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Angel-A [2005]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Juli 2013
Genre: Komödie / Drama / Fantasy

Originaltitel: Angel-A
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Luc Besson
Musik: Anja Garbarek
Darsteller: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki, Serge Riaboukine, Akim Chir, Eric Balliet, Loïc Pora, Venus Boone, Jérôme Guesdon


Kurzinhalt:
Nicht einmal bei der US-Botschaft findet André (Jamel Debbouze) Unterschlupf. Der in Paris gestrandete Marokkaner mit einer amerikanischen Greencard hat sich nach eigenen Worten verkalkuliert. Sowohl bei Franck (Gilbert Melki), als auch bei Pedro (Serge Riaboukine) und wie es scheint, bei allen zwielichtigen Geldleihern der ganzen Stadt. Die wollen ihre Summen samt Zinsen wiederhaben und geben André bis Mitternacht, das Geld aufzutreiben. Ansonsten wird er den Sonnenaufgang nicht mehr sehen.
Verzweifelt stellt sich André auf eine Brücke, um in die Seine zu springen, als er neben sich eine Frau stehen sieht, die wie ein Model aussieht. Angel-A (Rie Rasmussen) hatte offensichtlich dieselbe Idee und springt vor seinen Augen. Da überkommt es André und er zieht die großgewachsene Schönheit aus dem Fluss, woraufhin sein vielleicht letzter Tag auf Erden eine ganz ungeahnte Wendung nimmt ...


Kritik:
Kaum ein französischer Filmemacher ist so beschäftigt wie Luc Besson. Dabei hat der in Paris geborene 54jährige in seiner Karriere mehr als doppelt so viel Filme geschrieben, als inszeniert. Und beinahe sechs Mal so viele produziert. Neben Filmen wie Nikita [1990], Léon - Der Profi [1994] oder Das fünfte Element [1997] finden sich in seiner Filmografie auch Werke wie Johanna von Orleans [1999] oder die Geschichte von Aung San Suu Kyi in The Lady - Ein geteiltes Herz [2011]. Das Komödiendrama Angel-A hat er dabei nicht nur selbst geschrieben, sondern siedelt es auch in seiner Geburtsstadt an, die man so aber noch nicht gesehen hat. Er erzählt von einer ungleichen Beziehung und einem jungen Mann, der sich selbst so lange belügt, dass er sich glaubt, auch wenn er daran zugrunde geht. In der Tradition des französischen Films ist das sehr dialoglastig, aber nie langweilig. Allenfalls das Ende hat einen typisch hollywood'schen Einschlag.

Wir treffen in den frühen Morgenstunden wie es scheint – wobei sich die Tageszeit in Angel-A nie genau eingrenzen lässt durch die meist tief stehende Sonne in den schwarzweißen Bildern – auf den Marokkaner André, der kurz davor steht, verprügelt zu werden. Sein Auftreten gegenüber anderen erscheint unsicher, auch wenn er sich leicht durch Bemerkungen seiner Gegenüber beeinflussen lässt. Eine ungünstige Kombination für jemanden, der sein Geld mit glücklosen Geschäften zu machen versucht und dadurch bei mehreren zwielichtigen Gestalten mit zehntausenden Euro in der Kreide steht. Da sie alle ihre Anteile zurückverlangen, sieht André keinen Ausweg mehr und entschließt, seinem Leben durch einen Sprung in die Seine in Ende zu setzen. Aber auf derselben Brücke, nur einen Pfeiler weiter, steht eine blonde, großgewachsene Frau in einem Cocktailkleid, die wohl dieselbe Idee hatte – und vor seinen Augen springt. Es gelingt ihm, sie aus dem Fluss zu ziehen, kann er doch nicht verstehen, wie eine solche Schönheit nur so verzweifelt sein kann. Daraufhin verspricht Angel-A ihm ihr Leben und zieht mit ihm durch Paris, um das benötigte Geld aufzutreiben und Andrés Schulden zu begleichen.

Sieht man die beinahe 1,80m große Rie Rasmussen neben dem 15cm kleineren Jamel Debbouze stehen, könnte der Unterschied zwischen beiden nicht größer sein. Durch ihre hohen Absätze und geschickte Kamerawinkel gelingt es Luc Besson, sie mehr als zwei Köpfe größer scheinen zu lassen. Aber wer genau hinsieht, wird bemerken, wie dieser Größenunterschied weniger wird, je mehr Selbstvertrauen André fasst.
Angel-A ist nicht von ungefähr in Andrés Leben getreten und das herauszufinden, macht seine Reise in Angel-A aus. Dabei hören wir ihn sich ständig aus allen Situationen um Kopf und Kragen reden. Er lügt, weil es einfacher ist, als die Wahrheit zu sagen, auch wenn er dadurch innerlich zerbricht. Hin und wieder blitzt eine Ehrlichkeit bei ihm durch, die selbst ihn nachdenklich stimmt. Und komponiert Besson seinen inhaltlichen Höhepunkt in einem Gespräch des ungleichen Paares vor einem Spiegel, entlockt er beiden Hauptdarstellern Momente, die berühren.

Diese Aussage ist zwar nicht überraschend, aber in so pointierte Dialoge gekleidet, dass man im Lauf der eineinhalb Stunden häufiger schmunzeln muss, als in manchen Komödien überhaupt lachen. Meist sind es Spitzen, die gleichzeitig zum Nachdenken anregen und auch das Innere der Figuren nicht vergessen lassen. Die eigentliche Liebesgeschichte, die sich darin verbirgt, ist absehbar, aber humorvoll umgesetzt. Letztlich sind es die Bilder, die der Regisseur in Angel-A findet, die am meisten beeindrucken. Durch das Schwarzweiß erhält Paris eine Melancholie, die man mit der Stadt der Liebe kaum in Verbindung bringt. Vor allem wirken die Straßen und Brücken wie ausgestorben, außer Angel-A und André ist dort kaum jemand zu sehen. Das verleiht dem Film die Aura eines Kammerspiels mit lyrischen Stadtaufnahmen im Hintergrund. Wer sich darauf einlässt, wird die Schönheit des gesprächigen Komödiendramas zu schätzen wissen, dessen Optik einige Male so subtil überrascht, dass man es beinahe übersehen könnte.


Fazit:
Als Angel-A André erzählt, was sie alles in ihm sieht, kann er es kaum glauben. Das meiste sieht er nicht einmal selbst in sich. In der Rolle des Verlierers ohne Selbstvertrauen brilliert Jamel Debbouze in zwei Momenten besonders, Rie Rasmussen, deren treffend in Szene gesetzten Beine wie aus einer anderen Welt erscheinen, könnte unterschiedlicher kaum sein, die Rolle aber scheint ihr wie auf den Leib geschrieben. Die Geschichte kann vermutlich ein jeder nachempfinden, der sich jemals unsicher war. Wie schlimm muss es für jemanden sein, dem es andauern so ergeht?
Regisseur Luc Besson erzählt seine Dramödie mit Fantasytouch in ausgewählten und wohl überlegten Bildern, die eine eigene Sprache besitzen. Nicht nur die Aufnahmen eines fast menschenleeren Paris sind hier sehenswert. Angel-A ist kein Film für ein großes Publikum und auch wenn er künstlerisch anspruchsvoll erscheint, sind die Charakterzeichnungen eher oberflächlich. Die treffenden Dialoge und der daraus resultierende Humor machen die menschlichen Figuren und ihre sehr gesprächige Geschichte aber für aufgeschlossene Zuschauer sehenswert.


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