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The Illusionist - Nichts ist wie es scheint [2006]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. Januar 2010
Genre: Unterhaltung

Originaltitel: The Illusionist
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: Tschechische Republik / USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Neil Burger
Musik: Philip Glass
Darsteller: Edward Norton, Paul Giamatti, Jessica Biel, Rufus Sewell, Eddie Marsan, Jake Wood, Tom Fisher, Aaron Johnson, Eleanor Tomlinson, Karl Johnson


Kurzinhalt:
Da die Jugendliebe zwischen dem Sohn eines Tischlers und der jungen Herzogin Sophie nicht standesgemäß ist, wird das verliebte Pärchen von den Hofwachen auseinander gerissen. Während der von der Magie begeisterte Junge in die Welt hinaus zieht und erst Jahre später als Zauberer Eisenheim (Edward Norton) zurückkehrt, verbringt Sophie (Jessica Biel) ihre Zeit am Hof. Sie soll den unberechenbaren und machtversessenen Kronprinzen Leopold (Rufus Sewell) heiraten, der diese Hochzeit bereits in seine politische Zukunft mit eingebaut hat. Der freidenkerische Eisenheim bringt in Sophie jedoch wieder Gefühle ans Licht, die sie lange unterdrückt hat.
Von Polizeiinspektor Uhl (Paul Giamatti) erfährt der Kronprinz von den Treffen zwischen Sophie und Eisenheim. Nachdem sich der Magier dem Druck des Aristokraten nicht beugt, sondern ihn weiter provoziert, überschlagen sich die Ereignisse. Und während Uhl so interessiert daran ist, hinter das Geheimnis von Eisenheims Zauberkünste zu kommen, bereitet jener seinen bisher größten Coup vor ...


Kritik:
Ein tobender, herrsch- und rachsüchtiger Aristokrat, eine angedeutete politische Intrige im ausgehenden 19. Jahrhundert und eine verbotene Liebe zwischen einem Mädchen gehobenen Standes und einem einfachen Tischlersohn – das ist der Stoff, aus dem ganze Historienepen geschrieben werden. Wieso sollte das also nicht auch bei The Illusionist funktionieren? Nun, zum großen Teil tut es das auch. Autor und Regisseur Neil Burger präsentiert in seinem ambitionierten zweiten Regieprojekt eine fiktive Geschichte vor einem realen Hintergrund und verwebt dabei ein magisches Ambiente mit einer Liebesgeschichte, die überraschend unaufdringlich daher kommt. Angelehnt ist der im Film gezeigte Kronprinz Leopold wohl an den tatsächlich existierten Kronprinzen Rudolf von Österreich-Ungarn. Zwar wurde The Illusionist leider nicht in Österreich gedreht, sondern entstand in Tschechien, doch merkt man dies den Bildern letztlich nicht an. Im Gegenteil: durch den für diese Arbeit oscarnominierten Kameramann Dick Pope kleidet Burger seinen Film in sehr weiche, sepiafarbene Bilder, die in bestimmten Momenten an den Bildrändern sogar dunkler, beziehungsweise verschwommen wirken, um so den Eindruck zu erwecken, der Film wäre in einem ähnlichen Verfahren gedreht wie seinerzeit Stummfilme, bei denen der mittlere Bildausschnitt immer heller war, als der Rand. Dass dieser Effekt seine Wirkung auf dem Bildschirm im Gegensatz zur Leinwand verliert, ist insofern noch bedauerlicher, da The Illusionist hierzulande leider nur als Videopremiere erschien und nicht im Kino gezeigt wurde. Das merkt man leider auch der Synchronisation an, die sich schon im Bezug auf die Umgebungsgeräusche leider nicht auf Kinoniveau befindet. Abgesehen von Hauptdarsteller Edward Norton haben auch bekannte Schauspieler neue Stimmen verliehen bekommen, was insbesondere bei Paul Giamatti im ersten Moment stört.

Die Geschichte selbst wird nicht hektisch erzählt. Vielmehr nimmt sich Burger Zeit, seine Figuren einzuführen, von denen aber insbesondere ihre Beziehung untereinander im Mittelpunkt steht. Leider fällt die Rolle der in letzter Minute gecasteten Jessica Biel sehr klein aus, auch wenn es ihr gelingt, sie überzeugend zu verkörpern. Zentrum der Erzählung ist dabei nicht der Magier Eisenheim, über dessen Werdegang und Absichten man schlichtweg zu wenig erfährt. Vielmehr findet man sich an der Seite des zerrissenen Inspektor Uhl wieder, der für die Zuschauer schon deshalb am begreifbarsten bleibt, weil man die Zaubertricks wie er nur beobachtet und stets auf der Suche nach einer Lösung ist. So überzeichnet und unberechenbar Kronprinz Leopold im ersten Moment auch gezeichnet zu sein scheint, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass die zu werdenden Machthaber jener Zeit sich eben so gegeben haben. Rufus Sewell gelingt es dabei sehr gut, seine Figur nicht überzustrapazieren, sondern hauptsächlich dadurch bedrohlich zu erscheinen, dass man sich vorstellen kann, wie er seine Macht ausnutzen könnte.
Als Magier Eisenheim versteht es Hauptdarsteller Edward Norton sehr gut, das Publikum im Unklaren über seine Absichten zu lassen. Auch wenn Vieles aus seiner Sicht geschildert wird, wirkt er dennoch distanziert und seine Entscheidungen damit unberechenbar. Die letztendliche Auflösung der Geschichte mag zwar für Kenner jener Art Filme nicht überraschend kommen, doch dürfte sie viele Zuschauer im ersten Moment verblüffen. Dies insbesondere durch den überzeugenden Einsatz Paul Giamattis, der trotz seiner augenscheinlichen Wankelmütigkeit nie unsympathisch erscheint.

So gelungen jedoch die Besetzung von The Illusionist ist, und so erfreulich unaufgeregt die Erzählung selbst – was durch die edle Optik und die getragene, zeitgenössische musikalische Untermalung von Philip Glass noch verstärkt wird –, die Produktion leidet an vielen Details. So scheint es schlichtweg unprofessionell, dass in Wien Plakate, welche Eisenheims Magiekünste ankündigen, in englisch gehalten sind, oder dass zwar Zeichnungen von Eisenheims Zaubertricks in deutscher Sprache niedergeschrieben sind, aber jenes Buch, das den Trick um den Orangenbaum beinhaltet den Titel "Orange Tree" trägt. Dies stört die Authentizität, welche die sonstige Ausstattung tatsächlich auszeichnet. Auch scheint das Verwirrspiel um Eisenheims Absichten nie wirklich in Fahrt zu kommen, wer darauf hofft, dass das Erzähltempo im letzten Drittel wenigstens angezogen wird, der wird leider enttäuscht. Zwar verlässt sich Autor und Regisseur Burger auf das Kredo eines jeden Zauberkünstlers, dass letztlich doch alles nur Täuschung ist, und diesbezüglich hätte die Intrige um Kronprinz Leopold noch einen anderen Weg einschlagen können, doch bleibt die Geschichte letztlich zu brav, um wirklich mitzureißen. Dass man über die Figuren, welche einem an sich wichtig sein sollten, zu wenig erfährt, macht es auch schwierig, mit ihnen mitzufiebern. Sieht man sich den zeitgleich entstandenen, aber gänzlich anders angelegten Prestige - Die Meister der Magie [2006] an, fällt auf, dass jene Produktion immerhin emotionale Zugkraft besitzt. Diese fehlt The Illusionist leider gänzlich.


Fazit:
Irgendwo reizt es in einem jeden Film um Zauberkünstler, dass man auch als Zuschauer hinter den ein oder anderen Trick des Magiers kommt. Doch gerade, wenn die Kunststücke zu unfassbar werden, es bis hin ins Spirituelle zu driften scheint, mag man trotz einer gewissen Faszination den Vorführungen Eisenheims nicht mehr zu glauben. Die Figur selbst bleibt zwar sympathisch, aber durch ihre vielen Geheimnisse unnahbar und mysteriös. Darum scheint auch die Liebesgeschichte nicht wirklich ergreifend.
Von allen Darstellern gut gespielt und von Regisseur Neil Burger in tadellose und zeitgenössische Bilder getaucht, mangelt es The Illusionist hauptsächlich an Identifikationsfiguren oder gar einer Story, die emotional wirklich mitreißt. So hätte man zumindest erhofft, verblüfft zu werden, oder gar von dem, was durchweg bemüht gezeigt wird, gefesselt. Doch darauf hofft man vergebens.


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