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Children of Men [2006]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. März 2009
Genre: Science Fiction / Drama

Originaltitel: Children of Men
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: Japan / Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Alfonso Cuarón
Musik: John Tavener
Darsteller: Clive Owen, Michael Caine, Julianne Moore, Pam Ferris, Clare-Hope Ashitey, Charlie Hunnam, Tehmina Sunny, Chiwetel Ejiofor, Danny Huston, Peter Mullan, Philippa Urquhart


Kurzinhalt:
Das Jahr 2027. Seit 18 Jahren wurde kein Kind auf der Welt mehr geboren – weswegen Frauen unfruchtbar geworden sind, ist nicht bekannt. Seither versinkt die Welt im Chaos, während im Fernsehen Werbespots für Suizid-Methoden gezeigt werden. Das letzte Land, in dem die Regierung noch nicht zusammen gebrochen ist, ist Großbritannien. Gegen illegale Einwanderer wird rigoros vorgegangen und die Entdeckten in Lagern zusammengepfercht. In dem entstandenen totalitären Polizeistaat herrscht ebenso ein Würgegriff, wie die Anarchie außerhalb der Einsatzgebiete der Polizei. Als Theo (Clive Owen) von seiner ehemaligen Frau Julian (Julianne Moore) um einen Gefallen gebeten wird, ahnt er bereits, dass die für den Untergrund arbeitende Anführerin des Widerstands gegen die Staatsgewalt Unmögliches von ihm verlangen wird.
Doch wie er feststellen muss, ist selbst der Untergrund in Splittergruppen gespalten. Theo soll Kee (Clare-Hope Ashitey) und ihre Begleiterin Miriam (Pam Ferris) zu einem Boot am anderen Ende der Insel bringen. Das brisante dabei: Kee ist schwanger. Und während Theo für einen nicht begangenen Polizistenmord gesucht wird, ist auch eine Untergrundgruppe hinter Kee her. Nur mit Hilfe des verschrobenen Jasper (Michael Caine), kann die Flucht gelingen. Doch der Preis dafür ist hoch ...


Kritik:
Auch wenn es sich bei den Beschreibungen und Inhaltsangaben immer so anhört, dass in einer nicht allzu fernen Zukunft keine Kinder mehr geboren werden, darum geht es in Children of Men eigentlich nur am Rande. Auch, was für die Unfruchtbarkeit verantwortlich ist, wird nicht geklärt. Vielmehr nutzt Regisseur Alfonso Cuarón diese Ausgangslage, um daraus eine Zukunftsvision einer desolaten Gesellschaft zu entwerfen, die im Gegensatz zu Der Blade Runner [1982] nicht stilisiert erscheint und in der die Menschen nicht zu fernen Planeten aufgebrochen sind, sondern die grundsätzlich unserer jetzigen Zeit sehr entspricht. Mit der Ausnahme, dass die Welt gebrochen, schmutzig und schäbig geworden ist.
Die Ausgangslage ist ebenso bedrückend, wie die Aussage des Science Fiction-Dramas. Dies umso mehr, als dass man sich dank der exzellenten Umsetzung an der Seite der Figuren in einer Zeit fühlt, in der nichts richtig erscheint.

Die Geschichte folgt dem grundsätzlich sympathischen Theo Faron, der im ganzen Film nie eine Handfeuerwaffe abfeuert und vom ersten Moment an immer dabei ist das zu tun, was ihm aufgetragen wird. Seine bedrückende Vergangenheit wird dabei erst im Verlauf der knapp zwei Stunden geklärt, in denen man seine Motivation und sein Ziel besser vorgestellt bekommt. Überraschend ist hierbei, wie es dem Drehbuch gelingt, den Figuren trotz ihrer Hoffnungslosigkeit auf eine bessere Zukunft nichtsdestotrotz eine wissende Aura zu verleihen, dass die Welt nicht so sein müsste, wie sie ist.
Exzellent gespielt von Clive Owen, der mit wenigen Worten und einer eindrucksvollen Mimik Theo zum Leben erweckt, folgt man ihm als Zuschauer bereitwillig bei seiner Odyssee durch eine Welt, die einem Alptraum entsprungen scheint. So kommt man wie er aus dem ungläubigen Staunen nicht heraus, wenn man bekannte Umgebungen mit ungewohnten Verfremdungen wahrnimmt, sich Parallelen aus der Behandlung der illegalen Einwanderer mit den Konzentrationslagern im Dritten Reich offenbaren und die Menschen ihre Umgebung dennoch akzeptieren – anstatt sich mit jeder Faser ihres Körpers dagegen aufzulehnen.
Die Entdeckungen, die Theo und Kee dabei machen, sind ebenso schockierend wie die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Erschreckender wird das umso mehr dadurch, dass Children of Men nicht nur mit real wirkenden Sets und Bauten ausgestattet ist, sondern mit einer ebenso packenden Inszenierung. Minutenlange Kamerafahrten wie diejenige beim Angriff auf das Fluchtfahrzeug, der Geburt oder dem Finale, das einer Kriegszone gleicht, fallen zwar vielen Zuschauern nicht auf, lassen einen aber gerade auf Grund ihrer Gestaltung nicht los. Man hat als Zuseher keine Zeit zum Durchatmen und wird von einer Notlage zur nächsten gejagt. Auch bietet sich keine Zeit, sich an jene Umgebung zu gewöhnen oder anhand der Bilder abzustumpfen; in kürzester Zeit erfolgt eine tragischerweise logische Steigerung dessen, was man gerade erst zu sehen bekam. Das zermürbt auf Dauer das Publikum ebenso sehr wie die Hauptakteure, die allesamt hervorragende Arbeit leisten.

Dass Michael Caine seine Rolle an Sänger John Lennon anlehnte, ist offensichtlich zu sehen und auch die Auftritte von Julianne Moore unterstreicht die Darstellerin mit einer Dringlichkeit, dass kein Zweifel an der Notwendigkeit ihrer Handlungen besteht.

Als zukünftige Mutter und Sinnbild der Hoffnung in einer verzweifelten Welt kommt Clare-Hope Ashitey eine besondere Rolle zu, die sie aber ebenso gekonnt meistert, wie Pam Ferris oder der charismatische Chiwetel Ejiofor. Sie alle erwecken eine schmutzige Zukunftsvision zum Leben, über die man an sich nicht zu viel verraten darf, um die Überraschungen nicht vorweg zu nehmen. Dabei ist jeder einzelne Moment, jedes Graffiti im Hintergrund mit so vielen Informationen und Details versehen, dass man das Drama mehrmals ansehen muss, um es vollends zu verstehen..
Cuarón gelingt mit Children of Men mehr als nur ein erstklassiger Film, er ist vielmehr ein wichtiger Beitrag dafür, dass die Zukunft nicht wartet. Und wer nicht mitgestaltet, der lässt zu, dass sei kaputt gemacht wird. Der Verlust der Kinder in der Geschichte ist dafür ein Sinnbild. Mit ihnen ist die Hoffnung in der Welt verschwunden. Hoffnung darauf, dass es besser wird, dass sich etwas ändert. In einem Dialog wird festgehalten, dass bereits davor in der Welt vieles schief gelaufen war. Doch erst mit der Aussicht auf das Leben eines neuen Kindes in ihrer Mitte schöpfen die Menschen wieder Hoffnung, dass die Welt nicht so bleiben muss, wie sie jetzt ist. Schon deswegen sorgt die Szene, in der Kee und Theo das beschossene Hochhaus verlassen wortlos für Gänsehaut beim Zuschauer.
Wer sich hierfür Zeit nimmt, wird verstehen, weswegen man die Zukunftsgestaltung nicht jemand anders überlassen kann. Denn dann könnte es genau so enden.


Fazit:
Bekannte Umgebungen zu sehen, die dennoch verfälscht werden oder Bilder, die heutzutage in den Nachrichten schockieren in Children of Men als alltäglich vorzufinden, all das sorgt dafür, dass man als Zuschauer innerlich rebelliert. Und das von der ersten Minute an.
Alfonso Cuarón gelingt ein beklemmendes Drama, das die Zuschauer vom ersten Moment an in den Bann zieht und handwerklich so realistisch gestaltet ist, dass man die anspruchsvollen Einstellungen und die hervorragend choreografierten Kamerafahrten erst wahrnimmt, wenn sie schon vorbei sind. Ebenso bleibt man durchweg fasziniert von jener fremdartig vertrauten Welt und muss mit Schrecken erkennen, wie wenig uns heute davon trennt.
Beängstigend.


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