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Wo die Liebe hinfällt [2005]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. Februar 2006
Genre: Unterhaltung

Originaltitel: Rumor Has It ...
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Rob Reiner
Musik: Marc Shaiman
Darsteller: Jennifer Aniston, Kevin Costner, Shirley MacLaine, Mark Ruffalo, Richard Jenkins, Christopher McDonald, Steve Sandvoss, Mena Suvari, Mike Vogel, Kathy Bates


Kurzinhalt:
Mit ihrer Familie glaubt Sarah Huttinger (Jennifer Aniston) wenig gemein zu haben und bereits während des Fluges zu ihrem Vater Earl (Richard Jenkins), anlässlich der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester Annie (Mena Suvari) gibt sie ihrem Verlobten Jeff (Mark Ruffalo) allerlei Tipps, das Wochenende gut zu überstehen.
Während der Feierlichkeiten erfährt Sarah von ihrer Großmutter Katharine (Shirley MacLaine), dass Sarahs verstorbene Mutter vor ihrer Hochzeit ein ebenso bedrückendes, leeres Gefühl verspürte, wie Sarah seit Jeff ihr einen Antrag machte. Ihre Mutter sei damals zu ihrem ehemaligen Geliebten Beau Burroughs (Kevin Costner) geflohen und hätte ihren Vater eine Woche später geheiratet.
Der festen Überzeugung, Burroughs sei ihr leiblicher Vater, macht sich Sarah auf, die Jugendliebe ihrer Mutter zu finden, doch als ihr das gelingt, erhält sie keine Antworten, sondern es kommen ihr nur noch mehr Fragen – und aus der erhofften Klarheit wird nur weitere Verwirrung angesichts ihrer eigenen Unentschlossenheit.


Kritik:
Selbst Zuschauern, die Die Reifeprüfung [1967] nicht gesehen haben, ist Mrs. Robinson ein Begriff; mit jener Rolle verewigte sich Anne Bancroft und erschuf einen vollkommen neuen Charakter-Typus. Ob die in jenem Klassiker erzählten, und zuvor in einem Roman erfassten Geschehnisse auf Tatsachen basieren, sei nun dahin gestellt, das Gedankenspiel, jene Figuren kennen zu lernen, die immerhin eine ganze Generation beeinflussten, ist durchaus unterhaltsam und interessant.
Was hätte also näher gelegen, tatsächlich die Darsteller von damals, Bancroft und Dustin Hoffman für ihre Rollen in Wo die Liebe hinfällt zu engagieren? Verhandlungen waren wohl bereits aufgenommen, als Anne Bancroft im Frühsommer 2005 verstarb, und als auch Hoffman auf Grund von anderen Projekten ablehnen musste, wurden die Figuren neu besetzt – ebenso wie der Regiestuhl, auf dem Drehbuchautor Ted Griffin sein Regiedebüt feiern sollte. Er wurde durch Rob Reiner, Regisseur von Filmen wie Harry und Sally [1989], Misery [1990] oder Eine Frage der Ehre [1992] ersetzt, wobei die Gründe für Griffins Rücktritt bislang nicht bekannt sind.

Ihm sind dabei auch die meisten Vorwürfe im Zusammenhang mit Rumor Has It ..., so der treffendere Originaltitel des Films, zu machen; zwar bemüht sich Ted Griffin schon zu Beginn, die neurotisch angelegte Hauptfigur treffend vorzustellen, was ihm auf Grund der Story allerdings misslingt ist eine Sympathieträgerin daraus zu machen.
Die Story gibt sich dabei sowohl für Kenner der Reifeprüfung, als auch für Filmkenner im allgemeinen so vorhersehbar wie überraschungsarm, wartet mit ebenen jenen Wendungen an eben jenen Stellen im Film auf, die man in unzähligen Produktionen zuvor bereits sehen konnte, und begeht am Ende dennoch den Fehler, in einem Happy End enden zu wollen.
Dazwischen schildert Ted Griffin, wie Sarah Huttinger in Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ihren Verlobten belügt, betrügt und sich anschließend mit "es hat nichts bedeutet", ohne Entschuldigung, zu retten versucht. Dabei vergisst der Autor allerdings, Sarahs Hintergrund und ihre Kindheit, ihre Familie tatsächlich zu beschreiben oder vorzustellen. Vielmehr geben sich beinahe alle Figuren gegenüber dem Gast Jeff Daly unfreundlich, Sarahs Großmutter Katharine beleidigt den jungen Mann gar mehrmals unverholen. Wäre ein solches Verhalten anschaulich als Kritik an der Dekadenz jener Gesellschaft eingebracht worden, hätte man diesen Storyaspekten immerhin noch einen tieferen Sinn zusprechen können, doch von einer Kritikfähigkeit Griffins am Verhalten der Huttingers ist nichts zu sehen.
Stattdessen verfolgt das Drehbuch eine junge, erfolgreiche Frau, die sich nach einem Heiratsantrag entscheidet, dass sie ihrem persönlichen Unglück und ihrem Drang nach Abenteuer nachzugeben gedenkt, ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste und immer mit dem Wissen im Hinterkopf, die Schuld auf Beau Burroughs abwälzen zu können. Ob das erstrebenswert ist, muss jeder für sich entscheiden, es verwundert aber insofern, als dass das Skript seine Figuren keine Wandlung durchmachen lässt. Ganz im Gegenteil, sie werden durch den Ausgang der Geschichte in ihrem Handeln nur noch bestärkt.
Zugleich wird die Story auch mit dem Auftauchen von Beau Burroughs wirklich interessanter, plätschert hingegen weiter auf absehbaren Pfaden vor sich hin und mündet in einem Finale, das nicht mitzureißen vermag. Einzig die Dialoge erscheinen überaus natürlich, wohingegen das Verhalten der Figuren beim Zuschauer für Kopfschütteln sorgen sollte.
So enttäuscht die eindimensionale Vorlage sowohl durch ihre zweifelhafte Aussage, als auch durch den spannungsarmen Aufbau, der keinerlei neue Akzente zu setzen vermag, sondern allenfalls leidlich unterhält.

Dass Regisseur Rob Reiner, der ja immerhin selbst seit über 30 Jahren vor der Kamera zu sehen ist, durchaus die Fähigkeit besitzt, seine Darsteller zu motivieren, steht außer Frage; ob nun das kongeniale Zusammenspiel von Billy Crystal und Meg Ryan in Harry und Sally, oder aber Kathy Bates' Furcht einflößende Darbietung in Misery – selbst aus den noch sehr jungen Akteuren in Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers [1986] konnte er sehr gute Leistungen gewinnen, von Jack Nicholsons meisterhaftem Auftritt in Eine Frage der Ehre ganz zu schweigen.
Auch in Rumor Has It ... gelingt es ihm, ein natürliches Spiel seiner Beteiligten zu erwirken; Jennifer Aniston verkörpert ihre Rolle mit einer Überzeugungskraft, wie man es bei ihr auf der großen Leinwand selten gesehen hat, wobei gerade im englischen Original ihre haspelige Ausdrucksweise sehr gut zur Geltung kommt und man tatsächlich das Gefühl hat, sie würde ihren Dialog improvisieren. Woran es ihrer Figur allerdings skriptbedingt fehlt, ist Charisma, das Shirley MacLaine trotz einer eher uninspirierten Darbietung zu versprühen vermag. Vergleicht man ihre Darstellung direkt mit derjenigen in In den Schuhen meiner Schwester [2005], wird deutlich, dass ihr jene Rolle als fürsorgliche Großmutter nicht nur deutlich besser gestanden hat, sondern sie an der Rolle wohl auch größeren Gefallen fand. Routiniert agiert sie nach wie vor und dominiert jede ihrer Szenen, überaus engagiert wirkt sie allerdings nicht.
Anders hingegen Kevin Costner, einer der wenigen Sympathieträger des Films und hier so gut gelaunt wie eh und je. Zwar fehlt es seiner Filmfigur an emotionaler Tiefe, doch das gleicht der bekannte Mime mit einem sehr natürlichen und warmen Spiel wieder aus, mit dem er Aniston in den gemeinsamen Momenten jederzeit in den Schatten stellt.
Als zweite, einsam-sympathische Person im Film ist Mark Ruffalo zu sehen, dessen Motivation, mit Sarah zusammen zu bleiben, allerdings völlig im Dunkeln bleibt. So lässt er zahlreiche Beleidigungen von Seiten der Huttingers über sich ergehen, ohne sich je zu beschweren und verliert beim Zuseher letztlich dadurch an Ansehen, dass er am Schluss kein Rückgrat beweist.
Während der Kurzauftritt von Kathy Bates bei Fans für ein Schmunzeln sorgt, die Aktrice aber ansonsten nichts zu tun hat, überzeugt die mit American Beauty [1999] bekannt gewordene Mena Suvari mit einem durchweg überzeugenden Schauspiel, das allerdings erst im letzten Drittel wirklich zur Geltung kommt. Sie lässt ebenso wenig Wünsche offen, wie Richard Jenkins, der zuletzt in Dick und Jane [2005] zu sehen war und hier, wie in vielen seiner Filme, eine Nebenrolle bekleidet, in der man sich keinen anderen Darsteller hätte vorstellen können. Auch er wird erst im letzten Dritten gefordert, macht seine Sache aber gut.
Die übrige Besetzung wirkt zwar ebenfalls stimmig, kann aber keine wirklichen Akzente setzen.

Auch handwerklich gibt es kaum etwas zu bemängeln, die bewegten Kamerafahrten fangen die bisweilen idyllische Landschaft gekonnt ein, auch wenn Reiners Perspektivenwahl stellenweise arg konventionell anmutet, als hätte er den Darstellern so wenig wie möglich im Weg stehen wollen.
Die Schnittfolge bei Wo die Liebe hinfällt, lässt allerdings zu wünschen übrig, denn auch wenn das Drehbuch von einem Klischee zum nächsten springt, hätte sich die Optik nicht ebenfalls so vorhersehbar geben müssen. So lässt sich aber für versierte Zuschauer jeden Schnittwechsel absehen und auch das nächste Bild, die nächste Einstellung kann man schon erraten, ehe sie erscheint. Dies nur als "altbacken" zu bezeichnen ist eigentlich schon eine Untertreibung, es fehlt der Inszenierung vielmehr an irgendwelchen neuen Ideen oder der Mut, dem Genreklischee nicht zu entsprechen.
So geben sich Kamera und Schnitt zwar nicht schlecht, aber in einem Maße durchschnittlich, wie man es von so namhaften Personen hinter der Kamera nicht erwarten würde und auch nicht sollte.

Dass auch Komponist Marc Shaiman den Film nicht so recht einordnen konnte, ist an der musikalischen Untermalung des Geschehens zu erkenne, die bisweilen die ersten Takte einer fröhlichen Melodie annimmt, dann aber auf melancholische Weise abgeschlossen wird. Für eine als Komödie angedachte Produktion ist der Score zu selten präsent und wirkt zu wenig verspielt; die gesungene Musik bleibt ebenfalls nicht im Gedächtnis und wird gerade in der zweiten Filmhälfte so häufig eingesetzt, dass man meinen könnte, die Produzenten wollten unbedingt ein Soundtrack-Album füllen – das bislang allerdings nicht erhältlich ist.
Von einprägsamen Themen wie aus den Rob Reiner-Filmen Harry und Sally oder Eine Frage der Ehre bekannt, fehlt hier jede Spur, wohingegen nicht einmal die tragischen Momente leise untermalt werden.

Während es handwerklich an Wo die Liebe hinfällt kaum etwas zu kritisieren gibt, und auch die Darsteller durchweg motiviert erscheinen, bricht das in einem Wort unentschlossene Skript der halbgaren Komödie letztlich das Genick und erklärt auch, weswegen trotz eines bekannten Themas und Darsteller mit Starpower in den USA wie in Übersee die Zuschauer ausblieben.
Als Nacherzählung der Reifeprüfung mag die Geschichte zwar gedacht sein, erscheint aber auf Grund des spannungs- und überraschungsfreien Ablaufs nur für diejenigen Gedacht, die mit der Vorlage nicht vertraut sind. Was aber nachdenkende Zuschauer wirklich verärgern sollte ist die zweifelhafte Aussage des Films, laut der Sarah nach einer egoistischen Tour de Force sich nicht einmal aufrichtig für ihre Fehler zu entschuldigen braucht, um ihre Welt gerade zu rücken. Hätte der Drehbuchautor hier mehr Mut bewiesen und den Film nicht auf einer fröhlichen Note enden lassen, hätte man den Machern zumindest das zu Gute halten können. Aber in vorliegender Form ist Rob Reiners Film weder eine Komödie, noch ein Drama, weder tragisch noch ergreifend – er ist vielmehr belanglos und dabei in seiner Aussage doch zweifelhaft.


Fazit:
Man hätte auf Grund der Inhaltsbeschreibung meinen können, dass es den Machern gelingt, in witziger Form die Eigendynamik eines solch langlebigen Gerüchts einzufangen, oder auf ernstere Weise die weibliche Hauptfigur mit ihren neurotischen Anwandlungen zu porträtieren; doch anstatt mit dieser Ausgangslage zu provozieren, aufzuzeigen, weswegen Figuren wie Sarah so handeln, wie sie es tun, nimmt das Drehbuch eine vorgezogene Midlife-Krise als Entschuldigung dafür, dass die vermeintlich sympathische Protagonistin Menschen um sie herum verletzt, betrügt und belügt – ohne dass letztlich daraus Konsequenzen entstehen würden.
Dass die Darsteller trotz einer solchen Vorlage zu überzeugen wissen, liegt an Regisseur Rob Reiner, der seinen Akteuren durchweg gute Leistungen abgewinnen kann, obgleich die sehr stimmige Jennifer Aniston sowohl von Kevin Costner, als auch von Shirley MacLaine in den Schatten gestellt wird. Aus der Geschichte hätte man ohne Zweifel eine witzige, vielleicht sogar mit Verwechslungen gespickte, altmodische Komödie spinnen können, und mit einem pointierteren Skript wären sogar mehr Charaktermomente möglich gewesen, aber im Falle von Wo die Liebe hinfällt ist das "Gerücht" und die Vorstellung dessen bedeutend interessanter, als die filmische Wahrheit, weswegen das ambitionierte Projekt so enttäuscht.


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