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Christopher Robin [2018]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Juli 2018
Genre: Komödie / Animation

Originaltitel: Christopher Robin
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Marc Forster
Musik: Jon Brion
Darsteller: Ewan McGregor, Hayley Atwell, Bronte Carmichael, Mark Gatiss, Oliver Ford Davies, Orton O'Brien, Katy Carmichael, Tristan Sturrock, Jim Cummings, Brad Garrett, Nick Mohammed, Peter Capaldi, Sophie Okonedo, Sara Sheen, Toby Jones


Kurzinhalt:

Wie alle Kinder, muss auch Christopher Robin (Orton O'Brien) erwachsen werden und so verlässt er den Hundertmorgenwald und seine Freunde dort. Darunter der gemütliche Bär Winnie Puuh (Jim Cummings), der immer pessimistische Esel I‑Aah (Brad Garrett), das ängstliche Ferkel (Nick Mohammed) sowie der abenteuerlustige Tigger und die anderen Wesen an diesem besonderen Ort. Es vergehen viele Jahre, in denen Christopher (Ewan McGregor) Evelyn (Hayley Atwell) heiratet und sie ihre Tochter Madeline (Bronte Carmichael) bekommen. Christopher arbeitet für Giles Winslow (Mark Gatiss) in einer Fabrik von dessen Vater. Doch nach dem Krieg laufen die Geschäfte schlecht und Christopher soll Kosten sparen. In seinem Dilemma sagt er sogar das gemeinsame Familienwochenende ab und bleibt allein zuhause – bis unvermittelt Winnie Puuh vor ihm steht. Der bittet Christopher, nach seinen verschwundenen Freunden zu suchen und stürzt das Leben des inzwischen erwachsenen Mannes zunehmend ins Chaos …


Kritik:
Es sind Lebensweisheiten wie „Mein Lieblingstag ist ‚heute‘“, die Winnie Puuh, den tapsigen, etwas vergesslichen Bären so unvergleichlich machen. In Marc Forsters Christopher Robin feiert die Figur, die als Pu der Bär vor über 90 Jahren in einem Kinderbuch das Licht der Welt erblickte, aber von Walt Disneys Adaption in Animations(kurz)filmen maßgeblich geprägt wurde, ihren Realfilm-Leinwandeinstand. Herausgekommen ist ein Familienabenteuer mit so viel Herz, dass es auch den mürrischsten Menschen im Publikum zum Lächeln bringen sollte.

Zu Beginn der Geschichte erlebt der junge Christopher Robin bei Winnie Puuh und dessen Freunden I‑Aah, Ferkel, Tigger, Hase und Eule im Hundertmorgenwald allerlei Abenteuer und kämpft gegen die furchteinflößenden Heffalumps. Doch eines Tages muss Christopher den Wald verlassen, wobei er gleichzeitig seine Kindheit in gewisser Weise zurücklässt. Der Vorspann von Christopher Robin erzählt von dessen Stationen in seinem Leben, wie er seine Frau Evelyn kennenlernt, als Soldat in den Krieg ziehen muss, seine Tochter Madeline geboren wird und Christopher später in einer Firma Fuß fasst, die Koffer herstellt. Unterteilt in einzelne Kapitel und illustriert wie ein Kinderbuch, erschafft Filmemacher Marc Forster einen einzigartigen Look und eine Atmosphäre, die etwas Wohliges, Heimeliges ausstrahlt.

Dies gelingt ihm auch bei den animierten Figuren: Vom ersten Moment an, dass man Winnie Puuh und seine Freunde im Hundertmorgenwald sieht, zaubern einem diese ein Lächeln ins Gesicht, das bis zum Abspann dort bleiben wird. Sie alle sehen aus wie zum Leben erweckte Stofftiere, knuddelig und fluffig, eine Gemütlichkeit ausstrahlend, zu der auch Details wie eine erkennbare Naht oder die etwas unbeholfenen Bewegungen (die Gliedmaßen haben ja keine Gelenke) immens beitragen. Das Aussehen der Figuren ist schlicht fantastisch. Obwohl sie selbst im Gegensatz zu Christopher Robin nicht altern, geht die Zeit nicht spurlos an ihnen vorbei.

Als Erwachsener sieht sich Christopher einem Dilemma gegenüber: Die Firma, für die er arbeitet, hat nach dem Krieg mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen und auf Geheiß des fiesen Sohns des Firmeninhabers, Giles Winslow, soll er Kosten sparen und dabei im Idealfall Personal abbauen. Christopher ist so gefangen in dem alltäglichen Hamsterrad, dass er gar nicht bemerkt, wie sehr seine Abwesenheit seiner Familie, allen voran seiner Tochter – die er nicht einmal hatte aufwachsen sehen während seiner Zeit im Krieg –, zusetzt. Fragt er sie eines abends, ob sie statt zu Spielen, nichts sinnvolles tun möchte, wie Lesen, dann merkt er gar nicht, dass er ihr damit die unbeschwerte Kindheit verwehrt, die er selbst bei Puuh genossen hatte. Es ist gar nicht seine Absicht, sondern vielmehr, wie man wird, wenn man erwachsen wird.
Kommt also Winnie Puuh, dessen Freunde eines Tages spurlos verschwunden sind, in die wirkliche Welt, gar nicht wissend, wie er das angestellt hat, und bittet Christopher Robin um Hilfe, dann weiß man nicht, ob er nicht vielmehr zu Christophers Rettung dort ist.

Die Welt durch Winnie Puuhs Augen zu sehen ist, als würde man eine ganz andere Welt erleben, eine, in der scheinbar komplexe und unlösbare Probleme ganz einfach werden, wenn man den Blickwinkel verändert. Er ist mit einfachen Dingen zufrieden und erkennt das Schöne, mit dem man sich selbst nicht beschäftigt, weil es alltäglich geworden ist. Christopher Robin ist ein schönes und treffendes Plädoyer dafür, dass man nicht nur einmal im Leben Kind sein darf und sein sollte, sondern sich seine verspielte Natur erhalten muss. Diese Aussage ist nicht neu und kürzlich in vielen Familienfilmen zu hören gewesen. Aber das macht sie nicht weniger richtig und Regisseur Marc Forster bringt sie gekonnt zur Geltung.
Mit einfachen Fragen bringen Puuh und seine Freunde Christopher mitunter in Verlegenheit, wie ob seine Tochter wichtiger wäre als seine Aktentasche, die er immer bei sich trägt und wenn ja, weshalb sie dann nicht bei ihm ist, nimmt vor allem älteren Zusehern und ihren alltäglichen Begründungen den Wind aus den Segeln.

Zugegeben, die Geschichte, wie Christopher zurück in den Hundertmorgenwald kommt und dort entdeckt, was er beim Erwachsenwerden verloren hat, ist freilich nicht überraschend oder unvorhersehbar. Unerwartet ist allerdings, wie unvermittelt und persönlich sie auch und vielleicht insbesondere das erwachsene Publikum anspricht. Von Herzen kommend, strahlt Christopher Robin eine Wärme aus, die greifbar ist und sieht man, wie die scheinbar simplen Lebensweisheiten von Puuh doch das Wichtigste und Wahre im Leben auf den Punkt bringen, dann kann man irgendwann nicht mehr anders, als ihm einfach zuzustimmen.


Fazit:
Sieht man den erwachsenen Christopher Robin, der bereit ist, ein Wochenende mit seiner Familie zu opfern, weil die Arbeit es eben verlangt, dann werden sich nicht wenige ältere Zuseherinnen und Zuseher darin wiederkennen. Insgesamt hält das moderne Märchen für Erwachsene mehr Botschaften bereit, als für Kinder. Gerade die heute so wichtigen Botschaften – ob altbekannt oder nicht – machen Christopher Robin zu einem wundervoll charmanten und herzerwärmenden Wiedersehen mit Winnie Puuh und seinen Freunden.Eine weitere Weisheit von ihm lautet, „Ein Tag ohne einen Freund ist wie ein Topf ohne einen einzigen Tropfen Honig darin“. Zeit mit diesen Figuren zu verbringen ist, als würde man seinen persönlichen Akku wieder aufladen können. Entsprechend macht dies Marc Forsters sehenswerten Familienfilm gewissermaßen zu einem großen Topf, randvoll gefüllt mit dem leckersten Honig. Das ist einfach schön, auf eine unaufgeregte Weise berührend und gerade in unserer heutigen Zeit so lehrreich wie wertvoll.
 


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