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Cast Away - Verschollen [2000]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Dezember 2009
Genre: Drama / Unterhaltung

Originaltitel: Cast Away
Laufzeit: 137 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Zemeckis
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Tom Hanks, Helen Hunt, Nick Searcy, Chris Noth, Lari White, Michael Forest, David Allen Brooks


Kurzinhalt:
Als sich Chuck Noland (Tom Hanks) von seiner Lebenspartnerin Kelly (Helen Hunt) verabschiedet, meint er noch, er käme gleich zurück. Der FedEx-Mitarbeiter jettet rund um die Welt von einem Termin zum nächsten. Wann er mit Kelly Weihnachten nachholen wird, muss er erst in seinem Terminkalender nachsehen. So bleibt auch keine Zeit, Kelly das kleine Schächtelchen ansprechend zu übergeben, das ihre Zukunft auf einen neuen Weg bringt. Selbst diese Geste wird gehetzt abgespult.
Doch dann stürzt Chucks Flugzeug hunderte Meilen abseits vom Kurs ins Meer. Chuck überlebt als einziger und wacht am Strand einer einsamen Insel auf. Auf sich allein gestellt, beginnt für ihn ein Kampf ums Überleben. Dabei bleibt ihm als einziger Grund zum Weitermachen die Gewissheit, dass Kelly irgendwo auf ihn wartet.


Kritik:
Wie würde sich ein Mensch behaupten, wenn ihm von einem Moment auf den anderen alle Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation genommen würden? Ohne fließend warmes Wasser, Elektrizität, Feuer auf Knopfdruck oder Kommunikation. Nach einem Flugzeugabsturz strandet Chuck Noland auf einer verlassenen Insel mitten im Nirgendwo. Bislang wurde sein Leben von einem geschäftlichen Termin und dem nächsten diktiert, sein Alltag hektisch gestaltet, ohne dass er das gemerkt hätte. Als Mitarbeiter des Express-Lieferdienstes FedEx arbeitete immer mit dem Blick auf die Uhr. Dann sieht er sich unvermittelt einem Kampf ums persönliche Überleben entgegen und wird dadurch verständlicherweise schnell an seine Grenzen gebracht.
Chuck Noland scheint einem dabei schon von der ersten Begegnung wie einer von vielen, denen wir jeden Tag begegnen – und sei es vor dem Spiegel. Sein nicht unsympathisches Auftreten scheint von einer inneren Unruhe und einer ihm auferlegten Eile übertönt, an die er sich aber schon so sehr gewöhnt hat, dass sie ein Teil seines Wesens geworden ist. Umso abrupter ist für ihn der Wechsel in eine Welt der Stille, in die er nach dem Flugzeugunglück stürzt. Auf sich allein gestellt gilt es für ihn nicht nur, zu überleben, was mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist. Vielmehr muss er sich irgendwann entscheiden, ob er sein Leben auf sich allein gestellt fristen möchte, oder sich der Gefahr aussetzt und auf dem offenen Meer sein Glück versucht.

Für Hauptdarsteller Tom Hanks war Cast Away eine ebenso große Herausforderung wie für Regisseur Robert Zemeckis, dessen Handschrift insbesondere in der ersten Filmhälfte zu spüren ist. Mit interessanten Perspektiven und langen Einstellungen beschreibt er dabei gekonnt Chucks neuen Lebensrhythmus. Gleichzeitig zeigt er in ausdrucksstarken Bildern die Schönheit jener unberührten Natur, ohne ihre Herausforderungen zu verbergen. Hanks obliegt dabei nicht nur die fordernde Aufgabe, über die Hälfte des Films allein vor der Kamera zu agieren, vielmehr musste er in einer beinahe ein Jahr dauernden Drehpause auch eine körperliche Veränderung durchmachen, um die lange Zeit auf der Insel sicht- und spürbar werden zu lassen. Der mimische Kraftakt ist dabei vielleicht noch beeindruckender und sorgt dafür, dass Cast Away auch 10 Jahre nach Kinoveröffentlichung zu den sehenswertesten Filmen jener Zeit gehört.
Die subtile Bildersprache bleibt dem ungewöhnlichen Drama auch in der zweiten Filmhälfte erhalten, die mimisch nicht weniger eindrucksvoll ist. Allerdings leidet gerade das letzte Drittel durch einige Entscheidungen beim Drehbuch, die auch beim wiederholten Ansehen nicht verständlicher werden. So sticht eine einzige Szene hervor, die nicht aus Chucks Sicht erzählt wird. Und auch die Wahl der Filmemacher, Chucks Partnerin Kelly wieder mit einzubinden, scheint nicht wirklich sinnvoll. Helen Hunt verkörpert die undankbare Rolle zwar routiniert, doch gelingt es auch ihr nicht, Kelly im Nachhinein für die Zuschauer greifbar zu machen. Ein Dialog macht dies zusätzlich sehr schwierig. Die Aussage von Cast Away kommt am Ende zwar nicht überraschend und man erfährt auch glücklicherweise nicht, was sich denn in jenem Paket verbirgt, das Chuck bis zum Schluss hütete, doch hätte man den letzten Akt des ergreifenden Überlebenskampfes gänzlich anders gestalten und damit auch merklich straffen können.

Dem routinierten Team vor und hinter der Kamera gelingt allerdings eine packende und in dieser Art einzigartige Geschichte, die gleichzeitig Einblick in den Charakter Chuck Nolands bietet. Dass ein jeder sich dabei angesprochen fühlen sollte, überrascht nicht. Die Umsetzung allerdings bleibt mit ungewohnten und mutigen Entscheidungen der Filmemacher in Erinnerung wie einem Protagonisten, der einen Großteil des Films allein vor der Kamera zu sehen ist, oder einer emotionalen, musikalischen Untermalung durch Komponist Alan Silvestri, die erst mehr als eineinhalb Stunden nach Filmbeginn einsetzt. Bedauerlich ist dabei, dass das letzte Drittel mit Storywendungen aufwartet, die nicht schlüssig erscheinen und manchen Figuren unverständliche Züge hinzufügen.
Doch das mindert nicht die Leistungen der Beteiligten, die mit Cast Away einen sehenswerten Blick auf eine Figur werfen, in der ein jeder einen Teil von sich selbst wiederfindet.


Fazit:
Der Überlebenskampf Chuck Nolands auf der verlassenen Insel wird für Tom Hanks zu einer Tour de Force, die ergreifender kaum verkörpert werden kann. Sein Bemühen, einen Weg mit der Natur zu finden und sich gleichzeitig seine Menschlichkeit zu bewahren, ist beeindruckend und sehenswert. Regisseur Robert Zemeckis fängt das in ebenso schönen wie ausdrucksstarken Bildern ein, verliert aber dabei nie seine Hauptfigur aus dem Blick.
Nur das letzte Drittel von Cast Away enttäuscht mit einer Auflösung, die überraschend flach ausfällt und gleichzeitig die Sympathie von Charakteren ins Negative verändert. Das mag als emotional packend gedacht worden sein, verfehlt hier aber seine Wirkung. Wer sich damit abfindet, findet in Verschollen ein Überlebensdrama, das so kein zweites Mal erzählt wird und mit dem Tom Hanks beweist, weswegen er einer der vielseitigsten und besten Schauspieler unserer Zeit ist.


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