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Wehrlos – Die Tochter des Generals [1999]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. November 2002
Genre: Thriller

Originaltitel: The General's Daughter
Laufzeit: 116 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 1999
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Simon West
Musik: Carter Burwell, Ray Colcord (zusätzliche Musik)
Darsteller: John Travolta, Madeleine Stowe, James Cromwell, Timothy Hutton, Leslie Stefanson


Kurzinhalt:
General Joseph Campbell (James Cromwell) ist fast schon eine lebende Legende – nun nimmt er seinen Abschied, um in die Politik zu gehen, als seine Tochter Elisabeth (Leslie Stefanson), die ebenfalls beim Militär tätig war, tot aufgefunden wird. Mit der Aufklärung des Falles wird Warrant Officer Paul Brenner (John Travolta) bauftragt, der bei der Militärpolizei arbeitet und als einer der Besten gilt.
Da es sich um eine Vergewaltigung zu handeln scheint, wird Sara Sunhill (Madeleine Stowe) den Ermittlungen zugeteilt. Gemeinsam versuchen Sunhill und Brenner den Täter ausfindig zu machen, doch dabei zeigt sich das Militär nicht besonders kooperativ.
Mehr noch, Elisabeth Campbells Vergangenheit und rätselhaftes Leben spielen eine große Rolle bei dem Verbrechen.


Kritik:
"Stupid German Money" – so nennen amerikanische Produzenten deutsche Investitionen in ausländische Filme, die letztendlich keinen überragenden Gewinn bringen. Dabei steuern die deutschen Firmen ein Drittel oder mehr der Produktionskosten bei und erhalten im Gewinnfall nicht mehr als ihr Geld zurück. Sogar der Erlös aus dem Vertrieb in Deutschland geht in aller Regel an die US-Investoren oder einheimische Vertriebe. Reiz der deutschen Firmen ist angeblich die Imagepflege; den US-Konzernen ist das deutsche Geld nur recht: Minimales Risiko bei maximalem Gewinn. Vielen deutschen Firmen hat die Praxis das finanzielle Genick gebrochen, da eben diese mitproduzierten Filme meist an den Kinokassen floppten.
Auch Wehrlos – Die Tochter des Generals wurde unter anderem mit deutschen Geldern finanziert, gefloppt ist der Film glücklicherweise nicht, gleichwohl er ausschließlich von seinen Darstellern lebt.

Spätestens seit Eine Frage der Ehre [1992] ist bewiesen, dass kritischere Militärfilme kein Kassengift sind, und so wirft auch Wehrlos nicht nur mit propagandistischen Sprüchen für die US-Army um sich. Die Story geht auf die politischen Verstrickungen innerhalb des Militärs ein und zeigt dennoch in erster Linie die Charaktere, von denen die ermordete Elizabeth Campbell (Leslie Stefanson) und ihr Film-Vater James Cromwell mehr Hintergrund bekommen, als die beiden eigentlichen Hauptdarsteller John Travolta und Madeleine Stowe. Über ihre gemeinsame Vergangenheit erfährt der Zuschauer immer wieder in kleinen Gesprächen etwas, die große Überraschung bleibt dabei leider aus. Womöglich ist sie in den vier Deleted Scenes der DVD versteckt.

Die Story selbst wartet besonders in der Mitte und am Schluss des Films mit Überraschungen auf, wobei gerade der sogenannte Schluss-Twist, die unerwarteten Wendungen beim Finale, mir persönlich zu wenig vorbereitet wurde und zu plötzlich kommt. Dort wird auf einmal jemand in den Mittelpunkt gerückt, der bisher nur eine Nebenrolle spielte. Der Rest der Geschichte ist allerdings gut aufgebaut und funktioniert vor allem durch die pointierten Dialoge und Kommentare von John Travolta. Er und James Woods liefern sich in ihren Gesprächen ein Feuerwerk an Anspielungen und Bösartigkeiten, dass man als aufmerksamer Zuschauer aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskommt.
Inhaltliche Schwächen des Drehbuchs kommen erst zum Schluss des Films zum Vorschein, eben bei der bereits angesprochenen Auflösung. Vorher werden die Szenen gut aufgebaut und das Gesamtbild, das man letzten Endes vom Opfer bekommt ist sorgfältig vorbereitet.

Die Darsteller sind sehr gut ausgewählt und passen alle in ihre Rollen. Sogar die Nebencharaktere, die nicht so viel zu tun haben, sind exzellent besetzt. Hier sieht man auch Schauspieler, die leider nicht allzu oft auf der großen Leinwand (und vor allem meist nicht in guten Rollen) zu sehen sind: Timothy Hutton, John Beasley, Clarence Williams, um nur einige zu nennen.
Getragen wird der Film eindeutig von John Travolta, der in seiner Rolle wie gewohnt aufgeht. Er spielt den charmanten aber respektlosen Ermittler nicht nur überzeugend, sondern auch mit dem für ihn bekannten Funkeln in den Augen. Dass er sich am Set angeblich mit Regisseur Simon West zerstritten hat, sieht man dem Film zum Glück nicht an.
Auch seine Kollegin Madeleine Stowe lässt keine Wünsche offen, außer vielleicht, dass sie deutlich weniger zum Zug kommt als Travolta.
Ebenso ergeht es James Cromwell als manipulativem General.
Die Chemie zwischen Stowe und Travolta scheint ebenfalls zu stimmen. Sie ergänzen sich sehr gut und wirken beim Umgang miteinander sehr natürlich.

Wenn ich seit einem Jahr an Simon West denke, fällt mir der völlig verkorkste Tomb Raider [2001] ein, der durch eine Abwesenheit von Story und Talent des Filmemachers "glänzte". Kaum zu glauben, dass West bei Wehrlos mit ausgefeilten Kamerapositionen und einem gelungenen Spannungsaufbau aufwarten kann. Kamera und Schnitt sind nicht immer ideal, aber in aller Regel recht gut und erinnern mitunter an einen Stil, den in jüngster Zeit vor allem Michael Bay (The Rock [1996]) geprägt hat und der auch in Wests Regiedebut Con Air [1997] zu sehen war.

Die Musik von Carter Burwell ist ebenfalls gut gelungen, wenn auch kein Ohrwurm wie beispielsweise das Hauptthema von Fletchers Visionen [1997] enthalten ist. Stimmungsvoll und rythmisch unterstützt sie die einzelnen Szenen jedoch tadellos.

Dass der deutsche Titel Wehrlos schon inhaltlich falsch ist, sollte man lieber nicht beachten, es ist nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Mal, dass der Verleih hierzulande auf einen reißerischen Titel setzt, um so mehr Zuschauer anlocken zu können.

Gemessen mit Eine Frage der Ehre kann Wehrlos – Die Tochter des Generals nicht mithalten, auch wenn die Drehbuchautoren versuchten, ähnlich viel psychologische Kniffe einzubauen.
Dafür funktioniert der Film allerdings auf einem anderen Gebiet: Kurzweilige Unterhaltung mit einer guten Portion Thrill und einer Story, bei der die Zuschauer mitdenken sollten, um nicht am Schluss ins Straucheln zu geraten.
Die größten Pluspunkte sind ohne Zweifel die Besetzung des Films und die bissigen Dialoge und Sprüche von John Travolta, was es einem leicht macht, über ein paar Storyschwächen hinweg zu sehen.


Fazit:
Getreu dem Motto "Der Ton macht die Musik" ist es hier das Ensemble, das den Film ausmacht. Mit anderen Darstellern wäre Wehrlos – Die Tochter des Generals mit Sicherheit nicht so unterhaltsam geworden.
Inhaltlich nicht immer ganz logisch, aber nie zu abstrus und vor allem gut inszeniert kann Simon Wests Film als das überzeugen, was er sein soll: Gute Thriller-Unterhaltung mit einem nicht ganz US-Army-freundlichen Touch und gutgelaunten Darstellern.


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