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Alice im Wunderland [2010]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Oktober 2010
Genre: Fantasy / Animation / Komödie

Originaltitel: Alice in Wonderland
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas, Michael Sheen, Stephen Fry, Alan Rickman, Barbara Windsor, Paul Whitehouse, Timothy Spall, Marton Csokas, Tim Pigott-Smith


Kurzinhalt:
Seit 13 Jahren plagt Alice (Mia Wasikowska) immer wieder derselbe Traum, es ist ihr einziger Traum, in dem eine blaue Raupe vorkommt und allerlei seltsames Getier, das sprechen kann. Als ihr der adelige Hamish (Leo Bill) vor der versammelten Verwandtschaft überraschend einen Antrag stellt, flüchtet die 19jährige Alice in einen nahen Garten. Dort stolpert sie durch ein Erdloch in das Wunderland. Viele Tiere können dort sprechen, das Land ist voll von seltsamen Pflanzen und magischen Formen.
Doch wird es von der roten Königin (Helena Bonham Carter) tyrannisiert, die jedem, der ihr im Wege steht, den Kopf abschlagen lässt. Mit Stayne (Crispin Glover) an ihrer Seite lässt sie nach Alice suchen, immerhin wurde ihre Rückkehr vorausgesagt und sie ist die Einzige, die die rote Königin aufhalten kann. Dass Alice schon einmal im Wunderland gewesen ist, daran kann sie sich nicht erinnern. Und es braucht mehr als nur den verrückten Hutmacher (Johnny Depp), der Teil einer Untergrundbewegung ist, um Alice im Kampf für die weiße Königin (Anne Hathaway) und gegen die rote Königin fit zu machen ...


Kritik:
Die erste Verfilmung von Lewis Carrolls Kinderbuch Alices Abenteuer im Wunderland erschien beinahe 40 Jahre nach der Veröffentlichung des Werkes im Jahr 1903. In den letzten 100 Jahren folgten über drei Dutzend verschiedene Interpretationen in Filmen und Serien. Tim Burton basiert seine Erzählung sowohl auf dem ersten Roman, wie auf der Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln [1871] und erweitert die Geschichte um zahlreiche Elemente. Es ist bedauerlich, dass er sich nicht entschied, das erste Buch für sich zu verfilmen, denn als indirekte Fortsetzung, die viele Jahre nach Alice erstem Besuch im Wunderland ansetzt, riskiert er zu schnell, mit den anderen Verfilmungen verglichen zu werden. Und was Burtons Film trotz des finanziellen Erfolges und des sichtbar computergenerierten Aufwands fehlt, ist jeglicher Charme oder das Gefühl einer magischen Umgebung, in der sich Alice im Wunderland eigentlich verlieren sollte.

Es ist viele Jahre her, dass Alice im Wunderland gewesen ist. Als sie unvorbereitet von einem eher unangenehmen aber adeligen Zeitgenossen vor versammelter Gesellschaft gefragt wird, ob sie mit ihren jungen 19 Jahren den Sprössling heiraten möchte, flieht Alice in den nahegelegenen Garten und fällt dabei durch ein Erdloch ins Wunderland – zumindest aus psychologischer Sicht ist dieser Fluchtversuch in eine phantastische Welt somit interessant. Dort muss sie erst wieder lernen, dass bestimmte Kuchen größer, bestimmte Getränke kleiner machen, dass viele Tiere reden können, seltsame Geschöpfe an jeder Ecke lauern und die rote Königin mit dem unförmigen Körperbau und einem Faible für die Guillotine ganz Wunderland in Schrecken hält. Alice ist die Einzige, die sie aufhalten kann und der Tag, an dem ihre Rettung prophezeit wurde, rückt immer näher. Es obliegt dem verrückten Hutmacher (verrückt gespielt von Johnny Depp) und einer verschworenen Untergrundbewegung, Alice dementsprechend vorzubereiten.
Was sich liest wie ein Exposé für eine Mobilmachung der Unterdrückten in Wunderland bis hin zum Aufbegehren in einer großen Schlacht, streckt Tim Burton auf eineinhalb Stunden. Wie in der Romanvorlage klappert Alice verschiedene Stationen ab, bekommt ein seltsames Wesen nach dem anderen zu sehen, ehe sich am Schluss die Situation in Wohlgefallen auflöst und Alice, durch ihre Erlebnisse in Wunderland an Selbstvertrauen zugelegt, auch in der richtigen Welt für ihre Überzeugungen einsteht. Auf eine sehr ähnliche Art und Weise funktioniert die Romanvorlage ja auch, und wer sich Carrolls Buch ansieht, wird viele Stationen wiedererkennen, die Alice hier erneut besucht, von der blauen Raupe über die Grinsekatze bis hin zur Königin selbst. Nur funktioniert dasselbe Schema in Filmform nur bedingt. Stattdessen erscheint Alice im Wunderland wie eine Technikschau, was mit heutigen Tricks an skurrilen Figuren alles machbar ist. Von Tweedledee und Tweedledum bis hin zum verrückten Hutmacher selbst, erweist sich Filmemacher Tim Burton als ein Meister des Visuellen für ungewohnte Charaktere. Selbst auf das Krocketspiel der Königin mit Flamingos als Schläger und Igel als Bälle wird nicht verzichtet. Nur gehen im selben Zug Elemente beinahe unter wie dass die rote Königin auf Kartensoldaten setzt (wobei dies in den Büchern an sich der Königin der Herzen vorbehalten ist, während die rote Königin auf Schachfiguren setzt), während die weiße Königin auf Schachfiguren als Soldaten baut. Das Finale setzt gleichermaßen auf einem überdimensionalen Schachbrett an, ohne dass dieser Umstand in eine interessante Choreografie mit einbezogen würde und auch die Verwandlung der seltsamen Welt wird in einem Rückblick zwar kurz erläutert, doch nimmt man den durch die rote Königin verwandelten Charakter des Wunderlands nie als eigenständige Figur wahr. Überhaupt wirkt das Wunderland selbst durch die dortigen Wesen nie bewohnt, ihre Herkunft zu ungleich und die Anordnung der Figuren zu willkürlich. Von jedem Wesen scheint es (die Soldaten einmal ausgenommen) auch nur ein Exemplar zu geben.

Insofern wirkt das Wunderland in Alice im Wunderland nicht wirklich wundersam, sondern lediglich bunt zusammen gewürfelt. Dass die CGI-Künstler alle Hände voll zu tun hatten, merkt man der Produktion durchaus an, schade ist nur, dass es dabei kaum neue Ideen zu bestaunen gibt, beziehungsweise das Gezeigte so inkohärent vor sich hinplätschert, dass das überhastete, vorhersehbare und zahme Finale nicht einmal für die Zeit davor entschädigt. Bereitet die Geschichte vom ersten Erwähnen von Alice zukünftiger Heilsbringertat auf die Schlussschlacht vor, wünscht man sich angesichts der flachen Dramaturgie jeden einzelnen Teil der Herr der Ringe-Saga wieder. Die sind zwar noch länger, halten aber, was sie in Aussicht stellen.


Fazit:
Die makabren und schwarzhumorigen Züge von Alice im Wunderland bringt Regisseur Tim Burton gut zur Geltung. Auch mangelt es ihm nicht an hochkarätigen Darstellern, die vor den computergenerierten Hintergründen und Figuren aber stellenweise ins Leere zu spielen scheinen. Nur mit der Geschichte übernimmt sich der Filmemacher, die zu langatmig und gleichzeitig sprunghaft wirkt, deren dritter Akt so plump wie vorhersehbar und kurz bleibt, und deren Aussage nicht nur absehbar, sondern äußerst dick aufgetragen ist.
Wer sich von den visuellen, bunten und skurrilen Produktionswerten begeistern lassen möchte, der darf sich auf viele verschiedene Figuren einstellen, deren Zusammenstellung aber ebenso zusammenhanglos erscheint wie ihre Erscheinung vertraut wirkt. Das Wunderland hätte man sich vielleicht ebenso farbenfroh, aber deutlich staunenswerter vorgestellt. Nicht einmal Johnny Depps Siegestanz ist dabei echt.


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