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The Silence [2019]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Mai 2019
Genre: Horror / Thriller

Originaltitel: The Silence
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: Deutschland / Kanada
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: John R. Leonetti
Musik: tomandandy
Darsteller: Stanley Tucci, Kiernan Shipka, Miranda Otto, Kate Trotter, John Corbett, Kyle Breitkopf, Dempsey Bryk, Billy MacLellan


Kurzinhalt:

Bei einer Höhlenerforschung wird eine unbekannte Spezies fliegender Raubtiere freigesetzt, die auf Geräusche reagieren. Die großen Städte an der amerikanischen Ostküste werden buchstäblich von ihnen überschwemmt, die Opferzahlen nehmen katastrophale Ausmaße an. Als diese regelrechte Epidemie über die Menschheit hereinbricht, flieht Familie Andrews mit Vater Hugh (Stanley Tucci), Mutter Kelly (Miranda Otto), der gehörlose Tochter Ally (Kiernan Shipka), Sohn Jude (Kyle Breitkopf) und Kellys Mutter Lynn (Kate Trotter) aufs Land. Doch auch hier breiten sich die Kreaturen, die „Wespen“ genannt werden, aus. Schon nach kurzer Zeit reißt Allys Kontakt zu ihrem Freund Rob (Dempsey Bryk) ab und als wären die Sorgen der Familie angesichts einer schwerwiegenden Verletzung Kellys nicht groß genug, geraten sie ins Visier eines fanatischen Priesters (Billy MacLellan), der verlangt, dass sie sich seinem ominösen Kult anschließen …


Kritik:
Der Endzeit-Thriller The Silence ist eine gute Erinnerung daran, dass für jede Netflix-Produktion, über die in der Presse zu lesen ist, die mit Preisen überhäuft wird, oder das Publikum zu gefährlichen Nachahmungen verleitet, mindestens die dreifache Menge, wenn nicht mehr, zum stetig wachsenden Katalog des Streaming-Anbieters hinzukommt. Dass man von diesen Produktionen für gewöhnlich nichts hört, liegt nicht daran, dass keine Hollywood-Stars beteiligt, sondern eher daran, dass sie einfach nicht sehr gut sind. John R. Leonettis Adaption des gleichnamigen Romans ist in anderen Ländern bereits im Streaming-Angebot des Anbieters verfügbar. Dass sie hierzulande in die Kinos kommt, ist wohl nur der Tatsache geschuldet, dass es eine deutsche Ko-Produktion von Constantin Film ist. Dort hätte man das Geld wohl auch sinnvoller anlegen können.

Dem geneigten Publikum wird vermutlich der thematisch ähnlich gelagerte A Quiet Place [2018] ein Begriff sein, in dem die Menschheit von Wesen dezimiert wurde, die auf Geräusche reagieren. Erzählt wird jener Film aus Sicht einer jungen Familie mit einer gehörlosen Tochter, nachdem die Welt gewissermaßen untergegangen ist. In The Silence wird geschildert, wie die Menschheit von seltsamen Kreaturen dahingerafft wird, die bei einer Höhlenexpedition freigesetzt wurden. Sie reagieren auf Geräusche, weshalb die Überlebenden keine Laute machen dürfen. Und die Tochter ist gehörlos.
Es klingt, als wäre dies eine bloße Abwandlung von A Quiet Place. Man muss jedoch dazusagen, dass die Filme zur selben Zeit entstanden und die Romanvorlage von Tim Lebbon aus dem Jahr 2015 stammt. Es bewahrt Leonettis Film jedoch nicht vor dem direkten Vergleich, der nicht zu seinen Gunsten ausfällt. Während man in A Quiet Place in diese veränderte Welt geworfen wird, sie ohne verbale Erklärungen erleben muss und sich so erschließt, was geschehen ist, wird dem Publikum in The Silence die Handlung haarklein erklärt. Das geht so weit, dass ganze drei Mal gesagt bzw. gezeigt wird, wie die Kreaturen, die „Wespen“ (an sich nach dem spanischen „avispa“) genannt werden, als Plage über die Welt gebracht wurden. Dass man keine Geräusche machen darf, wird ebenfalls mehrmals wiederholt, anstatt dass der Film zeigen würde, was es bedeutet, in einer solchen Welt zu leben.

Da der eigentliche Ausbruch der Wespen geschildert wird, war zu hoffen, die Macher würden die tatsächliche Katastrophe in den Städten zeigen – aber da die Protagonisten von vornherein nicht in der Stadt wohnen und aufs Land flüchten, bekommt man außer weit entfernten Bildern davon nichts zu sehen. Der Film wird von der auf Grund eines Unfalls gehörlosen Tochter Ally eingeleitet und verabschiedet. Kurze Momente werden so erzählt, wie sie die Welt wahrnimmt, mit einem alles ausblendenden, leisen Pfeifen. All diese Szenen enden auf die gleiche Weise, mit einem laut eingespielten Geräusch, das wohl erschrecken soll. Eine wirkliche Atmosphäre kommt so jedenfalls nicht auf. Ebenso wenig durch den ständigen Farbfilter, der eine andauernde Dämmerung ohne Grund suggeriert. Nach ihrem ersten Zusammenstoß mit den Kreaturen flieht die Familie in ein abgeschiedenes Haus, doch da sie Medikamente benötigen, zieht Vater Hugh mit Ally los in die benachbarte Stadt.

Dort treffen sie auf andere Überlebende, die – wie soll es anders sein – eine religiöse Gruppierung darstellen, deren tatsächliches Ziel gar nie deutlich wird. Die Schar um einen fanatischen Priester stellt vielmehr einen Bösewicht dar, damit die Geschichte einen menschlichen Bösewicht vorweisen kann. Das ist nicht nur wenig originell, es ergibt auch schlichtweg keinen Sinn, was hier passiert. Zumal wenige Minuten nach der einzig bedrohlichen Situation, der sich die Familie durch diesen Kult gegenübersieht, gerade, wenn man meinen könnte, die Schlinge um den Hals der Andrews-Familie zieht sich enger, der Film einfach vorbei ist. Ein richtiger Dramaturgiebogen existiert hier nicht und die Figuren sind am Ende auch dieselben wie zu Beginn. Die einzige Überraschung ist, wie gefasst sie alle sind, dass die Welt um sie herum unterzugehen scheint.

Das Design der Wespen, die wie eine Mischung aus Reptilien und Fledermäusen erscheinen und merkliche Anleihen an eine fiktive Flugsaurierart besitzen, ist im Grunde wirklich gut. Sieht man sie in Großaufnahme, kann das Design überzeugen, auch wenn sich nie erschließt, wovon sie sich jahrtausendelang ernährt haben sollen, oder wie sie sich überhaupt verständigen. Andere Trickeffekte wie Explosionen sehen hingegen wenig überzeugend aus und unterstreichen den Eindruck, dies wäre eine Videoproduktion, deren Budget das vieler hochkarätiger Serienproduktionen nicht erreicht.
Dazu tragen auch die wenig einfallsreichen, starren Perspektiven in The Silence bei. Der Schnitt ist bestenfalls routiniert, eine packende Kameraführung findet sich nicht. Immerhin wartet die Geschichte mit einer überaus einfallsreichen Verwendung einer Häckselmaschine auf.
Doch das allein reicht nicht, um wirklich überzeugen zu können – oder darüber hinwegzutäuschen, dass die Versatzstücke allesamt besseren Geschichten entnommen sind. Da hilft auch der extrem kurze und ebenso wenig aufschlussreiche Epilog weiter, der Erinnerungen an Die Tribute von Panem – The Hunger Games [2012] weckt.


Fazit:
Mit Stanley Tucci und Miranda Otto ist die Produktion zwar namhaft besetzt, wirklich gefordert sind sie jedoch nicht. Und so sehr sich Kiernan Shipka in die Rolle der gehörlosen Ally eingearbeitet haben mag, entgegen der Darstellungen der Situation in A Quiet Place wirkt es hier allenfalls bemüht, aber nicht überzeugend. Hätte es nicht vor Kurzem erst eine bedeutend bessere Adaption einer inhaltlich verwandten Story gegeben, könnte man John R. Leonettis Endzeit Science Fiction-Thriller zugutehalten, dass er zumindest Potential besitzt. Doch gerade angesichts von A Quiet Place muss man leider sagen, dass The Silence ein vollkommen einfallslos umgesetzter und nur mäßig spannender Genrevertreter ist, der am Ende mehr Franchise-Appetizer als eigenständige Geschichte sein soll. Weshalb man den heimischen Kinostart so lange verzögerte, in der Hoffnung, das Publikum habe vergessen, dass man bedeutend besser in dieser Art unterhalten werden kann, wundert nicht. Hier gibt es keine einzige Szene, die wirklich heraussticht oder in Erinnerung bleibt. Wer sich unbedingt selbst davon überzeugen muss, sollte auf die Vorführung im Streaming warten. Die „kleine Leinwand“ reicht dafür mehr als aus.
 


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