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Philip Pullman: "Lyras Oxford" [2003]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. April 2009
Autor: Philip Pullman

Genre: Fantasy

Originaltitel: Lyra's Oxford
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 49 Seiten
Erstveröffentlichungsland: Großbritannien
Erstveröffentlichungsjahr: 2003
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2004
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-0-375-84369-3


Kurzinhalt:
Vom Turm des Jordan College aus beobachten Lyra Belacqua und ihr Dæmon Pantalaimon Ungeheuerliches. Es gelingt ihnen, Ragi, den Dæmon einer Hexe, vor einem angreifenden Vogelschwarm in Sicherheit zu bringen. Der verängstigte Vogel berichtet ihnen, dass seine Hexe an einer seltsamen Krankheit leidet.
Nur der in Oxford ansässige Alchemist Sebastian Makepeace könne ihnen helfen. Mit der Bitte an Lyra, Makepeace ausfindig zu machen und Ragi zum ihm zu bringen, beginnt für sie ein kurzes Abenteuer, bei dem jeder mehr zu wissen scheint, als er preisgibt. Und nicht nur Ragi verfolgt wohl ganz eigene Ziele ...


Kritik:
Lyras Oxford markiert das erste von zwei bisher veröffentlichten Werken von Autor Philip Pullman, der mit diesen Novellen sein Der goldene Kompass-Universum erweitern wollte. Den groß gedruckten, mit einem sehr großen Zeilenabstand versehenen und im kleinen Taschenbuchformat gehaltenen Roman dabei allerdings als Novelle zu bezeichnen, ist an sich eine Übertreibung. Es ist vielmehr eine Kurzgeschichte um die bekannte Figur Lyra Listenreich und ihren Dæmon Pantalaimon, die zwei Jahre nach Das Bernstein-Teleskop [2000] angesiedelt ist.
Die Geschichte selbst ist dabei auch entsprechend kurz gehalten und wirft erstaunlich viele Fragen auf, von denen allerdings nur die wenigsten beantwortet werden. Wenn Lyra lernen muss, nicht allen zu vertrauen, sondern ihre Intuition über ihr Hilfsbewusstsein zu stellen, erinnert das insbesondere ältere Leser an eine Lektion, die jeder einmal erlernen muss. Einer jugendlicheren Leserschaft versucht Autor Pullman damit erneut einen Denkanstoß zu liefern, sich mit der Thematik und den Parallelen dazu in der richtigen Welt auseinanderzusetzen.

Mehr als treffend sind dabei die Charakterisierungen gelungen, so dass man sich als Kenner der Romanreihe im Nu wieder in dem Oxford wiederfindet, in dem das große Abenteuer einst begann. Dabei ist die Kurzgeschichte voll von Anspielungen und Hinweisen, so dass Fans eine ganze Weile zu schmökern haben werden. Dank der ausklappbaren Karte um die Oxford Colleges, einer Postkarte von Mary Malone, die vier wichtige Orte aus Der goldene Kompass zeigt und einiger Werbeplakate, die ebenfalls ihren Weg in das Buch gefunden haben, wirkt Lyras Oxford weniger wie ein kleines Buch, sondern vielmehr wie ein Tagebuch von jemand anders, das man als Leser zufällig in die Hände bekommen hat.
Dieser sehr persönliche Eindruck hilft zudem, die Welt aus Der goldene Kompass hier im Kleinen wieder zum Leben zu erwecken. Man hört als Leser wieder die Stimmen jener Figuren, sehnt sich nach einem Dæmon wie Lyra ihn besitzt und kann stellenweise nicht umhin zu schmunzeln, wenn bekannte Charaktere oder Orte erwähnt werden.
Sollte Pullman dies beabsichtigt haben, so ist ihm das gelungen. Aber auch wenn mit ein paar neuen Informationsfetzen Lust auf mehr gemacht wird, die wenigen Hinweise helfen nicht weiter, so dass man als interessierter Leser am Schluss doch auf seinen Fragen sitzen bleibt. Diesbezüglich und in Hinblick auf die recht einfache Aussage der Kurzgeschichte, bleibt die erste Erweiterung der Trilogie hinter den Erwartungen zurück. Fans werden sich daran allerdings kaum stören, immerhin ist ein kleiner Abstecher in das Leben von Lyra besser als gar keiner.


Fazit:
So kurz die Geschichte auch ausgefallen ist, wie viel Arbeit Autor Philip Pullman in seine erste Erweiterung gesteckt hat, sieht man bereits an den ganzen Kleinigkeiten, die er mitliefert. Die Materialien, die zum Verständnis nicht wirklich notwendig sind, wirken wie ein kleines Geschenk an die Fans, die dies zum Anlass nehmen werden, zusammen mit den Hinweisen in Lyras Oxford, weiterzuknobeln. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, nur bleibt die Frage offen, ob Pullman mit seinem fantasievollen Universum irgendwann abschließen oder es fortsetzen möchte. Zwar deutet er immer wieder an, neue Kurzgeschichten verfassen zu wollen, doch scheint sich dieser Nachschlag hier eher an ein jüngeres Publikum zu richten.
Wer Der goldene Kompass fertig gelesen hat, wird sich wenn dann eine richtige Fortführung wünschen, als einen solchen Nachhall. Als solches ist die Novelle zwar gelungen, doch weckt sie für mich mehr Erinnerungen an die Romanreihe, als dass sie selbst in Erinnerung bleiben würde.


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