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Captain America: The First Avenger [2011]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Februar 2012
Genre: Action / Science Fiction / Fantasy

Originaltitel: Captain America: The First Avenger
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Joe Johnston
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Chris Evans, Hayley Atwell, Sebastian Stan, Tommy Lee Jones, Hugo Weaving, Dominic Cooper, Richard Armitage, Stanley Tucci, Toby Jones, Neal McDonough, Derek Luke, Kenneth Choi, JJ Feild, Bruno Ricci, Lex Shrapnel, Natalie Dormer


Kurzinhalt:
1942, als sich die USA stärker im Zweiten Weltkrieg in Europa engagieren, möchte Steve Rogers (Chris Evans) nichts mehr, als seinem Land dienen. Doch seine Statur und seine gesundheitlichen Probleme sorgen dafür, dass er für untauglich eingestuft wird. Allerdings wird der Arzt Dr. Erskine (Stanley Tucci) auf ihn aufmerksam und erkennt in ihm Mut und Tapferkeit – Qualitäten, die einen Soldaten ebenso auszeichnen sollen. Er rekrutiert Rogers für ein geheimes Projekt, bei dem auch Howard Stark (Dominic Cooper) mitwirkt. Nach einer speziellen Behandlung erhält Colonel Phillips (Tommy Lee Jones) in Rogers seinen Supersoldaten. Doch statt ihn bei den Kämpfen einzusetzen, muss Rogers als Captain America durch die USA ziehen, und die Zivilbevölkerung motivieren.
Bei einem Auftritt in Italien an vorderster Front, erfährt er davon, dass sein bester Freund 'Bucky' (Sebastian Stan) in Gefangenschaft geraten ist. Mit Hilfe von Peggy Carter (Hayley Atwell) begibt sich Rogers auf eine hoffnungslose Mission und dringt in eine Anlage von Johann Schmidts (Hugo Weaving) Hydra-Division ein. Dort hat der größenwahnsinnige Schmidt mit Hilfe von Dr. Zola (Toby Jones) nicht nur eine unbegrenzte Energiequelle angezapft, sondern seine Truppen mit verheerenden Waffen ausgestattet. Als Phillips die Ausmaße der Bedrohung klar werden, und was es für den Verlauf des Krieges bedeuten könnte, scheint Captain America die einzige Hoffnung zu sein ...


Kritik:
Hat man zu Beginn von Captain America noch das Gefühl, die Filmemacher wollten eine eigenständige Geschichte mit einer treffenden Aussage erzählen, führt die gehetzte zweite Hälfte zum eigentlichen Sinn des Superheldenabenteuers. Captain America: The First Avenger ist die letzte Überleitung zu The Avengers [2012], dem Comichelden-Treffen des Marvel-Universums, bei dem nicht nur Steve Rogers alias Captain America vertreten sein wird, sondern Thor, Hulk, Iron Man und weitere bereits vorgestellte Helden. Obgleich der nach einer speziellen Behandlung zum Supersoldaten gewordene Rogers der erste einer Reihe von Helden war, ist es die letzte Verfilmung, die gleichzeitig mit den übrigen Filmen des Franchise verzahnt ist. Das Bedauerliche daran ist, dass bis zum ersten Feldeinsatz von Captain America sein Werdegang durchaus überzeugen kann. Was danach geschieht ist jedoch künstlich so abstrus gehalten, dass die Anspielung von Regisseur Joe Johnston auf Indiana Jones (wenn der Bösewicht behauptet, "Der Führer gräbt in der Wüste nach wertlosen Dingen") beinahe schon blasphemisch erscheint.

Die Geschichte stellt uns zu Beginn den schmächtigen Steve Rogers vor, der trotz seines schmalen Körperbaus und seiner gesundheitlichen Einschränkungen an die vorderste Front des Zweiten Weltkrieges möchte. Es ist das Jahr 1942, und nachdem er seine Eltern verloren und sein bester Freund seinen Marschbefehl erhalten hat, wäre Steve bereit, alles zu tun, um seinem Land zu dienen. Diese Aufopferungsbereitschaft entdeckt Dr. Erskine (charismatisch gespielt von Stanley Tucci), der für das US-Militär an einem Geheimprojekt arbeitet. Er rekrutiert Rogers und macht ihn mittels einer speziellen Behandlung zu einem Supersoldaten, der mehr Kraft besitzt, bessere Reflexe und trotzdem das gute Herz des schmächtigen jungen Mannes. Für Colonel Phillips ist er dennoch nicht tauglich für den Dienst und so verrichtet Rogers als Captain America Publicity-Arbeit in den USA, um die Menschen im Land zu ermutigen. Nur als er bei den Soldaten an der Front ist gelingt ihm das nicht.
Auch wenn wir bis dahin bereits den überzeichneten Bösewicht des Films, Johann Schmidt, genannt Red Skull ("Roter Totenschädel"), kennen gelernt haben, erst wenn sich Captain America auf eine ausweglose Rettungsmission begibt, um – wen sonst? – seinen besten Freund aus der Gefangenschaft von Schmidts geheimer Hydra-Division zu befreien, begibt sich der Film auf eine inhaltliche Talfahrt, welche auch die folgenden Fließbandactionszenen nicht aufhalten können. Schmidt ist böse mit einem Ziel vor Augen; er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kraft eines sagenumwobenen Kubus zu nutzen, den er in Norwegen ausfindig gemacht hat. Selbst wenn man sich in dem Comic-Universum nicht auskennt, denkt man spätestens jetzt an die Dialoge in Thor [2011], wo es heißt, dass in Asgard Magie und Wissenschaft fließend ineinander übergehen. Durch die Energie des Kubus kann Schmidt nicht nur seine Armee mit Laserwaffen ausstatten, er entwirft Panzer, die heutigen Einsatzfahrzeugen in Kriegsgebieten ähneln, und mit seinem hörigen Wissenschaftler Dr. Zola entwickelt er Kommandozentralen, die im Design an heutige Flughafentower erinnern, nur dass die Überwachungskameras ein Bild in Sepiafarben wiedergeben.

Dieser krude Mix aus verschiedenen Epochen ist in Captain America umso schlimmer, je häufiger zum Ende hin eine digitale Kamera zum Einsatz kommt, bei der die ohnehin auffälligen Spezialeffekte noch offensichtlicher werden. Wer sich beim Finale mit den gleich aussehenden, klonähnlichen Truppen Schmidts und den künstlichen Hintergründen an Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger [2002] erinnert fühlt, wird dies vermutlich nicht im Guten tun. Der herzensgute Captain America, der seinen Kummer nicht einmal in Alkohol ertränken kann, und dessen Beziehung zu Peggy Carter ohnehin, das erahnen wir schon, zum Scheitern verurteilt ist, könnte dabei durchaus überzeugen. Nur legt das Drehbuch in der zweiten Hälfte nach dem schleppenden Mittelteil gleich so viel an Tempo zu, dass nicht nur Einsätze nur angerissen werden, sondern anstatt die Infiltration einer feindlichen Basis aus Sicht von Rogers zu zeigen, prescht dieser vom Eingangstor bis zum Hangar hindurch, ohne dass je eine Bedrohung für ihn spürbar wird, oder man vom Gezeigten tatsächlich mitgerissen würde. Man könnte auch die Frage in den Raum stellen, ob das Drehbuch nach dem begleitenden Videospiel geschrieben wurde, oder umgekehrt.
Was an Potential hier vorhanden ist, wird in einem künstlichen Design-Overkill ertränkt, bei dem das Gefühl bleibt, es ginge den Machern nur darum, das letzte Puzzlestein für ihr Superhelden-Treffen zu platzieren.


Fazit:
Auch wenn die Welt vor 70 Jahren vermutlich dieselben Farben innehatte wie heute, nicht zuletzt durch Filmaufnahmen von damals bringt man diese speziellen, warmen Sepiafarben mit der damaligen Zeit in Verbindung. Zu sehen, dass Captain America zu Beginn sich hieran orientiert, ist eine Freude, und der Look ist überaus gut gelungen. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet – und mit der Entdeckung der geheimen Hydra-Fabrik zeigt sich ein tiefer Schnitt in der Erzählung – umso mehr gehen die realen Elemente in den Bildern verloren und umso mehr Spezialeffekte gesellen sich zu den Figuren.
Dass die Tricks so offensichtlich sind, schadet dem Film ebenso, wie die Tatsache, dass die zweite Hälfte von einer Actionszene zur nächsten hechtet, ohne dabei aber jeweils auf einen Aufbau, eine Steigerung und einen Abschluss zu achten. So verfliegt das Interesse, das man Steve Rogers/Captain America eingangs entgegenbringt, und auch wenn es 2011 enttäuschendere Comicverfilmungen gab, auch das Marvel-Studio hat schon deutlich bessere hervorgebracht. Für Interessenten der Avengers-Verfilmung ist dies hier zwar ein notwendiger Zwischenstopp, als mehr scheinen die Filmemacher Captain America aber auch nicht geplant zu haben.


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