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Aquaman [2018]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Dezember 2018
Genre: Fantasy / Action / Thriller

Originaltitel: Aquaman
Laufzeit: 143 min.
Produktionsland: Australien / USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: James Wan
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Jason Momoa, Amber Heard, Patrick Wilson, Willem Dafoe, Nicole Kidman, Dolph Lundgren, Yahya Abdul-Mateen II, Temuera Morrison, Ludi Lin, Michael Beach, Randall Park, Graham McTavish


Kurzinhalt:

Im Jahr 1985 rettet der Leuchtturmwärter Tom Curry (Temuera Morrison) in Amnesty Bay, Maine, eine Bewohnerin der Meere: Die Königin Atlanna (Nicole Kidman). Sie verlieben sich und einige Jahre nach Geburt ihres Sohnes Arthur (Jason Momoa) wird Atlanna gegen ihren Willen nach Atlantis zurückgeholt und dafür verurteilt, dass sie sich mit den Menschen eingelassen hat. In jungen Jahren bemerkt Arthur, dass er mit den Wesen der Meere kommunizieren kann und entdeckt unter Anleitung des Atlanten Vulko (Willem Dafoe) nach dem Wunsch seiner Mutter seine Fähigkeiten. Als Mann will Arthur von seinem königlichen Erbe nichts wissen. Sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) hingegen plant, die Menschen über dem Wasser präventiv anzugreifen und schließt deshalb ein Bündnis mit dem atlantischen König Nereus (Dolph Lundgren). Dessen Tochter Mera (Amber Heard) will allerdings einen Konflikt verhindern und wendet sich an Arthur, seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron von Atlantis einzunehmen. Dafür benötigt er jedoch den Dreizack von Atlan, der die Macht der Meere bündelt und seit Jahrhunderten verschollen ist …


Kritik:
Nicht erst, seit mit dem Marvel Cinematic Universe Comic-Verfilmungen Milliarden an Einnahmen an den Kinokassen generieren, wird, was in den Geschichten der Superhelden auf dem Spiel steht, immer noch größer. Dass die Welt gerettet werden muss, ist hier noch eine Mindestanforderung, im Idealfall steht das ganze Universum am Rande des Abgrunds. Dass solche Gefahren auch ernst erzählt werden sollten, steht außer Frage. Bei den filmischen Umsetzungen der DC Comics seit Man of Steel [2013], die vergangenes Jahr mit Wonder Woman [2017] und Justice League [2017] kaum zwei unterschiedlichere Einträge hätten vorlegen können, mündet das allzu oft in düsteren, inhaltlich gleichermaßen schweren wie krude zusammengestückelten Weltuntergangsszenarien, die vor allem eines vermissen lassen: Spaß. Selbst wenn sich die Figuren auf der Leinwand ernst nehmen und mit allerlei Technogebrabbel die Weltrettung in der allerletzten Sekunde bewerkstelligen, während sie in mitunter seltsam anmutenden Kostümen wie Gummibälle durch die Gegend hüpfen und dabei doch unverwundbar sind, wie soll das Publikum das Gezeigte für glaubwürdig erachten?

Das neuste Einzel-Abenteuer eines DC-Superhelden bringt Regisseur James Wan auf die Leinwand, der mit Saw [2004] und Conjuring - Die Heimsuchung [2013] zwei erfolgreiche Horror-Film-Reihen begründete. Es stand somit zu befürchten, dass auch dieser arg Film düster werden würde. Tatsächlich jedoch ist Aquaman einer der buntesten und leichtfüßigsten Comic-Filme der vergangenen Jahre und rückt trotz oder gerade auf Grund der inhaltlich teils absurden Ideen den Spaßfaktor zurück in den Fokus – zum Glück.

Der obligatorische Prolog erklärt, wie der Leuchtturmwärter Tom Curry auf die Königin von Atlantis, Atlanna, traf und sie sich verliebten. Ihr gemeinsamer Sohn Arthur ist der Titel gebende und bereits aus Justice League bekannte Aquaman, der im Grunde der rechtmäßige Thronfolger wäre. Sein Halbbruder Orm hat diesen Platz eingenommen und plant, den Krieg gegen die Menschen über dem Wasser zu beginnen, ehe diese zum Erstschlag ausholen. Dafür benötigt er die Unterstützung der übrigen Königreiche der einstigen Bewohner von Atlantis. Mit einer List sichert er sich die Loyalität von König Nereus, dessen Tochter Mera Arthur aufsucht, um ihn zu überzeugen, sein Geburtsrecht als König einzufordern, um einen Krieg zu verhindern.
Die Hintergrundstory um Halbgeschwister, Intrigen und Kriege klingt, als würde sich Aquaman von anderen Rittergeschichten nur dadurch unterscheiden, dass diese unter Wasser spielt. Zum großen Teil ist das auch so und bedenkt man, dass Aquamans eigentlicher Name Arthur ist und er, um sein Königreich anführen zu können, den Dreizack von Atlan benötigt, den jedoch nur derjenige in Händen zu halten vermag, der ein würdiger König ist, dann erinnert all das durchaus an Excalibur und König Artus.

Hinsichtlich der Präsentation könnten die Unterschiede dabei kaum größer sein: Eine paukenschlagende Riesenkrake, gigantische Seepferdchen und von Kriegern gerittene Kampfhaie sind nur einige wenige Beispiele, die zeigen, dass hier viel mit Fantasie gearbeitet wird. Dabei ist gerade das farbenfrohe und fantasievoll zum Leben erweckte, versunkene Atlantis eines der Highlights des Films. Dass die Bewohner hoch technologisiert sind, verstärkt den Kontrast nur noch, der sich auch im Spagat der Musik widerspiegelt: Stellenweise erweckt Aquaman den Eindruck, man würde einen Cyberpunk-Thriller à la Blade Runner [1982] sehen.
Die einzelnen Bilder sind dabei durchaus gelungen und könnten auf Grund der Farben und Perspektiven gut in einem Comic vertreten sein. Doch das täuscht nur bedingt darüber hinweg, dass der Film für diejenigen, die nicht mit der Vorlage vertraut sind, viele Lücken lässt. So wird nie erklärt, weswegen Aquaman unverwundbar ist – oder weshalb in Wans Film offensichtlich keine Knochen brechen angesichts dessen, wie der Held seine menschlichen Gegner durch die Gegend schleudert.

Wie viele Comic-Abenteuer setzt auch Aquaman zu großen Teilen auf Trickeffekte, die hier qualitativ in allen Schattierungen vertreten sind. Manche sind durchaus überzeugend, viele jedoch eher weniger, so dass nie der Verdacht entsteht, man würde reale Figuren beobachten. Und ich frage mich durchaus, ob ich in einem Superhelden-Film jemals wieder einen realen Sonnenauf- bzw. Untergang sehen werde.
Über viele dieser Kritikpunkt kann man dank der leichtfüßigen Umsetzung hinwegsehen, die auch von Hauptdarsteller Jason Momoa lebt. Doch das wiegt viele Klischees nicht auf und insbesondere die Bösewichte sind merklich blaß. Wenn sich der in einen insektenartigen Kampfanzug gekleidete Schurke vor den Held stellt und erst noch erklären muss, mit welchem Schurken-Namen man ihn anreden soll, weiß man nicht so recht, ob das als Parodie gemeint ist. Wer sich jedoch ohne nachzudenken auf ein lautes, buntes Superhelden-Abenteuer einlässt, wird auch genau das bekommen. Zuschauer/innen sollten für eine Szene während des Abspanns sitzen bleiben.


Fazit:
Für wenige Momente könnte man beinahe vermuten, dass sich die Ursprungsgeschichte von Arthur Curry aktuellen Themen wie der Umweltverschmutzung annimmt, doch diese Elemente wirken beinahe nachträglich oben aufgesetzt. Auch mit persönlichen Dilemmas hält sich der Film zurück und weiß weder mit diesen Möglichkeiten, noch den namhaften Gast-Darstellern etwas anzufangen. Der Humor soll zwar ernste Momente auflockern, wird jedoch stellenweise zum ungünstigsten Zeitpunkt eingestreut und auch die Trickeffekte sind alles andere als durchgängig überzeugend. Dafür deutet Filmemacher James Wan an, dass es in diesem Comic-Universum beispielsweise am Erdkern noch mehr zu entdecken gibt, als hier gezeigt wird. Das ist insgesamt zwar 30 Minuten zu lang und zieht sich im Mittelteil merklich; ebenso scheint der Film beinahe verkrampft darum bemüht, betont witzig, bemüht episch und ausdrücklich mystisch zu sein. Gleichzeitig nimmt sich Aquaman jedoch der absurden Gegensätze der Geschichte an und präsentiert statt einer düster-zähen Comic-Story eine bunte, wilde Achterbahnfahrt, die sich nie (zu) ernst nimmt. Das ist unterhaltsam und erfrischend – und der beste Film im neuen DC Comics-Universum nach Wonder Woman. Man sollte nur nicht zu viel nachdenken.
 


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