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Dead Man Down [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. Februar 2014
Genre: Drama / Thriller / Liebesfilm

Originaltitel: Dead Man Down
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Niels Arden Oplev
Musik: Jacob Groth
Darsteller: Colin Farrell, Noomi Rapace, Terrence Howard, Dominic Cooper, Isabelle Huppert, Luis Da Silva Jr. , Stu Bennett, Franky G, Declan Mulvey, John Cenatiempo, F. Murray Abraham, Armand Assante


Kurzinhalt:
Sie wohnen sich schon lange gegenüber, doch erst nachdem Beatrice (Noomi Rapace) Victor (Colin Farrell) eine Nachricht mit ihrer Telefonnummer in den Briefkasten gelegt hat, knüpfen sie Kontakt. Nach dem gemeinsamen Abendessen erzählt sie ihm, weshalb sie sich an ihn wendet: Er soll für sie den Mann töten, der für die Narben in ihrem Gesicht verantwortlich ist. Dass er dies kann, weiß sie bereits, sie hat ihn dabei mit ihrem Handy gefilmt. Tut er es nicht, liefert sie ihn der Polizei aus.
Unterdessen erhält der Gangster Alphonse (Terrence Howard) seit Monaten seltsame Drohungen. In den Briefen liegen Puzzleteile eines Bildes, dessen Figuren er noch nicht ausmachen kann. Um in der Organisation aufzusteigen, macht sich Darcy (Dominic Cooper) daran, herauszufinden, wer die Briefe versendet. Dabei ahnt der junge Familienvater nicht, wem er versucht, auf die Schliche zu kommen ...


Kritik:
Es ist eine Mischung aus unvorstellbarer Wut und unüberwindbarer Trauer, welche die zwei Hauptcharaktere in Dead Man Down zusammenführt. Aber auch wenn sich beide einreden, dass dies das Einzige wäre, was sie verbindet, täuschen sie sich darin. Bei der behutsam erzählten Lovestory beweist Regisseur Niels Arden Oplev ebenso viel Gespür, wie beim Thrillerelement. Trotz des ruhigen Erzähltempos bildet er zum explosiven Finale ein Momentum, das durchaus überrascht.

Welche Wendungen das Drehbuch von J.H. Wyman auf dem Weg dorthin bereithält, hängt ganz entscheidend davon ab, wie viel man vorab über den Inhalt des Films erfahren hat. Auch wenn der eher durchschnittliche Trailer einige Schlüsselelemente zu verraten scheint, er lockt einen in mehreren Punkten bewusst auf eine falsche Fährte, so dass Dead Man Down dem bekannten Konzept des Rachethrillers ein paar ungewohnte Aspekte abgewinnen kann.

Der Film setzt ein, als der Gangster Alphonse Hoyt einen weiteren Brief erhält. Neben ominösen Drohungen, findet er darin immer wieder Bilder, bei deren Personen die Augen ausgekratzt sind, und seit neuestem einzelne Bildschnipsel, die er nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen kann. Sein Vertrauter Paul, der den Urheber der Sendungen ausfindig machen sollte, wird währenddessen erdrosselt in seinem Keller aufgefunden. Die Drohungen enden auch nicht, nachdem Alphonse einen rivalisierenden Gangster erschießt, sehr zum Missfallen des Kopfs der Verbrecherorganisation.
Unterdessen kommt die nach einem Autounfall gezeichnete Beatrice ihrem Nachbarn Victor vom gegenüberliegenden Wohnhaus näher. Dabei verfolgt sie einen Plan: Sie hat mit ihrem Handy aufgezeichnet, wie Victor jemanden ermordet hat. Damit sie ihn nicht bei der Polizei anzeigt, soll er für sie den Fahrer des Wagens töten, der für ihre Narben verantwortlich und so gut wie straffrei ausgegangen ist.

Es ist nicht, dass die Geschichte selbst unvorhersehbar wäre, ganz im Gegenteil, sobald man die grundlegende Ausgangslage einmal durchschaut hat, kann man die groben Züge der Story absehen. Nur nutzt Regisseur Oplev diesen Umstand, um die Beziehung zwischen seinen Figuren auf unbekannte Weise voran zu bringen. Dass die beiden Storyfäden zusammenhängen, dürfte keinen Zuschauer überraschen. Auch nicht, dass Beatrice und Victor ihre Gefühle füreinander entdecken. Doch macht es sich das Drehbuch nicht so einfach. Dead Man Down beobachtet Victor bei seiner langen Vorbereitung. An Fahrt gewinnt die Erzählung allerdings erst, als sein Plan nicht aufgeht, sondern er improvisieren muss.

Colin Farrell und Noomi Rapace ergänzen sich ausgesprochen gut. Während er für die Trauer steht, verkörpert sie einen brodelnden Zorn, bis sich diese Lage ins Gegenteil verkehrt. In ihren ruhigen gemeinsamen Momenten verraten sie durch Mimik und Gestik mehr, als durch ewig lange Monologe. Sie tasten sich merklich aneinander heran, beide aus Angst, dass sie ihre Deckung verlieren, oder was sie beim anderen herausfinden könnten.
Als Bösewicht macht Terrence Howard eine unerwartet gute Figur. Zu sehen, wie er angesichts von Armand Assantes Präsenz merklich unsicherer und kleiner wird, ist für sich genommen schon sehenswert. Doch der nächtliche Dialog im leeren Bürogebäude, bei dem nicht klar ist, wer wie viel wovon bereits weiß, lebt von seinem Spiel und zählt zu den Höhepunkten des Films.

Eingefangen in erstklassige Bilder, die durch ihre Kompositionen, die Farbgebung und die Perspektiven das Gefühlsleben der Figuren ausdrücken, richtet sich der Thriller schon thematisch an ein erwachsenes Publikum. Auch wenn die Geschichte den Kreislauf der Gewalt zum Kern hat, Dead Man Down reizt die Brutalität bei weitem nicht so stark aus, wie viele seiner Genrekollegen.


Fazit:
Wer auf den großen Knall wartet, wird beim Finale nicht enttäuscht. Optisch verpackt Regisseur Niels Arden Oplev seinen Showdown in fantastische Bilder, bei denen alles mitschwingt, was in seinen Figuren vorgeht: Anspannung, Chaos und Unsicherheit. Dank der wohlüberlegt eingesetzten Zeitlupen wirkt das opulent, aber nie weltfremd. Seine Botschaft verrät der Filmemacher jedoch zuvor, wenn Beatrice erkennen muss, dass was einem als Erlösung erscheint, sich als noch größere Bürde herausstellen kann.
Von allen Beteiligten vielschichtig gespielt, ist der Film weniger durch die Geschichte, als durch die Tatsache, wie sie dargebracht wird, überraschend anspruchsvoll. Das ist zwar nie langweilig, aber nicht so packend erzählt, wie man erwarten würde. Dafür, mit dem Schwerpunkt auf dem Drama, ist Dead Man Down ein toll gespieltes, düsteres, aber nicht hoffnungsloses Thrillerdrama.


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