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Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI: Staffel 10 [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 5. März 2016
Genre: Science Fiction / Drama / Thriller

Originaltitel: The X Files: Season 10
Laufzeit: 266 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Chris Carter, James Wong, Darin Morgan, Glen Morgan
Musik: Mark Snow
Darsteller: David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, Lauren Ambrose, Robbie Amell, Sheila Larken, Annabeth Gish, William B. Davis


Kurzinhalt:

Viele Jahre sind vergangen, seit die FBI-Agenten Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson) gemeinsam paranormalen Phänomenen nachgegangen sind. Mulder hat sich zurückgezogen, während Scully inzwischen wieder als Ärztin tätig ist. Da tritt der reiche Enthüllungsjournalist Tad O'Malley (Joel McHale) an die beiden heran. Er braucht ihre Hilfe, um seine Theorie zu beweisen und eine weltumspannende Verschwörung aufzudecken, welche die gesamte Menschheit bedroht. Es scheint, als wäre es für Assistant Director des FBI Walter Skinner (Mitch Pileggi) Zeit, die X-Akten wieder zu öffnen. Doch damit geraten Mulder und Scully erneut ins Visier von Personen, die inzwischen nur viel mächtiger geworden sind ...


Kritik:
Über neun Staffeln, insgesamt beinahe 10 Jahre lang, war Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI ein Phänomen. Serienschöpfer Chris Carter gelang ein Meilenstein, der die Grenzen zwischen Fernsehen und Kino buchstäblich verschwimmen ließ. Von 1993 bis 2002 flimmerten die Geschichten der FBI-Agenten Mulder und Scully über die Bildschirme, ehe die X-Akten, die paranormale Phänomene zugänglich machten, geschlossen wurden. Nun melden sie sich zurück und scheinen vergessen zu haben, dass die (Fernseh-)Welt in ihrer Abwesenheit nicht stehengeblieben ist.

Wer kennt es nicht, wenn Besuch zu Gast und man an sich an einem Punkt angelangt ist, dass es Zeit wäre zu gehen, aber der Besuch – bewusst oder unbewusst – seine Anwesenheit länger hinauszögert, als es für die Situation gut ist?
So ging es Akte X – das werden X-Philes, wie die Fans gern genannt werden, wenn sie ehrlich sind, auch zugeben – bereits während der regulären Laufzeit. Kaum eine Serie nahm derart Momentum auf, übertraf sich von Staffel zu Staffel mit einer verstrickten, verworrenen Hintergrundgeschichte um eine Alieninvasion, die es aufzuhalten gilt, nur um den bestmöglichen Ausstieg um Jahre zu verpassen.

Von Beginn an unterteilte Serienerfinder Carter die Geschichten in zwei Lager: Es gab die Episoden, in denen jede Woche ein anderes Monster gejagt wurde und diejenigen, die die große Storyarc um Aliens und eine globale Verschwörung vorantrieben. Doch es scheint ein Fluch von Chris Carter zu sein, dass er einige tolle Ideen vorweisen kann, aber keine Ahnung zu haben scheint, wohin das Ganze führen soll. So wurden die Verschwörungsstories bereits innerhalb der Serie immer konfuser, was bislang geschehen war plötzlich für einen Trugschluss erklärt, nur um in eine andere Richtung mit noch mehr unterschiedlichen Alien-Fraktionen weiterzumarschieren. Immer wurde auf eine Erklärung, eine Auflösung vertröstet, die – Spoilerwarnung – nie kam. Weder in der Serie, noch in den zwei Kinofilmen.

Der erste war dabei innerhalb der Serie eingebettet und markiert einen der Höhepunkte der Story. Der zweite Film wurde wie ein Epilog nachgeworfen, ohne die Charaktere oder die Alien-Geschichte weiterzubringen. Er behandelte stattdessen eine "Monster-der-Woche"-Story.
Man sollte diesen ganzen Werdegang in Erinnerung behalten, wenn man sich trotz oder gerade mit Nostalgie in den Augen, die 10. Staffel Akte X ansieht, die ursprünglich als 6-Episoden-Event gedacht war, mit der jedoch wohl abgesteckt werden sollte, ob eine Rückkehr der FBI-Agenten Mulder und Scully Erfolg haben würde. Der Erfolg gibt ihnen dank des Interesses der Fanbasis recht, so dass weitere Abenteuer folgen werden.

Die sechs Episoden werden dabei von "Der Kampf" Teil eins und zwei eingerahmt, die sich erneut mit der Verschwörungsstory beschäftigen, während dazwischen vier Episoden, "Gründer-Mutation", "Mulder und Scully gegen das Wer-Monster", "Heimat" und "Babylon" liegen, die eher das Wochen-Monster in den Mittelpunkt rücken und dabei erneut zwei neue FBI-Agenten vorstellen, die Mulder und Scully vom Charakter her zum Verwechseln ähnlich sind.

"Der Kampf" Teil 1 setzt beinahe 14 Jahre nach den Geschehnissen der letzten Episode "Die Wahrheit" [2002] an und ignoriert seltsamerweise auch den zweiten Kinofilm Akte X - Jenseits der Wahrheit [2008]. Agentin Scully ist Ärztin geblieben, ein abgewrackter Mulder wohl immer noch beim FBI, aber gleichzeitig doch nicht und der Internet-Enthüllungs-Journalist Tad O'Malley hat es sich vorgenommen, die globale Verschwörung aufzudecken. Doch statt die bisherigen Alien-Stories zu einem Abschluss zu bringen, oder weiterzuerzählen, platzt Chris Carter in die Wiedervereinigungsparty mit der Erkenntnis: Es war alles ganz anders. Weg mit den alten Verschwörungstheorien, her mit den neuen. Was bisher gewesen, war alles missverstanden. Mit dabei sind totgeglaubte Kettenraucher und wieder ein ominöser Informant mit tiefer Stimme – kurzum, Carter wiederholt seine bisherigen Formeln mit neuen Theorien, die noch absurder sind. Bietet das Internet nicht schon genügend Stoff für überdrehte Verschwörungsüberlegungen, die es als absurd zu enttarnen gilt, nimmt Akte X: Staffel 10 diese auf und präsentiert sie als ernstgemeint. Tatsächlich ist es eher lächerlich und ein Schlag ins Gesicht aller Fans, die nun wirklich Antworten erhofft hatten.

Der zweite Teil von "Der Kampf" soll das sechsteilige Event abrunden und hängt inhaltlich auch mit dem ersten zusammen. Weswegen dann die Geschehnisse der sechsten Episode jedoch in den viel zu schnell erzählten 44 Minuten abgehaspelt werden, anstatt sie in den anderen Folgen mit vorzubereiten, verstehe wer will. Die Folge ist vollkommen konfus zusammengestellt und endet auf einer Note, die noch mehr enttäuscht als der Beginn.
Fans sollten an sich mit der zweiten Folge starten und den kurzen Lauf genießen: "Gründer-Mutation" schlägt immerhin die Brücken zu bekannten Geschichten und ist toll dargebracht. Die Charaktermomente stimmen hier ebenso wie der Wortwitz, der viele der früheren Folgen ausgemacht hat. Mit "Mulder und Scully gegen das Wer-Monster" nehmen die Autoren die Klischees dieser Wochen-Monster-Episoden so gekonnt aufs Korn, dass es eine Freude ist, zuzusehen. Die Episode zählt zum witzigsten und unterhaltsamsten, was Akte X lange zustande gebracht hat. Dabei erhalten die Macher dennoch den Charme der Figuren.

In "Heimat" geht es für die Figuren weiter und auch das aktuelle 'Monster' überzeugt. Selbst wenn man das Gefühl bekommt, dass die Macher die Brutalität gegenüber den ohnehin schon nicht zimperlichen Folgen früher, noch zusätzlich nach oben geschraubt haben.
Die vorletzte Episode, "Babylon", macht kurz den Eindruck, als wollte sie sich von den üblichen Terror-Geschichten abheben, schlägt jedoch dann in dieselbe Kerbe. Inhaltlich absurd weiß einzig der Schluss zu überzeugen. Hier werden die neuen Agenten Einstein und Miller eingeführt, die – so eine wilde Vermutung – auf lange Sicht Mulder und Scully wohl ablösen sollen. Auch hier ist sie die Skeptikerin, er der vom Paranormalen überzeugte. Wirklich gebraucht werden sie in der Story nicht, nur scheint es, als wollte Chris Carter wie in Staffel 8 bereits mit den Agenten Doggett und Reyes das Konzept der X-Akten von den Figuren Mulder und Scully lösen. Ob das funktioniert, sei dahingestellt.

Was sagt man denn nun selbst als Fan der Serie nach der 10. Staffel?
Die bekannten Figuren wieder vor der Kamera zu sehen, hat zweifelsohne seinen Reiz. Es ist, als würde man in einem Fotoalbum blättern und Bilder entdecken, an die man sich bislang gar nicht erinnern konnte. Inhaltlich ergibt das sechsteilige Event zwar keinen Sinn – weswegen die X-Akten wieder geöffnet werden sollen, wird ebenso wenig deutlich, wie weshalb Mulder nach seinem heruntergekommenen Auftritt in Folge eins ab der zweiten wieder im teuren Anzug unterwegs sein soll – und mit der neuen Verschwörungsstory beweist Chris Carter, dass er kein guter Geschichtenerzähler ist, sondern 'seine' Serien Akte X und Millennium - Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst [1996-1999] durch andere Autoren so gut geworden sind und TV-Geschichte geschrieben haben. Aber man ärgert sich nicht beim Zusehen. Vielleicht auch, weil die Nostalgie-Brille vieles einfacher macht.

Als Akte X seinerzeit groß wurde und Zuschauer an sich gebunden hat, war das kinoartige Feeling der Serie etwas Neues im Fernsehen. Doch schon als die letzten Staffeln liefen, kamen Serien mit Hollywoodflair wie 24 [2001-2010] oder Alias - Die Agentin [2001-2006]. Von Produktionen wie Lost [2004-2010] bzw. The Walking Dead [seit 2010] oder den Eigenproduktionen von Netflix oder Amazon ganz zu schweigen. Die Konkurrenz an hochkarätigen Serien ist heute bedeutend größer und dagegen scheint die zehnte Staffel von Akte X regelrecht angestaubt. Sowohl in Hinblick auf die konventionelle Inszenierung, wie auch die inhaltliche Umsetzung.
Die Episoden hängen hier storymäßig kaum zusammen, die Figuren kommen nur wenig vorwärts. Insbesondere die gehetzte Inszenierung der letzten Folge, die inhaltliche Abkürzungen nimmt, um sich alle Karten für eine Fortsetzung offen zu halten, hinterlässt einen bitteren Geschmack. All das sind Punkte, die Fans eher sorgenvoll als euphorisch auf eine mögliche elfte Staffel blicken lassen.

Ein Wort zur deutschen Synchronisation, bei der Fox Mulder nach dem zweiten Akte X-Kinofilm erneut mit einer neuen Stimme versehen wurde (diesmal hat es überdies noch Walter Skinner getroffen): Über die Beweggründe der Umbesetzung mögen sich die Beteiligten ausschweigen, sie tun am Ende auch nichts zur Sache. Fans, die auf die deutschsprachige Fassung angewiesen sind, sollten starke Nerven mitbringen, denn ein Highlight ist die deutsche Sprachspur beim besten Willen nicht.
Das liegt nicht an den Synchronsprechern selbst, nur wenn man nach insgesamt 23 Jahren, in denen man Fox Mulder im deutschen gekannt hat, diese Figur mit einer anderen Stimme hört, dann ist es, als stünde dort nicht David Duchovny vor der Kamera – der ohnehin nicht immer hochmotiviert erscheint.


Fazit:
Wenn Scully in einer der sechs Episoden sagt, sie hatte ganz vergessen, wie viel Spaß diese Fälle machen können, dann spricht sie Fans in dem Moment aus der Seele. Das gilt insbesondere für die Episoden "Gründer-Mutation" und "Mulder und Scully gegen das Wer-Monster". Auch "Heimat" bietet gelungene Momente für Fans und Kenner der Figuren, doch während "Babylon" vermutlich in Aussicht stellt, in welcher Art und Weise die Serie fortgeführt werden wird, enttäuschen die beiden Rahmen-Episoden "Der Kampf" mit einer konfusen Story, die keine Antworten liefert, sondern die bisherigen Verschwörungen der Serie beiläufig wegwischt.
Chris Carter erinnert die Fans hierbei an die größten Enttäuschungen von Akte X, die selbst dann die Treue gehalten hatten, als die Serie ihren Zenit überschritten hatte. Ein Konzept, ein Weg, wohin die Reise gehen soll, hat er nicht vorzuweisen. Stattdessen packt er immer mehr wilde Theorien zusammen, wiederholt alle Elemente, die früher erfolgreich waren und wenn er sich selbst an die Wand manövriert hat, setzt er die Story eben zurück. So schön anzusehen und unterhaltsam zwei Folgen der 10. Staffel hier sind, so frustrierend sind die vom Serienerfinder selbst inszenierten. Sie unterstreichen, dass trotz der Verklärung Akte X damals bereits seine Besuchszeit überzogen hatte und so nett es war, bei den bekannten Figuren nochmals vorbeizusehen, man könnte es akzeptieren, wenn die Macher es dabei bewenden lassen.
An den Glanz der vergangenen Jahre werden sie kaum anschließen können. Und weniger hätten Mulder und Scully nicht verdient.    


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