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Threshold: Nemesis - Der Angriff: "Bäume aus Glas" [2005]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Dezember 2006
Genre: Science Fiction / Thriller / Horror

Originaltitel: Threshold: "Trees Made of Glass"
Laufzeit: 82 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David S. Goyer, Peter Hyams
Musik: Ramin Djawadi, Steve Jablonsky
Darsteller: Carla Gugino, Brian Van Holt, Brent Spiner, Robert Patrick Benedict, Peter Dinklage, Charles S. Dutton, William Mapother


Kurzinhalt:
Inmitten des atlantischen Ozeans begegnet die Crew eines Frachtschiffes einem außerirdischen Flugkörper, der über dem Wasser schwebt – kurz darauf bricht der Kontakt mit dem Schiff ab. Die U.S. Navy, die das Eindringen des Flugkörpers registrierte, nimmt Kontakt zur Analytikerin Dr. Molly Anne Caffrey (Carla Gugino) auf, die vor Jahren ein Protokoll für ein mögliches Invasionsszenario verfasste, das den Codenamen "Threshold" trägt. Nun soll sie ihre Vorlage auf den eingetretenen Fall selbst anwenden.
Dabei stehen ihr der Linguist Arthur Ramsey (Peter Dinklage), der Biologe Nigel Fenway (Brent Spiner) und der Physiker Lucas Pegg (Robert Patrick Benedict) zur Seite. Für den Schutz des Teams ist der Söldner Cavennaugh (Brian Van Holt) zuständig, der für den Regierungsabgeordneten J.T. Baylock (Charles S. Dutton) arbeitet.
Als das Team auf dem Frachter ankommt, sind die meisten Crewmitglieder tot oder entstellt, einzig der verstörte Gunneson (William Mapother) hat überlebt, andere sind verschwunden. Wie Fenway herausfindet, wurde seine Zellstruktur durch das außerirdische Artefakt offensichtlich verändert – wie es scheint, versucht eine außerirdische Rasse die Erde durch eine Änderung der menschlichen DNA neu zu kolonisieren. Als Gunneson entkommt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Invasion der Außerirdischen aufzuhalten, bevor es zu spät sein könnte, wenn es das nicht schon ist ...


Kritik:
Wer sich im Science Fiction-Bereich im Fernsehen auskennt, der wird bemerkt haben, dass nach beinahe zwei Jahrzehnten zum ersten Mal keine neuen Episoden einer Star Trek-Serie mehr zu sehen sind. Grund für die frühzeitige Absetzung des jüngsten Ablegers des Franchises, Star Trek: Enterprise [2001-2005] waren die stark gesunkenen Quoten, trotz der (in den letzten beiden Jahren) sehr hochwertigen Stories und qualitativ exzellenter Episoden auf Kino-Niveau.
Die Beteiligten von Star Trek mussten sich nach neuen Projekten umsehen, und während man auf die neuen Arbeiten der Darsteller noch warten muss, scheint es, als habe sich der kreative Stab hinter den Kulissen von Enterprise neu formiert und lediglich Studio und Namensschild der Sendung gewechselt; mit Brannon Braga, Serienerfinder von Threshold, ebenso von Enterprise, André Bormanis (wie bei Star Trek als Autor und Produzent tätig) und Mike Sussman, finden sich viele vertraute Namen wieder – auch David S. Goyer, bekannt als Autor von Filmen wie Dark City [1998] und Batman Begins [2005] ist hinter den Kulissen tätig. Er inszenierte, ebenso wie Hollywood-Regisseur Peter Hyams (End of Days – Nacht ohne morgen [1999]), einen Teil des Pilotfilms.
Aber auch wenn sich der Stab von Threshold wie ein Stelldichein bekannter Genregrößen liest, sieht man sich einmal die Story an, wird man das Gefühl eines ständig wiederkehrenden Déjà-vus kaum mehr los. Erst bei der handwerklichen Umsetzung beschleicht einen als Zuschauer jedoch der Eindruck, dass man all das schon deutlich besser gesehen hat.

Inhaltlich orientiert sich "Bäume aus Glas" wie die gesamte Threshold-Serie stark an Storylines, die Chris Carter in seiner Kult-Serie Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI [1993-2002] bisweilen verfolgte, und erinnert auch an zahlreiche andere Science Fiction-Filme und -Serien.
Ärgerlich ist dabei vor allem, dass wirklich neue Impulse fehlen, und eingebrachte Möglichkeiten nicht ausgenutzt werden. So wird die erste Beobachtung eines außerirdischen Artefakts nicht nur viel zu schnell abgehandelt, in Sekunden wird beschrieben, wie sich die Crew des Schiffes daraufhin veränderte. Wenn die Spezialeinheit wenig später das Schiff durchforstet, geschieht das buchstäblich in Zeitraffer, von der unheimlichen, bedrohlichen Atmosphäre bleibt kaum etwas übrig. Versuchen sich die Autoren in den ersten vierzig Minuten des Pilotfilms noch an einem Horrorszenario, das durch seine Unbekanntheit und die ungeahnte Größe der Bedrohung besticht, wandelt sich all dies im zweiten Teil des Zweiteilers in eine actionbetonte Alienhatz, bei der wirkliche Überraschungen und Erklärungen zwar ausbleiben, dafür aber immer wieder die Überlegenheit der Worst-Case-Szenario-Studie "Threshold" hervorgehoben wird, über die man als Zuschauer bislang außer ihrem Namen gar nichts gesagt bekam.
So pendelt die Story zwischen bekannt aber unterhaltsam und spannend und haarsträubend, sprunghaft und lächerlich, während sich die Figuren selbst auf einem grundsätzlich sympathischen, aber reißbrettartigen Niveau bewegen, das für einen Pilotfilm zwar grundsätzlich nicht ungewöhnlich ist, aber gerade in Hinblick auf so innovative Serien wie Desperate Housewives [seit 2004] oder Lost [2004-2010] enttäuscht, die bereits in den ersten 40 Minuten die Zuschauer durch intelligente Dialoge und vielschichtige Figuren fesselten.
So enttäuscht die Vorlage von Threshold, ein bedeutend glücklicherer Titel als die deutsche Übersetzung, durch zu wenig neue Ideen, zu platte und vor allem rückgratlose Figuren, sowie fehlende Verbindungsstücke zwischen einzelnen Szenenübergängen. Wird die erste Episode im Eiltempo erzählt, lahmt das Tempo in den zweiten 40 Minuten merklich, wohingegen die Erklärungen, die die Analysten parat zu haben scheinen, samt ihrer deduktiven Methode, im Kreis von nur fünf Personen die Absichten und Methoden der unbekannten Außerirdischen enträtselt zu haben, schlicht irrsinnig und hanebüchen sind.

Den Darstellern kann man dabei keinen großen Vorwurf machen, sie alle wirken zumindest motiviert genug, der neuen Science Fiction-Thriller-Serie einen guten Start zu verschaffen; allen voran eine routinierte Carla Gugino, die mit Sin City [2005] im Kino zu sehen war, im Fernsehen durch wiederkehrende Auftritte bei Chaos City [1996-2002] und Chicago Hope - Endstation Hoffnung [1994-2000] Eindruck machte, und ihrer Figur hier zumindest einiges an Glaubwürdigkeit wiederzugeben vermag, was ihr das Drehbuch durch aufgesetzt witzige Sprüche und eine viel zu laxe Handhabung der gesamten Situation raubt.
Brian Van Holt, bislang meist in Nebenrollen wie in Basic [2003] zu sehen gewesen, hat hier eine der undankbarsten Aufgaben des wortkargen, geistig eher schwach bestückten Beschützers mit einer Ader fürs Grobe, die er zwar solide erfüllt, ohne aber entgegen der Vorlage Akzente setzen zu können.
Peter Dinklage machte seine Sache dagegen gut, lockert das Geschehen mit einer natürlichen Mimik und einiger witziger Sprüche gekonnt auf, wohingegen Robert Patrick Benedict die Aufgabe zufällt, eine realistische Reaktion auf die außergewöhnliche Situation seiner Figur zustande zu bringen, was ihm auch gut gelingt.
Star Trek-Veteran Brent Spiner, der bislang eine eher untergeordnete Rolle spielt, scheint außergewöhnlich motiviert, ohne dass er jedoch gegen die wenigen klischeebeladenen Dialogzeilen seiner Figur ankommen würde. Er überzeugt zwar tadellos, bleibt mit der Darbietung im Pilotfilm doch nicht im Gedächtnis.
Ebenso wenig Charles S. Dutton, der abgesehen von seinen zahlreichen Kinofilmen (zuletzt zu sehen in Das geheime Fenster [2004]) eher selten im TV zu sehen war; auch wenn seine Figur bislang ohnehin unterrepräsentiert ist, die klischeehafte Charakterzeichnung scheint nicht zu ihm zu passen, und er sich in ihr auch nicht wirklich wohl zu fühlen. Dank seines routinierten Auftretens gelingt es ihm, diese Mängel zu überspielen, wirklich motiviert scheint er jedoch nicht.
Gastdarsteller William Mapother, der eine sehr ähnlich gelagerte Rolle in Lost übernahm, schien in jener Serie nicht nur deutlich bedrohlicher, sondern auch mehr gefordert – in Threshold kommt er über das übliche Maß eines Bösewichts nicht hinaus, macht seine Sache aber immerhin ordentlich.
So wirkt der Cast zwar bunt zusammengewürfelt und auch aus talentierten Leuten zusammen gestellt, aber trotz motivierter Akteure nur halbherzig gefordert. Dies mag an den Dialogen, vielleicht aber auch am Szenario selbst liegen, das schauspielerisch schlicht nicht in dem Maße fordert, wie es Chris Carter vor beinahe zehn Jahren in seiner legendären Mystery-Serie gelang, die stellenweise mit intelligenten Skripts und erstklassigen Darstellern aufwarten konnte.

Während der Cast somit zwar nicht enttäuscht, sein Potential aber ungenutzt bleibt, sieht es handwerklich und produktionsbedingt bei Threshold etwas anders aus; dass man bei CBS, dem Sender, bei dem die drei aktuellen CSI-Serien produziert und ausgestrahlt werden, darum bemüht war, der neuen Science-Fiction-Serie trotz Konkurrenz in Form von Surface und Invasion [beide seit 2005] einen guten Start zu ermöglichen, sieht man am Produktionsdesign des Pilotfilms, das überaus gelungen ist.
Handwerklich bewegen sich die Regisseure mit einer soliden Inszenierung immer auf der sicheren Seite und haben gleichzeitig einige sehr gelungene Sets, die es einzufangen gilt. Insbesondere das verlassene, unheimliche Schiff, das durchsucht wird, wirkt überaus realistisch und wird auch ebenso beklemmend gefilmt. Kamera und Schnitt wirken routiniert und ansprechend, wenngleich nicht so frisch und innovativ wie beispielsweise beim Pilotfilm von Lost.
Außergewöhnlich gut sind allerdings die Spezialeffekte gelungen, die sich allesamt auf einem sehr hohen Niveau befinden, und auch in der Schlusseinstellung des Zweiteilers einen Höhepunkt erfahren. Mehr kann man sich sicherlich nicht erhoffen, zumal die Effektekünstler die Aufgabe hatten, die computergenerierten Szenen mit Realaufnahmen zu verbinden.
Was Threshold an inhaltlicher Finesse fehlt, machen die Regisseure und Produzenten zumindest handwerklich großteils wieder wett, auch wenn man sich gerade den zweiten Teil sichtlich spannender gewünscht hätte, wohingegen die Erzählweise der ersten 40 Minuten zu schnell und hektisch erscheint.

Wem die musikalische Untermalung trotz des spärlichen Einsatzes vertraut vorkommt, und wem die beiden Namen in dieser Konstellation ebenfalls bekannt erscheint, der liegt nicht wirklich falsch. Während Steve Jablonsky für die orchestrale Untermalung von Die Insel [2005] verantwortlich zeichnet, liefert Ramin Djawadi bei vielen Scores zusätzliche Musik und Themen – beide sind Teil der Media Ventures, jener Komponistenvereinigung, die von Hans Zimmer mitgegründet wurde. So verwundert es auch nicht, dass sich die Musik in "Bäume aus Glas" sehr rhythmisch zu den Szenen fügt.
Doch abgesehen von einer sehr atmosphärischen und auch durchweg passenden Orchestrierung vermisst man bei Threshold vor allem ein durchgängiges Thema, das es bislang nicht zu geben scheint. Dies mag einerseits damit zusammenhängen, dass die Serie auch ohne einen wirklichen Vorspann auskommen muss, aber während Michael Giacchino für seine Serien Lost und Alias – Die Agentin [2001-2006] jeweils eine ganz eigene Instrumentierung fand, und auch die Star Trek-Serien jeweils mit einem Identifikationsthema, sowie eindeutigen Melodien pro Episode herausstachen, fehlt selbiges bei Threshold leider völlig.
Das macht die Musik nicht wirklich schlechter, lässt aber Potential ungenutzt, das man ohne weiteres hätte ausschöpfen können. So passt die Musik ganz gut zu den Szenen, bleibt aber nicht wirklich haften.

Selbiges könnte man auch über das gesamte Konzept der Serie sagen, sofern dies nach nur 90 Minuten möglich ist. Die Grundidee selbst ist zwar nicht neu, bietet aber zumindest gewisse Möglichkeiten, die sich in einer realistischen Auseinandersetzung auch zu erforschen lohnen würden. Doch die bisher nur halbgaren Storylines bieten zu wenig Neues, zu wenig Spannung und Überraschung, um wirklich überzeugen zu können. Hinzu kommen zwar sympathische, aber charakterarme Figuren, eine solide Inszenierung ohne wirkliche Höhepunkte und ein Ungleichgewicht innerhalb des Pilotfilms, der sich in der ersten Hälfte auf eine spannende Inszenierung zu konzentrieren versucht, diese aber in einem Eiltempo exerziert, dass gerade die angestrebte Atmosphäre nicht zur Geltung kommt, und einem zweiten Teil, der mit nicht nachvollziehbaren Storylöchern aufwartet, dabei aber sinnlose Erklärungen und Action ohne Motivationsfaktor bietet.
Wäre "Bäume aus Glas" nicht wenigstens handwerklich so gut gelungen, würde der Pilotfilm einen deutlich schlechteren Eindruck hinterlassen, so mag sich die Serie zwar im oberen Mittelfeld der aktuellen Science Fiction-Serien etablieren wollen, doch stellt sich für den Zuschauer angesichts einer wahren Flut an interessanten, hochkarätigen Mystery-Serien wie Lost die Frage, ob dies ausreicht, um zum künftigen Einschalten motivieren zu können. Um dies zu erreichen, müssen sich die Autoren etwas überlegen, um aus der Masse der übrigen Unterhaltungsserien herauszustechen, anstatt darin zu versinken.

Die Serie wurde nach elf weiteren Episoden nicht verlängert.


Fazit:
Mit der erwachsenen Neuerfindung der Science Fiction-Serie Battlestar Galactica [2004-2009] gelang dem ehemaligen Star Trek-Autor Ronald D. Moore ein Überraschungserfolg und ein Neubeginn; Ähnliches wollte auch Brannon Braga nach dem Ende von Star Trek: Enterprise für sich erreichen, tat sich mit einer ganzen Reihe bekannter Autoren und namhafter Hollywood-Größen zusammen und erschuf mit Threshold ein wie er sagt, "realistisches Invasionsszenario". Wenn dabei die Hauptfiguren jedoch so ruhig bleiben, dass einem als Zuschauer vom bloßen Hinsehen beinahe die Augen zufallen, wirkt das schlicht nicht glaubwürdig.
Die Ausgangslage ist verlockend und bietet zwar keine neuen, dafür aber gut zusammengemischte Ideen, die aber in einem bisweilen hanebüchenen, stellenweise zu verkrampften, dann aber wieder arg gekünstelt witzigen Skript untergehen. Die Darsteller versuchen das zu kompensieren, scheinen letztlich aber motiviert ohne übermäßig mitreißen zu können. Einzig handwerklich überzeugt "Bäume aus Glas" durchweg, wäre der erste Teil nicht zu schnell und der zweite Teil viel zu langsam erzählt.
So scheitert es doch an einer vernünftigen Story, um die Ideen hinter der Alieninvasion auch zur Geltung bringen zu können. Sollte es den Autoren nicht gelingen, diese zu nutzen, werden sich die Zuschauer nach Alternativen umsehen, auch wenn sich diese seit Jahren im DVD-Regal unter A wie Akte X befinden. Nicht nur, dass viele Ideen ohnehin von Carters Original stammen, sie waren dort auch besser und frischer umgesetzt.


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