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The Equalizer 2 [2018]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Mai 2019
Genre: Thriller / Action / Krimi

Originaltitel: The Equalizer 2
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Antoine Fuqua
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller: Denzel Washington, Pedro Pascal, Melissa Leo, Ashton Sanders, Orson Bean, Bill Pullman, Jonathan Scarfe, Sakina Jaffrey, Kazy Tauginas, Garrett Golden, Tamara Hickey


Kurzinhalt:

Auch wenn der ehemalige Elite-Agent Robert McCall (Denzel Washington) an sich im Ruhestand und offiziell gar nicht mehr am Leben ist, wenn er großes Unrecht vor sich sieht, schreitet er mit aller Härte ein. Dem steht nicht entgegen, dass er sich um andere kümmert. So auch um den Kunststudenten Miles (Ashton Sanders) in der Nachbarschaft, den er davon überzeugen will, der Gang, welcher sich der Junge angeschlossen hat, den Rücken zu kehren. Als Roberts ehemalige Kollegin und Freundin Susan Plummer (Melissa Leo) Opfer eines Angriffs wird, nimmt sich McCall der Sache an. Zusammen mit Susans Partner Dave (Pedro Pascal), mit dem er selbst einst zusammengearbeitet hat, gelangt er zu der Überzeugung, dass Susan bei Ermittlungen in Brüssel den Hintermännern zu dicht auf der Spur war. Aber nicht nur, dass Robert jetzt in deren Fadenkreuz geraten ist, auch die Menschen, die ihm etwas bedeuten, schweben in Gefahr …


Kritik:
Die drei auffälligsten, problembehafteten Bereiche bei Antoine Fuquas The Equalizer 2, der Fortsetzung zu seinem wenig zimperlichen Thriller The Equalizer [2014], in dem Denzel Washington einen Elite-Agenten im Ruhestand spielt, sind der Anfang, der Mittelteil und der Schluss. Das heißt nicht, dass sie jeweils vollkommen misslungen sind, aber sie verspielen mehr Potential, als sie nutzen. So gerät die erste Fortsetzung, in der der charismatische Hauptdarsteller überhaupt mitspielt, leider recht enttäuschend.

Dabei würde der von Washington gespielte Robert McCall als schweigsamer, auf bestimmte Routinen festgelegte Ex-Agent, der sich für die Schwachen und Unterdrückten einsetzt, durchaus genügend Möglichkeiten bieten, spannende Geschichten zu erzählen. In der Eröffnungssequenz stellt er sich einem Mann, der nach der Trennung von seiner Frau seine eigene Tochter entführt hat. Zurück in den USA gerät er als Fahrer für einen Taxi-Dienst in Kontakt mit vielen Menschen, kümmert sich um einen Senioren, der verzweifelt seine Schwester sucht, von der dieser im Zweiten Weltkrieg getrennt wurde, und bemüht sich um den künstlerisch talentierten Jungen Miles in der Nachbarschaft, der sich mit einer Gang eingelassen hat. Noch bevor die eigentliche Story beginnt, bei der sich Robert mit dem brutalen Angriff auf eine gute Freundin konfrontiert sieht, erteilt er überdies einer Gruppe junger Männer eine Lektion, die offensichtlich eine Frau missbraucht haben.
Aus einem unerfindlichen Grund stellt Regisseur Fuqua sämtliche Eigenschaften seiner Figur zweimal vor: Seine unnachgiebige und von seinem Gerechtigkeitssinn geprägte Härte und seine einfühlsame Fürsorge gegenüber anderen. Gleichzeitig scheint er jedoch an der eigentlichen Geschichte kaum interessiert. Aufhänger ist ein grausamer Mord an einem Geheimdienstmitarbeiter in Brüssel und je tiefer Robert in den Fall involviert wird, desto häufiger betont der Thriller, dass dies nur ein Teil des Puzzles wäre – doch das Puzzle wird auch am Ende nie zusammengesetzt. Wieso der Mann und seine Frau zu Beginn sterben mussten, wird nie geklärt, nicht einmal mehr gefragt.

Stattdessen schwenkt die Story auf Roberts ehemaligen Kollegen Dave und wer jemals einen Thriller um Mitglieder einer militärischen Spezialeinheit gesehen hat, der ahnt, dass mindestens einer von ihnen in die todbringende Verschwörung verwickelt ist. Schon deshalb, da The Equalizer 2 keine weiteren Figuren vorstellt. Doch bis diese Erkenntnis im analytisch sonst so gründlichen Robert gereift ist, ist der Mittelteil vergangen. Darin versucht das Drehbuch mit althergebrachten Methoden, den in sich gekehrten Helden genauer zu charakterisieren. Immer wieder wird seine verstorbene Frau erwähnt und gezeigt, wie er sich in seiner Nachbarschaft engagiert. Roberts Frau spielt auch beim Finale eine Rolle, wobei das Publikum akzeptieren soll, dass Jahre nach ihrem Tod ihre Bäckerei immer noch vollständig eingerichtet ist. Und obwohl Robert von den Schurken zum Showdown verfolgt wird, hat er noch genügend Zeit, die auf Grund eines Hurrikans evakuierte Umgebung seines Hauses am Meer für die Angreifer im Stile von Kevin - Allein zu Haus [1990] zu präparieren. Filmemacher Antoine Fuqua verlangt von seinem Publikum, immer wieder kleine Löcher in der Story zu akzeptieren, die sich mit der Zeit soweit anhäufen, dass sie irgendwann schlicht nicht mehr zu übersehen sind.

Die unvermittelt kompromisslose Action ist für ein erwachsenes Publikum packend in Szene gesetzt, nimmt in den letzten 20 Minuten jedoch so brutale Auswüchse an, dass man meinen könnte, Robert würde es regelrecht genießen. Handwerklich ist das größtenteils sauber und stellenweise wirklich gelungen eingefangen, so dass man die gelegentlich sichtbaren Tricks gern verzeiht. Aber das ändert nichts an der unnötig langen, sich inhaltlich wiederholenden Einführung, dem mäandrierenden Mittelteil, oder dem letzten Akt, bei dem geradezu verkrampft die Bühne für ein Action-Finale bereitet wird. Der Kern der Thriller-Geschichte bleibt auf der Strecke liegen und auch hier wird der „Equalizer“ Robert McCall als quasi unverwundbarer Held präsentiert, dem selbst ein ganzer Trupp Elite-Söldner nichts anhaben kann. Das mindert bei The Equalizer 2 merklich die Spannung und die erzählerischen Schwächen den Unterhaltungswert.


Fazit:
Hauptdarsteller Denzel Washington kann sichtbar nicht aus seiner Haut und verleiht selbst den klischeehaften Momenten eine unzweifelhafte Anmut. Aber während die übrigen Action-Szenen toll eingefangen sind und keinen Zweifel aufkommen lassen, dass er trotz seines Alters zupacken könnte, ist er beim Finale kaum von vorn zu sehen. Ist er zuvor schnell und zielgerichtet, nimmt er sich für die „Endgegner“ mehr Zeit. Das macht die gezeigte Brutalität nur grausamer. Die Stimmung gelingt Regisseur Antoine Fuqua sichtlich und er vermag seinen Hauptdarsteller passend in Szene zu setzen. Doch die anfangs als Agenten-Thriller aufgebaute Story verliert sich in Nebenhandlungen. Zwar ist The Equalizer 2 nie langweilig, und hat einzelne, toll aufgebaute Momente wie Roberts Kampf gegen seinen Fahrgast oder seine Abrechnung mit den jungen Anzugträgern im Hotel, aber diese ergeben sich notwendigerweise aus dem Verlauf der Geschichte, sondern sind nur aneinandergereiht. Als Thriller-Unterhaltung für ein erwachsenes Publikum ist das nett, aber nicht wichtig. Und angesichts der Beteiligten leider auch eine Enttäuschung.
 


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