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The Walk [2015]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. März 2016
Genre: Biografie / Drama

Originaltitel: The Walk
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Robert Zemeckis
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley, Charlotte Le Bon, Clément Sibony, James Badge Dale, César Domboy, Ben Schwartz, Benedict Samuel, Steve Valentine, Mark Camacho, Soleyman Pierini, Patrick Baby, Marie Turgeon


Kurzinhalt:

Als der Taschenspieler und Straßenjongleur Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) 1973 in einer Zeitschrift ein Bild der noch im Bau befindlichen Türme des World Trade Center sieht, ist er fasziniert: Für ihn als Hochseilartist wäre es das Größte, zwischen den Türmen zu balancieren. Zusammen mit seiner Freundin Annie (Charlotte Le Bon) und unterstützt durch den Zirkuskünstler Papa Rudy (Ben Kingsley) plant er monatelang den Coup, der entscheidend davon abhängt, dass er überhaupt Zugang zu den Dächern der Gebäude bekommt. In Amerika sucht er ebenfalls Mitstreiter, doch je näher der von ihm gesetzte Termin des Hochseilakts rückt, umso größer werden die Hürden, denen sie begegnen – und seine Zweifel, ob er es überhaupt schaffen kann ...


Kritik:
Am Morgen des 7. August 1974 unternahm der junge Franzose Philippe Petit etwas, was nie zuvor ein Mensch versucht hatte und was seit knapp 15 Jahren niemand mehr je wird versuchen können: Er balancierte auf einem zweieinhalb Zentimeter starken Drahtseil, das er zwischen den Dächern der zwei Türme des Word Trade Center gespannt hatte in über 400 Metern Höhe. Filmemacher Robert Zemeckis erzählt dies in The Walk in teils schwindelerregenden Bildern und mit einem fantastischen Gespür für die Würdigung, die er hier nicht nur dem Künstler gegenüber vornimmt. Nur tut er das leider nicht durchgängig genug.

Philippe Petit – gespielt von Joseph Gordon-Levitt mit einem Akzent, der ebenso wie seine Haarfarbe erstaunlich in den Hintergrund rückt – erzählt das Geschehen aus einer hoch erhobenen Position und er tut dies nicht nur als Rahmen der Geschichte, sondern ist beinahe alle fünf bis zehn Minuten als Erzähler zu sehen oder zu hören. Dass er damit die vierte Wand durchbricht, das Publikum direkt anspricht, ist eine künstlerische Entscheidung, die nicht von vornherein scheitern muss.
Petit erzählt aus seiner Jugend, wie er zum Hochseil kam und was ihn bewog, entgegen dem Wunsch seiner Eltern, diese Künstlerkarriere eingangs als Straßenjongleur in Paris zu verfolgen. Auch dank der tollen Musik von Alan Silvestri erzählt Zemeckis dies mit einem leichtfüßigen Ton, der erstaunlich viel Humor offenbart.

Weswegen The Walk beispielsweise in der erstklassigen Charlotte Le Bon als Petits Freundin Annie sowie als seine Komplizen viele französische Darsteller vorweisen kann, die französische Hauptrolle jedoch von einem US-Schauspieler verkörpert werden muss, verstehe wer will. Gordon-Levitt macht seine Sache ebenso gut wie Ben Kingsley, der als erfahrener Zirkuskünstler und Meister des Hochseils Philippe zahlreiche Tipps mit auf den Weg gibt.
Im Jahr 1973 stehen die zwei Türme des Word Trade Center kurz vor der Fertigstellung und erwecken in Petit den Traum, zwischen ihnen zu balancieren. Hierfür rekrutieren er und Annie zahlreiche Helfer und die erste Stunde erweckt The Walk das Flair einer Bankräuberstory. Es wird geplant, ausgekundschaftet und verkleidet, zusammen mit ständigen Erklärungen Petits aus dem Off, die meistens gar nicht notwendig wären, da die Figuren und ihre Reaktionen für sich sprechen.

So schnell die Zeit beim Zusehen vergeht, wenn der 6. August 1974 beginnt, nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf und die letzten 45 Minuten spiegeln auf hervorragende Art und Weise wider, was Robert Zemeckis als Filmemacher so unvergleichlich macht. Bereiten Petit und seine Komplizen den Coup vor, ist das optisch schlicht atemberaubend und ebenso packend – würde der Film nicht ständig zu dem Erzähler Petit zurückkehren und somit die Spannung aus den Situationen nehmen.
Dafür entschädigt das letzte Drittel mit nie gesehenen Aufnahmen über Lower Manhattan und einem Gefühl der Schwerelosigkeit und des Fallens, wenn Petit sich auf das Drahtseil begibt. Wie immer es den Machern dabei gelungen ist, die Zwillingstürme für den Film wiederauferstehen zu lassen, man kann ihnen nur gratulieren. The Walk sieht fantastisch aus. Allein diese Aussicht ist den Preis des Films schon wert.


Fazit:
Was ein nicht einmal 24jähriger Straßenjongleur am Sommer 1974 versuchte, klingt beinahe zu unglaublich, um wahr zu sein. Sieht man, wie er zusammen mit seinen Mitstreitern den höchst illegalen Coup plante, welche Hürden ihm im Weg standen und was es ihm abverlangt hat, dann könnte man meinen, die Filmemacher hätten sich all das nur ausgedacht.
Robert Zemeckis nimmt sich Zeit für seine Figuren und porträtiert Philippe Petit als waghalsigen Perfektionisten, dessen Dämonen ihm auch Schattenseiten bescheren. Dass viele dieser Erkenntnisse von einem Erzähler unterstrichen werden, schadet der Atmosphäre des Films mehr, als es ihr nützt. Trotzdem gelingt The Walk eine Würdigung dieser beispiellosen Aktion des Hochseilkünstlers – und bewahrt sich in den letzten melancholischen Momenten einen Nachruf auf die zwei Türme des World Trade Center, die jahrzehntelang die Skyline von New York geprägt haben. Ihr Fehlen prägt sie heute nur noch mehr.    


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