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Unsere Erde 2 [2017]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. April 2018
Genre: Dokumentation

Originaltitel: Earth: One Amazing Day
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien / China
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Richard Dale, Lixin Fan, Peter Webber
Musik: Alex Heffes
Erzähler: Günther Jauch (Deutsche Fassung), Robert Redford (Englische Fassung), Jackie Chan (Chinesische Fassung)


Hintergrund:

Erzähler Günther Jauch lädt auf eine Reise rund um die Welt ein, die Wunder der Natur zu beobachten. Dabei stattet die Dokumentation unter anderem einem Zebrafohlen einen Besuch ab, das gleich mehrmals ums Überleben kämpfen muss, ebenso wie frisch geschlüpfte Leguane auf den Galápagos-Inseln. Sie begleitet einen Zügelpinguin, der jeden zweiten Tag eine gefährliche Reise unternimmt, um Nahrung für seinen Nachwuchs zu besorgen, und eine Familie von Pottwalen, welche die lautesten Geräusche im ganzen Tierreich machen. Es spielen sich Dramen ab, an die sich wahre Wunder des Lebens oder eine Überlebenskunst anschließen, die ihresgleichen sucht. All das im Laufe eines einzigen, unglaublichen Tages auf dem Planeten Erde …


Kritik:
In der Dokumentation Unsere Erde 2 erwarten das Publikum fantastische Bilder unseres Planeten und seiner Tier- bzw. Pflanzenwelt. Es sind Eindrücke, die Staunen machen und mehr die Schönheit als die Zerbrechlichkeit unserer Welt in den Mittelpunkt rücken. Im Deutschen von Günther Jauch erzählt, als würde sich das Gezeigte innerhalb eines Tages abspielen, wird man in den eineinhalb Stunden in verschiedene Länder der Erde geführt. Das ist anmutig und sehenswert, lässt jedoch einen roten Faden vermissen.

Dabei widmet die Dokumentation manchen Tieren bedeutend mehr Zeit als anderen. Am prominentesten verständlicherweise den Großen Pandas, die nicht nur wie kaum eine andere Tierart stellvertretend für die Bedrohung der natürlichen Lebensräume stehen, sondern die gleichzeitig ein wahrer Publikumsmagnet sind. Nicht minder beliebt sind die Zügelpinguine, deren Porträt eines der spektakulärsten in Unsere Erde 2 ist.
Die Filmemacher Richard Dale, Lixin Fan und Peter Webber beginnen unmittelbar nach Sonnenaufgang und reisen anschließend um den Globus, von den gemäßigten Breiten in tropische Regionen, den hohen Norden und beinahe bis in die Antarktis. Auf ihrem Weg begegnen sie zahlreichen verschiedenen Tieren und Pflanzen, die sich alle an ihre jeweilige Umgebung angepasst haben. Nur was genau wollen die Regisseure mit ihnen aussagen?

Am Ende soll es – entsprechend dem englischen Originaltitel – wohl darauf hinauslaufen, dass ein jeder Tag auf unserer Welt ein kleines Wunder darstellt und voller unglaublicher Momente steckt. Das ist auch unbestritten, allerdings hätte es dafür keines Erzählers bedurft. Der darf zwar manche Eigenheiten der jeweiligen Flora und Fauna kommentieren, bleibt in seinen Schilderungen allerdings sehr oberflächlich. Statt sich auf einige wenige Szenarien zu konzentrieren und diese intensiver zu verfolgen, versucht Unsere Erde 2 den Spagat, möglichst viele Vertreter bei ihrem täglichen Kampf um Nahrung und Überleben zu zeigen. Doch fehlt es dadurch bedauerlicherweise an Tiefe. Dies liegt nicht an Erzähler Jauch, der seine Sache durchweg gut macht, sondern an der Struktur der Dokumentation.

Dass die Tiere in ihren Verhaltensweisen oft vermenschlicht werden, es „Gut und Böse“ gibt, sei dabei verziehen und trägt durchaus dazu bei, dass man dem Geschehen angespannt folgt. Auf diese Weise gerät die Darstellung des Überlebenskampfes der jungen Meerechsen auf den Galápagos-Inseln, die unmittelbar nach ihrer Geburt vor Dutzenden Nattern fliehen müssen, zu einem wahren Spektakel. Der Abschnitt ist eines der Highlights von Unsere Erde 2, ebenso wie der Überlebenskampf eines jungen Zebrafohlens. Nur gibt es nichts, was diese Abschnitte tatsächlich miteinander verbindet und auch die Unterteilung durch den Erzähler in die verschiedenen Tageszeiten erscheint mehr als dürftig.
Während sich die BBC-Dokumentationsreihe Planet Erde II: Eine Erde - viele Welten [2016] beispielsweise pro Episode einem bestimmten Thema widmet, vermischen die Macher hier die Erzählstränge, ohne jedoch ein Grundgerüst vorzugeben, an dem sie sich entlanghangeln.

Das schmälert zwar nicht die Wirkung der einzelnen Segmente und wie lange die Kamerateams auf manche Eindrücke gewartet haben müssen, mag man sich gar nicht vorstellen: Der Kampf der Giraffen ebenso atemberaubend wie die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen der Kolibris, die mit Bienen um die Blüten streiten. Sieht man die Tortur, welche die Pinguine täglich auf sich nehmen, um ihren Nachwuchs zu versorgen, dann macht das sprachlos, während die Bilder von lumineszierenden Pflanzen und Tieren einfach nur erstaunen. Aber all das bleibt am Ende weit weniger in Erinnerung, als man vermuten würde, oder als den aufwändigen Aufnahmen angemessen wäre.
Gerade weil Unsere Erde 2 mehr auf das Spektakel als die zerbrechliche Balance des Lebens auf unserem Planeten setzt, verpufft der Appell am Ende, wie wichtig es ist, sich für den Planeten einzusetzen. Das ist nicht nur schade, sondern wird der überwältigend bebilderten Reise zuvor irgendwie auch nicht gerecht.


Fazit:
Kenner der erfolgreichen BBC-Dokumentationsreihen wie Planet Erde [2006] werden bei Unsere Erde 2– mehr noch als bei Unsere Erde [2007] – den Tiefgang der dargebotenen Informationen vermissen. Doch das bedeutet nicht, dass die gezeigten Bilder und Eindrücke nicht faszinieren können. Sieht man die Dokumentation auf der großen Leinwand (bevorzugt auf der größten, die man finden kann), dann ist der Detailgrad, sind die prächtigen Farben, schlicht überwältigend. Die wenigsten Zuseherinnen und Zuseher werden in ihrem Leben jemals ein solches Naturschauspiel tatsächlich erleben können, wie es hier komprimiert alle paar Minuten aus den unterschiedlichsten Perspektiven geboten wird. Manche Abschnitte wie diejenigen auf den Galápagos-Inseln oder bei dem Zebrafohlen sind merklich auf eine Art und Weise geschnitten, dass es spannend und packend erscheint, was kein Kritikpunkt ist. Dass das Regietrio die unterschiedlichen Sequenzen nur aneinanderreiht, ohne dass der Ablauf eine klare Struktur erkennen lässt, hingegen schon. Es ist ein Wermutstropfen bei einer Dokumentation, deren Bildgewalt beinahe erschlägt und das unseren Platz auf dem Planeten in ein anderes Licht rücken sollte. Dass die wenig überraschende Aussage zum Schluss nicht neu ist, macht sie nicht weniger richtig. Oder wertvoll. Auch deshalb ist Unsere Erde 2 mehr als sehenswert.
 


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