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Unbeugsam - Defiance [2008]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Januar 2011
Genre: Drama / Kriegsfilm / Action

Originaltitel: Defiance
Laufzeit: 137 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Edward Zwick
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell, Alexa Davalos, Allan Corduner, Mark Feuerstein, Tomas Arana, Jodhi May, Kate Fahy, Iddo Goldberg, Iben Hjejle, Martin Hancock, Ravil Isyanov, Jacek Koman, George MacKay, Jonjo O'Neill, Sam Spruell, Mia Wasikowska


Kurzinhalt:
Im August 1941 beginnt die Besetzung Weißrusslands durch die SS-Soldaten und ihre Verbündeten. Unzählbar viele Juden werden in Ghettos eingepfercht oder sofort getötet. Die Nazis nehmen hierfür die ortsansässigen Nicht-Juden zu Hilfe. Auch die Eltern der Bielski-Brüder Tuvia (Daniel Craig), Zus (Liev Schreiber), Asael (Jamie Bell) und Aron (George MacKay) zählen zu den Opfern. Die Brüder fliehen in die Wälder und verstecken sich dort, doch sie sind nicht allein. Immer mehr Juden fliehen vor der Verfolgung in den Wald. Ohne es zu wollen schaffen die Bielskis ein Zufluchtsort, der immer mehr Menschen anzieht. Tuvia ist der Anführer, er lebt ein Dasein vor, in dem alle gleich sind und alle arbeiten.
Doch als die Entbehrungen des Winters immer größer werden, lehnen sich einige auf, Zus selbst schließt sich den russischen Soldaten an, um Rache an den Deutschen zu nehmen. Krankheiten breiten sich im Bielski-Lager aus und immer wieder müssen die Menschen weiterziehen, um Patrouillen aus dem Weg zu gehen. Dabei sehen sich die Flüchtlinge nicht nur antisemitischen Auswüchsen von Seiten der Nazi-Deutschen gegenüber. Selbst die eigenen Landsleute, von denen sie Unterstützung erwarten, scheinen gegen sie zu sein ...


Kritik:
Die Grausamkeiten, die von allen Seiten während des Zweiten Weltkrieges verübt wurden, sei es von Seiten Nazi-Deutschlands oder der Alliierten, wurden bereits in zahlreichen Büchern und Filmen thematisiert. Die Geschichte der Bielski-Brüder, die in den Wäldern Weißrusslands Zuflucht vor den SS-Soldaten suchten und letztlich Hunderten Flüchtlingen Unterschlupf boten, wurde bislang keinem so großen Publikum zugänglich gemacht. Mit Unbeugsam - Defiance widmet sich Regisseur Edward Zwick einem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte, dem man ausgesprochen schwer neue Aspekte abgewinnen kann. Dass seinem Film vorgeworfen wird, die historischen Ereignisse falsch darzustellen und die Bielskis zu heroisieren, obwohl es Berichte gibt, dass Trupps, welche sie zur Nahrungsbeschaffung ausgesandt hatten, ebenso plündernd und vergewaltigend durch das Land zogen, lässt sich nicht vermeiden. Es wird keinen Film oder eine Erzählung allgemein geben, deren zugrunde liegenden Tatsachen frei von allen Fehlern sind. Möchte man die Entschlossenheit und den Mut jener Brüder als Leitbild nehmen, muss hierfür Manches beschönigt werden. Kaum eine historische Figur, die ohne Fehler ist, hat die Kraft zu inspirieren.
Es bleibt festzuhalten, dass sich die Filmemacher in Unbeugsam durchaus mit den Schattenseiten der Figuren beschäftigen. Es geht letztlich um die Frage, ob man angesichts einer solch unmenschlichen Grausamkeit die eigene Menschlichkeit bewahren kann.

Nach dem Einfall der Nazis in Weißrussland 1941 werden auch dort Juden in Ghettos zusammen getrieben, viele auf der Stelle erschossen. Männer, Frauen und Kinder fallen nicht nur den Deutschen, sondern auch den ortsansässigen, rekrutierten Machthabern zum Opfer. Die Bielski-Brüder finden ihre Eltern ermordet wieder und fliehen in den Wald. Der älteste, Tuvia, kristallisiert sich als Anführer heraus und als er herausfindet, wer seine Eltern ermordet hat, nimmt er Rache. In den Wald fliehen immer mehr Juden aus der Gegend und die Bielskis bieten ihnen so weit es geht Unterschlupf und Nahrung.
Es mag uns im heutigen Luxus unvorstellbar erscheinen, mit dem notwendigsten Hab und Gut das Zuhause zu verlassen und in die ungeschützte Wildnis zu fliehen. Was die Flüchtigen dort vorfanden schildert der Film in groben Zügen. Der Exodus dauerte laut den Zeitangaben insgesamt drei Jahre, in denen die Bielskis das Lager verlegen mussten, sich vor Patrouillen versteckten und mit Partisanengruppen aneinander gerieten. Während sich Tuvia darauf konzentriert, die Menschen, die bei ihm Schutz suchen zu versorgen und zu beschützen, und darum Feuergefechten aus dem Weg zu gehen, sinnt sein Bruder Zus, nicht zuletzt nachdem seine Familie als getötet gemeldet wird, auf Rache und schließt sich den sowjetischen Truppen an. Angesichts der Übermacht der feindlichen Truppen, des harten Winters und der Opfer unter den Flüchtigen, verzweifelt auch Tuvia an seiner Führung. Es ist eine glückliche Fügung, dass jeweils einer der drei älteren Brüder, Tuvia, Zus oder Asael den Mut aufbringt, das Zepter zu übernehmen, wenn der vorige nicht weiter weiß. Sie leiten die Menschen in ihrem Zufluchtscamp durch viele Widrigkeiten und verstecken sich nicht ohne Verluste erfolgreich vor ihren Verfolgern.

Historiker werfen der Produktion vor, dass die Kämpfe mit den SS-Soldaten nie stattgefunden hätten, ebenso wenig das Gefecht im Finale mit einem Panzer. Vielmehr hätte Regisseur Zwick selbige einbauen müssen, um überhaupt die Finanzierung des Projekts gewährleisten zu können. Anders wäre es für die meisten Zuschauer nicht interessant genug gewesen. Sieht man von der geschichtlichen Genauigkeit einmal ab und betrachtet man Unbeugsam als Zeugnis einer Errungenschaft gegen übermenschliche Widrigkeiten, funktioniert die Erzählung auch besser. Actionreich ist der Film nur stellenweise und auch spannend nur in wenigen Passagen. Wodurch das Drama jedoch überzeugt ist eine emotionale Wucht, die sich in vielen Situationen entfaltet und zumindest greifbar macht, durch welche Hölle die Beteiligten gegangen sind. Dass auch die drei Brüder, die eine heldenhafte Rolle übernehmen, mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen und Rachepläne zurechtkommen müssen, macht sie als Personen greifbarer.
Für ein kleines Budget sehr ordentlich umgesetzt überzeugt das atmosphärische Drama mehr durch die Art und Weise wie die Figuren inspirieren sollen denn durch eine historisch korrekte Wiedergabe der Ereignisse.


Fazit:
Man könnte beinahe behaupten, dass Edward Zwick eine sehr europäische Erzählweise der Geschichte verwendet. Auch wenn es um eine kantige Zeichnung der Figuren geht. Von allen Beteiligten gut gespielt bleiben insbesondere die beiden Bielski-Brüder Tuvia und Zus unnahbar, ob man mit ihren Entscheidungen sympathisiert oder nicht. Unbeugsam schildert eine Zeit voller unmöglicher Entscheidungen und zeigt die der Figuren, ohne sie zu verurteilen oder zu bewerten. Eine Heroisierung findet nur bedingt statt, vielmehr sollen die Figuren durch ihren Mut inspirieren.
Die emotionalen Elemente des Dramas involvieren das Publikum nicht zuletzt auf Grund der bedrohlichen und greifbaren Atmosphäre. Inwieweit dies historisch korrekt ist, sei dahingestellt. Immerhin gelingt es den Beteiligten so, das Augenmerk auf eine Gruppe Menschen zu lenken, deren außergewöhnlicher Lebensmut bislang meist unbeachtet blieb. Gegen eine authentischere Umsetzung des Stoffes wäre jedoch nichts einzuwenden.


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