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The Secret Man [2017]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. Juni 2018
Genre: Drama

Originaltitel: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ohne Altersbegrenzung

Regie: Peter Landesman
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Liam Neeson, Diane Lane, Marton Csokas, Tony Goldwyn, Ike Barinholtz, Josh Lucas, Wendi McLendon-Covey, Kate Walsh, Brian d'Arcy James, Maika Monroe, Michael C. Hall, Tom Sizemore, Bruce Greenwood, Noah Wyle


Kurzinhalt:

Als im Juni 1972 der stellvertretende Leiter des FBI, Mark Felt (Liam Neeson), von einem Einbruch im Hauptquartier der Demokratischen Partei in Washington, D.C. erfährt, ahnt er noch nicht, welche Kreise dies ziehen wird. Schnell wird klar, dass die gestellten Einbrecher im Watergate-Gebäudekomplex in höchste Regierungskreise verstrickt sind. Felt lässt ermitteln, auch gegen Anweisung von L. Patrick Gray (Marton Csokas), der an seiner Stelle den Posten des FBI-Direktors erhalten hat und wie es scheint unmittelbar Präsident Nixon bzw. anderen Regierungsvertretern berichtet. Während kurz vor der Wiederwahl des amtierenden Präsidenten alle Beteiligung der Administration an der Watergate-Affäre geleugnet wird, sieht Felt keinen anderen Ausweg, die Integrität des FBI zu wahren, als sich als verdeckter Informant direkt an die Presse zu wenden. Ohne Wissen seiner engsten Kollegen Ed Miller (Tony Goldwyn), Charlie Bates (Josh Lucas) oder Felts eigener Ehefrau Audrey (Diane Lane) …


Kritik:
In Anbetracht der Tatsache, dass die politischen Hintergründe in Peter Landesmans historischem Drama The Secret Man über die Watergate-Affäre, die letztlich den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon im Jahr 1974 zum Rücktritt gezwungen hat, nicht nur zu jener Zeit brisant waren, sondern sich die Art der Intrigen sowie die missbräuchliche Machtausübung heute teils identisch widerspiegeln, ist es umso bedauerlicher, dass die Erzählung um FBI-Vizedirektor Mark Felt nicht funktioniert.

Felt, der als Informant in der Watergate-Affäre unter dem Pseudonym „Deep Throat“ bekannt wurde, wird hier von Liam Neeson verkörpert. So routiniert der charismatische Darsteller auch agiert, er kann nicht aufwiegen, dass das Skript der Figur zu wenig Hintergrund und zu wenig Tiefe verleiht, als dass seine Entscheidungen stets überzeugen würden – oder überhaupt nachvollziehbar wären. Unter Direktor J. Edgar Hoover sammelt das FBI als unabhängige und übergeordnete bundespolizeiliche Behörde Geheimnisse von Amtsträgern in Washington, ein Umstand, der insbesondere dem machtversessenen Präsidenten Nixon ein Dorn im Auge ist. Nach Hoovers Tod erwartet dessen Stellvertreter Felt grundsätzlich, dass er auf seinen Posten nachfolgen wird, doch stattdessen wird L. Patrick Gray als Wunschkandidat des Präsidenten zum Direktor ernannt. Er ist es auch, der dem Druck des Weißen Hauses sowie der CIA nachgibt, die Ermittlungen hinsichtlich eines Einbruchs im Hauptquartier der Demokratischen Partei kurz vor der US-Präsidentenwahl rasch einzustellen. Obwohl die verhafteten Einbrecher, die Abhöreinrichtungen installieren und Dokumente fotografieren wollten, unmittelbar mit dem Wahlkampfteam des amtierenden, republikanischen Präsidenten in Verbindung stehen, wird nach außen jede Verbindung geleugnet. Mark Felt sieht, wie die Unabhängigkeit und Integrität des FBI droht, in der politischen Einflussnahme der Nixon-Administration unterzugehen und entschließt sich, zu handeln.

Mit der hinter dem Watergate-Einbruch liegenden Verschwörung, dem Druck, der auf Felt und die übrigen Mitarbeiter des FBI von Seiten der Regierung und der CIA aufgebaut wird, sowie der Täuschung der Öffentlichkeit, besitzt The Secret Man im Grunde genügend Elemente für einen packenden Polit-Thriller. Doch macht es Filmemacher Landesman seinem Publikum äußerst und unnötig schwer, sich in der Materie zurechtzufinden, sofern man darin nicht bereits bewandert ist. Nicht nur, dass zahlreiche Figuren vorgestellt werden, deren Bedeutung für die Handlung nicht vollends deutlich wird, die durchaus komplexen Verstrickungen jener Verschwörung zur Einflussnahme auf die Wiederwahl des US-Präsidenten, werden nur skizziert, aber nicht klarstellend erläutert. Hinzu kommt, dass mit Felts Ehefrau Audrey und ihrer gemeinsamen Tochter Joan, die sich jedoch von der Familie abgewendet hat, ein Handlungsstrang aufgenommen wird, der am Ende keinerlei Auswirkungen zu haben scheint. Wann tatsächlich der Punkt gekommen war, dass sich Mark Felt gezwungen sah, all seine Ideale zu verraten, um als Informant in Erscheinung zu treten, wird ebenfalls nicht herausgearbeitet.

Stattdessen erzeugt die im Grunde gelungene Musik von Daniel Pemberton einen ständigen Rhythmus, der eine Erwartungshaltung hinsichtlich des Erzähltempos weckt, dem das jedoch nicht gerecht wird. Im Gegenteil, über weite Strecken ist The Secret Man nicht viel mehr als die Aneinanderreihung von Dialogen, deren Bedeutung nicht nur schleierhaft ist, sondern die auch nur lose miteinander verbunden scheinen. So gibt es eine Ansprache Felts vor versammelter FBI-Mannschaft, die von Liam Neeson kraftvoll dargebracht ist und die mit den Worten endet, dass nicht einmal das FBI selbst eine FBI-Ermittlung aufhalten könne. So etwas klingt gut – nur wozu ist die Szene tatsächlich gut?

Versehen mit einer namhaften und beeindruckenden Besetzung, die unter anderem Tom Sizemore, Tony Goldwyn, Marton Csokas und Bruce Greenwood umfasst, besitzt Regisseur Landesman alles, was er zur relevanten Story benötigt, um ein fesselndes Drama zu erzählen. Wie wenig ihm das gelingt, wird an der völlig verschenkten Diane Lane als Felts Ehefrau deutlich, die in zwei Szenen überhaupt merklich in Aktion treten darf und deren Figur dennoch vollkommen unnahbar bleibt. Es ist, als wüsste der Filmemacher nicht, wie er die Komplexität der Geschichte und der Figuren unter einen Hut bringen soll.


Fazit:
Als filmische Aufarbeitung der Watergate-Affäre eignet sich Peter Landesmans (Erschütternde Wahrheit [2015]) dritte Regiearbeit am Ende ebenso wenig wie als Biografie des stellvertretenden FBI-Direktors Mark Felt oder des Informanten „Deep Throat“. Dabei hat es durchaus den Anschein, als würde der Filmemacher alle drei Aspekte abdecken wollen, ohne sich jedoch auf einen zu konzentrieren. Das hat zur Folge, dass die Hintergründe des Politskandals denjenigen, die sich noch nicht damit beschäftigt haben, zu dürftig und konfus erscheinen werden, während über die Privatperson Felt zu wenig bekannt wird. Weshalb er sich entschied, nach über 30 Jahren beim FBI den Journalisten Informationen zukommen zu lassen, um ein politisches Erdbeben in Washington auszulösen, kristallisiert sich ebenfalls nicht heraus. The Secret Man ist zu unbeholfen und gleichzeitig langatmig erzählt, als dass die verschiedenen Elemente zusammenpassen würden. Die Besetzung, die von einem starken Liam Neeson angeführt wird, verkommt somit nur zur Staffage und die im Grunde packende Story reißt so nie mit. Das ist angesichts ihrer Aktualität mehr als nur enttäuschend.
 


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