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John Williams: Jurassic Park [1993] Special-Logo

Special-Kategorie: Film  |   von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. September 2015
Index:

Vorwort
Editionen
Original Motion Picture Soundtrack
20th Anniversary Edition Soundtrack
Der Score
Die Fortsetzungen
Links


Vorwort
Jurassic Park 1993 Soundtrack-Cover. Verwendung mit freundlicher Genehmigung von Universal Music.Die Musik im Film ist so alt wie der Film selbst. In den Anfängen wurde sie noch live gespielt, während die Bilder über die Leinwand zuckelten. Welchen Einfluss die Kompositionen darauf haben, wie wir das Gesehene aufnehmen, versteht man erst dann, wenn man einen Film ohne Musik erlebt. Oder gar ein Film mit einem unpassenden Score. Ersteres kann funktionieren, wie viele Filmemacher, darunter auch Alfred Hitchcock mit Die Vögel [1963], bewiesen haben. Letzteres nicht, wie viele andere Regisseure feststellen mussten, deren Werke durch eine grauenvolle musikalische Begleitung im besten Fall im filmischen Durchschnitt versumpften, im schlimmsten Fall in ihrer Wirkung auf die Zuschauer vollständig zunichtegemacht wurden.

Wer tatsächlich einen Beweis benötigte, welch bleibenden Einfluss John Williams' musikalische Untermalung nicht nur auf den Hollywood-Hit Jurassic Park selbst, sondern sogar darüber hinaus hatte, der bekam vor wenigen Monaten eine eindrucksvolle Demonstration: Als mit Jurassic World [2015] der vierte Teil der Reihe in den Kinos lief, konnte man viele der bekannten Themen aus dem immerhin 22 Jahre älteren Jurassic Park hören, obwohl nicht mehr Williams die Musik beisteuerte, sondern Michael Giacchino.

So talentiert Oscarpreisträger Giacchino[1] dabei ist, sein Score lebte in großen Teilen von den Motiven, die John Williams vor so langer Zeit etablierte und die Zuschauer mehrerer Generationen inzwischen unverwechselbar mit jener mit Dinosauriern bevölkerten Pazifikinsel ca. 200 Kilometer westlich von Costa Rica verbinden.
Was Komponist John Williams damals gelungen ist, wird erst mit zeitlichem Abstand wirklich deutlich. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass es einer der besten Filmscores aller Zeiten ist. Und das, obwohl der damals 61jährige in seiner bereits vier Jahrzehnte umspannenden Schaffenszeit mehr als zwei Dutzend Male für den Oscar nominiert worden war und die Trophäe vier Mal mit nach Hause nehmen durfte.

Im selben Jahr wie Jurassic Park erschien das wichtige und bewegende Holocaust-Drama Schindlers Liste, für das Williams ebenfalls einen Oscar erhielt. Für Jurassic Park wurde er nicht einmal nominiert.

Zeit für eine angemessen Würdigung.


Editionen
Original Motion Picture Soundtrack
Am 20. Mai 1993 wurde ein Soundtrack-Album von Jurassic Park veröffentlicht, das eine Laufzeit von etwas mehr als 70 Minuten umfasste. Derselbe Score erschien im vergangenen Jahr als Limitierte Ausgabe sogar auf Vinyl[2].
Auch wenn der Score viele der bekannten Cues beinhaltet, sie sind zum Teil neu zusammengestellt und nicht in der Reihenfolge zu hören, in denen sie im Film präsent sind. Manche Passagen wiederholen sich sogar und ein im Film prominent zu hörendes Stück fehlt bedauerlicherweise vollständig. Dafür sind Elemente zu hören, die nicht im Film enthalten sind.
Hier die vollständige Auflistung:

Titelnummer Titelname Länge
1. "Opening Titles" 0:33
2. "Theme from Jurassic Park" 3:27
3. "Incident at Isla Nublar" 5:20
4. "Journey to the Island" 8:52
5. "The Raptor Attack" 2:49
6. "Hatching Baby Raptor" 3:20
7. "Welcome to Jurassic Park" 7:54
8. "My Friend, the Brachiosaurus" 4:16
9. "Dennis Steals the Embryo" 4:55
10. "A Tree for My Bed" 2:12
11. "High-Wire Stunts" 4:08
12. "Remembering Petticoat Lane" 2:48
13. "Jurassic Park Gate" 2:03
14. "Eye to Eye" 6:32
15. "T-Rex Rescue and Finale" 7:39
16. "End Credits" 3:26


20th Anniversary Edition Soundtrack
Am 9. April 2013, zum 20jährigen Jubiläum des Films, erschien – einzig als digitaler Download – eine erweiterte Fassung des Scores, der nun 82 Minuten umfasst. Die zusätzlichen Stücke suchte John Williams selbst mit aus, allerdings sind zwei Minuten der im Film vertretenen Musik nach wie vor unveröffentlicht.
Der Soundtrack wurde "Remastered" und ist sogar im verlustfreien Audioformat verfügbar[3], was die rein digitale Veröffentlichung zumindest in gewissem Sinn entschuldigt.

Bei JWFan.com gibt es eine Übersicht über die noch fehlenden Cues und sogar eine Anleitung, wie man die bisherigen Soundtracks zusammenstellen müsste, um einen möglichst vollständigen Score in chronologischer Reihenfolge zu erhalten.

Die 2013 erschienene Veröffentlichung umfasst folgende Tracks:

Titelnummer Titelname Länge
1. "Opening Titles" 0:32
2. "Theme from Jurassic Park" 3:25
3. "Incident At Isla Nublar" 5:18
4. "Journey to the Island" 8:52
5. "The Raptor Attack" 2:48
6. "Hatching Baby Raptor" 3:19
7. "Welcome to Jurassic Park" 7:53
8. "My Friend, the Brachiosaurus" 4:13
9. "Dennis Steals the Embryo" 5:01
10. "A Tree for My Bed" 2:09
11. "High-Wire Stunts" 4:08
12. "Remembering Petticoat Lane" 2:46
13. "Jurassic Park Gate" 2:01
14. "Eye to Eye" 6:31
15. "T-Rex Rescue & Finale" 7:41
16. "End Credits" 3:24

Bonus Tracks (bisher unveröffentlicht)
17. "The History Lesson" 2:28
18. "Stalling Around" 2:32
19. "The Coming Storm" 3:58
20. "Hungry Raptor" 2:05


Es ist bedauerlich, dass es nach wie vor keine chronologisch richtige und vollständige Veröffentlichung gibt. Vielleicht dürfen die einschlägigen Labels La-La Land Records oder Intrada, denen Soundtracks und umfassende, hochwertige Veröffentlichungen merklich am Herzen liegen, zum 25jährigen Jubiläum die Fans mit einer solchen Edition überraschen. Es wäre zu wünschen.


Der Score
Auch wenn die Produzenten des Albums (und im Falle von Jurassic Park war sogar John Williams selbst am Arrangement der Tracks auf der Soundtrack-CD 1993 beteiligt) eine andere Zusammenstellung bevorzugen, um die Entwicklung der musikalischen Themen einschätzen zu können, empfiehlt es sich, die Musik in der chronologischen Reihenfolge, in der sie im Film zu hören ist, anzuhören. Eine solche grundsätzliche Reihenfolge – bei der die Tracks jedoch nicht neu geschnitten wurden – liegt der folgenden Besprechung zu Grunde.

Mit dem sanft eingesetzten Chor und dem unheilvollen Aufbau bereitet bereits Opening Titles darauf vor, dass etwas Großes folgen wird. Der kurze Cue erinnert frappierend an den genreweisenden King Kong und die weiße Frau [1933] und erinnert gleichermaßen an ein Spektakel wie auch an das unheilvolle Unbekannte. Die schnelle, basslastige Steigerung kann kleinere Lautsprecheranlage dabei durchaus überfordern.
Wie der Film behält auch der Score dieses Momentum im folgenden Track, Incident At Isla Nublar, bei und hört man nach der kurzen Steigerung, wie sich die disharmonischen Klänge entladen, jagt einem dies einen Schauer über den Rücken. Früh etabliert Williams hier ein Motiv für die eigentlichen "Bösewichte" des Films, die Raptoren. Der zweite Teil des Tracks gehört dabei merklich bereits zu einer anderen Situation.

Nach dem Filmauftakt könnte die fröhliche Fanfare, die sich hinter Journey to the Island verbirgt, keinen größeren Gegensatz darstellen. Auch nach über 20 Jahren sieht man von der Musik inspiriert die grüne Insel vor dem inneren Auge auftauchen. Die hellen Klänge versprühen einen Abenteuercharme, der im besten Sinne an Indiana Jones erinnert, ohne dessen ikonisches Thema zu kopieren. Treffen Alan Grant und Ellie Sattler im Verlauf des Stücks zum ersten Mal auf die Dinosaurier, sehen den Brachiosaurier majestätisch vor ihnen stehen, entfaltet das zweite Leitmotiv, das in so vielen unterschiedlichen Variationen eine unterschiedliche Aussage annehmen kann, seine volle Kraft.
Wer vor über 20 Jahren im Kino saß und zum ersten Mal erlebte, was es hieß, lebendig gewordene Dinosaurier auf der großen Leinwand zu sehen, der wird auch heute noch angesichts der Musik einen Kloß im Hals spüren. Wie kein anderes Stück steht die zweite Hälfte von Journey to the Island für das Wunder, das John Hammond und seine Wissenschaftler auf Isla Nublar erschaffen haben. Michael Giacchinos Jurassic World-Score setzte diese beiden Themen in den rechten Momenten ein und konnte dadurch nicht nur junge Zuschauer für die Bilder begeistern, sondern auch diejenigen, die sich (auch dank der Musik) daran erinnerten, wie sie Jurassic Park damals erlebt hatten.

Hinter Stalling Around verbirgt sich die Sequenz mit der lebendig gewordenen DNS, die den jungen Parkbesuchern erklärt, wie die Tiere erschaffen wurden. Das verspielte Stück scheint passend wie ein Relikt längst vergangener Zeit und erinnert an Cartoons wie Tom und Jerry [1940-1967]. Leisere, zurückhaltende Klänge schlägt Williams bei Hatching Baby Raptor an. So losgelöst das ruhige Stück jedoch klingt, dass nicht alles so makellos ist, wie es bei der Geburt des Baby-Velociraptors scheint, spiegelt auch die Musik wider.
The History Lesson klingt erneut nach Aufbruchsstimmung, wozu auch die sanft eingewobenen Themen des Parks beitragen.

Dieses Gefühl wird in Jurassic Park Gate noch gesteigert, das eingangs rhythmischer daherkommt als irgendein anderes Stück des Scores. Es erinnert aus heutiger Sicht in gewisser Weise an ein Thema, das Williams in Vergessene Welt - Jurassic Park [1997] häufiger einfließen lässt. Auch hier kündigen sich in der zweiten Hälfte düstere Elemente an.
My Friend, the Brachiosaurus knüpft zu Beginn hieran an, um dann jedoch ein weicheres, freundliches Thema vorzustellen.

Einer der Höhepunkte des Scores wie des Films ist der Diebstahl der Embryonen durch Dennis Nedry. In Dennis Steals the Embryo nutzt Williams stark Synthesizer, was die Figur und ihre Handlungen deutlich vom Rest des Films abhebt. Das Thema erinnert stark an seine Kompositionen zu JFK - Tatort Dallas [1991] und baut ungemein Spannung auf, die sich im Laufe der fünf Minuten immer weiter steigert. Je lauter das Stück wird, umso mehr scheint es, als wolle Williams gegen den windgepeitschten Regen ankommen, gegen den Nedry im Film anfährt.

Ein wichtiger Charakter des Films, der kein musikalisches Thema zugeschrieben bekommt, ist derjenige, auf den alle Welt seit der ersten Filmvorschau gewartet hat: Der T-Rex.
Nach beinahe einer Stunde Wartezeit im Film benötigt die urzeitliche Riesenechse keine Musik, sondern spricht durch ihr imposantes Auftreten und die unverwechselbaren Geräusche, die sie macht, für sich.

The Coming Storm gehört zu den neuen Tracks der 2013er-Veröffentlichung und ist überaus hörenswert. Das Stück setzt sich aus drei verschiedenen Cues zusammen: Einerseits der Nachricht von dem Mitarbeiter an den Docks an Dennis Nedry, dass ein Sturm aufzieht, dann der Flucht vor dem T-Rex mit Ian Malcolm, Ellie Sattler und Robert Muldoon und schließlich dem am Anfang des Films zu hörenden Stück mit dem in Harz eingeschlossenen Moskito.
Das folgende A Tree for My Bed bietet eine sanfte Version des bekannten Jurassic Park-Themas, das in gewisser Weise an die Klänge einer Spieluhr erinnert.

Ähnlich wie Remembering Petticoat Lane, das im Film zu hören ist, wenn sich John Hammond erklärt, was er mit dem Park bezwecken wollte. Der ruhige, melancholische Track klingt in Grundzügen wie eine Jahrmarktmusik entsprechend Hammonds Erzählungen, die das tragische Thema um die vermissten Kinder und Alan Grant einrahmt.
Auch das nächste Stück, Eye to Eye ist an sich auf mehrere Stellen im Film aufgeteilt. Der Beginn ist zu hören, wenn versucht wird, den T-Rex mittels einer Ziege anzulocken. Der zweite Teil, wenn sich Muldoon und Ellie darauf vorbereiten, die Stromversorgung des Parks wieder in Gang zu bringen.

Inhaltlich schließt High-Wire Stunts unmittelbar daran an und greift erneut bekannte Themen wieder auf. Erneut überzeugt John Williams mit einem Stück, das allein durch die Musik erkennen lässt, welche Figuren auf der Leinwand zu sehen sind. Die fantastische Steigerung mündet in einer grandiosen kleinen Kamerafahrt hinunter zur Stromversorgung des Parkzauns. Filmemacher Steven Spielberg muss hier nicht aussprechen lassen was geschieht, wenn Ellie sämtliche Systeme wieder angeschaltet hat.
Das Stück ist durch das hohe Tempo, die hellen Instrumente und das ganze Spektrum des Orchesters eines der Highlights des Scores.

Das bisher unveröffentlichte Stück Hungry Raptor behält diese Geschwindigkeit bei und lässt unverwechselbar die Instrumente und Motive der Raptoren erkennen, ist jedoch weniger eingängig als andere Tracks. Ähnlich bei The Raptor Attack, welches das eigentliche Finale von Jurassic Park einläutet. Die Sequenz in der Küche mit den Raptoren gehört zu den spannendsten Szenen des Films und gibt sich entsprechend ruhig, um die Bedrohung durch die Urzeitechsen nicht kaputt zu machen.
Dieser Aufbau überträgt sich in T-Rex Rescue & Finale, obwohl sich der Track schon wenig später in einem Actionfeuerwerk entlädt. Zieht sich die Schlinge um die Helden immer enger zusammen, steigert der Score zunehmend das Tempo, ehe als Auflösung die Figur auftaucht, die Jurassic Park wie keine andere repräsentiert. Dies zeigt sich auch in der Musik und erst dann lässt Williams ein Thema anklingen, das in der Filmfortsetzung noch öfter zu hören sein wird.

Welcome to Jurassic Park ist an sich Teil des Ausklangs des Films und fasst auf malerische Art und Weise die majestätischen Themen zusammen. Dass das Thema des Parks eingangs nur im Piano gespielt wird, ist den Opfern der vergangenen Ereignisse angemessen und zeigt die Wandlungsfähigkeit des Themas, das je nach Instrument eine andere Aussage besitzt.

Auch nach über 20 Jahren und selbst wenn man den Film seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hat, ruft die Musik allein die Bilder von Jurassic Park in Erinnerung.
Wie kaum bei einem Score zuvor gelingt es John Williams, das Gefühl des Staunens und der Begeisterung in Töne zu fassen. Das schmälert nicht, was der Großmeister mit seinen unverwechselbaren Leitmotiven der Figuren in der Star Wars-Saga vollbracht hat, oder wie scheinbar mühelos er mehrere Themen in seinen Indiana Jones-Scores verbindet, ganz im Gegenteil. Während er dort über mehrere Jahre hinweg Themen entwickeln und aufbauen konnte, die Teil der heutigen Pop-Kultur geworden sind, gelang ihm dieses Kunststück mit Jurassic Park in nur einem Film. Selbst diejenigen, die mit Spielbergs Werk nichts anzufangen wissen, erkennen die Hymne wieder, die ihn einleitet und wie kaum ein anderes Merkmal definiert.

Den Score im Hintergrund des Films zu hören bereichert das Geschehen auf unaussprechliche Weise. Ihn als Gesamtwerk ohne den Film zu genießen verdeutlicht, was für ein Meisterwerk er tatsächlich ist. Dass John Williams damals nicht die Anerkennung bekam, die er verdient hatte, ist unverzeihlich. Auch wenn viele Fans und Fachleute den Score inzwischen zu schätzen wissen, es dauerte ganze 22 Jahre, ehe das Jurassic Park-Thema endlich auf dem ersten Platz der Charts landete[4].

Es ist eine viel zu späte Würdigung einer Meisterleistung, die bis heute unerreicht ist und es vermutlich auch bleiben wird.


Die Fortsetzungen
Für die Fortsetzung Vergessene Welt - Jurassic Park kehrte nicht nur Regisseur Steven Spielberg hinter die Kamera zurück, sondern John Williams auch ans Notenpult. Das Ergebnis greift erstaunlich wenige Themen des ersten Teils wieder auf, als wollte der Komponist verdeutlichen, dass es auch Spielberg nicht darum gegangen war, den ersten Film zu kopieren.
Nicht nur, dass der Score auch durch die Themen insgesamt bedeutend düsterer klingt als Jurassic Park, was ihn am meisten unterscheidet ist das Klangspektrum in Bezug auf die Instrumente. War Jurassic Park kraftvoll und hell, klingt Vergessene Welt - Jurassic Park geradezu dumpf. Interessanterweise ist diese Veränderung bei zahlreichen Scores ab jener Zeit bis heute zu beobachten. Es scheint ein unterschiedliches Aufnahme- bzw. Abmischverfahren zu sein, bei dem das Endergebnis weniger voluminös klingt.
Die Musik selbst wirkt stellenweise exotischer, ist oft rhythmisch und verbirgt ein enormes Tempo, das die hohe Geschwindigkeit widerspiegelt, die der Film mit sich bringt. Highlights sind hier The Hunt, The Trek oder Rescuing Sarah. The Raptors Appear ist ebenso fantastisch schnell wie das Finale von Ludlow's Demise, das zu den energischsten und besten Cues des Films gehört. Dem steht insbesondere das Finale von Visitor in San Diego in nichts nach. Auch wenn der Film zu Unrecht viel Kritik einstecken musste und auch John Williams Einfallslosigkeit vorgeworfen wurde, sein Score zu Vergessene Welt - Jurassic Park ist ebenso effektiv wie hörbar und einer seiner kraftvollsten. Für Fans ohnehin ein Muss, das sich lohnt.

Für Jurassic Park III [2001] wurde Komponist Don Davis verpflichtet, der jedoch kaum neue Elemente einfließen lassen durfte, sondern lediglich Motive und Themen der ersten beiden Filme aufwärmt und neu zusammenstellt. Das Ergebnis klingt, als wenn die ursprünglichen Scores von einem anderen Orchester nachgespielt worden wären – nicht schlecht, aber einfalls- und in gewisser Weise leblos.

Jurassic World wurde wie bereits erwähnt von Michael Giacchino vertont, einem der vielseitigsten Nachwuchskomponisten unserer Zeit. Seit Jahren wird er als legitimer Erbe von John Williams gehandelt, selbst wenn manche ihm vorwerfen, dass er dessen Vielseitigkeit vermissen lässt.
Sein Score zur dritten Jurassic Park-Fortsetzung baut in den entscheidenden Momenten stark auf die bekannten Themen, die mehr mitreißen und überzeugen als die neuen. Die Originalen zu übertrumpfen ist vermutlich schlicht eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Seine neuen Themen, beispielsweise zu hören in As the Jurassic World Turns, sind durchaus gelungen, klingen aber weniger "facettenreich" oder hell als alles, was Williams erschaffen hat. Es ist ein guter Score, der im Film stärker aufblüht, als wenn man ihn ohne die Bilder hört.


Vielleicht ist dies das größte Kompliment, das man John Williams nach all dieser Zeit überhaupt machen kann: Seine Klänge sind so unverwechselbar und zeitlos mit dem Dinosaurier-Franchise, dem Gefühl des Wunders angesichts der ausgestorbenen Tiere und ihrem unverwechselbaren Flair verbunden, dass man sich die Kreaturen schlicht nicht ohne die Musik vorstellen mag - oder kann.
Ihm gelang mit Jurassic Park ein Meilenstein der Filmmusik. Welchen Einfluss er damit nicht nur auf diesen Film, sondern auf eine ganze Filmreihe haben würde, war kaum absehbar. Bis heute verbinden viele Zuschauer von damals mit den ersten Takten der bekannten Themen nicht nur die Bilder des ersten Films, sondern auch, was sie damals empfunden haben, als sie die Szenen erlebten.

Dass wir Emotionen mit etwas verbinden, was wir nur gesehen haben, das Erlebnis selbst Teil unserer Erinnerung wird, ist die Magie, die großartige Filme entfalten können. Es ist eine Kunst, Melodien zu finden, die diese Magie mit zum Leben erwecken und sie so noch einprägsamer machen.
Wenige Komponisten beherrschen sie so wie John Williams. Seine Themen zu Jurassic Park werden immer Teil seines unvorstellbaren Vermächtnisses sein. Einer der bedeutendsten.


Links (in englischer Sprache)

[1] IMDb-Auszeichnungsübersichtsseite von Michael Giacchino
[2] Soundtrack.net – Mondo Limited Edition
[3] JWFan.com: Universal Releases 'Jurassic Park' 20th Anniversary Soundtrack Including 4 Unreleased Tracks
[4] It's a 'Jurassic' world, with John Williams' classic 1993 instrumental a No. 1 hit at last
Besprechung des Soundtracks auf Filmtracks.com
Eintrag in der Wikipedia zu Jurassic Park (film score)
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