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The Quest - Das Geheimnis der Königskammer [2006]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Mai 2007
Genre: Fantasy / Komödie / Action

Originaltitel: The Librarian: Return to King Solomon's Mines
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Johnathan Frakes
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Noah Wyle, Gabrielle Anwar, Bob Newhart, Jane Curtin, Olympia Dukakis, Erick Avari, Hakeem Kae-Kazim, Robert Foxworth, Zahn McClarnon


Kurzinhalt:
Inzwischen hat sich Flynn Carsen (Noah Wyle) als Bibliothekar in der sagenumwobenen "Metropolitan Public Library" eingelebt, und sich damit abgefunden, dass er in schöner Regelmäßigkeit, die entlegensten Orte dieser Welt besucht, stets darum bemüht, altertümliche Artefakte sicherzustellen, mit deren Hilfe die falschen Menschen großes Unheil anrichten könnten.
Von seinem Mentor Judson (Bob Newhart) wird er schon kurz nach seiner Rückkehr – und Geburtstagsfeier mit seiner Mutter Margie (Olympia Dukakis) und seinem Onkel Jerry (Robert Foxworth)beauftragt, die Pläne des skrupellosen General Samir (Erick Avari) zu vereiteln, der Carsen ein wertvolles Papyrus entwendet hat, auf dem der Standort von König Solomons Schatzkammer verzeichnet ist. Doch um das Papyrus enträtseln zu können, muss Samir den notwendigen Schlüssel in seine Hände bekommen.
So reist Carsen nach Afrika, wo er auf die Archäologin Emily Davenport (Gabrielle Anwar) trifft. Zusammen geraten sie schnell wieder ins Fadenkreuz Samirs, der den beiden dichter auf den Fersen ist, als sie ahnen ...


Kritik:
Für Fernsehdoktor Noah Wyle (Emergency Room [seit 1994]) war die Rolle des ungewöhnlichen und begabten Bibliothekars in The Quest - Jagd nach dem Speer des Schicksals [2004] die Möglichkeit, auch im TV aus dem gewohnten Image auszubrechen – und das mit erstaunlich viel Erfolg. Nur zwei Jahre später entsteht erneut unter dem wachsamen Auge des Produzenten Dean Devlin die Fortsetzung, an der auch ein namhafter Regisseur beteiligt ist. Ursprünglich als Trilogie angedacht, besteht inzwischen sogar die Möglichkeit, dass Jonathan Frakes, der als Darsteller und Regisseur bei Star Trek – Das nächste Jahrhundert [1987-1994] bekannt wurde, auch Teil drei der Bibliothekars-Reihe umsetzen wird. Dabei schlummert auch die Fortsetzung zu The Quest, trotz merklicher Verbesserungen, nach wie vor auf dem Niveau einer TV-Produktion, gleichwohl hier bewusst viele Klischees durch den Kakao gezogen werden.
Was die Suche nach der Königskammer aber an Unterhaltungswert kostet, ist einerseits die unausgegorene Geschichte, und andererseits der übertriebene Humor, mit dem sich die Macher vom Genrepaten Indiana Jones abheben wollen.

So wirkt das Skript auf Grund seines Aufbaus, der verschiedenen Figuren und Schauplätze mitunter nicht nur wie eine blanke Kopie von Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug [1989], sondern bedient sich auch bei zahllosen anderen Produktionen, nicht zuletzt mit der an sich gelungenen Hommage an Casablanca [1942].
Wie bereist bei der Jagd nach dem Speer des Schicksals überzeugen auch hier die schrulligen und überzeichneten Figuren, gleichwohl viele Dialogwitze sich lange ankündigen, und auch der generelle Storyverlauf für Genrefans schon von Anfang an absehbar ist. Die überraschende Auflösung des eigentlichen Bösewichts ist schon nach knapp 15 Minuten bekannt, und auch worum sich Flynn Carsen letztlich bemühen wird, ist kein Geheimnis mehr. Spaßig bleibt das Ganze an sich nur durch die beiden Hauptfiguren Carsen und Davenport, deren Chemie untereinander passt, wenn auch ihre Kabbeleien nicht immer angemessen erscheinen.
Was das Drehbuch allerdings vermissen lässt, sind tatsächlich neue Ideen, oder aber eine ausgeglichene Balance zwischen Humor und Ernst. Denn während in einer Szene ein Kämpfer für die Gute Sache gefoltert und seine Familie bedroht wird, veralbert das Skript in den folgenden Szenen eine handvoll Genreklischees. Diese Mischung passt nicht zurecht und untergräbt letztlich auch den durchaus ernsten Kern der Story.
Die Dialoge bewegen sich dabei zweifelsohne nicht auf gehobenem Niveau und viele der Mythen und Prophezeiungen sind sehr frei ausgelegt, doch gelingt es dem Skriptautor Marco Schnabel zumindest, den Erzählrhythmus aufrecht zu erhalten, ohne die Zuschauer derart zu hetzen, wie dies bei Teil eins der Fall war. Bedauerlich ist allerdings, dass ihn die Geschichte durch den immens hohen und auch übertriebenen Fantasyanteil viel an Mystik kostet. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Die Darsteller scheinen merklich Gefallen an ihren Rollen gefunden zu haben, allen voran Noah Wyle, der sich in seiner Filmfigur sichtlich wohl fühlt. Er versieht Carsen mit viel Selbstironie und Augenzwinkern, persifliert dabei ebenso Indiana Jones, wie auch seine übrigen Nachahmer. Aber auch wenn man ihm die Kämpferrolle in manchen Momenten nicht so recht glauben will, als schusseliger Bibliothekar macht er eine gute Figur.
Ebenso Gabrielle Anwar, die als Emily Davenport dem wissbegierigen und vorlauten Carsen Paroli bietet. Zwar ist Anwar hier von ihrem Auftritt in Der Duft der Frauen [1992] weit entfernt, doch mimt sie ihren Part mit genügend Esprit und komödiantischem Engagement, um den TV-Film ein wenig zu veredeln.
Bob Newhart überzeichnet seine Rolle des allwissenden Tutors wie schon im ersten Teil, hinterlässt aber keinen zwiespältigen Eindruck. Dahingegen scheint Erick Avari als Bösewicht schlicht ein wenig farblos, was auch an der fehlenden Motivation seiner Figur liegen mag.
Der Auftritt von Hakeem Kae-Kazim ist zwar ganz nett, wäre für die Geschichte aber nicht zwingend notwendig gewesen und wirkt grundsätzlich von Drehbuch her auch nicht ausgereift.
Die Szenen mit Robert Foxworth hingegen lassen den Darsteller zu seiner routinierten Form auflaufen, ohne ihm aber auch nur ein wenig mehr abzuverlangen.
So ist die Besetzung solide zusammen gestellt, aber nicht stärker engagiert, als bei anderen TV-Produktionen; immerhin scheinen die Darsteller Spaß beim Dreh gehabt zu haben, und dies transportiert sich auch durch den Film.

Handwerklich gibt sich Jonathan Frakes zwar keine Blöße, doch überrascht sein häufiger Griff zur digitalen Kamera merklich.
So scheint insbesondere die Anfangssequenz mit herkömmlichen Kameras gedreht, während Kameramann Walt Lloyd bei Nachtaufnahmen und in der zweiten Hälfte des TV-Films häufig auf digitale Technik zurückgreift. Für geübte Augen ist der Wechsel an den schlierenhaften Bewegungen und dem bedeutend weicheren Bild schnell erkennbar und stört insbesondere den Gesamteindruck des Films.
Davon abgesehen bemüht sich Frakes, mit Kamerafahrten und ordentlich zusammen gestellten Perspektiven, dem TV-Stück ein Kinoflair zu verleihen, was ihm aber insbesondere in den Actionszenen und den effektlastigen Einstellungen kaum gelingt. Die restliche Umsetzung gestaltet sich solide, wenn auch manche Fernsehserien heutzutage einfallsreicher und stimmiger inszeniert sind.

Joseph LoDuca hat seine Kompositionen hier merklich besser im Griff, als noch bei Jagd nach dem Speer des Schicksals, auch wenn sein musikalischer Ansatz an denselben Aspekten krankt, wie noch vor zwei Jahren.
Statt die Szenen hin und wieder für sich selbst sprechen zu lassen, ist beinahe jeder Moment mit Musik unterlegt, deren Schwankungen von unheilvoll bis hymnisch, witzig bis aufdringlich geraten sind. Wäre es LoDuca dabei vergönnt gewesen, den Score mit einem richtigen Orchester aufzuzeichnen, würde der Produktion nicht ein so steriles, künstliches Studioflair anhaften, doch die Synthesizerinstrumentierung lässt einen anderen Schluss leider nicht zu.

Sind die eineinhalb Stunden schließlich um, bleibt ein ähnlich unbefriedigendes Gefühl zurück, wie bei Teil eins. Statt sich angesichts der Budgetbeschränkungen auf Charakterentwicklungen zu konzentrieren, und weniger Sets aufwändig zu gestalten, versucht The Quest – Das Geheimnis der Königskammer, mit vielen Schauplatzwechseln und einem schnellen Erzähltempo über diese Missstände hinweg zu täuschen, was aber nur selten gelingt.
Stattdessen übertreiben es die Macher mit ihrem Humor, verzetteln sich in allzu mythischen Formeln und Sagen, ohne dass diese aber einen rechten Sinn ergeben, und enttäuschen durch alte Klischees, die stellenweise wirklich gelungen parodiert werden.
Auch Regisseur Jonathan Frakes scheint daran nicht viel ändern zu können, außer dass sich die Darsteller in ihren Rollen diesmal merklich wohler fühlen. Dabei wäre es auch schön gewesen, wenn man sich als Zuschauer auch wohler gefühlt hätte, ihrem Abenteuer beizuwohnen.


Fazit:
Den Arztkittel hat Noah Wyle inzwischen an den Nagel gehängt – ob es allerdings ein künstlerischer Aufstieg war, als fantasylastige Indiana Jones-Kopie den Bildschirm zu erobern, darf bezweifelt werden. Dabei scheint es sicher nicht fair, das Kino-Original mit seinem TV-Nachahmer zu vergleichen, doch immerhin was das Drehbuch anbelangt, kann man nach beinahe 20 Jahren seit dem letzten Leinwandauftritt des Archäologen erwarten, dass sich seine Nachfolger daran messen lassen.
Stattdessen versuchen die Macher bei The Quest – Das Geheimnis der Königskammer, eine durchaus interessante Story mit altbekannten Klischees zu erzählen und scheitern letztlich daran, dass sie eben diese Klischees an sich durch den Kakao ziehen wollten. Schade, zumal Jonathan Frakes eine bessere Umsetzung gelingt, die aber an einem unbalancierteren, albernen Skript scheitert.
Zumindest an den soliden, wenn auch nicht überragenden Schauspielern kann man sich erfreuen, die aber alle schon besseres leisten durften ... und das ist mitunter gar nicht so lange her.


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