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Die Addams Family [2019]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Oktober 2019
Genre: Animation / Komödie / Fantasy

Originaltitel: The Addams Family
Laufzeit: 87 min.
Produktionsland: Großbritannien / Kanada / USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon
Musik: Jeff Dann, Mychael Danna
Besetzung: Oscar Isaac (Alexander Döring), Charlize Theron (Katrin Fröhlich), Chloë Grace Moretz (Luisa Wietzorek), Finn Wolfhard (Oliver Szerkus), Nick Kroll (Michael Iwannek), Snoop Dogg, Bette Midler (Joseline Gassen), Allison Janney (Ulrike Möckel), Martin Short, Catherine O’Hara, Tituss Burgess (Manuel Straube)


Kurzinhalt:

Die Addams sind anders als andere Familien – was oftmals nicht akzeptiert wird. Das mussten Vater Gomez (Oscar Isaac / Alexander Döring) und seine Frau Morticia (Charlize Theron / Katrin Fröhlich) bereits spüren, als sie unmittelbar nach ihrer Hochzeit von wütenden Dorfbewohnern aus ihrer Heimat verjagt wurden. Mit Gomez’ Bruder Fester (Nick Kroll / Michael Iwannek) gelang ihnen die Flucht und in einem verlassenen Sanatorium haben sie ein neues Zuhause gefunden. Dort sind auch Tochter Wednesday (Chloë Grace Moretz / Luisa Wietzorek) und Sohn Pugsley (Finn Wolfhard / Oliver Szerkus) aufgewachsen. Nun, 13 Jahre später, steht Pugsleys Mazurka an, eine Tradition, bei der er sich beweisen muss, obwohl er statt mit dem Schwert zu kämpfen, lieber Sprengstoff einsetzt. Zu dem festlichen Anlass ist die gesamte Familie geladen – sehr zum Missfallen von Margaux Needler (Allison Janney / Ulrike Möckel). Die nach außen stets lächelnde Medienpersönlichkeit plant, eine Siedlung mit 50 Häusern zu verkaufen. Wenn bekannt wird, dass die skurrilen Addams oberhalb der auf Gleichklang und Einheitlichkeit geschalteten Community wohnen, würde der Deal platzen. So beginnt Margaux, mit allen Mitteln, die Community gegen die Addams aufzuwiegeln …


Kritik:
Es klingt auf dem Papier nicht unbedingt nach einer schlechten Idee, die Story der Addams Family als Animationsfilm umzusetzen. Doch davon ausgehend, gelingt es den Filmemachern Greg Tiernan und Conrad Vernon weder, eine Fantasy-Geschichte zu erzählen, bei der sich Kinder gruseln könnten, noch eine schwarze Komödie, bei der es viel zu Lachen gäbe. Das eigentliche Zielpublikum wird von daher bei Die Addams Family merklich enttäuscht zurückbleiben. Erwachsene können sich indes die Frage stellen, ob zwei gute Einfälle in beinahe eineinhalb Stunden die Zeit und das Kinoticket wert sind.

Der Film beginnt mit einem vor 13 Jahren angesiedelten Prolog, bei dem Morticia und Gomez Addams zusammen mit ihren übrigen Verwandten noch während ihrer Hochzeit von einem wütenden Mob aus dem Dorf vertrieben werden. Der Grund dafür ist einfach, weil die Addams anders sind. Sie haben ein seltsames, oft leichenblasses Aussehen, Vorliebe für alles, was mit dem Tod und Töten zu tun hat, besitzen ein Faible für das Düstere und Morbide. Kurzum, die Addams scheinen Freude an allem zu finden, was andere ins Unglück stürzen würde. Das wird nicht akzeptiert und so fliehen sie vor Fackeln und Mistgabeln in die Gemäuer einer im ewigen Nebel liegenden, von einem Geist heimgesuchten Nervenheilanstalt.
Die Addams Family ist somit eine Ursprungsgeschichte jener Familie, die als gleichnamige Fernsehserie von 1964 bis 1966 bzw. als Hollywood-Verfilmung im Jahr 2001 unter der Regie von Barry Sonnenfeld, mit Anjelica Huston und Raul Julia in den Hauptrollen, erfolgreich ein Publikum gefunden hatte.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Grunde ebenso wenig gegen das immer wiederkehrende Story-Element, dass die Addams die „Guten“ sind, während diejenigen, die nicht aus der Masse herausstechen die „Bösen“ darstellen. Allerdings betont das Skript seine Botschaften so oft, und offensichtlich, dass es zu dick aufgetragen wird. Im Zentrum der Geschichte steht weniger die gesamte Addams-Familie, als der jüngste Sohn Pugsley, dessen Mazurka unmittelbar bevorsteht. Bei der traditionellen Zeremonie muss er sich mit körperlichem Geschick und im Schwertkampf gleichermaßen beweisen und so belegen, dass er nicht nur zum Mann aufsteigt, sondern auch seine Familie beschützen könnte. Für das feierliche Ereignis kommt die gesamte Verwandtschaft bei den Addams zusammen. Doch Pugsley interessiert sich mehr für Sprengstoff, denn für Schwertkampf, und hat auch sonst mit den Vorgaben der Mazurka zu kämpfen. So wie auch das Publikum, dem die Zeremonie und was Pugsley leisten muss, nie erklärt werden.

In Margaux Needler findet Die Addams Family schließlich die Bösewichtin der Geschichte. Die medienwirksame, allein erziehende Mutter steht an der Spitze einer erfolgreichen Fernsehsendung, in der sie Häuser ihren Vorstellungen nach umgestaltet. Ihr neuestes Projekt ist eine Siedlung mit 50 Häusern, die nach diesem Vorbild entstanden sind, und auf willige Käufer warten. Dass diese Community „Assimilierung“ genannt wird, ist gelinde gesagt ebenso wenig subtil, wie alle anderen Elemente der Geschichte. Doch droht Needlers Plan zu platzen, als sich der Nebel lichtet und die Siedlung urplötzlich das abgewrackte Schreckensschloss der Addams vor ihrer Haustüre erblickt. Darum macht Margaux gegen die Addams mobil und wider Erwarten verbergen sich hier die beiden besten Elemente des Films.

Da ist zum einen Margaux selbst, die stets davon spricht, ein Heim für alle Menschen erschaffen zu wollen, und der es dabei doch nur darum geht, dass alle das tun und so leben, wie sie es will. Dass sie mit einer prominenten, blonden Fönwelle als Frisur ausgestattet ist, doch stark an Comic-Zeichnungen bestimmter US-Präsidenten erinnert, unterstreicht nur noch mehr, wie sie mit Hilfe von Sozialen Medien die Gesellschaft systematisch spaltet. Wenn sich die modernen Vorstadtbürgerinnen und -bürger mit einer Mob-App bewaffnen und auf ihren Handys die Fackeln zu den Addams tragen, unterstreicht das Sinnbild gekonnt, dass der in Sozialen Medien heraufbeschworene Mob nicht weniger oder weniger gefährlich ist, als der Mob von einst, mit Mistgabeln und Fackeln.

Doch diese wenigen Pluspunkte treten nicht nur hinter den vorhersehbaren und müden Gags der übrigen Geschichte, sondern vor allem hinter der Machart zurück. Sieht man Die Addams Family, kann man sich kaum vorstellen, dass dies ein Animationsfilm im Jahr 2019 sein soll. Während manche Elemente wie Spiegelungen oder Tiefeneffekt durchaus ordentlich aussehen, sind die Oberflächen und Figuren so plump und texturlos, dass es den Anschein hat, man würde eine billigst produzierte Episode einer Kinderkanalserie sehen. Wenn schon die Geschichte nicht, kann hier nicht einmal die Technik begeistern. Schade.


Fazit:
Dass die große Wendung bei Pugsleys Mazurka unterstreicht, dass man sich seiner Talente und Stärken besinnen sollte, anstatt Traditionen bis zur Selbstaufgabe verhaftet zu bleiben, überrascht nicht, stellt jedoch zumindest eine weitere Aussage dar. Zusätzlich zu derjenigen, die so oft vorgebracht wird, und nach der die Sonderlinge die „Normalen“ sind, während die „Normalen“ mit ihrem Blick auf die Welt die Bösen darstellen. Auch, dass Konformität immer eine Aufgabe der Individualität darstellt, wird deutlich, wenn auch dem Zielpublikum vorenthalten bleiben. Die vielen Punkte unterstreichen, wie fahrig und wenig fokussiert die Geschichte mit allerlei Nebenhandlungen ist. Ob wenigstens ganz junge Zuschauerinnen und Zuschauer unterhalten werden, kann man zumindest hoffen. Wirklich lustig ist diese Komödie nur selten und auf einem tricktechnischen Niveau erzählt, das direkt aus der Gruft zu stammen scheint. Wäre Die Addams Family eine Videoproduktion oder würde unmittelbar bei einem Streaming-Dienst Premiere feiern, könnte man all diese Punkte zumindest insoweit verschmerzen, dass Greg Tiernans und Conrad Vernon nie vollkommen langweilig ist. Doch auf der großen Leinwand ist das nicht nur in Anbetracht der Konkurrenz bei den vorgenannten Medien, merklich zu wenig. Da helfen auch die wenigen guten Ideen nicht.
 


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