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The Gambler - Ein Spiel. Sein Leben. [2014]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Dezember 2014
Genre: Drama

Originaltitel: The Gambler
Laufzeit: 111 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rupert Wyatt
Musik: Jon Brion, Theo Green
Darsteller: Mark Wahlberg, Jessica Lange, Brie Larson, Michael Kenneth Williams, John Goodman, Richard Schiff, Anthony Kelley, Domenick Lombardozzi, Alvin Ing, Emory Cohen


Kurzinhalt:

Jim Bennett (Mark Wahlberg) ist ein Spieler. Wie die meisten Spieler hat er am Tisch eine ganze Zeit lang Glück, ehe es ihn verlässt. So schuldet er dem Casinobetreiber Mr. Lee (Alvin Ing) nach ein paar Stunden eine große Menge Geld. Um es beim Glückspiel wieder zu verdienen, leiht Jim sich bei dem Gangster Neville (Michael Kenneth Williams) eine kleinere Summe – doch die verliert er ebenso. Und wenn er in einer Woche die 240.000 Dollar nicht besorgen kann, wohl auch noch mehr.
Seine Mutter Roberta (Jessica Lange), der er nicht die Wahrheit über seine Glücksspielsucht erzählt, will ihm nicht helfen und so wendet sich Jim an den Kredithai Frank (John Goodman). Während die Tage bis zum Zahltag verrinnen, lässt sich Bennett auf die Studentin Amy (Brie Larson) ein und auch zu seinem Schüler Lamar (Anthony Kelley), dessen Zukunft gegen seinen Willen geplant scheint, findet er Zugang. Doch am Ende dreht sich bei Jim alles darum, dass er genügend Geld braucht, um an den Spieltisch zurückzukehren. Es ist ein Kreislauf, der nur einen möglichen Ausgang kennt, wenn Jim nicht einen anderen findet ...


Kritik:
The Gambler ist ein gutes Beispiel, dass je weniger man von einem Film weiß, mitunter einen umso lohnenderen Kinobesuch hervorbringen kann. Verleitet einen die Vorschau dazu, hinter Rupert Wyatts neuem Film einen stellenweise lustigen Thriller um einen Spielsüchtigen zu vermuten, könnte der Film selbst kaum weiter davon entfernt sein. Zwar bietet das hervorragend gespielte und sehenswerte Drama um einen Glücksspielsüchtigen auf dem Weg zur Selbstzerstörung einige zynische Kommentare, wirklich zum Lachen ist hier jedoch niemandem.

In den ersten Minuten des Films treffen wir auf Jim Bennett, der von der Beerdigung seines Großvaters aus direkt in ein hochklassiges Casino fährt, um zu spielen. Dort gewinnt er und hört auch dann nicht auf zu spielen, wenn er das Vielfache seines Einsatzes gewonnen hat. Er spielt so lange, bis er alles wieder verliert – was der eigentliche Sinn und Zweck des Glücksspiels ist. Später, wenn Jim in eines der normalen Casinos mit den einarmigen Banditen fährt, sehen wir dort unzählige Menschen an den Automaten sitzen. Keiner von ihnen scheint glücklich bei dem, was er tut. Das Glückspiel ist eine Sucht, die im Gegensatz zum Alkohol, dem Nikotin oder anderen Drogen nicht vom Rausch lebt, sondern von der Hoffnung darauf. Die Aussicht zu gewinnen ist es, die die Spieler antreibt. Und wenn sie gewonnen haben, dann die Aussicht auf einen noch größeren Gewinn.

Jim Bennett ist ein Spieler, einer der schon Millionenbeträge in der Hand hatte, um alles zu verspielen. Auch wenn The Gambler die Regeln der Spiele nicht erklärt, Wyatt fängt die Anspannung bei den immer höher werdenden Einsätzen so gekonnt ein, dass man spürt, wie es Bennett den Boden unter den Füßen wegzieht, kurz bevor er verliert. Jim verliert so viel, dass er sich vor dem Casino bei dem Gangster Neville eine große Menge Geld leiht, um erneut spielen zu können – denn nur mit einem Gewinn kann er die Schulden begleichen, die er Minuten zuvor beim Casinobesitzer Mr. Lee aufgerissen hat. Und als auch das geliehene Geld verspielt ist, leiht er sich bei dem Kredithai Frank Geld, um weiterzuspielen. Immerhin muss er die anderen in sieben Tagen bezahlen.

Sehen wir Jim in einem teuren Sportwagen fahren, könnte man meinen, dass er schon öfter gewonnen hat. Doch das ist ein Irrtum. Ebenso wie die Vermutung, er wäre ein Berufsspieler. Tagsüber verdient Jim sein Geld als Literaturprofessor. Zu sehen, wie Regisseur Rupert Wyatt das Leben seiner Hauptfigur Stück für Stück entblättert, sich dem Kern seiner Sucht nähert, ist sehenswert. Jims beide Ansprachen an seine Schüler lassen tief blicken, was in ihm vorgeht und erzählt er seiner Schülerin Amy, mit der er ein Verhältnis beginnt, dass er eher sterben möchte, als nicht all das zu bekommen, was er glaubt verdient zu haben, trifft das Drama genau ins Schwarze. Jim setzt keine Teilbeträge, für ihn gibt es nur alles oder nichts. So wie es im Spiel nur gewinnen oder verlieren gibt. Erkennt er die Aussichtslosigkeit seiner Chancen, begibt er sich auf denselben Pfad wie Nicolas Cages Figur in Leaving Las Vegas [1995].

Filmemacher Wyatt findet eine starke Bildersprache für seine Figuren. Sei es das Schild eine halbe Minute vor Schluss, das Worte dafür findet, wie es Jim Bennett in dem Moment geht, oder die Tatsache, dass er ihn immer von einem niedrigen Blickwinkel einfängt. Nur wenn er spielt begibt sich die Kamera mit Jim auf Augenhöhe, als würde er erst dann die Welt normal sehen. Man sehe sich auch an, wie sich in den Positionen der stehenden/liegenden Stühle im Gespräch zwischen Neville und Jim am Boden des Schwimmbeckens widerspiegelt, wer die Oberhand der Situation besitzt. Glaubt Jim lange Zeit, dass er nichts zu verlieren hat und ihm niemand etwas anhaben könnte, drehen seine Gläubiger den Spieß um. Es ist eine Erkenntnis, die die meisten Glücksspielsüchtigen zu spät bekommen.


Fazit:
Der charismatische Jim Bennett ist ein Spieler, der sehenden Auges in eine Katastrophe rennt. Regisseur Rupert Wyatt zeichnet ein Porträt dieses Menschen, dessen grassüchtiger Schüler schlauer ist als er, da er sich gar nicht erst die Mittel für die Befriedigung seiner Sucht gönnt. Jim hingegen macht immer dieselben Fehler. Wieder und wieder. Schon deshalb ist er nicht sympathisch, von seinem ichbezogenen, zerstörerischen Verhalten ganz abgesehen, mit dem er alle um ihn herum mit ins Unglück stürzt. Diese Wiederholung ist es aber auch, die The Gambler länger erscheinen lässt, als er ist.
Dafür entschädigt Mark Wahlberg in einer seiner besten und facettenreichsten Rollen. Jessica Lange ist großartig als Jims Mutter Roberta und verdient für ihre Darbietung fraglos eine Oscarnominierung. Nach seinem vertraut wirkenden ersten Erscheinen, überrascht auch John Goodman mit erstklassigen Auftritten. Sie veredeln einen Film, der einem während der Laufzeit ans Herz wächst und gewinnt, je länger man ihn wirken lässt. So toll und stark die letzte Minute dabei ist, sie ist für das, was davor kam zu versöhnlich. Aber gerade deshalb macht sie Hoffnung.
Mit Anspruch – und sehenswert.    


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