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Larry Niven & Jerry Pournelle: "Luzifers Hammer" [1977]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. April 2013
Autoren: Larry Niven & Jerry Pournelle

Genre: Science Fiction / Drama / Thriller

Originaltitel: Lucifer's Hammer
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 629 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1977
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1980
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-0-449208-13-7


Kurzinhalt:
Durch einen Zufall wird der Name des unter anderem von Tim Hamner entdeckten und Hamner-Brown getauften Kometen in den Medien als "Hammer" wiedergegeben. Und je näher der Himmelskörper kommt, umso zutreffender scheint die Bezeichnung. Während manche, darunter Reverend Armitage vom "Hammer Gottes" sprechen und das Ende der Welt verkünden, sind sich Wissenschaftler wie Dr. Dan Forrester und Dr. Sharps sicher, dass der Komet die Erde verfehlen wird. Doch die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag, die ursprünglich astronomisch klein berechnet wurde, wird stetig größer und die Flugbahn des Kometen durch die Einwirkungen der Sonnenstrahlen immer unberechenbarer.
Während Fernsehproduzent Harvey Randall, der eine Dokumentation über die Hysterie angesichts des "Hammers" dreht, sich auf das Schlimmste vorbereitet, sorgt sich der kalifornische Senator Arthur Jellison mehr um das Wohl seiner Tochter Maureen. Ihre Welt wird buchstäblich in ihren Grundfesten erschüttert, als Hamner-Brown in drei Teile zerbricht und auf der Erde einschlägt. Die direkten Verwüstungen verändern das Angesicht des Planeten ebenso, wie die Klimaveränderung, die dadurch in Gang gesetzt wird. Unter den Überlebenden entbrennt nach dem Einschlag ein Kampf um die schlagartig knappen Ressourcen und den wenigen Lebensraum, bei dem manche Fraktion sogar zum Kannibalismus greift – und sei es nur, um ihre Mitglieder psychisch zu brechen und an sich zu binden. Der "Hammerfall" ist nicht das Ende der Katastrophe, sondern vielmehr nur ein erster, tragischer Höhepunkt ...


Kritik:
Inzwischen glauben Wissenschaftler es nachweisen zu können, dass ein Meteoriteneinschlag das Ende der Dinosaurier einläutete. Welch verheerende Wirkung bereits ein verhältnismäßig kleiner Meteor hat, mussten die Menschen im Ural im Februar 2013 erfahren. Obwohl dieser in einer Höhe von 15 Kilometern zerbarst, hatte die Druckwelle genügend Wucht, unzählige Glasscheiben in Tscheljabinsk zu zerstören und so mehr als 1000 Menschen zu verletzen. Hollywood hatte vor 15 Jahren ein solches Szenario erzählt, wobei die Erde gleich zweimal von einem Himmelskörper bedroht wurde: Zum einen in Armageddon - Das jüngste Gericht und zum anderen in Deep Impact [beide 1998]. Wie für Hollywood üblich, bestimmen in beiden Filmen Versuche, den Einschlag zu vereiteln die Handlung. Während das beim Happy-End-freudigen Publikum durchaus für gute Laune sorgt, ist es tatsächlich ebenso unwahrscheinlich wie gleichzeitig naiv zu behaupten, man könne einen entsprechenden Gesteinsbrocken, der die Umlaufbahn der Erde kreuzt, überhaupt sicher erkennen, geschweige denn seine Richtung verändern.

Vor mehr als 35 Jahren erzählten die beiden Autoren Larry Niven und Jerry Pournelle in Luzifers Hammer eine ähnliche Geschichte. Doch auch wenn der Roman mit vielen wissenschaftlichen Elementen gespickt ist, er lässt jeglichen Versuch vermissen, den Kometen, der im Lauf des Buches auf der Erde einschlagen wird, aufzuhalten. Dies schon deshalb, weil die führenden Wissenschaftler sich uneins sind, ob er die Erde treffen wird, oder nicht. Die unterschiedliche Zusammensetzung des Kometen sorgt dafür, dass je nachdem, wie er zur Sonne steht, unterschiedliche Verdampfungen der in ihm enthaltenen Gase stattfinden, die wiederum seinen Kurs kritisch beeinflussen. So macht sich, je näher der Himmelskörper der Erde kommt, zwar ein seltsames Gefühl bei den Menschen breit, doch so sehr die Menschen den Einschlag befürchtet haben, erwartet haben ihn sehr wenige. Selbst wenn, was gemäß den Autoren auf den Aufprall folgt, kann und möchte man sich gar nicht vorstellen.

Veröffentlicht im Jahr 1977 ist Luzifers Hammer ein Produkt seiner Zeit und weist eingangs die bekannte Struktur damaliger Katastrophenfilme auf. Zuerst wird eine Vielzahl an Figuren vorgestellt und ihre Beziehung untereinander erläutert, von denen die meisten die Katastrophe auch überleben werden. In den Geschehnissen danach werden sich die Wege der meisten, wenn nicht von allen kreuzen, gleichwohl die Art und Weise nicht immer ersichtlich ist.
Von den beinahe 50 vorgestellten Figuren konzentrieren sich die Autoren in ihrem Werk auf beinahe zwei Dutzend, wobei es erstaunlich leicht ist, ihren Wegen zu folgen. Der wohlhabend geborene Tim Hamner ist der Hobbyastronom, der den Kometen Hamner-Brown entdeckt. Harvey Randall ist ein Fernsehproduzent und –regisseur, der zusammen mit seiner Crew eine Dokumentationsreihe über den Kometen dreht. Gleichzeitig richtet der Roman den Blick auf den Politiker Arthur Jellison und seine Tochter Maureen, die auf der Jellison-Ranch nach dem Einschlag des Kometen den ersten Grundstein für eine neue Zivilisation legen. Von den übrigen Figuren stechen unter anderem Reverend Henry Armitage, sowie zwei Astro- und zwei Kosmonauten hervor.

Der Roman selbst ist unterteilt in vier Teile, die von den Vorbereitungen des Einschlags berichten, dem Einschlag selbst, sowie den kurzfristigen und den langfristigen Auswirkungen. Als wäre die Zerstörung, die der Komet auf der Erde dabei anrichtet nicht schon schlimm genug, die hunderte Millionen Tote durch die Explosionen, die Schneise der Vernichtung, die in der Atmosphäre angerichtet wird, was folgt scheint umso grausamer. Flutwellen, welche sämtliche Küsten verwüsten, eine neue Eiszeit, die sich rasend von Norden her ausbreitet, weil das Sonnenlicht von der Staub- und Aschewolke reflektiert wird. Und nicht zuletzt, wie Nationen, aus Angst, dass nach dem spärlich gewordenen Lebensraum ihre Territorien und somit ihre Bevölkerung in Gefahr ist, ihre Waffen auf andere Länder richten. Was der Komet nicht zerstört, bringt der Mensch zu Ende.
Doch damit lassen es die Autoren nicht bewenden, sondern gehen in Luzifers Hammer einen Schritt weiter. Es mag der eigenen Naivität geschuldet sein, dass man sich den Rückfall der heutigen Zivilisation ins technologische Mittelalter als so schlimm gar nicht vorstellt. Was Niven und Pournelle einem hier vor Augen führen, ist viel erschreckender. Nicht nur, dass in dieser Welt einmal mehr die Männer die Oberhand gewinnen, schon auf Grund ihrer körperlichen Stärke, moralische Wertvorstellungen stehen angesichts drohenden Hungers, mangelnder medizinischer Versorgung und einer fehlenden sanitären Versorgung großteils zurück. Anwälte und Juristen werden nicht gebraucht, Bauern oder Wissenschaftler, die etwas erschaffen können, hingegen umso mehr.

Man mag sich berechtigterweise fragen, wie aktuell ein Katastrophenszenario sein kann, das vor mehr als drei Jahrzehnten verfasst wurde. Sieht man sich allein unsere heutige Abhängigkeit von elektrischem Strom an und wie wenig wir oftmals davon verstehen, wie die einfachsten Dinge tatsächlich funktionieren – sie zu benutzen ist hingegen meist kein Problem –, muss man leider sagen, dass uns der Rückfall in eine Zeit ohne Elektrizität, ohne all die Annehmlichkeiten, die wir als Voraussetzung für unsere Zivilisation ansehen, vermutlich noch viel stärker treffen würde als damals. Die Machtlosigkeit, mit der wir hingegen einem solchen Ereignis wie einem Kometeneinschlag entgegen sehen müssten, hat sich indes in der Zeit kaum verändert, auch wenn Hollywood uns etwas anderes Glauben lassen möchte.


Fazit:
"Eine Zivilisation hat die Moral, die sie sich leisten kann." Es ist eine Feststellung, die heute wie im Jahr 1977 Gültigkeit besitzt. Würde sämtliche Infrastruktur zusammenbrechen, alle sozialen Sicherungen, sollten die Menschen unserer so genannten zivilisierten Zeit ins technologische Mittelalter zurückgeworfen werden, welche Moral könnten wir uns leisten? Die Schreckensvision, welche die Autoren Larry Niven und Jerry Pournelle im letzten Drittel aufzeigen, scheint grausam und ist dabei doch am ehesten realistisch. Sie macht den Roman ebenso lesenswert wie die vielen Details und Informationen der fundierten Schilderung eines Kometeneinschlags und wie er unsere Welt und unsere Gesellschaft verändern würde. Am Beginn, der das Sozialgefüge Ende der 70er Jahre porträtiert, wird am ehesten das Alter des Buches offensichtlich, das heute oftmals für die Darstellung der Afroamerikaner kritisiert wird. Auch dieses Element sollte man als Zeugnis jener Zeit sehen, wobei nicht auszuschließen ist, dass sollte eine solche Katastrophe die Menschen heimsuchen, sie wieder in solch stereotypes Denken verfallen würden.
Luzifers Hammer gibt sich wie ein in Worte gefasster Katastrophenfilm, der mich auch beim wiederholten Lesen immer noch fesselt und schockiert. Packend von der ersten bis zur letzten Seite gibt es einige Passagen und nicht zuletzt im Englischen die Wortwahl, woran man erkennen kann, dass der Roman etwas älter ist. Die inhaltliche Aktualität macht ihn zu einem modernen Klassiker, der häufiger als seltener mit seiner Darstellung der Gesellschaft und wozu sie sich im Anblick solcher Umstände entwickeln kann, zum Nachdenken anregt. Selbst wenn allein die Vorstellung der Ereignisse nicht immer einfach zu verarbeiten ist.


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