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True Grit [2010]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. März 2011
Genre: Western / Drama

Originaltitel: True Grit
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ethan & Joel Coen
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper, Dakin Matthews, Jarlath Conroy, Paul Rae, Domhnall Gleeson, Elizabeth Marvel, Roy Lee Jones, Ed Corbin, Leon Russom


Kurzinhalt:
Nachdem ihr Vater von dessen Gehilfen Tom Chaney (Josh Brolin) hinterhältig ermordet wurde, reist die 14jährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) von ihrer Mutter zurück, um die Angelegenheiten ihres Vaters zu klären. Auch heuert sie einen U.S. Marshal an, der entschlossen genug scheint, Chaney zur Rechenschaft zu ziehen. Rooster Cogburn (Jeff Bridges) soll der beste Mann dafür sein. Doch er will sie bei der Suche nach Chaney nicht dabei haben. Auch der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon), der Chaney auf Grund eines Verbrechens verfolgt, das er in Texas begangen haben soll, ist dafür, Mattie zurück zu lassen.
Doch sie lässt sich nicht überzeugen und so jagen alle drei Chaney hinterher, der sich der Bande um Gangster Lucky Ned Pepper (Barry Pepper) angeschlossen haben soll. Doch je länger die Aufholjagd dauert, umso mehr verlieren die vermeintlichen Cowboyhelden ihren Glanz in Matties Augen. Dabei sind sie ihre einzige Hoffnung, Vergeltung für den Mord an ihrem Vater zu bekommen ...


Kritik:
Wie das Leben im alten "wilden" Westen gewesen sein muss, stellen wir uns heute meist nach dem vor, was uns insbesondere die Filme, die zu jener Zeit spielen, vorgeben. Rauen Sitten müssen geherrscht haben, die Gauner schreckten nicht davor zurück, unbescholtene Bürger hinterrücks zu erschießen, während die rechtschaffenen Gesetzeshüter sich an einen Ehrenkodex hielten, der nirgendwo aufgeschrieben war, aber den alle kannten. Die Schurken erkannte man immer schon an ihren schlechten Zähnen und daran, dass sie in Gruppen auftraten, während die guten Cowboys nicht nur gepflegt waren, sondern sich allein einer Truppe von Widersachern gegenüber stellten.
Macht man an solchen Stereotypen einen Western fest, ist True Grit einer nach klassischem Vorbild, was ein wenig verwundert, sieht man sich die Regisseure Ethan und Joel Coen an. Immerhin zeichneten sie meist für Filme mit makabrem Humor verantwortlich. Dieser ist ihnen zwar nicht ganz abhandengekommen, doch erzählen sie die zweite Verfilmung des Romans von Charles Portis erstaunlich konventionell im Genre. Für seine Darbietung des Rooster Cogburn erhielt John Wayne in Der Marshal [1969] den Oscar, in der Fortsetzung Mit Dynamit und frommen Sprüchen [1975] schlüpfte er nochmals in dieselbe Rolle. Für insgesamt 10 Oscars war True Grit bei den diesjährigen Preisverleihungen nominiert und erhielt keine einzige Statue. Sieht man sich den exzellent gespielten und erstklassig gefilmten Western an, erkennt man auch weshalb. Denn so geradlinig und dem Genre entsprechend True Grit auch erzählt ist, so genau hält er sich auch an die Maßgaben des Genres, ohne daraus auszubrechen. Schilderte Clint Eastwood in Erbarmungslos [1992], wie das Leben eines Cowboys aussehen könnte, wenn seine schießwütigen Tage einmal vorbei sind, und blickte dabei hinter die vermeintlich schimmernde Fassade des Wilden Westens, deuten die Coen-Brüder solche Entmystifizierungen nur an, ohne sie bis zu Ende zu erzählen.

Der Western handelt von einer Gesellschaft, in der das Wort eines U.S. Marshals wie Cogburn letztlich ebenso wenig wert war wie das des Mannes, den er zur Strecke brachte. Männer machten die Geschäfte, während die Frauen zuhause auf die Kinder aufpassten, und ob jemand ehrenwert war oder nicht, entschied letztlich nur die Plakette, die auf seiner Brust prangte (oder eben nicht). Diese unterschwellige Kritik an einem System, mit dem sich viele Menschen arrangierten, wird zu Anfang eingebracht, aber später nicht weiter aufgegriffen. An allgemein bekannte Vereinbarungen halten sich sowohl Rooster Cogburn, als auch der Texas Ranger LaBoeuf und sogar die Schergen Lucky Ned Pepper und Tom Chaney. Einzig die 14jährige Mattie Ross bricht aus den Strukturen heraus und zeigt, dass Frauen nicht nur sehr bestimmend sein können, sondern Männern in nichts nachstehen müssen. Sie mag eine Vorbotin dessen sein, was die Gesellschaft viele Jahrzehnte später verändern sollte. Mattie lässt ihre Mutter und ihre beiden Geschwister zurück und reist zu ihrem verstorbenen Vater, um dessen offene Angelegenheiten zu regeln. Dazu gehören nicht nur Vereinbarungen mit seinen ehemaligen Geschäftspartnern, sondern auch, jemanden zu organisieren, der den Tod ihres Vaters rächt. Der Mörder Tom Chaney ist auf der Flucht und in dem herunter gekommenen Marshal Cogburn glaubt Mattie den Richtigen gefunden zu haben. Mit einer hohen Belohnung will sie ihn motivieren, Chaney in das Territorium der Indianer zu folgen, um ihn zur Strecke zu bringen. Auch der Texas Ranger LaBoeuf ist hinter ihm her und so machen sich die drei auf, Chaney und die Bande, bei der er Unterschlupf gefunden hat, aufzuspüren.
Ab dann schildert True Grit den nicht sehr packenden Alltag einer solchen Jagd, bei der sich sowohl Cogburn als auch LaBoeuf als großspurige Schwätzer herausstellen und ersterer sogar als handfester Trinker. Würde Mattie nicht zufällig auf Chaney treffen, wären die beiden Gesetzeshüter auf Grund ihres Machogehabes vermutlich direkt an ihm vorbeigeritten. Die Männer schwelgen immer wieder in Erinnerungen an bessere Zeiten und Prahlen mit Namen, an die sich die nächste Generation gar nicht mehr erinnern wird. Vor allem scheinen sie angesichts der aufgeklärten und schlagfertigen Mattie wie Fossilien ihrer Zeit, die bei näherer Betrachtung lupenrein oder ehrenwert gar nicht sind.

So erzählen die Regisseure ihre Geschichte wie viele Filmemacher vor ihnen und präsentieren damit einen schnörkellosen Western, der in Ansätzen eine Demontage jenes Mythos Wild West erkennen lässt, die man vermuten würde. Doch statt dies zu Ende zu erzählen widmen sie sich einer Story, die auf Grund der wenigen Identifikationsfiguren nicht packt und wenn, dann kommt dies meist zu überraschend. Auch das mag dem Genre angemessen sein, doch die fehlende emotionale Bindung gestaltet True Grit langatmiger als er hätte sein müssen.


Fazit:
Den selbstverliebten Faseleien von Rooster Cogburn und dem Texas Ranger LaBoeuf zuhören zu müssen, muss auch für die forsche Mattie Ross eine Zumutung sein. Auch wenn ihre Unsicherheit und ihre Angst immer wieder durchblitzen, sie ist entschlossener als die beiden anderen zusammen. True Grit zeigt an diesen wenigen Figuren, wie sich das Leben im Wilden Westen zugetragen haben mag. Und dass die Menschen dort nicht in schwarz und weiß einzuordnen waren, sondern auch die vermeintlich Ehrenwerten sich ebenso viel haben zu Schulden kommen lassen.
Die Brüder Ethan und Joel Coen erzählen den Western handwerklich makellos, mit erstklassigen Darstellern, allen voran die junge Hailee Steinfeld, Jeff Bridges, Matt Damon, Josh Brolin und Barry Pepper. Und doch berührt die Suche nach Vergeltung für den Tod von Matties Vater nicht, und auch was mit Cogburn oder LaBoeuf geschieht interessiert herzlich wenig. Auch das hat True Grit mit vielen Western gemein.


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