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Ad Astra: Zu den Sternen [2019]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 3. September 2019
Genre: Science Fiction / Drama

Originaltitel: Ad Astra
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: Brasilien / USA / China
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: James Gray
Musik: Max Richter
Besetzung: Brad Pitt, Liv Tyler, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Anne McDaniels, John Ortiz, Loren Dean, Kimberly Elise, Greg Bryk, Kimmy Shields, LisaGay Hamilton


Kurzinhalt:

In naher Zukunft suchen die Menschen vom Rande des Sonnensystems aus nach intelligentem Leben im Weltall. Als auf der Erde ein elektrischer Sturm verheerende Schäden mit vielen Opfern anrichtet, wird Astronaut Roy McBride (Brad Pitt), der bei dem Unglück selbst beinahe ums Leben gekommen wäre, für eine spezielle Mission ausgewählt. Sein Vater Clifford (Tommy Lee Jones) war Leiter des „Lima“-Projekts, das im Orbit um Neptun Forschungen nach intelligentem Leben betreiben sollte, bis der Kontakt offiziell abriss. Doch die elektrischen Stürme haben ihren Ursprung beim Neptun und so soll Roy seinen Vater kontaktieren. Dafür reist er mit einem einstigen Kollegen seines Vaters, Colonel Pruitt (Donald Sutherland), über den Mond zum Mars, von wo aus Roy eine vordefinierte Nachricht übersenden soll. Doch je länger seine Reise dauert, umso mehr wird sich Roy bewusst, dass er mit seinem Vater mehr gemeinsam hat, als er es sich eingestehen will. So scheint er letztlich bestimmt, Millionen Kilometer von der Erde entfernt, doch nur sich selbst zu finden …


Kritik:
In seinem erstaunlich ruhigen Science Fiction-Film Ad Astra: Zu den Sternen stellt Filmemacher James Gray die Frage, was schlimmer wäre: Wenn die Menschheit nicht die einzige intelligente Spezies im bekannten Universum wäre, oder die Gewissheit, dass sie es ist? Existenzielle Themen stehen an sich im Zentrum einer jeden Science Fiction-Geschichte. Entscheidend ist nur, wie man sich ihrer annimmt. Dass sich der Film dabei nicht entscheiden kann, ist der eigentliche Knackpunkt.

Hauptfigur Roy McBride fasst es selbst zusammen, wenn er auf dem kolonisierten Mond angekommen aus dem Off erzählt, die Menschen hätten hier alles wiedererschaffen, wovor sie auf der Erde geflohen waren. Das spiegelt sich in der Geschichte selbst wider, wenn der Astronaut Millionen Kilometer von der Erde entfernt doch eine Reise zu seinen innersten Sehnsüchten antritt.
In naher Zukunft blickt die Menschheit zu den Sternen auf der Suche nach intelligentem Leben und der Hoffnung auf eine Perspektive. Roys Vater Clifford ist der größte Held der modernen Raumfahrt und vor vielen Jahren auf einer Mission zum Neptun verschollen. Das von ihm geleitete „Lima“-Projekt sollte am Rand des Sonnensystems, fernab der störenden Strahlungen den Beweis für außerirdisches Leben auf anderen Planeten antreten. Als die Erde von einem elektrischen Sturm getroffen wird, der zehntausende Opfer fordert, wird Astronaut Roy bestimmt, zum Mond und von dort zur Kolonie auf dem Mars zu reisen. Mit der dortigen Kommunikationsanlage soll er seinem totgeglaubten Vater eine Nachricht übersenden, denn die stärker werdenden elektrischen Stürme werden beim Neptun verursacht und drohen, alles Leben im Sonnensystem zu vernichten.

Es gibt wie gesagt mehrere Möglichkeiten, wie die Geschichte in Ad Astra erzählt werden könnte. So könnte Filmemacher Gray sich der Mystery-Aspekte der Story annehmen, wenn Roy die Wahrheit darüber herausfindet, was mit seinem Vater vor Jahrzehnten geschehen ist. Oder aber, er könnte sich auf die philosophischen Fragen eines Sohnes konzentrieren, der immer mehr Wesenszüge seines Vaters in sich spürt und fürchtet, so wie er zu werden. Oder bereits zu sein. Dass sich der Regisseur stilistisch von Stanley Kubricks Genre-Meilenstein 2001 - Odyssee im Weltraum [1968] inspirieren lässt und Roy die gesamte Erzählung über seine persönlichsten Gedanken aus dem Off kommentiert, zeigt bereits, dass er zu zweiter Herangehensweise tendiert. Das jedoch nicht konsequent.
Dafür beantwortet das Drehbuch, an dem der Regisseur mitschrieb, zu viele Fragen selbst, anstatt dem Publikum die Interpretation zu überlassen. Und es spickt die Erzählung mit drei Actionmomenten, die allesamt hervorragend umgesetzt sind, die Figuren jedoch in keiner Weise voranbringen.

Sei es, wie ein elektrischer Sturm zu Beginn eine über die Atmosphäre hinausreichende Kommunikationsphalanx auf der Erde beschädigt, ein Angriff auf der Mondoberfläche, oder eine kurze Horrorsequenz, wenn Roy eine um Hilfe ersuchende Forschungseinrichtung betritt – all das ist tadellos und durchaus packend inszeniert. Bis auf die erste Szene sind die anderen beiden für den Verlauf der Geschichte oder die Figuren aber nicht wichtig oder gar notwendig.
Dafür entschädigt Brad Pitt mit seiner besten Darbietung seit vielen Jahren. Bemerkenswert daran ist, wie ruhig und beherrscht sein Porträt von Roy eingangs ist. Selbst als seine Frau ihn verlässt, zeigt er keine Gefühlsregung. Sendet er in der Mitte des Films seinem Vater eine Nachricht, ringt er hingegen merklich mit der Fassung. Verfügt er anfangs über eine beinahe übermenschliche Fähigkeit, sich zu fokussieren und drohende Lebensgefahr auszublenden, ist es umso beeindruckender, mitzuerleben, wie er immer mehr dieser Beherrschung verliert und immer weniger die Kontrolle behält.

Dass der von Tommy Lee Jones gespielte Clifford dagegen enttäuscht, liegt nicht an der tadellosen Darbietung. Vielmehr arbeitet die Erzählung von Beginn an auf diese Figur hin, die am Ende jedoch nicht über Klischees hinauswächst. Es ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Filmemacher der Komplexität seiner Geschichte nicht vollends annehmen will. Das macht Ad Astra nicht zu einem schlechten Film, oder gar zu einem ärgerlichen Ergebnis. Aber so, wie er aus namhaften Nebendarstellern wie Donald Sutherland und eben Jones nichts zu machen vermag, werden auch die verschiedenen und durchaus viel versprechenden Aspekte der Story nicht ausgeschöpft. Schade ist es allemal.


Fazit:
Gibt Regisseur James Gray einen Ausblick, wie kommerzielle Flüge zum Mond aussehen, oder dass auch auf dem Erdtrabanten kriegerische Konflikte um Ressourcen entbrennen, dann wirkt sein Film greifbar prophetisch. Ebenso, wenn überall, wo die Menschheit Kolonien errichtet hat, sich dieselben Einkaufshallen und Probleme wiederfinden. Das ist, ebenso wie die vielen Szenen im All, erstklassig gemacht und stellenweise geradezu hypnotisch gefilmt. An Brad Pitts fantastischer Darbietung gibt es ohnehin nichts zu rütteln. Doch statt die existenziell-philosophischen Elemente mit offenen Armen anzunehmen, versucht der Filmemacher eine Kubrick’sche Science Fiction-Erfahrung für ein Mainstream-Publikum umzusetzen. Das Ergebnis ist als transzendentale Erfahrung zu stark erklärt und gleichzeitig inhaltlich zu seicht, als Unterhaltungsfilm aber zu wenig packend. Die Actionhighlights, so bemerkenswert sie umgesetzt sind, wirken in der Geschichte geradezu verloren. Lässt man sich jedoch auf die ruhigen Aspekte von Ad Astra: Zu den Sternen ein, dann gibt es auf dieser Reise, die am Rande des Sonnensystems auslotet, was es heißt, ein Mensch im Hier und Jetzt zu sein, viel Richtiges zu entdecken. Roy McBrides Monolog aus dem Off bietet dafür am Ende eine gelungene Zusammenfassung – die für ein aufmerksam mitdenkendes Publikum gar nicht notwendig wäre.
 


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