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Peter Benchley: "Das Riff" [1976]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Oktober 2005
Autor: Peter Benchley

Genre: Thriller

Originaltitel: The Deep
Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 251 Seiten
Erstveröffentlichungsland: Großbritannien
Erstveröffentlichungsjahr: 1976
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1981
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-330-25044-2


Kurzinhalt:
Bei ihren Flitterwochen auf den Bermudas verbringen David und Gail Sanders ihre Zeit damit, auf dem Meeresboden nach Schätzen zu suchen, doch abgesehen von im Meer treibenden Gerümpel, finden sie lange Zeit nichts, bis David bei einem Tauchgang eine kleine, gefüllte Glasphiole entdeckt.
Als die beiden Nachforschungen anstellen, woher die Phiole kommen mag, geraten sie an den undurchsichtigen aber sympathischen Treece, dessen Vergangenheit jeder auf der Insel zu kennen scheint, ohne darüber reden zu wollen. Er erzählt den Sanders, dass das Glasröhrchen von einem vor dreißig Jahren gesunkenen Kriegsschiff stammt, dass unter anderem Opium und Morphium transportierte. Was die Sanders gefunden haben, ist ein winzig kleiner Teil einer Ladung, die heute im Drogenmilieu Millionen Dollar wert wäre.
Wenig später stattet der Unterweltboss von Bermuda, Cloche, den Sanders einen Besuch ab und zwingt sie, die gesamte Ladung voll Opium zu bergen, oder die Konsequenzen tragen zu müssen – hilfesuchend wenden sich David und Gail an Treece, der ihnen rät, scheinbar auf Cloches Forderung einzugehen. Doch als die drei zusammen nach den Röhrchen tauchen, entdecken sie nicht nur eine Münze einer noch viel wertvolleren Ladung, sondern schmieden auch erste Pläne, wie sie Cloche um die Drogen bringen können.
Doch der trainiert schon seine eigenen Taucher, und so müssen sich David, Gail und Treece beeilen, ehe Cloche keinen Nutzen mehr in ihnen sieht ...


Kritik:
Mit dem Schreiben ist Peter Benchley quasi groß geworden; sein Vater, Nathaniel Benchley war ebenfalls ein bekannter Autor, wohingegen sein Großvater Robert Benchley sogar ein Gründungsmitglied des "Algonquin Round Table" war, eine geschlossene Gesellschaft brillianter Autoren in den 1920er und 30er Jahren, die noch lange danach Bestand hatte.
Nach seinen Arbeiten bei der Washington Post und Newsweek veröffentlichte Peter Benchley im Jahr 1974 seinen ersten Roman Jaws, besser bekannt als Der weiße Hai, wenig später von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg verfilmt. Damit gelang Benchley nicht nur das dritterfolgreichste Buch des Jahres in den USA, sondern über Nacht ein Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Autoren seiner Zeit. Zwei Jahre später erschien Das Riff in den USA, auch wenn das Buch in Deutschland erst Jahre nach der Verfilmung Die Tiefe [1977] erschien – weswegen der Verlag hierzulande zudem einen anderen Titel, als den Film wählte, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Dass Benchley mit Das Riff aber nicht an den Erfolg von Der weiße Hai anknüpfen konnte, lag in erster Linie jedoch an etwas anderem: Auch wenn der Roman mit einer Länge von nur 250 Seiten alles andere als ausschweifend geraten ist, dem Autor gelingt es in der Zeit nur selten, eine bedrückende Spannung aufzubauen, von einem Finale, das viel zu kurz erscheint, einmal abgesehen.

Inhaltlich bietet Das Riff ansich alles, was man von einem unterhaltsamen Abenteuerroman erwarten würde, eine exotische Insel, ein versunkener Schatz und Bösewichte, die zu allen Mitteln greifen, um ihre Ziele zu erreichen. Doch statt zu Beginn die Inselidylle richtig einzuführen, wirkt Benchley seine Leser nach einem kurzen Prolog in das kalte Wasser, springt in einem rasenden Tempo zu allen Charakteren, die im Verlauf des Romans wichtig werden, und lässt sich im Mittelteil allenfalls mit den angestrebten Bergungen viel Zeit. Statt die Hintergründe des vermuteten Schatzes in einer Gemeinschaftsarbeit detektivisch von den Hauptfiguren aufklären zu lassen, bekommen das Sanders-Ehepaar die Information ebenso präsentiert, wie der Leser – eine Recherchearbeit ist gar nicht notwendig, statt das Geheimnis langsam zu entschlüsseln, wird dem Leser die Auflösung hingeworfen.
Die Story selbst, blickt man nach dem Lesen darauf zurück, ist wirklich interessant und gerade in diesem Szenario auch ausbaufähig. Doch trotz der exotischen Insel wird dem Leser selten ein Gefühl dieser Idylle vermittelt, vielmehr hat man das Gefühl, als tummelten sich auf Bermuda nur eine Handvoll Menschen mit noch weniger Touristen – die Bedrohung, die aufgebaut werden soll, explodiert nur stellenweise, scheint dann aber ungewöhnlich brutal und aggressiv, von den Techniken des Tauchens – immerhin ist Benchley ein leidenschaftlicher Taucher – wird ebenfalls nur recht wenig verraten, wobei selbst die Flora und Faune unter Wasser nur spärlich geschildert wird. Benchley gibt sich nicht viel Mühe, die Unterwasserwelt vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen, deutet vieles nur an, ohne konkret auf Details einzugehen.
Der Verlauf der Grundgeschichte ist dabei nur selten überraschend und löst selbst die Spannungsmomente zu schnell auf; dass das beunruhigendste Erlebnis von Gail Sanders nur im Rückblick erzählt wird, anstatt den Leser in die Haut der Figur zu transportieren, scheint unverständlich. So offenbart Das Riff viel Potential, das man auch entsprechend hätte nutzen können und sollen. Autor Benchley scheint jedoch mehr darum bemüht, die Flitterwochen der Sanders schnell abzuhandeln, anders lässt sich das in nur zwei Seiten niedergeschriebene Finale nicht erklären.

Die Figuren scheinen dafür allesamt aus dem Leben gegriffen und werden auch mit genügend Hintergründen ausgeschmückt, auch wenn Gail Sanders im Vergleich zu David Sanders etwas kurz kommt. Wirklich gut gelungen ist Benchley die Charakterisierung von Treece, der trotz seiner äußeren Ruhe und seiner imposanten Gestalt stets etwas mysteriöses behält.
Ebenfalls kaum zum Zug kommen hingegen die Bösewichte im Roman, die von einem charismalosen Schurken angeführt werden, und meist nur Zeilenfüller sein dürfen.
Gut gelungen ist allerdings die subtile Wandlung von David Sanders, der zwar immer mehr zu tun bekommt, unverständlicherweise aber am Ende so unselbständig bleibt, wie zu Beginn.

Dramaturgisch gelingt es Benchley aus mehreren Gründen nicht durchgehend, die Spannungsschraube anzuziehen. Das liegt zum einen daran, dass immer wieder die Vermutung geäußert wird, wie nahe Cloches Schergen daran sind, die Bergung der Drogen selbst vorzunehmen, man bekommt von den Vorbereitungen jedoch nur selten etwas geschildert; andererseits gelingt es dem Autor nicht, die ständige Beobachtung unter der die Hauptfiguren stehen, verständlich zu machen.
Die zweigleisige Story bestehend aus Drogen und Schätzen bietet zwar ansich Anhaltspunkt für eine interessante und auch mitreißende Suche nach den Hintergründen, doch auch die werden präsentiert, ohne dass man als Leser (oder die Sanders) etwas dafür tun müssten.
Zu guter Letzt ist es jedoch das mäßige Finale, das zwar lange vorbereitet, aber in nur wenigen Seiten durchexerziert wird, und den Roman sichtlich an Lesespaß kostet. Von einem fehlenden Epilog einmal ganz abgesehen. Man hätte sich hier nicht nur deutlich mehr Interaktion aller Figuren, womöglich auf verschiedenen Ebenen, gewünscht, sondern vor allem ein insgesamt bedrohlicheres Szenario, das hier schlicht dem beschriebenen Bombast nicht gerecht wird.

Sprachlich ist Peter Benchleys Stil sicherlich nicht einfach, aber auch nicht besonders schwer zugängig. Es mag an seiner Formulierung liegen, verschachtelten Absätzen, in denen er sich ohne Pause auf verschiedene Figuren oder Objekte bezieht, was das Lesen etwas schwerer macht, alles in allem gibt es daran jedoch nichts auszusetzen.
Die Fachbegriffe sind zweifelsohne nicht immer einfach in den Kontext einzubringen, und gerade im letzten Drittel wird seine Beschreibungsform zunehmend oberflächlicher, doch richtet sich The Deep auch an weniger erfahrene Leser, die insbesondere an der geringen Länge des Romans ihre Freude haben werden.

Weswegen Das Riff heutzutage weder in der übersetzten, noch in der Originalfassung mehr aufgelegt wird, und deswegen nur noch Restbestände zu haben sind, ist unverständlich, denn auch wenn man aus Peter Benchleys Roman bedeutend mehr hätte machen können, es ist kein schlechtes Buch. Es enttäuscht allerdings, dass weder die Atmosphäre der Inselidylle eingefangen wird, noch das verzaubernde Bild, das sich Tauchern in jenen Gewässern bietet. Stattdessen wird die Story selbst im Schnelldurchgang erzählt, ohne aber richtig mitreißen zu können.
Die Bedrohung der Figuren ist dabei aber ebenso wenig zu spüren, wie die Dringlichkeit ihrer Aufgabe. Ist das tägliche Tauchen im Urlaub doch mehr als erfüllend, 250 Seiten ohne große Abwechslung darüber zu lesen, ist weit weniger spannend, und auch nicht in dem Maße empfehlenswert.


Fazit:
Bermuda ist mit knapp 65.000 Einwohnern nicht die am dichtesten bevölkerte Inselgruppe im Atlantik, und mit Tiefsttemperaturen im Januar von nur 5° Celsius auch nicht die wärmste – und doch ist es ein Inselparadies mit einer Vielzahl von Möglichkeiten. Selbiges erkannte auch Autor Peter Benchley, der in seinem Roman Das Riff geschichtliche Hintergründe wie Bermudas Bedeutung während des zweiten Weltkriegs, mit einbaut, und auch in der gesellschaftspolitischen Vergangenheit der Inselgruppe herumstöbert.
An seinem Settings ist auch nichts auszusetzen, was mich jedoch gerade angesichts der kurzen Länge des Romans störte, ist die Tatsache, dass weder die Story mitzureißen vermag, noch die Bösewichte wirklich etwas zu tun haben. Statt den Roman auf mehreren Ebenen zu erzählen, zumindest stellenweise auf dieses Mittel zurück zu greifen und eine Dynamik zu entwickeln, erzählt Benchley seinen Abenteuerroman stur nach Schema-F, ohne Überraschungen oder neue Erkenntnisse. Die Hintergründe des Schatzes und der Drogen werden viel zu schnell verraten und das Finale entbehrt mit einer Länge von nicht einmal 120 Zeilen jeglicher Beschreibung.
Es mag sein, dass vor 20 Jahren die Gewichtung bei der Unterhaltungsliteratur anders gelegen haben mag, als heutzutage, doch während es Autoren wie James Clavell gelang, eine komplexe Story verständlich zu erzählen, versucht Benchley, eine einfache Story einfach zu erzählen – und kann damit verständlicherweise nicht überzeugen.
Aus der Ausgangslage könnte man einen wirklich unterhaltsamen Abenteuerroman machen, der die ansich lebendige Insel ebenso beschreibt, wie die Unterwasserwelt und die verborgenen Schätze. Leider ist Das Riff genau jene Lebhaftigkeit abhanden gekommen, und so klappt man das Buch nach den nur 250 Seiten wieder zu in der Überzeugung, dass dieselbe Story nicht nur umfangreicher, sondern auch packender hätte erzählt werden können.


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