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Die Schöne und das Biest [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 5. November 2017
Genre: Fantasy / Liebesfilm / Drama

Originaltitel: Beauty and the Beast
Laufzeit: 129 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Bill Condon
Musik: Alan Menken
Darsteller: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Kevin Kline, Hattie Morahan, Haydn Gwynne, Gerard Horan, Ray Fearon, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson, Nathan Mack, Audra McDonald, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw


Kurzinhalt:

Es war einmal ein kaltherziger Prinz (Dan Stevens), der eine Bettlerin abwies auf der Suche nach Unterschlupf vor dem Sturm. Da verwandelte sich die Bettlerin in eine Zauberin (Hattie Morahan), die das Schloss und alle darin zur Strafe verzauberte. Der Prinz wurde dazu verdammt, ein Dasein als abscheuliches Biest zu fristen. Er würde nur dann wieder ein Mensch werden, wenn er lernen würde, jemand anderes zu lieben und deren Liebe im Gegenzug zu gewinnen. Viele Jahre vergehen, bis sich der Künstler Maurice (Kevin Kline) in das verzauberte Anwesen flüchtet. Doch er wird vom Biest eingesperrt. Als seine Tochter Belle (Emma Watson) ihn in dem Schloss entdeckt, bietet sie an, den Platz ihres Vaters einzunehmen. Während die Angestellten des verwunschenen Prinzen, Lumière (Ewan McGregor), von Unruh (Ian McKellen) oder Madame Pottine (Emma Thompson) hoffen, dass Belle diejenige ist, die den Fluch brechen wird, sucht Maurice bei dem selbstverliebten Gaston (Luke Evans) im Dorf Hilfe, um seine Tochter zu befreien …


Kritik:
Bill Condons Die Schöne und das Biest ist keine Adaption der französischen Märchenvorlage, sondern eine Realverfilmung des gleichnamigen Disney-Zeichentrickklassikers aus dem Jahr 1991, der als erster Animationsfilm sogar für den Oscar als bester Film nominiert worden war. Dementsprechend sind Bühnenbild, Kostüme und Songs großteils wortwörtlich übernommen. Doch was die Filmemacher bedauerlicherweise nicht zu kopieren vermögen ist der Charme des Originals.

Die Geschichte selbst bleibt verständlicherweise unverändert. Ein egoistischer Prinz wird von einer Zauberin samt seinem Schloss und den Angestellten verzaubert, da es in seinem Herzen keine Liebe gibt. Wenn es ihm nicht gelingt, das Herz einer Frau zu gewinnen, die sich in ihn verliebt, so wie er ist, bis das letzte Blütenblatt einer verzauberten Rose gefallen ist, dann ist er verdammt, auf immer in dieser Gestalt zu bleiben. Die Hoffnung seines Gefolges, das in Kerzenleuchter, Uhren, Geschirr oder Garderobe verwandelt wurde, ruht auf der schönen Belle aus dem Dorf, die sich in das verwunschene Schloss begibt, um ihren vermissten Vater zu befreien und seinen Platz als Gefangene des Biestes einnimmt.

Es mag durchaus sein, dass diejenigen, die mit der Zeichentrickvorlage nicht vertraut sind, Die Schöne und das Biest mit anderen Augen als dieser Kritiker sehen werden. Doch mehr als 25 Jahre mit dem zeitlosen Klassiker lassen sich nicht einfach beiseite wischen. So fällt bereits bei der Vorstellung von Belle, die von den übrigen Dorfbewohnern als sonderbar wahrgenommen wird, auf, dass das Lied zwar länger ist, um zusätzliche Momente erweitert wurde, aber nicht notwendigerweise so. Neue Informationen zu ihr, die für die Geschichte erforderlich sind, gibt es nicht. So verhält es sich mit beinahe allen der bekannten Songs, die unnötig verlängert wurden. Ein Beispiel ist hier auch das Solo des Schönlings Gaston, der von Luke Evans toll getroffen ist, jedoch bösartig anstatt lediglich egozentrisch und egoistisch angelegt ist.

Die Filmemacher stellen sogar neue Lieder vor, die jedoch nicht einprägsam sind. Das Solo des Biestes "Ich warte hier auf dich" erinnert von der Melodie her sogar mehr an ein Lied aus Aladdin [1992], als dass es zum Rest hier passen würde. Die ausgeschmückte Hintergrundgeschichte um Belle und ihre Mutter macht den Film im gleichen Zug nur länger, bereichert die Figur jedoch nicht, sondern nimmt ihr vielmehr die Unbeschwertheit.
Es fällt ohnehin auf, dass Die Schöne und das Biest über die mit mehr als zwei Stunden deutlich längere Laufzeit hinweg der Humor abhanden kommt. Dieser hält erst beim Finale Einzug, wenn es dafür im Grunde bereits zu spät ist. Warme oder charmante Momente des Originals, beispielsweise wenn das Biest im Schnee die Vögel füttert, fehlen hier vollkommen, während das Tempo von manchen Liedern wie "Tod dem Biest" durch eingestreute Szenen auseinandergerissen wird. Auch die verzauberten Bediensteten des Biestes, Kerzenhalter Lumière oder die Uhr von Unruh erscheinen kalt und metallisch, der verspielte und herzliche Charakter der Zeichentrickfiguren glänzt hier durch Abwesenheit.

Dass Die Schöne und das Biest aufwändig gemacht ist, steht dabei außer Frage. Die Bauten und Kostüme sind beeindruckend, obwohl die Trickeffekte bei den künstlichen Hintergründen meist sichtbar sind und das Gefühl eines verfilmten Bühnenstücks vermitteln. Auch hinterlässt das Biest selbst nur einen wenig überzeugenden Eindruck. Weshalb sich die Macher entschieden, es ausschließlich im Computer entstehen zu lassen, verstehe wer will. Mit klassischer Maskenarbeit wäre dies zumindest zum größten Teil ebenso machbar gewesen und würde insbesondere im Zusammenspiel mit Emma Watsons Belle nicht in dem Maße wie ein Fremdkörper herausstehen.
Dass diese eine ebenso sympathische wie talentierte Darstellerin ist, steht außer Frage, doch für die Rolle der Belle scheint sie nicht die beste Wahl. Das liegt weniger an ihrem Spiel als ihrer Ausstrahlung. Während Belle im Animationsklassiker nicht nur den Beschützerinstinkt des Publikums hervorruft, sondern gleichermaßen in positiver Hinsicht zum gewissen Teil geheimnisvoll und unerreichbar unbegreiflich bleibt, da sie so anders ist als alle übrige Figuren der Geschichte, fehlt Watson diese Aura. Aus der übrigen Besetzung sticht am ehesten Kevin Kline hervor, der als Belles Vater Maurice seine Sache gut macht, obwohl der Figur nicht nur die tollpatschige Liebenswürdigkeit der Vorlage fehlt, sondern auch der Hintergrund des oft glücklosen Erfinders. Hier ist er nurmehr ein vom Leben gezeichneter Künstler.

Wie zeitlos die Oscar-prämierte Musik des Originalfilms ist, wird nicht zuletzt bei der Tanzszene im Ballsaal deutlich, die immer noch für Gänsehaut sorgt. Doch das hier ausschließlich auf Grund der Musik, denn die beiden Figuren entwickeln bedauerlicherweise keine Chemie untereinander. Trotz allem gelingt dies Regisseur Bill Condon nicht, der beim Prolog ein angemessen langsames Erzähltempo etabliert, manche Momente wie das erste Aufeinandertreffen von Belle und dem Biest dann aber unnötig gehetzt erzählt. Wie wenig Sorgfalt hier außerdem an den Tag gelegt wird, ist durchaus überraschend und spiegelt sich auch in so offensichtlichen Fehlern wieder, wie dass die Geschichte in Frankreich spielt, der Abspann die Funktion der Crew sogar zusätzlich in französisch ausweist, Belle dem Mädchen am Brunnen aber ein Buch in englisch und nicht französisch zeigt. Bei einem Budget, das dasjenige der Zeichentrickvorlage um mehr als das sechsfache übersteigt, würde man auf mehr Umsicht hoffen.


Fazit:
Nach all den vorgenannten Kritikpunkten sei gesagt, Bill Condons Realverfilmung von Die Schöne und das Biest ist kein schlechter Film. Allerdigns ist er auch in keiner Weise so warmherzig, zeitlos verzaubernd oder charmant wie seine Vorlage. Deren Story zu "verbessern", indem bestimmte Momente ergänzt werden, wie beispielsweise der Auftritt der Zauberin am Ende, mag eine nette Idee sein, beraubt die Erzählung aber gleichzeitig der Magie, dass Manches einfach ohne Einwirkung von außen so geschieht. Mit ausgeschmückten Hintergrundgeschichten zu Figuren wie Belle beantworten die Filmemacher Fragen, die nie jemand gestellt hat. Die Kostüme sind durchweg aufwändig und auch das Design des Schlosses ist gelungen. Aber nicht nur, dass die offensichtlichen Trickeffekte gerade bei den Figuren vom eigentlichen Geschehen ablenken, die Inszenierung selbst ist so makellos wie uninspiriert. Zusammen mit den zusätzlichen Songs, die weder haften bleiben, noch inhaltlich notwendig sind, erscheint die Produktion, als wäre sie am Reißbrett entstanden mit allen Zutaten, um ein neues Musical daraus machen zu können.
Für ein Kinderpublikum ist das durch die Laufzeit allein bereits viel zu lang. Und bei alledem fehlt Die Schöne und das Biest merklich eines: Eine Seele.
 


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