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Zwei an einem Tag [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Mai 2012
Genre: Liebesfilm / Unterhaltung / Drama

Originaltitel: One Day
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Lone Scherfig
Musik: Rachel Portman
Darsteller: Anne Hathaway, Jim Sturgess, Tom Mison, Jodie Whittaker, Rafe Spall, Joséphine de La Baume, Patricia Clarkson, Ken Stott, Heida Reed, Amanda Fairbank-Hynes, Georgia King, Emilia Jones


Kurzinhalt:
Am Tag nach ihrem Abschluss treffen sich Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess) zum ersten Mal richtig. Es ist eine Freundschaft, die ihnen lange halten wird. Doch geht das Leben an ihnen nicht spurlos vorüber. Jahre später ist Dexter als Fernsehmoderator tätig, wenn auch mit wenig Erfolg bei den Kritikern. Emma hat zwar als Lehrerin etwas gefunden, das sie ausfüllt, aber ihren Traum von einer Schriftstellerkarriere hat sie sich nicht erfüllt.
Durch sein Verhalten und seine Abhängigkeiten leidet Dexters Verhältnis zu seiner Mutter (Patricia Clarkson) und seinem Vater (Ken Stott), während Emma mit Ian (Rafe Spall) nicht wirklich glücklich ist. Es scheint bei beiden immer nur ein kleiner Schritt zu fehlen, damit sie zueinander finden und man kann auch sehen, dass sie zueinander passen würden. Doch das Leben hat viele Umwege für sie eingeplant. Über zwei Jahrzehnte hinweg verbindet Emma und Dexter mehr als sie trennt. Aber es liegt an ihm, sich zu finden – Emma hat sich schon bei ihrer ersten Begegnung für ihn entschieden ...


Kritik:
Anne Hathaway besitzt eine seltene Eigenschaft, wie sie Julia Roberts einst besaß, nämlich uns von der Leinwand oder dem Bildschirm herab auf eine persönliche Art und Weise anzusprechen, sodass wir uns glücklich schätzen würden, würden wir sie in Wirklichkeit zu unserem Bekanntenkreis zählen dürfen. Es ist eine Mischung aus bester Freundin und einem heraufbeschworenen Beschützerinstinkt, durch den es ihr gelingt, selbst in knöchelhohen Stiefeln, einer Jeansjacke samt dezent gemustertem Kleid und einer riesigen runden Brille noch liebenswert und modebewusst zu erscheinen. Und doch lässt Jim Sturgess alias Dexter die von Hathaway gespielte Emma wieder gehen. Wie es dazu kommt, davon erzählt Zwei an einem Tag, der letztlich nicht Emmas Geschichte schildert, sondern seine.

Wir begegnen ihnen zum ersten Mal am 15. Juli 1988, dem Tag, nachdem sie ihren Abschluss gemacht haben. Es ist nicht ihr erstes Treffen, aber ihre gemeinsamen Stunden hinterlassen einen solchen Eindruck, dass sie sich die nächsten 20 Jahre immer wieder über den Weg laufen werden. Zwei an einem Tag wirft immer wieder einen Blick auf den 15. Juli in den zwei Jahrzehnten, die darauf folgen. In jener Nacht fragt Emma Dexter, wo er sich denn in seiner Zukunft sieht. Er hat große Pläne und möchte berühmt und reich sein. Wir werden sehen, was aus seinen Plänen wird, und wie viele Kompromisse er wird eingehen müssen. Das Leben verläuft nicht, wie man es sich vorstellt und Dexter wird mehr als einen Lebenstraum opfern müssen.

Emma weiß zunächst nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte und wir ahnen schon, dass sie mehr aus sich wird machen können. Was in Zwei an einem Tag geschieht besitzt zu viele Zufälle, als dass wir die Geschichte realistisch nennen können, aber sie wird durch Figuren zum Leben erweckt, die sich wie wirkliche Menschen verhalten. Sie eine Liebesgeschichte zu nennen würde sie als perfekt verklären. Bis zum dritten Akt hat man sogar eher das Gefühl, dass man nur die Tiefen gezeigt bekommt und sich die Höhen im Leben der beiden zwischen den kurzen Einblicken abspielen. Insbesondere Dexter sieht seine Träume wie Seifenblasen zerplatzen und was er am Ende bereut wiegt viel schwerer als das, worauf er stolz ist.
In einem Telefonat bemerkt er, dass er besser ist, wenn Emma in seiner Nähe ist. Doch fragt er sich nicht, wessen Schuld es ist, dass er das Potential, das sie in ihm sieht und weckt, ohne sie nicht nutzt. Auch wenn man ihm vorhalten könne, er sei an seiner Situation selbst Schuld, wie oft wünschen wir uns in unserem Leben, dass wir zurückgehen und uns anders entscheiden könnten?

Einnehmend gespielt sind es die leisen Töne, die Zwei an einem Tag über seine Genrekollegen hinaus heben. Dahinter verbirgt sich eine bittersüße Liebesromanze, der doch die Grausamkeit des Lebens nicht entgeht. Sie beschreibt Dexters Geschichte, sein Werdegang, der ihn letztlich auf einschneidende Weise seinem Vater näher bringt. Die Aussagen dabei sind zwar nicht neu, aber eindeutig, nämlich dass man die Zeit, die man mit den Menschen verbringt, die einem wichtig sind, nutzen und nicht vergeuden sollte. Und man sollte das Gute, das sie in einem hervorbringen bewahren, selbst wenn sie nicht bei einem sind. Regisseurin Lone Scherfig gelingen feine Beobachtungen und ein Einblick in das Leben zweier Menschen, die wir am Ende nicht nur gut zu kennen, sondern vor allem zu verstehen glauben. Ob die Adaption der gleichnamigen Romanvorlage von David Nicholls gerecht wird, die 2009 erschien, werden nur Kenner des Buches einzuschätzen wissen. Als eigenständige Liebesgeschichte scheint sie weit weniger verkitscht als viele andere, so dass wir uns am Ende doch nur ungern von den Figuren verabschieden.


Fazit:
Es gibt Daten und Tage, die man nicht vergisst. Und an manchen Daten im Jahr scheinen wichtigere Dinge zu geschehen, als an anderen. Zwei an einem Tag zeigt zwei Leben im Schnelldurchlauf, besucht zwei Figuren, wie sie ein jeder kennt über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder an einem bestimmten Tag im Jahr. Was sie erleben, ist berührend, weil es Schicksale widerspiegelt, wie sie vielleicht nicht so geballt, aber durchaus vorkommen. Dank der natürlichen Darbietungen der erfreulich schattierten und darum sympathischen Darsteller folgen wir ihnen auf ihrem Weg, der in einem kurzen Dialog zwischen Dexter und seinem Vater kurz vor Schluss in einer lebensbejahenden, aber melancholischen Aussage mündet.
Dass Lone Scherfigs Romanadaption viele Parallelen zu anderen Liebesgeschichten aufweist, ist unbestritten. Und wirklich neu ist sie ebenso wenig. Doch ist sie handwerklich tadellos dargebracht und manipuliert ihre Zuschauer nicht für Emotionen. Wer sich darauf einlässt, und das muss nicht zwangsläufig ein weibliches Publikum sein, wird nicht nur durch die gelungenen Dialoge unterhalten, sondern durch Emma und Dexter daran erinnert, dass man seine Chancen im Leben nutzen sollte. Jeder Moment ist kostbar und diejenigen mit den Menschen, die uns wichtig sind, unbezahlbar.


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