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The Grey - Unter Wölfen [2011]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Oktober 2012
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: The Grey
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Joe Carnahan
Musik: Marc Streitenfeld
Darsteller: Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney, Dallas Roberts, Joe Anderson, Nonso Anozie, James Badge Dale, Ben Bray, Anne Openshaw, Peter Girges, Jonathan Bitonti, James Bitonti, Ella Kosor, Jacob Blair, Lani Gelera, Larissa Stadnichuk


Kurzinhalt:
Für einen Ölkonzern sorgt Ottway (Liam Neeson) für die Sicherheit der Arbeiter in einer verschneiten und abgelegenen Station. Auf dem Weg nach Hause stürzt das Flugzeug, in dem sich er und viele weitere Arbeiter der Anlage befinden, in der Wildnis Alaskas ab. Zusammen mit den weiteren sechs Überlebenden plant Ottway die nächsten Schritte. Doch bereits in der Nacht entdecken sie, dass sie nicht allein sind. Ein Rudel hungriger Wölfe hat die Absturzstelle entdeckt und kreist die Überlebenden zusehends ein.
Zusammen mit Hernandez (Ben Bray), Flannery (Joe Anderson), Burke (Nonso Anozie), Talget (Dermot Mulroney), Diaz (Frank Grillo) und Hendrick (Dallas Roberts) macht sich Ottway auf, Schutz zu suchen. Doch die Wölfe lassen nicht von ihnen ab. Ohne ausreichend Nahrung oder Waffen haben sie kaum eine Chance gegen diese Naturgewalt. Ihre einzige Hoffnung ist ihr Wille zu überleben. Doch insbesondere Ottway müssten diesen erst wiederfinden ...


Kritik:
Hält man sich den Inhalt von The Grey vor Augen – die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes sehen sich einem Rudel hungriger, großer Wölfe gegenüber –, gibt es viele Möglichkeiten, in welche Richtung sich diese Ausgangslage hätte entwickeln können. Doch statt daraus einen Überlebenshorrorfilm oder gar einen Actionthriller zu machen, geht Regisseur Joe Carnahan andere Wege. Zusammen mit Ian Mackenzie Jeffers adaptiert er dessen Kurzgeschichte zu einem existenziellen Drama, in dem der Kampf Mensch gegen Natur lediglich ein Spiegelbild der Zerrissenheit seiner Hauptfigur darstellt.

Dabei erfahren wir über Ottway nicht sehr viel. Selbst sein Vorname bleibt lange ein Geheimnis. Er arbeitet bei einer Ölfirma als Jäger, um die Arbeiter vor den Angriffen von Wildtieren zu beschützen. Diese Fähigkeiten kommen ihm zwar angesichts der Bedrohung, welche die Überlebenden des Flugzeugabsturzes erwartet, zugute, doch ob sie ihn auch retten können, ist fraglich. Ebenso, ob er überhaupt gerettet werden will. Wenn man bedenkt, dass Liam Neesons Ehefrau Natasha Richardson 2009 bei einem Skiunfall ums Leben kam und der Darsteller kurz darauf The Grey drehte, ist die hoffnungslose Traurigkeit, die man insbesondere zu Beginn in seinen Augen sieht, beängstigend greifbar. Dass Neeson jede Produktion veredelt, bei der er mitwirkt, ist kein Geheimnis. Sich Joe Carnahans Drama ohne ihn vorzustellen fällt schon deshalb schwer, weil er das Dramaelement verkörpert. Durch seinen Hintergrund bekommt das Schicksal seiner Filmfigur Gewicht, während man über die übrigen Männer seiner anfangs siebenköpfigen Gruppe nicht viel erfährt. So wenig in der Tat, dass selbst ihre Namen austauschbar sind. Wir finden dabei all diejenigen Klischees wieder, die man in solchen Situationen entweder erwartet, weil man sie selbst schon so erlebt hat, oder weil es in solchen Geschichten eben immer so ist. Es gibt den harten Kerl, der behauptet, vor nichts Angst zu haben, bis er einem Wolf direkt ins Auge blickt. Und denjenigen, der von seiner Angst vor der Situation übermannt wird, so dass er kaum in der Lage ist zu handeln. Schließlich findet sich auch diejenige Figur, die gesundheitlich angeschlagen ist und das Ende der Reise garantiert nicht erlebt.

Zitiert eine Figur in The Grey das auf Tatsachen basierende Drama Überleben! [1993] um eine Rugby-Mannschaft, die in den Anden abstürzt, erinnert man sich daran, wie erschütternd dieses war. Das gelingt Carnahan nicht. Er ringt den Darstellern um Liam Neeson zu Beginn mehr noch als am Ende überraschende Momente ab, doch sie können über ihre Figuren schon deshalb nicht hinauswachsen, weil sie zu vorhersehbar gestrickt sind.
Was dem Regisseur gut gelingt ist eine beängstigende Atmosphäre auf Grund der Bedrohung durch die Wölfe, die als bösartiger dargestellt werden, als sie im Grunde sind. Immerhin handeln sie nach ihren Instinkten und sind darum bemüht, ihr Revier zu verteidigen. Ob es den Tatsachen entspricht, dass ein solches Rudel durch koordinierte Angriffe Menschen tötet, sei dahingestellt. Wie gefährlich die Tiere für die gestrandeten Männer sind, ist spürbar.

Dank der Figur von Ottway lässt uns das Geschehen in The Grey nicht kalt. Wofür die übrigen Charaktere dienen, wird spätestens nach dem zweiten Angriff der Wölfe deutlich. An der handwerklichen Umsetzung gibt es dabei nichts zu bemängeln, die Landschaft und selbst die bedrohliche Einöde der Schneelandschaft sind passend eingefangen. Joe Carnahan gibt sich mit einer erstaunlich ruhigen Kameraführung Mühe, den Überlebenskampf der Männer in erstklassige Bilder zu packen. Woran es mangelt sind Figuren, für deren Schicksal wir uns auch interessieren. Eine Figur allein kann hierfür auch ausreichen. Doch dafür müssten wir wissen, ob sie überhaupt leben will, oder nicht.

Wer die letzte Einstellung vor dem Abspann nicht recht zu deuten vermag, sollte die Szene nach dem Abspann abwarten. Was man hier allerdings zu sehen und zu hören bekommt, lässt viel Raum für Spekulation.


Fazit:
Wer nach der Filmvorschau glaubt zu wissen, was einen in The Grey erwartet, liegt nur bedingt richtig. Es ist eine mutige Entscheidung, daraus keinen reißerischen Actionfilm zu erzählen, sondern eine gebrochene Figur ins Zentrum zu stellen, deren Suche nach einem Überlebenswillen die eigentliche Geschichte darstellt. In Liam Neeson hat Filmemacher Joe Carnahan darin auf tragische Weise seine Idealbesetzung gefunden. In seinen Augen sieht man eine Leere aufblitzen, die unter die Haut geht. Er trägt das hervorragend fotografierte Drama, in dem die übrigen Menschen eine untergeordnete Rolle spielen. Ihm gegenüber stehen Furcht einflößende Wölfe, die keinen Zweifel aufkommen lassen, wozu sie in der Lage sind, wenn sie einem zu nahe kommen.
Die ruhige, passende Musik untermalt zusammen mit den scheinbar befremdlichen Kontrasten durch Ottways Erinnerungen, wo der Schwerpunkt bei The Grey liegt. Dies gelingt dem Filmemacher gekonnt, doch weswegen die übrigen Figuren kaum Tiefe verliehen bekommen, ist unverständlich. So bieten sie nicht genug, um bei ihrem Überlebenskampf mitzufiebern.


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