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Wächter der Wüste [2008]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Mai 2010
Genre: Dokumentation / Unterhaltung

Originaltitel: The Meerkats
Laufzeit: 83 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: James Honeyborne
Musik: Sarah Class
Erzähler: Paul Newman (Rufus Beck)


Kurzinhalt:
Schon wenige Wochen nach der Geburt wird das Erdmännchen-Junges Kolo mit der Realität in der Kalahariwüste konfrontiert. In den Sommermonaten, bevor der erlösende Regen einsetzt, ist jeder Tag mühsam und um gegen die zahlreichen Feinde zu bestehen braucht es mit unter den Zusammenhalt des ganzen Stammes. Aber abgesehen von Tapferkeit und Ausdauer muss Kolo lernen, mit dem was ihm geboten wird, auszukommen und Beute zu suchen, die ebenso ums Überleben kämpft.
Das gelingt nicht immer gleich gut und der Preis dafür ist in der Kalahari hoch. Für ein Erdmännchen ist der Stamm ein Garant fürs Überleben. Nur während Kolo jeden Tag Neues lernt und seine Fähigkeiten verbessern muss, muss er gleichzeitig seinen Platz in der Gruppe finden. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht ...


Kritik:
Die Kalahari-Wüste ist ein rauer, ungastlicher Ort. So viel weiß man als Zuseher meist schon, bevor man sich Wächter der Wüste ansieht. Dokumentationen über die sengende Hitze, die sandigen Dünen oder das unbarmherzige Überleben des Stärkeren gibt es zuhauf. Vielleicht ging Regisseur James Honeyborne hier deshalb einen anderen Weg. Er stellt in seinem 90minütigem Film nicht die Widrigkeiten und Gegebenheiten jener Landschaft in den Mittelpunkt, auch nicht die Überlebenstricks der Tiere und Pflanzen, die in einem feinen Balanceakt dennoch leben und gedeihen. Er widmet sich auch nicht den Erdmännchen generell und schildert ihre Entwicklung, ihre Umgebung und ihre Verhaltensweisen. Vielmehr nimmt er einen Clan ins Visier und folgt einem einzelnen Erdmännchen, nachdem es zum ersten Mal das Licht der gleißenden Sonne erblickt hat. Kolo ist der Star der ungewöhnlich unterhaltsamen Dokumentation Wächter der Wüste. Man bekommt seinen Tagesablauf gezeigt, die Gefahren, denen er sich in einer Welt voller Riesen gegenüber sieht, erlebt mit, wie er sich entwickelt und von einem seiner Brüder gelehrt wird, wie er immer mehr selbst Teil des Stamms wird, der in der Wüste der Kalahari ums Überleben ringt.
Man könnte beinahe behaupten, The Meerkats, so der schlichte englische Titel des Films, der zu deutsch nichts anderes als "Die Erdmännchen" bedeutet, wäre so etwas wie eine spannende Biografie eines solchen Säugetiers. Dabei kommen aber leider eben Informationen über die Entwicklung und die körperlichen Eigenheiten der Wüstenbewohner zu kurz, die hier zwar die Hauptrolle spielen, über deren biologische Eigenschaften man aber so gut wie gar nichts erfährt. Stattdessen rückt Honeyborne das Sozialverhalten der Tiere in den Mittelpunkt, zeigt ihre menschenähnlichen Verhaltensweisen, als wäre der Mensch per se das Maß aller Dinge. Man erlebt mit, wie sich Kolos Clan gegen rivalisierende Erdmännchen verteidigen muss und wie sich die ausbleibende Regenzeit auf das sensible Ökosystem auswirkt. Man wird auch Zeuge, wie vergänglich das Leben in jener Welt ist, die Teil unseres Planeten ist und doch wie von einem anderen Stern scheint. Über die anderen Tiere, mit denen sich die Erdmännchen die Wüste teilen, erfährt man nur wenig, zumindest aber bekommt man die erbittertsten Feinde der Säuger zu sehen.

Eingerahmt und erläutert wird das Geschehen durch eine getragene, beinahe schon melancholisch wirkende Erzählung von Paul Newman. Es war eine seiner letzten Rollen.
Er veredelt die wohl ausgesuchten Bilder, die gleichermaßen die betörende Schönheit der Natur einfangen, wie auch die tragischen Folgen für diejenigen, die ihr zum Opfer fallen. Zusammen mit der stimmungsvollen Musik von Sarah Class ergibt dies eine faszinierende Atmosphäre, die die sirrende Hitze spürbar werden lässt. Was Wächter der Wüste schildert, wurde vom Team über einen Zeitraum eines halben Jahres aufgezeichnet, wobei zur Dramatisierung manche Momente nachgestellt wurden – dies geben die Filmemacher glücklicherweise auch an.

Was der Dokumentation im Deutschen schadet ist die hiesige Synchronisation mit Sprecher Rufus Beck. An ihm liegt es zwar nicht, aber die Texte, die an das englische Original angelehnt sind, erweitern den Wortlaut um unnütze Kommentare, bissige Bemerkungen zum Klimawandel und flapsige Sprüche, die inhaltlich nichts beitragen, sondern lediglich die getragene und beinahe etwas traurig wirkende Stimmung unnötig aufpeppen sollen. Dabei gehen die inhaltlichen Punkte jedoch unter. Eine solche Entfremdung der eigentlichen Aussage der Dokumentation ist nicht nur ärgerlich, sondern lässt einen auch daran zweifeln, wie oft so etwas noch passiert. Interessenten sollten sich den Dokumentarfilm somit entweder im englischen Originalton mit deutschen Untertiteln ansehen (denn die basieren auf dem englischen Erzähler), oder zur Tonspur mit der Musik und den Geräuschen der Kalahari greifen, bei der allerdings dann die Informationen fehlen.
Das ändert jedoch nichts daran, dass Wächter der Wüste eine sehr unterhaltsame Dokumentation über die sympathischen und menschlich wirkenden Erdmännchen ist, die zumindest den sozialen Zusammenhalt der Tierchen zeigt, wenngleich Informationen über die Entwicklung der Säuger fehlen. Dank der spannenden Umsetzung und der greifbaren Atmosphäre, die durch die Erzählung Paul Newmans und die stimmungsvolle Musik nur noch authentischer wirkt, zeichnet der Film ein vermutlich nicht unnatürliches Bild über den Alltag jener Tiere in einem der schonungslosesten Gebiete der Erde. Für große und kleine Zuschauer ist das nicht nur lehrreich, sondern auch durchweg unterhaltsam.


Fazit:
Nicht nur wenn sie Wache halten (es ist so etwas wie ihr Markenzeichen geworden) kommen uns die Erdmännchen vertraut vor. In Gruppen von bis zu neun Tieren lebend, prägt ihren Alltag abgesehen von einer rauen Umgebung und einem ständigen Überlebenskampf ein sozialer Zusammenhalt, der den Menschen nicht unähnlich ist. Schon deshalb fühlt man sich bei den putzigen Säugetieren wohl.
Wächter der Wüste rückt die gerade einmal 30 Zentimeter großen Tierchen ins Rampenlicht und schildert anhand von Kolo die Entwicklung eines Erdmännchens innerhalb seines Stammes. Das ist zwar in Bezug auf das Sozialgefüge der Tiere lehrreich, doch fehlen der spannend aufgebauten Dokumentation Hintergrundinformationen zu den Tieren selbst und ihrer Heimat. Hier hätte man sich mehr erhofft. Als zeitgemäßes Docutainment, als unterhaltsamen Dokumentarfilm also, eignet sich der eindrucksvoll fotografierte Wächter der Wüste für die ganze Familie. Vorausgesetzt man genießt zu den schwelgerischen Aufnahmen die englische Sprachfassung anstatt der ärgerlichen Synchronisation.


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