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The Limehouse Golem [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Mai 2018
Genre: Krimi / Thriller

Originaltitel: The Limehouse Golem
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Juan Carlos Medina
Musik: Johan Söderqvist
Darsteller: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays, Sam Reid, María Valverde, Eddie Marsan, Peter Sullivan


Kurzinhalt:

London im Jahr 1880. Als Scotland Yard-Ermittler John Kildare (Bill Nighy) aufgetragen wird, die Aufklärung der Limehouse-Golem-Morde zu übernehmen, bei denen sein Vorgänger bislang keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hat, ahnt er bereits, dass er nicht mehr als ein Sündenbock sein soll. Diesen braucht es, falls wieder ein Mord geschieht, weil die Polizei den Täter nicht zu fassen im Stande war. Zusammen mit Polizist Flood (Daniel Mays) sieht er sich die grausam zugerichteten, jüngsten Opfer und die Tatorte an. Hinweise führen sie zu einem Tagebuch des „Golems“, das Kildare auf die Spur des kürzlich verstorbenen Autors John Cree (Sam Reid) bringt. Dessen Witwe Lizzie (Olivia Cooke) steht vor Gericht und wird verdächtigt, ihren Mann vergiftet zu haben. In Gesprächen mit der jungen Frau erfährt Kildare von ihrem schwierigen Werdegang und ihren Erfolgen im Varieté bei dem berühmten Dan Leno (Douglas Booth) – der wie zwei weitere Männer zum engen Kreis der Verdächtigen zählt …


Kritik:
Am Ende sind es zwei Punkte, die The Limehouse Golem stärker definieren und ihn in einem schlechteren Licht erscheinen lassen, als der stimmungsvolle Crime-Thriller es verdient. Beide sind in der Erzählung begründet. Während der zweite erst im Nachhinein offensichtlich wird, sorgt ersterer dafür, dass sich die im London des Jahres 1880 angesiedelte Geschichte für Genrekenner anfühlt, als würde man sie selbst dann bereits zum zweiten Mal sehen, wenn es das erste Mal ist.

Angesiedelt im gleichnamigen Stadtteil von London, wird dieser noch vor Jack the Ripper von einer grausamen Mordserie des von der Presse als „Golem“ betitelten Täters heimgesucht. Dabei ist Drehbuchautorin Jane Goldman bei der Adaption von Peter Ackroyds Roman Der Golem von Limehouse [1994] von der Zugkraft der Geschichte derart überzeugt, dass ihre Hinweise zur wahren Identität des Mörders allein in den ersten zehn Minuten einen Großteil des Publikums förmlich mit der Nase auf die Auflösung stoßen werden. Dadurch gerät die eigentliche Überraschung am Ende, wenn es auch Ermittler John Kildare wie Schuppen von den Augen fällt, genau das nicht – überraschend.
Gleichzeitig stellt sich die Frage am Ende, wenn der Täter sich selbst als Künstler mit einem Bedürfnis der Anerkennung sieht, dass er in Erinnerung bleiben möchte, weshalb er sich dann nach Vollendung seines Werks nicht der Öffentlichkeit präsentiert.

Doch der Reihe nach: Im Stadtteil Limehouse der britischen Metropole London sind die ärmsten der Armen beheimatet. Weshalb eine brutale Mordserie ausgerechnet hier verübt wird, ist somit bereits verwunderlich genug, wie auch die Auswahl der Opfer, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu verbinden scheint. Tatsächlich bleibt die Auswahl des Mörders zumindest bei den ersten Taten selbst rückblickend ein Rätsel. Um den erfolgreichen Vorzeige-Ermittler bei Scotland Yard zu schützen, wird dieser von dem aussichtslosen Fall abgezogen und stattdessen John Kildare mit der Aufklärung beauftragt. Zusammen mit George Flood folgt er Hinweisen, die ihn zu einer ganzen Reihe Verdächtigen führen, darunter der erfolgreiche und beliebte Varieté-Künstler Dan Leno und die Witwe Lizzie Cree, die vor Gericht steht, da sie verdächtigt wird, ihren Ehemann vergiftet zu haben. Mehr sei über die Geschichte von The Limehouse Golem nicht verraten.

Erzählt wird das Geschehen aus Sicht Kildares, der den Brotkrumen der Ermittlung folgt und seine Schlüsse daraus zieht. Sein fataler Fehler ist es, diesen Schlüssen seine eigene Erwartung zu Grunde zu legen und nicht in allen Richtungen offen zu bleiben. In Gesprächen mit Lizzie Cree erzählt sie ihm ihren Werdegang, der sie aus ganz einfachen Verhältnissen ebenfalls ins Varieté führt, das in vielerlei Hinsicht ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt. Auch wenn Filmemacher Juan Carlos Medina kaum Zeit bleibt, die Gesellschaft außerhalb der Mordermittlungen zu erkunden, besitzt The Limehouse Golem dennoch ein überzeugendes Ambiente und eine überaus gelungene Stimmung. Die Geschichte von Lizzie Cree ist tragisch und die Fabelfigur im Titel des Films alles andere als ein Fantasy-Element.

Auch handwerklich ist die Produktion durchweg gelungen und erzeugt von Anfang an eine bedrückende Atmosphäre, zu der auch die zurückhaltenden Darbietungen der stimmigen Besetzung beitragen. Die Morde und Tatorte sind nicht zimperlich eingefangen, aber auch nicht unnötig grausam inszeniert – dennoch sollte The Limehouse Golem einem erwachsenen Publikum vorbehalten bleiben. Dass dies alles merklich an Jack the Ripper erinnert, ist nicht negativ gemeint, verleiht die Geschichte den Taten doch einen eigenen Hintergrund.
Schade ist, dass auch am Ende viele Fragen offen bleiben. So thematisiert das Skript immer wieder die persönliche Orientierung des unverheirateten John Kildare, ohne dies allerdings aufzulösen. Auch seine finale Entscheidung wird nicht erklärt. Dadurch bleibt ausgerechnet die Figur, aus deren Sicht das Publikum den Fall erlebt, erstaunlich unnahbar. Doch es ist am Ende auch nicht seine Geschichte.


Fazit:
Obwohl die Stimmung und die Morde selbst stark an Jack the Ripper erinnern, The Limehouse Golem unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Filmemacher Juan Carlos Medina gelingt eine tadellose Umsetzung, die sich das Ambiente jener Zeit zunutze macht. Von der Besetzung stehen vor allem Bill Nighy, Olivia Cooke und Douglas Booth hervor, die ihren Figuren mehr Tiefe verleihen, als das Skript zumindest den männlichen Rollen zugesteht. Einziger Wermutstropfen bleibt hier, dass die Auflösung so vehement angedeutet wird, dass sie merklich zu früh abzusehen ist. Zwar kann man die Ermittlungen trotzdem unter dem Aspekt beobachten, wie viele Hinweise Kildare entgehen, aber es kostet den Crime-Thriller merklich an Zugkraft und beraubt ihn quasi seines Mystery-Elements. Genrefans finden hier nichtsdestotrotz genügend Aspekte, die einen darüber hinwegsehen lassen.
 


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