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42 [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Februar 2014
Genre: Biografie / Drama

Originaltitel: 42
Laufzeit: 128 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ohne Altersbegrenzung

Regie: Brian Helgeland
Musik: Mark Isham
Darsteller: Chadwick Boseman, Harrison Ford, Nicole Beharie, Christopher Meloni, Ryan Merriman, Lucas Black, Andre Holland, Alan Tudyk, Hamish Linklater, T.R. Knight, John C. McGinley, Toby Huss


Kurzinhalt:
Als mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa der Faschismus besiegt wurde, war es an der Zeit, die Rassentrennung in den USA zu besiegen – so Branch Rickey (Harrison Ford), ein einflussreicher Teamleiter des Major League Baseball. Als er beschließt, einen farbigen Spieler in die oberste Liga aufzunehmen, er wäre der allererste, sind die Reaktionen eindeutig. Sein Assistent Harold Parrott (T.R. Knight) wirft ihm gar vor, er habe den Verstand verloren. Doch Rickey setzt sich durch und verpflichtet Jackie Robinson (Chadwick Boseman), der 1947 für die Brooklyn Dodgers spielt.
Dass er auf Anweisung Rickeys die Anfeindungen der anderen Spieler, sogar der Presse und konkurrierender Trainer nicht kommentieren, sich nicht von ihnen provozieren lassen darf, belastet Robinson zusehends. Das einzige, wodurch er seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen kann ist, indem er sie im Spiel schlägt. Auch wenn sie mit unfairen Mitteln spielen. Und während er gegen alle Widrigkeiten mit seinem Team nach der Meisterschaft greift, werden die Angriffe persönlicher. Was Jackie fehlt, der immer auf Rickeys Unterstützung zählen kann, ist Rückhalt aus dem Team ...


Kritik:
Sieht man sich die Situation und die Reaktionen in 42, einer Biografie um Baseball-Legende Jackie Robinson an, klingt all das unvorstellbar. 400 aktive Baseballspieler in der Major League – und nur ein einzelner Afroamerikaner. Die Anfeindungen, die Robinson dabei erdulden musste, von den eigenen Team-Kameraden, die er zum Sieg führte, bis hin zu den Trainern konkurrierender Teams, klingen wie ein grausamer verbaler Spießrutenlauf. Regisseur Brian Helgeland unterstreicht, was er für den Sport und die Gleichberechtigung erwirkt hat. Aber er tut das in einem Drama, das trotz der Authentizität zu sehr auf bekannte Muster setzt, als wäre er auf Film-Trophäen aus, statt auf seine Figuren zu bauen.

Im Jahr 1945 wird Jackie Robinson, der bis dahin bei den Kansas City Monarchs spielte, von einem Talentsucher angeworben. Das Jahr darauf spielte er bei den Montreal Royals, in der 1947 Saison bei den Brooklyn Dodgers, wo er Sportgeschichte schreibt. In einer Zeit, in der die farbige Bevölkerung von vielen Weißen immer noch als eine Gesellschaft zweiter Klasse angesehen wurde, schien es ein irrsinniger Plan, einen Afroamerikaner – selbst der politisch korrekte Ausdruck wird damals nicht benutzt, stattdessen wird er nur als "Neger" bezeichnet – in einem landesweit beliebten und kommerziell wichtigen Sport einzuführen. In den unteren Ligen mag das kein Problem gewesen sein, doch wo das große Geld gemacht wird, in der ersten Liga, mag es zwar ebenso viele aufgeschlossene, wie rassistisch eingestellte Zuschauer gegeben haben, doch die Rassisten waren lauter im Stadion.

Um die Sportwelt zu revolutionieren, brauchte es im ausführenden Teamleiter Branch Rickey (damals immerhin schon Mitte sechzig) jemanden, der mutig genug ist, den Anfang zu machen, und in Jackie Robinson einen Spieler, der stark genug ist zu ertragen, was auf ihn zukommen wird. Dass Rickey damit nicht nur das moralisch Richtige tun will, sondern auch finanzielle Interessen hat, immerhin haben Dollarnoten keine Hautfarbe, sondern sind universell grün, verschweigt Helgeland, der auch das Skript beisteuert, glücklicherweise nicht. Auch gelingt es ihm, die feindselige Atmosphäre mancher Menschen in jener Zeit zum Ausdruck zu bringen. Sei es durch die von Spielern gestartete Unterschriftensammlung, laut der sie nicht mit ihm zusammen spielen wollen, oder die unzähligen Drohungen, die sowohl Robinson, als auch Rickey und andere Spieler erreichen.
Aber auch wenn ihm hier zwei ausgezeichnete Momente gelingen, eben wenn Rickey eine Schublade mit gesammelter Hasspost öffnet, oder wenn Robinson vom rassistischen Ben Chapman beim Spiel so lange verbal malträtiert wird, dass dieser nur wenige Meter vom Spielfeld und dem Publikum entfernt, vor Wut zusammenbricht, diese Momente sind rar. Was dazwischen geschieht, bringt die sportlichen Erfolge Robinsons und der Dodgers zum Ausdruck und beleuchtet ein wenig den Hintergrund der Legende und seine Ehe, doch tiefe Einblicke erhält man nicht.

Das mag einerseits daran liegen, dass 42 sehr viel in recht kurzer Zeit abdeckt, andererseits, dass der Film mehr Zeit auf dem Spielfeld, als abseits davon zubringt. So bleiben die Figuren trotz allem unnahbar, auch wenn ihre Situation allzeit spürbar ist.
Das liegt auch an der hervorragenden Besetzung, souverän und gerade in den fordernden Momenten packend verkörpert von Chadwick Boseman. Ihn unterstützt Harrison Ford in einer seiner besten Rollen seit vielen Jahren. Er versieht den Teamleiter mit einer Mischung aus weiser Ruhe und widerspenstiger Beharrlichkeit, wenn es darum geht, seine Ziele zu erreichen. Nicole Beharie und Christopher Meloni stehen dem in zuspielenden Rollen in nichts nach, während Alan Tudyk selten so unsympathisch war, wie hier. Er verleiht dem kollektiven Rassenhass, getarnt als normaler Umgangston in diesem Beruf, ein Gesicht.

Insofern gibt es viel, was man an 42 schätzen kann, zumal der Film trotz seines eher langsamen Erzähltempos nie lang gerät und vor allem eine Auflösung bietet, die Mut macht. Doch scheint der Filmemacher genau darauf aus, bedient die notwendigen Elemente, ohne mehr zu bieten, als man erwarten würde. Das ist angesichts der Bedeutung des Themas, und was Jackie Robinson nicht nur für den Baseballsport bedeutet, im Grunde genommen zu wenig.


Fazit:
In der flirrenden Hitze der Südstaaten kann man die Ablehnung, die Jackie Robinson und seiner Frau entgegengebracht wird, leicht übersehen. Doch Regisseur Brian Helgeland macht sie spürbar. Zum Beispiel in der Reaktion der Menschen, die sich weigern, sogar das ganze Team zu bedienen, wenn er mit ihnen reist. Aber auch daran, wie er selbst reagiert, wenn er den offenen Hass der Rassisten wahrnimmt. 42 erzählt Die wahre Geschichte einer Sportlegende, beschränkt sich dabei jedoch auf die Jahre, in denen Jackie Robinson den Sport am meisten geprägt hat.
Hervorragend gespielt, gehen einige Situationen unter die Haut. Der Rest lebt vom authentischen Zeitkolorit und davon, wie die Story erzählt wird, die nie zu lang erscheint, auch wenn es nur wenige Höhepunkte gibt. Doch drückt der Filmemache alle vertrauten Knöpfe, um sein Drama auf emotionalem und auf Oscar-Kurs zu halten. Er weicht nie vom bekannten Schema ab und wird damit der Bedeutung dessen, was er erzählt, nur selten gerecht.


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