skip to content

Michael A. Martin & Andy Mangels: "Star Trek: Enterprise – 'Last Full Measure'" [2006]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Juli 2006
Autoren: Michael A. Martin, Andy Mangels

Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: Star Trek: Enterprise – "Last Full Measure"
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 336 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2006
Erstveröffentlichung in Deutschland: noch nicht erschienen
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-1-4165-0358-3


Kurzinhalt:
Nach dem Überraschungsangriff der unbekannten Spezies der Xindi auf die Erde im Jahr 2153, bei der sieben Millionen Menschen ihr Leben verloren, wird die Enterprise NX-01, das erste Raumschiff der Sternenflotte, das in der Lage ist, so tief ins All vorzudringen, losgeschickt, die Xindi in einem Gebiet im Weltall aufzusuchen, das als Delphic-Ausdehnung bekannt ist. Die Gesetze der Physik scheinen in jenem Teil des Universums stellenweise aufgehoben, und ohne Hinweise auf die Motive der Xindi macht sich das einsame Sternenflottenschiff auf, die Zukunft der Menschheit zu retten.
Doch nach Wochen, die die Crew der Enterprise in der Ausdehnung nach den Xindi gesucht hat, ist immer noch nichts von der Heimatwelt der Unbekannten zu sehen, und die wenigen Hinweise verlaufen zusehens im Sand. Bis die Crew auf einen Händler aufmerksam gemacht wird, der immer wieder Geschäfte mit den Xindi zu machen scheint. Während Captain Archer zusammen mit Lieutenant Reed und einer kleinen MACO-Truppe – eine militärische Spezialeinheit, die zur Unterstützung des Sternenflottenpersonals bei der Xindi-Mission dabei ist – versucht, Informationen aus dem Händler herauszubekommen, unternimmt Fähnrich Mayweather auf Geheiß der Vulkanierin T'Pol eine weitere Mission, die den Fähnrich und weitere MACOs auf die Spur eines vermeintlichen Xindi-Schiffs führt.
Aber während bei Archer zunächst alles nach Plan verläuft und zunehmend die Befürchtung einer bevorstehenden Falle wächst, sieht sich Mayweather mit seinem Begleitschutz einer noch gefährlicheren Mission gegenüber, deren Erfolg aber nicht ohne große Opfer sichergestellt werden kann ...


Kritik:
Als die ersten, phantastischen Episoden von Raumschiff Enterprise [1966-1969] seinerzeit über die Bildschirme flimmerten, hätte kaum jemand gedacht, dass das von Gene Roddenberry erdachte Science Fiction-Universum auch nach 40 Jahren noch existieren würde. Aber auch wenn die letzte TV-Serie des Franchise, Star Trek: Enterprise [2001-2005] nach nur vier Jahren unrühmlich aus dem TV verbannt wurde, und momentan lediglich ein elfter Film angekündigt ist, der irgendwann in den nächsten Jahren erscheinen soll, erfreuen sich die etablierten Figuren und Serien nach wie vor großer Beliebtheit. Mehr noch, durch die Fan-freundliche Gestaltung des Star Trek-Universums konnten zahlreiche neue Charaktere und Reihen entstehen, entweder als Fan-Filme, oder aber in Romanform. Sie alle erzählen das bereits vor 40 Jahren etablierte Universum weiter und füllen viele Lücken, die die mehr als 600 TV-Episoden dennoch in der Mythologie offen gelassen haben.
Ähnliches versucht auch Last Full Measure, einer der bislang wenigen Romane, die an Bord des ersten Raumschiffes mit dem Namen Enterprise spielen. Angesiedelt ist der Roman der beiden bekannten Science Fiction- und Star Trek-Autoren Michael A. Martin und Andy Mangels zu Beginn der dritten Staffel der Serie Enterprise, die sich um eine gefährliche Mission des Schiffes drehte, das in einen unerforschten Teil der Galaxie vordringen musste, um eine Waffe zu stoppen, die erbaut wurde, um die Erde zu zerstören. Die Xindi, Erbauer jener Höllenmaschine, waren davon überzeugt, dass sollten sie die Menschen nicht zuerst vernichten, sie von den Menschen vernichtet würden – was sich sehr einfach und in gewissem Sinne auch pathetisch anhört, gestaltete sich durch die differenzierte Schilderung der verschiedenen Xindi-Rassen und ihrer Motivation ab der zweiten Hälfte der dritten Staffel als eine spannende und vielschichtige Storyarc mit Star Trek-Charakter und einigen der bestgemachten und mitreißendsten Episoden aller Serien. Leider kann Last Full Measure dieser Tradition nicht folgen.

Grund hierfür ist die Handlung selbst, die von einem Prolog/Epilog-Rahmen eingerahmt wird, der als Geschenk für die Fans von Enterprise allerdings sehr gelungen ist, kommt hier doch eine Person zum Tragen, die im Finale der Serie ein unrühmliches Ende fand. Zwar erklären die Autoren nicht wirklich, wie diese Figur denn 80 Jahre später noch am Leben sein soll, lassen aber durchblitzen, dass im Star Trek-Universum nichts unmöglich ist.
Die dazwischen stattfindende Geschichte, von der man den Eindruck gewinnt, als würde sich diese Person daran erinnern, findet allerdings zum großen Teil ohne sie statt und wird aus vielerlei Perspektiven erzählt. Statt also die Chance zu nutzen, die gefährlichen Missionen aus zweierlei Sichten zu schildern, splitten die Autoren die Standpunkte auf und verheddern sich in Minibiografien und Hintergrundinformationen, die einen als Leser letztlich kaum interessieren.
Die Story selbst ist schnell erzählt und ebenso gekünstelt wie unnötig, zumal der Roman nicht nur von den Erlebnissen der Prolog-Figur abweicht, sondern im Laufe der 300 Seiten auch die Gefilde der Sternenflottenoffiziere gänzlich verlässt, um Ereignisse beim Rat der Xindi zu erläutern. Dadurch scheint der Inhalt selbst zu wenig kohärent und verkrampft vielseitig, wobei das Aufzeigen der Mission von nur einer einzigen Figur aus vielleicht viel interessanter hätte werden können.
Auch die mitunter unverständlichen Szenenwechsel tun ihr Übriges, um die wenig ausgegorene Geschichte zusätzlich zähflüssiger zu gestalten. So bleiben die Autoren nach der Steigerung einer Situation bis zum Cliffhanger im neuen Kapitel erneut bei diesen Figuren und springen erst später an einen anderen Schauplatz. Von so geschickten Wechseln wie Dan Brown, der gerade dadurch seine Romane zu Page-Turnern werden lassen, ist hier überhaupt nichts zu sehen.

Angesichts der Tatsache, dass die beiden eingespielten Autoren den Roman erst nach Beendigung der Serie verfassten, verwundert es, dass es ihnen so selten gelingt, die einzelnen Figuren treffend zu erfassen. Dies spitzt sich dann insofern zu, als dass Captain Archer während einer taktischen Außenmission seine Entscheidung zwei Mal einer zwei Dienstränge niederen Untergebenen erläutern muss, sich regelrecht rechtfertigen muss, weswegen er nun so vorgehen will, wie er es tut. Gleichzeitig handelt aber Archer selbst auf eine Art und Weise, wie man es in der Serie nie gezeigt bekam, und besitzt doch im Endeffekt nicht genügend Stamina, seine Entscheidungen bis zum letzten durchzuhalten. Das lässt ihn als Anführer und Entscheidungsfinder nicht nur gänzlich ungeeignet scheinen, sondern passt schlichtweg nicht zu der Person, die man über vier Jahre in der Serie schätzen gelernt hat.
Insgesamt versuchen die Autoren, viel zu viele Figuren einzuführen und weiterzubringen, dringen mitunter tief in die Vergangenheit einzelner Charaktere vor, schildern Kindheitstraumas und springen wenig später zu einer anderen Figur und beschreiben die folgende Szene aus dessen Sicht. Statt sich auf zwei Charaktere zu konzentrieren, verschwenden die Autoren Zeit und Möglichkeiten, und etablieren Figuren, die im Endeffekt keinerlei Auswirkungen auf die Geschichte haben werden, verzetteln dabei aber andere Charaktere wie Fähnrich Mayweather in kindische Auseinandersetzungen mit den MACOs, die angesichts der ernsten Lage von Schiff und Crew einfach nicht angemessen sind.
Überhaupt verhält sich die Mischung aus Sternenflottenpersonal und MACO-Einheit gänzlich atypisch, was im Endeffekt so weit geht, dass sich die MACOs über Anweisungen der Sternenflottenoffiziere (denen sie ja unterstellt sind) hinwegsetzen und sich die Missionsleiter ihrem Begleitschutz beugen müssen. Dies ist so unpassend, dass einem in der Tat stellenweise der Spaß am Lesen vergeht, insbesondere dann, wenn man weiß, wie es sich den in der Serie abgespielt hat.

Abgesehen von einem kurzen Intermezzo arbeiten die Autoren stetig auf das auf zwei Ebenen angesetzte Finale hin, das für sich genommen eigentlich interessant genug wäre – würden sich die einzelnen Szenen nicht derart in die Länge ziehen. So bleiben den in Gefahr schwebenden Außenteams noch wenige Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen, doch anstatt zu handeln, wird munter weiter diskutiert – und dreißig Seiten später machen sich die Beteiligten dann gemächlich auf, den Schauplatz zu wechseln.
Auch die Auflösung der einzelnen Szenarios ist nicht wirklich einfallsreich gelungen, Fans des Genres (und man darf bei der Leserschaft davon ausgehen, dass es sich um Fans handelt) sehen die Lösungen lange, bevor die Figuren auf diese Ideen kommen; dies nimmt zusätzlich Spannung aus dem Moment.
Auch auf den gesamten Roman bezogen bleibt eine wirkliche, dramaturgische Steigerung leider aus. Dies zum einen, weil es nicht mehrere Stationen gibt, ehe die Handlungsfäden auf das Finale hinaus laufen, andererseits, weil die Geschichte dafür zu einfach gestrickt ist, und interessante Figuren nur eine kleine Rolle spielen, wohingegen eine Nebenfigur der Serie wie Travis Mayweather zum Hauptcharakter befördert wird – ohne dass die Figur aber genügend Anreiz bieten würde, ihr auf dem Abenteuer zu folgen.

Sprachlich gibt es indes wenig zu bemängeln, auch wenn Last Full Measure nicht wirklich schwer zu verstehen ist. Der einfache Satzbau in Kombination mit den vielen, kursiv gedruckten Gedankengängen sorgen für einen guten Lesefluss, zumal die Dialoge meistens zumindest die bekannte Intonation der Figuren treffen.
Ärgerlich ist allerdings, dass sich manche Ausdrücke sehr oft wiederholen und nicht wirklich deutlich wird, was die Autoren damit beabsichtigen. So werden einem als Leser zum fünften Mal innerhalb von zwei Seiten die Anweisungen der Vulkanierin T'Pol zitiert, die da sagt, man solle "am ehesten angemessen, umsichtig und logisch" handeln. Spielen die Figuren, die jenen Ausdruck zitieren zuerst auf die genau entgegen gesetzte Vorgehensweise an, wirkt dies bei der zigten Wiederholung weder witzig, noch einfallsreich noch in irgendeiner Form notwendig.
Von einer sprachlichen Finesse ist also wenig zu sehen, auch wenn sich Martin und Mangels zumindest bei den Schreibfehlern erfreulich zurückhalten.

Wie spannend und unterhaltsam ein Roman in einem bereits etablierten Science Fiction-Universum werden kann, bewies der preisgekrönte Autor Peter David am Star Trek-Beispiel unter anderem mit seinem Roman Vendetta [1991], in dem es ihm gelang, sowohl die Figuren treffend zu charakterisieren, als auch eine spannende Geschichte zu erzählen.
In beiden Fällen scheitern die Autoren Michael A. Martin und Andy Mangels auf überraschende und mitunter sehr grundsätzliche Art und Weise. So gelingt es ihnen zwar gut, die Dialoge an den Sprachgebrauch der Charaktere anzugleichen, doch ähneln ihre Handlungsweisen in keinem Fall dem, was man von ihnen erwarten würde, oder von ihnen gewohnt ist. Auch die Story vermag nicht zu überzeugen. Angesichts der Tatsache, dass die TV-Serie, auf der der Roman basiert, bereits vier Jahre lang gelaufen war, als das Werk entstand, sind das Fehler, die Fans den Autoren kaum verzeihen werden – wäre da nicht die Rahmenhandlung, die für einige Patzer des an sich unterhaltsamen wenn auch einfallslosen Werkes wenigstens entschädigt.


Fazit:
Auf unangemessenere Weise hätte Star Trek: Enterprise nach vier Jahren im TV-Dienst kaum in Rente geschickt werden können und die Fans waren und sind zurecht wütend auf diejenigen Drehbuchautoren, die diesen Abschluss verbrochen haben – wobei es ihnen wichtig erschien, die etablierte Crew noch auseinander zu reißen.
Dies versuchen die Romanautoren Michael A. Martin und Andy Mangels zumindest ein wenig wieder aufzuwiegen, indem sie in ihrer Rahmenhandlung ein Szenario entwerfen, das manche Geschehnisse jener letzten Episode merklich abschwächt. Zwar liefern sie keine letztliche Erklärung, stellen den Fans aber immerhin in Aussicht, dass sich im Science Fiction-Genre Mittel und Wege werden finden lassen. Als Leser von Last Full Measure würde man sich wünschen, sie hätten auch beim Rest ihres Romans so viel Einfallsreichtum walten lassen. Aber statt die Möglichkeiten in einem solchen Buch zu nutzen, und die bekannten Charaktere weiter zu vertiefen, versuchen die Autoren, neue Figuren einzuführen, und sind so sehr darum bemüht, ein Hintergrunddetail aller Beteiligter unterzubringen, dass sie nicht nur den intensiven Fokus auf eine Figur verlieren, sondern durch die ständigen Perspektivenwechsel innerhalb einer Sequenz auch das Interesse des Lesers.
Dies wird auch durch die grundsätzlich wenig einfallsreiche und im Rückblick auch wenig logische Story nicht aufgewogen, sondern vielmehr noch verstärkt – dass sich die etablierten Figuren gänzlich atypisch verhalten, eine an sich selbstverständliche Gehorsamskette immer wieder in den heikelsten Momenten unterbrochen wird, trägt zur mangelnden Dramaturgie des Werks bei, wobei immerhin die Dialoge den Figuren entstammen könnten.
Nach den 300 Seiten bin ich leider zur Überzeugung gelangt, dass die Rahmenhandlung als Kurzgeschichte veröffentlicht nicht nur bedeutend mehr Sinn gemacht hätte, sondern auch ein Bonus für die Fans gewesen wäre, ohne dass man sich durch eine zwar solide und immerhin unterhaltsame Mission der Enterprise-Crew hätte kämpfen müssen, die aber letztlich zu wenig einfallsreich oder gar mitreißend geraten ist. Vor dem Hintergrund der Xindi-Mission hätte ich schlicht einen besseren und atmosphärischeren Roman erwartet – auch wenn sich Last Full Measure zumindest sehr rasant liest.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.