist viel höher, als zunächst vermutet und Havers muss erkennen, dass ihre alte Kollegin nicht mehr die ist, die sie einmal war.


Kritik:
Der vierte und letzte Fall der zweiten Staffel aus der Reihe The Inspector Lynley Mysteries ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Zum einen taucht der Charakter der Helen Clyde, inzwischen Lynleys Ehefrau, nicht auf, zum anderen darf Havers zum ersten Mal selbst einen Fall im Alleingang lösen, wobei Lynley ihr von ihrem Vorgesetzten zugeteilt wird. Das Drehbuch liefert (basierend auf einem Roman von Elizabeth George) einmal mehr Valerie Windsor, die hier auch eine gute Arbeit leistet, vor allem weil die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren endlich näher beleuchtet wird und auch Havers Privatleben etwas in Gang kommt.

Wiederkehrende Figuren wie in dem Fall Hadiyyah einzubauen ist grundsätzlich eine gute Idee, ebenso wie Havers Vergangenheit und ihre Kollegin Emily Barlow. Und doch ist sie gleich einer der größten Kritikpunkte des Films, denn für einen Inspector scheint sie zu impulsiv, zu wenig mit dem Verstand bei der Sache. Dass sich eine Person wie sie in dieser Position halten könnte, ist äußerst unwahrscheinlich. So erfährt gerade ihr Charakter auch keine große Entwicklung, sondern entpuppt sich als genau das, was man als Zuschauer erwartet hat.
Dagegen überaus verzwickt geraten ist die Suche nach dem eigentlichen Mörder, die wirklich erst in den letzten Minuten aufgelöst wird. So konstruiert die Tragödien innerhalb der pakistanischen Familie auch sein mögen (und einmal mehr müssen bei George Homosexuelle als Auslöser des Übels herhalten), wer letztendlich hinter der Ermordung steckt, lässt sich kaum erahnen. Dafür gelingt dem Krimi mit den illegalen Einwanderern und der Schleuser-Truppe ein leider immer aktueller und überraschender Griff, den man so auch nicht hat kommen sehen.
Wieso die Autorin aber bei den beinahe schon vertauschten Rollen von Lynley und Havers nicht den Mut fand, dass die Polizistin ihren Vorgesetzten beim Finale mit dem Vornamen ruft, sondern mit dem völlig unpassenden "Sir" daherpoltert, wird ihr Geheimnis bleiben. Insgesamt ist das Skript aber solide geraten und bietet auch genügend Krimispannung, um gefallen zu können. Glücklicherweise zieht der Fall in der zweiten Hälfte deutlich an Spannung an, denn die ersten 40 Minuten ziehen sich merklich.

Dass Sharon Small hier endlich in einer tragenderen Rolle erscheinen darf, scheint ihr sichtlich gefallen zu haben, bereits bei ihrer ersten Szene wirkt sie viel lockerer und natürlicher, als man das von ihr bislang gekannt hatte; ihre Dialogszenen meistert sie solide und bleibt doch ihrem bisherigen Seriencharakter treu. Alles in allem war es von ihr eine wirklich gute Leistung, die auch am Ende bei den etwas einfühlsameren Szenen nicht nachlässt.
Nathaniel Parker hingegen muss sich hier mit einer etwas größeren Nebenrolle zufrieden geben und genießt dies in gewisser Weise auch. Durch seine Ausstrahlung und eine recht gelungene Actionsequenz macht er aber auch hier eine gute Figur und überzeugt in seinen Szenen wie gewohnt routiniert. Das "Balkongespräch" mit Havers gehört dabei aber definitiv zu den Höhepunkten, auch wenn es sehr kurz geraten ist.
Hatten die Produzenten bislang nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen, wenn es um Nebendarsteller ging, so haben sie diesmal gute Darsteller verpflichtet, auch wenn nicht alle zum Zug kommen dürfen. Hadiyyahs Vater, verkörpert von Tanveer Ghani gehört dabei zu den charismatischsten Schauspielern, es wäre schön ihn in der kommenden Staffel wieder zu sehen. Die Malik-Familie wurde ebenso gut zusammen gestellt, allen voran die durchweg geforderte Anjali Jay als Shala. Sie wird mit den schwierigen Szenen gut fertig und kann die Verzweiflung ihrer Filmfigur auch zum Ausdruck bringen.
Mit Emily Joyce wurde zwar eine gute Schauspielerin verpflichtet, die auch schon in Für alle Fälle Fitz [1993-1995] mitgewirkt hat, die Rolle der rachsüchtigen Polizistin steht ihr jedoch nicht besonders gut, vielmehr wirkt ihrer Bitterkeit aufgesetzt und gezwungen.
Sieht man sich die Besetzung jedoch an, ist den Machern ein stimmiger Cast gelungen, der zu der Krimistory auch passt.

Leider kann man das von der Inszenierung nicht immer sagen; einerseits mag man den nun häufiger auftretenden Einsatz von Farbfiltern begrüßen, die die einzelnen Szenen in ein bestimmtes Licht tauchen sollen (dabei wird das Polizeihauptquartier gerne in einem kühlen blau gezeigt, wohingegen die Wohnung der Maliks meist mit einem körnigen Filter eingefangen wurde), andererseits wirkt der Einsatz nicht immer durchdacht und bisweilen auch störend.
So ist in manchen Szenen die Beleuchtung völlig misslungen, so dass auch in einem hell erleuchteten Raum wie dem Polizeirevier die Personen auf einmal in Schatten verschwinden und man sie nur noch reden "hört". Auch versucht sich Regisseur Leandro gerade bei engen Räumen und wichtigen Gesprächen mit einer Handkamera, die aber so verwackelt geraten ist, dass man meinen könnte der Kameramann habe unter einem Schwächeanfall gelitten.
Auch die Eröffnungsszene fällt leider in die Kategorie, und wenn man Fernsehserien sieht, die weit häufiger mit einer nicht-statischen Kamera arbeiten und dies ohne Zitterorgien schaffen, dann fragt man sich, was dieser pseudo-dokumentarische Stil bei einem Krimi wie diesem zu suchen hat. Tempo wird dadurch jedenfalls keines vermittelt.
Wie bei dieser Reihe üblich hält sich auch hier die Musik von Robert Lockhart im Hintergrund, beziehungsweise ist überhaupt nicht hören. Der Spannung tut dies zwar keinen Abbruch, es ist ihr aber auch überhaupt nicht zuträglich.

Hat man den letzten Teil der zweiten Staffel überstanden, dann wird eines offensichtlich: Wie bereits in der ersten Staffel ist auch hier der Cliffhanger mehr oder weniger gemein geraten, denn er lässt den Zuschauer genau dann zurück, wenn er erfahren möchte, wie es mit den Charakteren weitergeht. Schade nur, dass den Autoren das innerhalb der Staffel nicht gelingt. Nach den erfreulichen und auch notwendigen Charakterentwicklungen in Denn sie betrügt man nicht wäre es wirklich schön gewesen, etwas über Havers weiteren Werdegang zu erfahren – doch darauf müssen Fans wohl noch warten, auch wenn in Großbritannien die dritte Staffel der Krimireihe bereits ausgestrahlt wurde, in Deutschland dauert es vermutlich wieder gute sechs Monate bis nächstes Frühjahr, ehe die Geschichte um Lynley und Havers weitergehen wird. Und nach dem wirklich soliden Fall, den das Duo hier bearbeiten darf, kann man sich auf die Fortsetzung wieder freuen.


Fazit:
Die letzten drei Fälle des Ermittlerduos konnten Fans der ersten Stunde leider nicht so recht überzeugen, was vor allem daran lag, dass sich die Beziehung zwischen Lynley und Havers nicht weiterentwickelt hat. Ausgeschöpft wird das Potential hier zwar auch nicht, im Gegenteil in einer Szene wird eine Chance vertan, die nun wirklich jeder Autor genutzt hätte, doch da Havers hier auf eigene Faust ermitteln darf, kann man als Zuschauer etwas an ihrem (Privat-)Leben teilhaben. Und das war bitter nötig.
Der Krimi selbst wirkt bisweilen zwar konstruiert und unnötig verkompliziert, überrascht aber mit einigen Wendungen und seiner Auflösung. Schade nur, dass man gerade jetzt, wenn die Geschichten inhaltlich wieder an Qualität gewinnen auf die nächste Staffel der Lynley Mysteries warten muss, ehe sich Nathaniel Parker und Sharon Small wieder dem Verbrechen stellen. Hoffentlich dann ohne Anlaufschwierigkeiten.


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