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Patrick Lee: "Das Labyrinth der Zeit" [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. August 2015
Autor: Patrick Lee

Genre: Action / Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Deep Sky
Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 384 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2012
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2012
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 978-0-06-195879-3


Kurzinhalt:
Die Geheimorganisation Tangent, deren einzige Aufgabe es ist, die "Pforte" zu bewachen und die Entitäten, die daraus erscheinen zu sichern, steht vor einem Rätsel: Nach einem verheerenden Anschlag, der die Regierung der Vereinigten Staaten destabilisiert, weist ein mysteriöser Hinweis auf eine alte Tangent-Operation. Doch deren Aufzeichnungen werfen nur noch mehr fragen auf. Nur eines ist sicher: Travis Chase und Paige Campbell bleiben weniger als 24 Stunden – oder alles ist verloren. Die einzige Möglichkeit scheint, eine Antwort in der Vergangenheit zu suchen, dabei wissen Paige und Travis gar nicht, wer ihr eigentlicher Gegner ist ...


Kritik:
Autor Patrick Lee erzählt seinen dritten Roman so schnell, dass er dabei seine eigene Geschichte überholt. Das Labyrinth der Zeit beendet die Trilogie um Travis Chase, die mit Die Pforte [2009] begann und in Dystopia [2010] einen nicht weniger einfallsreichen Höhepunkt erreichte. Der Abschluss geht Lee in der ersten Hälfte besser von der Hand als in der zweiten. Das eigentliche Finale ist dagegen eine regelrechte Enttäuschung und obwohl er andeutet, wohin Travis' Weg ihn letztlich führt, hetzt der Autor auch diese Momente so sehr, dass das Gefühl des großen Ganzen verlorengeht.

Im Vorwort bedankt sich Lee bei Personen, die geholfen haben, den Roman abzurunden und denen Fehler aufgefallen sind, die ihm zuerst durch die Lappen gingen. Seine Lektoren mögen dabei Vieles entdeckt haben, alles leider nicht. Der Auftakt ist so fulminant, wie man es bei den Travis Chase-Romanen gewohnt ist: Bei einer Live-Übertragung wird das Weise Haus in die Luft gesprengt und Präsident Garner getötet. Eine mysteriöse Nachricht ruft die streng geheime Organisation Tangent auf den Plan, der Chase angehört. Doch sie sind von den Vorkommnissen genauso überrascht wie ratlos. Die einzige Antwort liegt in der Vergangenheit und um sie zu finden, muss Travis eine der Entitäten benutzen, die seit dem Entstehen der Pforte daraus erschienen sind.

Das Labyrinth der Zeit macht ohne die beiden Vorgängerromane keinen Sinn und wer diese noch nicht gelesen hat, sollte hier auch nicht weiterlesen.
Sie wurden gewarnt.

Seit geraumer Zeit weiß man als Leser bereits, dass Travis in der Zukunft für eine Katastrophe verantwortlich sein wird. Nun erfährt man schließlich, was es genau ist und auch wenn sich Patrick Lee viel einfallen lässt, um die Zusammenhänge auch in Verbindung mit der mysteriösen Pforte zu erklären, an manchen Stellen drückt er sich gekonnt um eine Antwort.
Es gibt im Science Fiction-Genre viele Arten und Weisen, das Unmögliche möglich zu machen, immerhin ist es Science Fiction. Wenn man als Autor nicht weiterkommt, kann man schließlich auf eine uralte Zivilisation zurückgreifen, die bereits lange ausgestorben ist und die etwas zurückgelassen hat. Das heißt nicht, dass die Erklärung unpassend oder gar schlecht wäre, es erweckt jedoch den Eindruck, als wäre dem Autor nichts Besseres eingefallen.

Viel mehr über die Story von Deep Sky, so der passendere Originaltitel des Buches, zu verraten, würde die meisten Überraschungen verderben. Highlights sind einmal mehr die Entitäten, die bedeutend mehr Ideenreichtum beweisen, als viele Hollywood-Großproduktionen, die aktuell im Kino zu sehen sind. Auch gelingt es Patrick Lee erneut, eine zeitlich stark komprimierte Geschichte zu erzählen, die zum größten Teil in lediglich einem Tag spielt. Das Konzept, das frappierend an die Echtzeitserie 24 [2001-2010] erinnert, geht auch dank der lange vorbereiteten, gelungenen Actionhighlights auf, die glücklicherweise nicht mehr so brutal geschildert werden wie im ersten Buch.
Sprachlich bleibt der Autor seiner Linie treu und bietet ein extrem schnelles, unkompliziertes Leseerlebnis, selbst wenn sich manche Formulierungen auf einer Seite mehrmals wiederholen. Dass die meisten der kurzen Kapitel mit einem Cliffhanger enden und man so geneigt ist, das nächste Kapitel gleich hinterher zu lesen, macht Das Labyrinth der Zeit zu einem sehr kurzweiligen Thriller.

Die eigentlichen Kritikpunkte sind inhaltlicher Art. Wie die Schergen die Information, die zu Beginn für Tangent platziert wird, in die Hände bekommen, verschweigt der Roman beispielsweise. Schlimmer noch ist allerdings, dass was in dem beschaulichen Örtchen Rum Lake geschieht (und auch nach den Ereignissen des Romans weiter geschehen wird) ab dem letzten Drittel keine Rolle mehr spielt, obwohl es nicht aufgelöst wird. Es ist, als hätte Lee diese Punkte schlicht aus den Augen verloren. Insofern wäre es wünschenswert gewesen, hätte Lee nicht nur seinen Figuren, die sich nicht wirklich entwickeln, sondern auch seiner Story mehr Zeit eingeräumt. Es wäre vielleicht nicht ein solch schnell zu lesender Trilogieabschluss geworden, aber wenigstens kein derart gehetzter.


Fazit:
Auch wenn ich in den bisherigen Romanen immer die Ideen schätzen konnte, die Patrick Lee hineingepackt hat (und das waren zum Teil mehr, als andere Autoren in ihrem ganzen Schaffen unterbringen), weder Die Pforte, noch Dystopia waren so raffiniert, wie sie hätten sein können. Der letzte Schliff fehlte, was man schlicht darauf zurückführen kann, dass es seine ersten beiden Bücher waren. Man sollte erwarten, dass in Das Labyrinth der Zeit eine Entwicklung nach vorn erkennbar wäre, stattdessen überzeugt der Abschluss der Reihe um Travis Chase weniger als zuvor.
Immer noch versetzt einen der Einfallsreichtum, insbesondere bei den Entitäten, ins Staunen. Aber statt die wenig detaillierten Figuren schärfer zu zeichnen, ihnen mehr Profil zu verleihen, tauchen zwei der eigentlichen Hauptcharaktere im letzten Drittel gar nicht mehr auf. Dafür ist der Roman nach wie vor schweißtreibend erzählt, animiert ungemein zum Weiterlesen und lässt die Situationen dank der auf das Notwendigste beschränkten Beschreibungen die Actionszenen vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. Das ist mehr, als vielen anderen Autoren gelingt. Nach dem vielversprechenden Anfang hätte ich allerdings etwas mehr Finesse erwartet. Und erhofft.    


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