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Edmond Hamilton: Captain Future: "Mond der Unvergessenen" [2013]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. Mai 2013
Audiobook-CoverUrheberrecht des Covers liegt bei Highscore Music. Verwendet mit freundlicher Genehmigung.
Autorin: Leigh Brackett (unter dem Pseudonym Edmond Hamilton)

Genre: Science Fiction

Originaltitel: Moon of the Unforgotten
Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Deutsch
Ausführung: Hörbuch
Laufzeit: 78 min.
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1951
Erstveröffentlichungsjahr der Ausgabe: 2013
ISBN-13-Nr. der Ausgabe: 978-3-943166-18-7

Regie: Sebastian Pobot
Musik: Christian Bruhn
Sprecher: Helmut Krauss (Erzähler), Hans-Jürgen Dittberner (Captain Future), Jochen Schröder (Professor Simon Wright), Wolfgang Völz (Otto), Friedrich Georg Beckhaus (Grag), Marie Bierstedt (Joan Landor), Klaus Dittmann (Ezella Garnie), Jürgen Holdorf (Konnur), Hans-Peter Kurr (Alter), Katharina von Keller (Frau), Wolfgang Riehm (Shargo), Patrick Mölleken (Geächteter), Jan-David Rönfeldt (Anführer), Konrad Halver (Weiser)


Kurzinhalt:
"Der Mond Europa hat etwas an sich – er ist so alt und grausam und doch irgendwie geduldig ..." Joans Worte sprechen Captain Future aus der Seele. Sie hat die Mannschaft um Curtis Newton, der im Sonnensystem nur als Captain Future bekannt ist, auf den Jupiter-Mond gerufen, aus Sorge um ihren Kollegen und Freund Ezella Garnie. Dieser ist auch ein Vertrauter von Future und wollte auf eigene Faust die Berichte um verschwundene Bürger des Sonnensystems untersuchen. Die sollen sich auf Europa befinden, wo die Erzählungen von einem Zweiten Leben die Bewohner ebenso faszinieren, wie sie davor Angst haben.
Die ersten Nachforschungen bringen Curtis und den Androiden Otto bereits in Lebensgefahr und treffen sie später auf Konnur, der das Zweite Leben wiederentdeckt hat, muss Captain Future seine Überzeugungen in Frage stellen angesichts der Möglichkeiten, die sich ihm bieten ...


Kritik:
Nach dem Erfolg der vierteiligen Hörbuchreihe The Return of Captain Future melden sich die Sprecher mit weiteren Geschichten aus dem Universum um den Raumfahrer mit dem markanten Namen zurück. Den Auftakt macht mit Mond der Unvergessenen erneut ein Novelet, das eigentlich mit seiner Science Fiction-Geschichte bestechen sollte, doch was nach einem durchaus gelungenen Auftakt die Freude merklich trübt ist nicht die Umsetzung, sondern die Story selbst, die aber werkgetreu wiedergegeben wird.

Sie beginnt mit einem Hilferuf der Planetenpolizistin Joan Landor, deren Kollege und Freund Captain Futures, Ezella Garnie, verschwunden ist. Er war dabei, das Phänomen des Zweiten Lebens auf dem Jupiter-Mond Europa zu untersuchen. Der Ausblick auf einen Jungbrunnen fasziniert Autoren und Leser seit unzähligen Generationen und das Genre Science Fiction bietet hier die besten Möglichkeiten, diesen zu erforschen. Wofür sich die Autorin Leigh Brackett unter dem Pseudonym Edmond Hamilton entscheidet, verleiht dem Begriff "Das Zweite Leben" eine ungeahnte und erfrischende Richtung. Dass sie dabei zusätzlich die Problematik thematisiert, wie wenig sich die Menschen auf ihr erstes Leben konzentrieren, wenn sie sich auf ein weiteres verlassen, richtet sich fraglos an zahlreiche Glaubenskonfessionen. Doch nicht nur, dass sie das Finale mit einer Steigerung versieht, die nur schwer zu fassen ist, es finden sich insbesondere was Hauptfigur Curtis Newton alias Captain Future betrifft Momente, die nicht zum Charakter des Weltenretters passen wollen. Dazu zählen respektlose Formulierungen, während ihn früher Neugier und vorsichtiger Optimismus geprägt haben, beziehungsweise eine Handgreiflichkeit statt Überzeugungskunst. Es mag sein, dass dies der Kürze des Novelets geschuldet ist, beziehungsweise Newtons Sorge um seinen Freund, doch es entfremdet einen Charakter, den man lange zu kennen glaubte.

Auf Europa angekommen untersucht Captain Future erste Hinweise in der Stadt Europolis. Schon sehr früh gibt es dabei Verweise auf die große Hintergrundgeschichte dieses Science-Fiction-Universums, das von einem Alten Imperium berichtet, dessen Ruinen und Werdegang Newton und seine Crew immer wieder untersucht haben. Doch auch dieses Reich war nicht das erste, von den Erstgeborenen wird ebenfalls berichtet und man hat beinahe das Gefühl, als würde sich Brackett bemühen, den Nebel um das Mysterium des Ursprungs des Lebens in der Galaxis langsam zu lüften.
Weswegen sich diese Zusammenhänge und Erklärungen meist besser lesen, als dass sie sich anhören, ist durchaus faszinierend. Doch erreichen Captain Future und Otto erst einmal ihr Ziel und beginnen die Erklärungen zu sprudeln, wirkt die Erzählung in Mond der Unvergessenen erstaunlich befremdlich. Nicht, weil sie akustisch schlecht umgesetzt wäre, sondern weil sich das Gehörte vor dem geistigen Auge schlechter in Bilder umsetzen lässt, als das Gelesene. Dass Jürgen Holdorf in der Rolle des Konnur außerdem sehr trocken und wenig begeistert klingt, macht ihn als Widersacher nicht greifbarer. Dafür wirkt Hans-Jürgen Dittberner in der Rolle des Captain Future merklich agiler, nur leider auch, wenn er laut dem Erzähler nüchtern und sachlich klingen soll. Die Bestimmtheit, die unterschwellige Autorität, die man mit seinem Charakter verbindet, bringt er nur selten zum Ausdruck.

Liest man sich die Beschreibungen verschiedener Erinnerungen im Novelet durch, die eine Figur hier am Ende durchlebt, hat man das Gefühl, man würde den Teil von etwas Größerem beobachten, als würde die Autorin einen Blick hineinwerfen in ein Buch, und nachdem man die ersten Sätze gelesen hat, es wieder zuklappen. Dieser Eindruck überträgt sich nur bedingt im Hörbuch Mond der Unvergessenen, das sich durchaus bemüht, diesen Moment greifbar zu machen. Doch wie viel soll der Erzähler ausschmücken, um die jeweilige Situation lebendig werden zu lassen? Während man beim Lesen das Bild vervollständigt, vielleicht sogar kurz innehält, oder den letzten Satz noch einmal liest, um so mehr Details zu erfahren, prescht das Hörbuch voran und die Phantasie bleibt dabei großteils auf der Strecke. So gelungen die Geschichte mit ihrem interessanten und erfrischenden Science Fiction-Kern sein mag, zu hören ist davon insbesondere beim Finale sehr wenig.


Fazit:
Es mag durchaus Menschen geben, die in der Lage sind, gleichzeitig zuzuhören und ihre Gedanken schweifen zu lassen. Bei einem Moment, der durchaus epische Ausmaße annimmt und bei dem man als Leser ins Staunen versetzt wird, braucht es Fantasie, um dem Vorgestellten Leben einzuhauchen. Wer dies kann, während der Erzähler weiter voranschreitet, mag mit dem Finale mehr anzufangen wissen, als ich. Auch wenn die erste Hälfte des Hörbuchs in meinen Augen recht gelungen ist, die zweite büßt hier auf Grund untypischer Charaktermomente vieles ein, während das Finale trotz der eigentlich guten Idee nicht packt.
Die Autorin findet bei Mond der Unvergessenen einen gelungenen Ansatz, um das oft behandelte Thema des Jungbrunnens auf unerwartete Weise abzuwandeln. Ihre Ideen bieten hier mehr Diskussionsstoff, als man im ersten Moment vermuten würde. Und auch wenn sich Vieles davon in das Hörbuch übertragen lässt, ihre Auflösung, welche die Charaktere und den Zuhörer gleichermaßen melancholisch verabschiedet, entfaltet zu hören nicht die Wirkung, die man beim Lesen erfährt. Das macht den Auftakt der zweiten Reihe um den Weltraumhelden nicht schlecht, aber zum Ende deutlich schwächer als zum Anfang.


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