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Tanz der Vampire [1967]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Februar 2006
Genre: Komödie / Horror

Originaltitel: The Fearless Vampire Killers
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 1966
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roman Polanski
Musik: Krzysztof Komeda
Darsteller: Jack MacGowran, Roman Polanski, Alfie Bass, Jessie Robins, Sharon Tate, Ferdy Mayne, Iain Quarrier, Terry Downes, Fiona Lewis, Ronald Lacey, Sydney Bromley


Kurzinhalt:
Der Fledermausforscher und möchtergern Vampirjäger Professor Abronsius (Jack MacGowran) reist mit seinem furchtsamen Assistenten Alfred (Roman Polanski) nach Transsylvanien, die vermeintliche Heimat der Vampire, um sein aus Bücher gesammeltes Fachwissen unter Beweis zu stellen. Einquartiert in einem verschrobenen Dorf wird wenig später die Tochter des Gasthausbesitzers Shagal (Alfie Bass), Sarah (Sharon Tate), vom Grafen von Krolock (Ferdy Mayne) geraubt und auf sein Schloss entführt.
Da Alfred sein Herz an die bildschöne junge Frau verloren hat, ist es dem Professor ein doppelt so wichtiges Anliegen, den Vampiren das Handwerk zu legen, und so macht er sich mit seinem Gehilfen auf, den Grafen im Schloss zu stellen. Doch dort wartet nicht nur der Sohn des adeligen Blutsaugers, Herbert (Iain Quarrier), auf das Vampirjägergespann – der zudem ein Auge auf Alfred geworfen hat –, sondern alsbald soll auch ein Ball stattfinden, bei dem die menschlichen Besucher allenfalls als Nachspeise willkommen sind.
So läuft dem Professor und Alfred die Zeit davon, wobei sie sich mit ihrem theoretischen Wissen zudem hoffnungslos übernommen haben ...


Kritik:
Im Sommer 1966 trafen die damals 23jährige Sharon Tate und der zehn Jahre ältere Filmemacher Roman Polanski in London zum ersten Mal auf einander. Obgleich sie von einander nicht sehr beeindruckt waren, wollte Polanski die aufstrebende Darstellerin unbedingt für eine Rolle in Tanz der Vampire gewinnen, und als die ursprünglich gedachte Jill St. John sich vor Drehbeginn aus dem Projekt zurück zog, stand dem auch nichts mehr im Wege. Nach dem Dreh wurden Tate und Polanski ein Paar und heirateten nach der Fertigstellung von Polanskis nächstem Film, Rosemaries Baby [1968]. Trotz filmischer Erfolge wie Das Tal der Puppen [1967] blieb der große Durchbruch für Sharon Tate aus; als sie erfuhr, dass sie ein Kind von ihrem Gatten erwartete, wandelten sich auch ihre persönlichen Ziele, während sie sich voll und ganz auf die kommende Mutter-Rolle einstellte. Doch wurden all ihre Zukunftspläne jäh zerstört, als Mitglieder der Charles Manson-Familie in der Nacht zum 9. August 1969 in ihr Haus eindrangen und alle sechs dort befindlichen Personen systematisch ermordeten. Das ungeborene Kind, dessen Name Paul Richard Polanski hätte lauten sollen, starb mit ihr.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf, und dem Bewusstsein, dass der für die Morde verantwortliche Charles Manson bis heute im Gefängnis sitzt (sein nächster Antrag auf Bewährung kann 2007 eingereicht werden), ist klar, dass selbst für Fans Tanz der Vampire immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen ist.
Sieht man eine der gelungensten Vampir-Komödien überhaupt aus heutiger Sicht, werden sowohl die Stärken von Polanskis ungewöhnlicher Blutsauger-Satire schnell offensichtlich, aber auch ihre Schwächen, die man überdies nicht lange zu suchen braucht. Die meisten hiervon sind zudem im Skript enthalten, das von Gérard Brach und Polanski selbst verfasst wurde.
So fällt neben dem schrulligen Setting mit den skurrilen Charakteren auch auf, dass der Film trotz eines kurzen, gesprochenen Prologs keine längere Einführung besitzt, in der die beiden Hauptfiguren Professor Ambronsius und dessen Assistent Alfred vorgestellt würden. Von ihren (hoffentlich) vorhandenen Fähigkeiten als Vampirtöter darf man sich vor Eintreffen beim Schloss von Graf Krolock ebenfalls nicht überzeugen, und ohne ein klares Ziel plätschert die Geschichte in den ersten dreißig Minuten vor sich hin, ehe das Geschehen ins Schloss verlagert wird, wo aber ebenfalls keine wirklich bedrohliche Stimmung zu herrschen scheint.
Trotz der immens witzigen Einlagen, der natürlich und beinahe schon nebensächlich dargebrachten Situationskomik, lässt das Skript eine gewisse Dynamik vermitteln, es scheint nicht so, als würde eine Szene zur nächsten führen, sondern vielmehr so, als wären viele Einstellungen entstanden, um den einen oder anderen Gag zu demonstrieren. Dass dies trotzdem unterhält, ist unbestritten, aber es wäre gerade angesichts des Vampirballes zum Schluss mehr möglich gewesen, zumal das Finale ebenso schnell endet, wie es beginnt, dabei viele Fragen zurück lässt, ohne auch nur Andeutungen auf die Antworten zu liefern.
Mit ausgefeilteren Charakteren, einer komplexeren Geschichte und mehr Bezug auf die Vampirmythologie hätte das Drehbuch auch mehr Substanz besessen, um die knapp zwei Stunden flotter vergehen zu lassen.

So besitzt Tanz der Vampire eigentlich keinen richtigen Anfang und auch keinen Abschluss, erzählt dazwischen eine Geschichte, die bis auf das Finale ohne wirkliche Höhepunkte auskommt, und auch abgesehen davon in wenigen Worten zusammen gefasst ist.
Was den Film allerdings auszeichnet, ist seine wirklich gelungene und bisweilen auch gruselige Atmosphäre, die zu einem nicht zu unterschätzenden Teil den Darstellern zu verdanken ist.

Allen voran Jack MacGowran, der seinen letzten Auftritt nur wenige Jahre später in Der Exorzist [1973] feierte. MacGowran verkörpert den etwas senilen, gutmütigen und hoffnungslos überforderten Professor Abronsius mit einer Natürlichkeit, die einem allein angesichts der Körperhaltung des Vampirjägers Lachtränen in die Augen treibt. Ihm zuzusehen, seine unverkrampften Komik und seine verschrobene Mimik zu beobachten, ist das Ansehen schon wert, er bleibt auch dann noch in Erinnerung, wenn manch andere schon vergessen sind.
Dass sich Regisseur Roman Polanski selbst nicht einmal in der Besetzung nennt, obgleich er ansich eine der Hauptrollen innehat, ist verwunderlich, macht er seine Sache doch wirklich sehr gut und bringt die Ängstlichkeit, die jugendliche Unbeschwertheit seine Figur gekonnt zum Ausdruck.
Eine sehr gute Leistung, insbesondere bei den komödiantischen Momente zeigt auch Alfie Bass, der unter anderem in Der Verführer läßt schön grüßen [1966] (dem Original von Alfie [2004]) mitwirkte; auch der in Mainz geborene Ferdy Mayne und Iain Quarrier lassen keine Wünsche offen, doch sind ihre Rollen so überdreht angelegt, dass ihnen kaum Raum für ein differenziertes Schauspiel bleibt.
Von Fiona Lewis ist überdies kaum etwas zu seine, ebenso wenig wie von Sharon Tate, die wie in manch ihren Filmen zuvor mit einem Mindestmaß an Dialog die Szenen, in denen sie mitwirkt veredeln sollte – was ihr ohne Probleme auch gelingt.

Durch die kammerspielartige Geschichte musste sich Regisseur Polanski auf wenige wenige Sets und Szenenwechsel verlassen, beweist aber gerade in den Außenszenen, die nicht vor einem Bluescreen aufgenommen wurden (eben jener ist bei den Schlittenfahrt-Aufnahmen leider offensichtlich) ein gutes Gespür für stimmungsvolle Bilder, die sehr gut das Flair des Films zum Ausdruck bringen.
Mit dezenten Kamerafahrten, einigen überraschenderweise mit Handkamera gefilmten Momenten und grundsätzlich sehr wohlüberlegten Einstellungen, die zudem das Panorama-Format des in einem Bildformat von 2,35:1 gedrehten Films gekonnt einfangen, beweist Polanski eindrucksvoll, dass er sein Handwerk beherrscht.
Dank der schneebedeckten Landschaft und den überzeugenden Sets – sowohl innen wie auch außen – erzeugt Tanz der Vampire auch eben jene unheimliche Atmosphäre, die manch anderen Horrorfilmen des Genres gänzlich fehlen. Dass die Geschichte trotzdem mit einer ungewohnten Situationskomik aufwartet, stört nicht, ganz im Gegenteil, denn von theatralisch monumentalen Einstellungen, wie sie aus alten Dracula-Filmen gewohnt sind, sieht der Filmemacher glücklicherweise ab.

Die Musik des polnischen Komponisten Krzysztof Komeda, der 1969 wenige Tage vor seinem 38. Geburtstag an den Folgen eines Unfalls verstarb, tut ihr übriges, die Stimmung des Films auf eine augenzwinkernde Art und Weise (und mit sichtlicher Belustigung von Seiten der Filmemacher) auf einem unheilschwangeren Niveau zu halten.
Die aufgesetzt wuchtige Melodie des Films, die nicht von ungefähr an Klassiker des Genres erinnert, passt zwar gerade angesichts des einfallsreichen Vorspanns und des Settings der Geschichte zu den Bildern, wiederholt sich im Laufe des Films aber ein wenig zu oft, wobei der Score insgesamt zu eintönig bleibt und in den ruhigen Momente die Atmosphäre besser hätte unterstützen können.
In der vorliegenden Form passt die Musik somit an den meisten, aber nicht an allen Stellen.

Bei der ursprünglichen Veröffentlichung in den USA hatte Roman Polanski außerdem mit dem Verleih zu kämpfen, der den Film grob umschnitt und sich so stark von den Vorstellungen des Regisseurs entfernte, dass dieser sich öffentlich von der Fassung distanzierte.
Gegenüber der europäischen Filmversion fehlten circa zwölf Minuten, dafür wurde ein gezeichneter Cartoon voran gestellt und der Film insgesamt sowohl umgeschnitten, als auch umsynchronisiert, um mehr Slapstick zu erhalten und die eigentliche Aussage (die sich wie ein Leitmotiv durch Polanskis Werke zieht), dass angesichts von organisiertem Bösen jede Tugendhaftigkeit ohne dauerhafte Wirkung bleiben wird, zu überdecken.

Mit anderen Vampir-Parodien wie der George Hamilton-Komödie Liebe auf den ersten Biss [1979] hat Tanz der Vampire in der Tat wenig zu tun, das liegt aber einerseits daran, dass trotz der witzigen Inhalte des Films die Kernaussage und die Elemente darin nach wie vor ernst und auch ernst dargestellt sind, gleichzeitig versucht der Regisseur aber absichtlich, jene Aspekte unter einer ganzen Reihe von durchweg gut platzierten und bisweilen so subtil wie natürlich dargebrachten situationsbedingt witzigen Einlagen zu verblenden.
Dies gelingt ihm dank eines motivierten und engagierten Cast und einer handwerklich sauberen Umsetzung, die mit einer durchweg stimmigen Atmosphäre glänzt; wer diesen Klassiker unter den Parodien des Genres in seinen Kindertagen gesehen hat, oder nicht in Zeiten von Blade oder anderen modernen Vampirjägern aufgewachsen ist, wird sich nach wie vor köstlich amüsieren, dabei ist aber nach beinahe 40 Jahren das gemächliche Erzähltempo und die ansich dürftige Story dem Film durchaus anzumerken.


Fazit:
Es ist leider eine Tatsache, dass sich junge Zuschauer meist weder mit an Geschichte, noch an dem gezeigten Humor in Tanz der Vampire erfreuen können; dass diese bekannteste und klassischske Vampirkomödie in der Tat nicht die Zeitlosigkeit von beispielsweise Francis Ford Coppolas Dracula [1992] besitzt, liegt aber auch am Film selbst, der mit einer sehr langsam erzählten Geschichte und herrlich schrulligen, aber doch eindimensionalen Figuren daher kommt.
Für Regisseur und Darsteller Roman Polanski stellt das Werk nach einer von ihm getroffenen Interviewaussage seinen Lieblingsfirlm dar, und wer über die inhaltlichen und erzählerischen Schwächen hinweg sehen kann, und sich nicht daran stört, dass der Film ansich weder einen Anfang, noch ein Ende besitzt, der kann sich an der Situationskomik ebenso köstlich amüsieren, wie an den Darstellerleistungen, die auch ohne Worte für Lachtränen sorgen. Die durchgehend gruselige und unheimliche Atmosphäre fängt der Filmemacher außerdem gekonnt ein und erzeugt damit ein nicht zu verwechselndes Flair von Transsylvanien, das auch durch das Setting im schneebedeckten Schloss einem Vampir-Bilderbuch entsprungen sein könnte.


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