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Whiteout [2009]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Januar 2011
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Whiteout
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA / Kanada / Frankreich
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Dominic Sena
Musik: John Frizzell
Darsteller: Kate Beckinsale, Gabriel Macht, Tom Skerritt, Columbus Short, Alex O'Loughlin, Shawn Doyle, Joel S. Keller, Jesse Todd, Arthur Holden, Erin Hickock


Kurzinhalt:
Die abgeschiedene McMurdo-Station der Antarktis, in der U.S. Marshal Carrie Stetko (Kate Beckinsale) ihren Dienst absolviert, mutet wie ein Strafposten an. Für den monatelangen Winter, der in Kürze einsetzt, wird die Station evakuiert. Als Carrie zum Fundort einer Leiche im ewigen Eis gerufen wird, steht sie vor einem Rätsel. Stationsarzt Fury (Tom Skerritt) kann die Wunden des Toten auch nicht recht zuordnen. Er war Teil einer Forschungsgruppe, die ihn jedoch nicht als vermisst gemeldet hat.
Als Carrie mit Pilot Delfy (Columbus Short) in ein benachbartes Camp fliegt, um die übrigen Mitglieder der Gruppe zu befragen, findet sie den nächsten Toten. Der Mörder kann jedoch erst mit den kommenden Evakuierungen verschwinden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem auch der UN-Mitarbeiter Pryce (Gabriel Macht) nicht alles erzählt, was er weiß ...


Kritik:
Einen Film, der auf dem Mond spielt, würde man als Science Fiction-Film ansehen. Nicht nur, weil dort noch niemand wohnt, sondern auch, weil nicht dort gedreht worden wäre. Die Umgebung des Mondes wäre eine Illusion. So ist es auch mit der Antarktis in Whiteout, immerhin wurde der Film nicht dort gedreht. Zugegeben, die Spezialeffekte der recht niedrig budgetierten Produktion erzeugen ein zum großen Teil überzeugendes Flair der Antarktis, doch es sind so Kleinigkeiten, welche die Authentizität stören. Sei es, dass alle möglichen Figuren im Film – darunter auch Hauptfigur Carrie Stetko – ohne Gesichtsschutz bei -65° Celsius über die Schneelandschaft wandern, oder sie sogar ebenso ungeschützt mit dem Bösewicht beim Finale in einem Schneesturm kämpft. Dass nicht in der Antarktis gedreht wurde, merkt man der Produktion somit schnell an, wohingegen die gezeigte Forschungsstation sehr authentisch erscheint und sich Regisseur Dominic Sena sogar die Zeit nimmt, selbige in langen Kamerafahrten zu erkunden. Seit seinem Kinoeinstand Kalifornia [1993] ist jedoch viel Zeit vergangen und es scheint, als würde er sich eher an seinen anderen Werken Passwort: Swordfish [2001] oder Nur noch 60 Sekunden [2000] orientieren, statt an seinem atmosphärischen ersten Spielfilm. Das äußert sich darin, dass Whiteout einige Einstellungen besitzt, die offensichtlich nur enthalten sind, um den Schockmoment für den Zuschauer zu erhöhen. Seien es Leichen, die nach einem Aufprall auf dem Eis (oder einem Festfrieren darauf) viel ihres ursprünglich menschlichen Aussehens verloren haben, oder überflüssig eingestreute Rückblicke, die Tötungen immer wieder zeigen, obgleich der Zuseher es beim ersten Mal schon verstanden hat. Auch der actionbetonte Schluss scheint nicht zum Rest zu passen, zumal es den Spezialeffekten hier nicht gelingt, eine glaubhafte Illusion zu erzeugen.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Graphic Novel von Greg Rucka und Steve Lieber aus dem Jahr 1998, die die Geschichte mit einem weiteren Band zwei Jahre später fortsetzten. Der Film mutet dabei ein wenig wie eine Verbindung beider Stories an. Carrie Stetko ist U.S.-Marshal an einem der entlegensten Gebiete der Erde, der Antarktis. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Bagatelldelikte zu klären, Streitigkeiten unter den Wissenschaftlern der Forschungsstation McMurdo. Diese wird in wenigen Tagen wegen des eintreffenden Winters und eines verheerenden Sturms geschlossen. Dann jedoch sieht sich Stetko mit Dr. Fury (ein ruhiger, aber nicht uncharismatischer Tom Skerritt, der hier beinahe schon aussieht wie Kris Kristofferson) einer Leiche gegenüber und es deutet auf Mord hin. Das würde aber auch bedeuten, dass der oder die Mörder mit den kommenden Flugzeugen aus der Station fliehen könnten.
Das "wer war es"-Prinzip mag sich in klassischen Krimis schon erschöpft haben, was es für eine Zugkraft mit sich bringt, ändert man einmal die Umgebung, in der es stattfindet, ist erstaunlich. Nicht nur dank des begrenzten Raumes auf der Station, sondern auch auf Grund des Settings in der Antarktis interessiert die Jagd nach dem Mörder von der ersten Minute an. Kommen Stetko und Pilot Delfy erst einmal auf die Hintergründe der Tat, hat man den gelungenen Prolog beinahe schon vergessen. Darin wird gezeigt, wie vor fünfzig Jahren eine russische Frachtmaschine in der Antarktis abgestürzt ist, nachdem es dem Kopiloten nicht gelungen war, die übrigen Passagiere problemlos auszuschalten. Der Inhalt der Maschine ist wohl Grund für die Morde, aber wer steckt dahinter? Darauf gibt Whiteout nur bedingt Antwort. Im Gegensatz zum ersten Comic, aus dem zumindest Passagen übernommen wurden, scheint die Beteiligung bestimmter Schlüsselfiguren keinen Sinn zu ergeben oder nur unzureichend erklärt zu werden.

Kate Beckinsale gelingt eine gute Darstellung der abweisenden Carrie, deren kratzige Ausstrahlung hier aber zu schnell zu schmelzen scheint. Sie bringt jedoch ebenso wie Tom Skerritt auf überzeugende Art und Weise dar, aus welchem Holz Menschen geschnitzt sein müssen, um in einer solchen Umgebung arbeiten und leben zu können. Jenes Charisma fehlt sowohl Gabriel Macht als auch Alex O'Loughlin. Columbus Short und Shawn Doyle haben schlicht zu wenig zu tun.
Handwerklich gibt es nicht viel zu bemängeln, aus dem gegebenen Skript war nicht viel mehr zu holen und wer die Geschichte noch nicht kennt, wird bei der ein oder anderen Auflösung durchaus überrascht sein. Regelmäßig eingestreute Zeitlupen sind ebenso unnötig wie die wiederholten Rückblicke. Angesichts der Ausgangslage enttäuscht die Durchführung der Story in gleichem Maße wie die konventionelle Inszenierung. Hieraus hätte mit weniger Action und mehr Thrill ein packender Film werden können. Sieht man ihn als das was er geworden ist, kommt er über die guten Ansätze leider nicht hinaus.


Fazit:
Es gibt nur wenige Orte auf dem Planeten, an denen der Mensch selbst mit Ausrüstung eine so geringe Überlebenschance hat, wie in der Antarktis. Dies fasziniert an der unwirklichen Umgebung womöglich ebenso wie die abgeschiedene Rauheit, die sich angesichts der Protagonisten Stetko und Fury auch auf die Menschen dort überträgt. Whiteout bringt diese Kernelemente gut zur Geltung, auch wenn das Gezeigte durch unsinnige Ideen oft nicht authentisch wirkt. So wäre es überzeugender gewesen, die Gesichter der Darsteller auch beim Finale nicht zu sehen, anstatt sie inmitten eines Schneesturms bei hohen zweitstelligen Minustemperaturen zu zeigen.
Für einen Thriller bieten die ruhigen Phasen zu wenig Spannung, die Inszenierung bleibt trotz der interessanten Umgebung zu gewöhnlich. Dass die Musik ausgerechnet beim wortlosen Finale enttäuscht, mindert den Gesamteindruck. Nach dem starken Auftakt hätte man mehr erwartet – und erhofft.


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