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George Johnson: "Die zehn schönsten Experimente der Welt" [2008]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Dezember 2009
Autor: George Johnson

Genre: Dokumentation

Originaltitel: The Ten Most Beautiful Experiments
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Deutsch
Ausgabe: Gebundene Ausgabe
Länge: 172 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2008
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2009
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-3-406-59096-2


Kurzinhalt:
Die Wissenschaft von der Natur ist vielleicht so alt wie der Mensch selbst. Viele bekannte Persönlichkeiten haben zu großen Sprüngen im Verständnis ihrer Geheimnisse mitgewirkt. Manchmal geschah dies eher zufällig und das Experiment selbst offenbarte Etwas, was der Wissenschaftler gar nicht erhofft hatte. Mitunter stellten die Forscher aber auch gezielte Fragen oder stellten Überlegungen an, die es im Experiment zu verifizieren galt.
Zehn solche Experimente stellt der Autor in seinem Sammelwerk vor und lenkt dabei den Blick des Lesers mitunter auf die Einfachheit des Experiments, dessen Ergebnis unser Weltverständnis auch Jahrhunderte später prägte. Gerade in einer Zeit, in der Wissenschaft und Forschung zum großen Teil industrialisiert wurden, besinnt sich der Autor darauf, wie ein immer aktueller Forschungszweig seinen Anfang nahm ...


Kritik:
Wie immer man eine solche Zusammenstellung angeht, sie ist grundsätzlich den Vorlieben des Autors unterworfen. Eine objektive Kategorisierung, was nun "schön" ist und was nicht, ist schlichtweg nicht möglich. Angesichts der Aufgabenbereiche und Problemfelder der modernen Physik mit Superstringtheorien und Quarks, deren schieres Konzept den Normalsterblichen schon vorenthalten bleibt, scheint es aber durchaus eine lohnenswerte Idee, den Ursprüngen der Physik auf den Grund zu gehen und Experimente vorzustellen, die auf Grund ihrer Eleganz und praxisbezogenen Anwendung nach wie vor Bestand, oder zumindest Wellen bis in die heutige Zeit hinterlassen haben.
Autor George Johnson nimmt sich dabei glücklicherweise die Zeit, die Hintergründe der Experimente und auch die Absicht der Experimentatoren soweit zu erklären, dass man sich auch ohne ein Physikstudium im Text zurechtfindet. Mitunter ist es schwierig, sich zwischen den verschiedenen Wissenschaftlern zu orientieren, deren Wege sich gelegentlich kreuzten, oder die ihre Werke auf den Forschungsergebnissen ihrer Vorgänger aufgebaut haben. Überaus interessant ist es allerdings, auch die weniger bekannten Errungenschaften von bekannten Persönlichkeiten vorgestellt zu bekommen. Dass Isaac Newton für seine Erkenntnis der Gravitation (man erinnere sich an den Baum und den Apfel, der ihm angeblich auf den Kopf fiel) bekannt ist, wissen die Meisten. Dass er aber auch als erster die Lichtbrechung entdeckte und behauptete, weißes Licht wäre nicht ein Teil des Farbspektrums, sondern alle Farben zusammen genommen ergäben weißes Licht, ist hingegen eher unbekannt. Seien es die Experimente Pawlows, der mit seinen Hunden aufdeckte, wie der Verstand auf äußere Reize reagiert, oder die Zusammenhänge zwischen Magnetismus und Elektrizität, die in der heutigen Zeit in so vielen technischen Geräten Verwendung finden – Johnson veranschaulicht eindrucksvoll, mit welchen an sich recht simplen Experimenten die Wissenschaftler der Natur auf die Schliche kamen. Dabei ist das Experiment mindestens genauso wichtig wie die Vorüberlegung des Forschers und was er damit an sich erreichen, beziehungsweise beweisen wollte.

Dass sich Die zehn schönsten Experimente der Welt: Von Galilei bis Pawlow dabei nicht so spannend liest wie ein Roman, steht außer Frage. Und man muss auch eine gewisse Begeisterung für die Materie mitbringen, um wertschätzen zu können, was dem Autor mit seiner Zusammenstellung gelang und wie viel Arbeit hinter den Recherchen lag. Nur hätte man sich durchaus gewünscht, dass den Experimenten auf den jeweils knapp 15 Seiten mehr Platz eingeräumt wird, als der Person, die das Experiment durchgeführt hat. Während es im Vorwort noch heißt, der Autor wollte keine kleinen Biografien verfassen, muten manche "Geschichten", die um das Experiment herum stattgefunden haben, und die ebenfalls mit erläutert werden, beinahe so an wie ein Exkurs in das Privatleben jener Person. Dass der Text knapp 400 Jahre nach den Ereignissen verfasst wurde und dennoch stellenweise mit kleinen Details aufwartet, schmälert in gewissem Sinne die Authentizität.
Nichtsdestoweniger sollten sich Interessenten deshalb nicht davon abhalten lassen, sich das mit vielen Zeichnungen und Skizzen gespickten Buch genauer anzusehen. Wer sich generell für Naturwissenschaften interessiert, wird hier genügend Stellen finden, in denen einem der Bezug zu unserer heutigen Zeit offensichtlich wird. An manchen Stellen scheint Autor George Johnson etwas zu viel Wert auf Details zu legen, während andere Passagen sehr gestrafft wirken. Doch das trübt nicht das Interesse, das der Autor nicht zuletzt mit seiner Auswahl an Experimenten und mit den technischen Zeichnungen beim Leser weckt. Dass es außerdem sehr, sehr viele Möglichkeiten geben würde, eine weitere Sammlung an bahnbrechenden und eindrucksvollen Experimenten zusammen zu stellen, hält der Autor selbst fest. Die Frage bleibt nur, inwieweit die moderne Wissenschaft zu technisch und zu abstrakt geworden ist, als dass sich ihre Prinzipien für die meisten Menschen fassen ließen. Jene Experimentatoren lassen sich (zumindest meistens) mit den Versuchen einwandfrei in Verbindung bringen. Heute werden Errungenschaften mitunter von Hunderten Wissenschaftlern realisiert. Das schmälert nicht ihren Erfolg, aber es macht ihre Arbeit für viele Menschen weniger greifbar. Diesen Vorwurf kann man allen vorgestellten Wissenschaftlern in Die zehn schönsten Experimente der Welt aber nicht machen.


Fazit:
Wer sich mit der Materie beschäftigt hat, hätte vermutlich zehn andere Experimente ausgesucht. Das kann man auch niemandem zum Vorwurf machen, immerhin unterscheiden sich die Geschmäcker der Menschen. Und manch ein Forscher scheint auch nicht so recht in das Gesamtbild von George Johnsons Zusammenstellung zu passen. Dennoch überzeugt die Sammlung mit nachvollziehbaren und in ihrer Grundüberlegung bahnbrechenden Experimenten, die nicht nur die Forschung selbst beflügelt haben, sondern auch bis in die heutige Zeit Auswirkungen zeigten.
Mit Die zehn schönsten Experimente der Welt: Von Galilei bis Pawlow finden Interessenten eine reizvolle Zusammenstellung an namhaften Wissenschaftlern, die hier aber meist nicht für ihre prominentesten Errungenschaften abgedruckt werden. Die Beschreibungen der Personen hätten meiner Meinung nach mitunter einen geringeren Stellenwert einnehmen und das Experiment selbst mehr in den Mittelpunkt gerückt werden dürfen. Davon abgesehen sollte man eine gewisse Bewandtheit in der Thematik mitbringen, um mit den Aufbauten und den Beschreibungen nicht überfordert zu werden. Wer mit diesen Voraussetzungen an die schön aufbereitete und mit interessanten Skizzen versehene Sammlung herangeht, wird aber nicht enttäuscht und vielleicht auch das ein oder andere Aha-Erlebnis erfahren. Denn wer was wie herausgefunden hat, kann man sich oft gar nicht vorstellen.


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