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Talking to Heaven [2002]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. August 2003
Genre: Drama / Fantasy / Thriller

Originaltitel: Living with the Dead
Laufzeit: 142 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Stephen Gyllenhaal
Musik: Normand Corbeil
Darsteller: Ted Danson, Mary Steenburgen, Diane Ladd, Jack Palance, Joy Coghill, Queen Latifah


Kurzinhalt:
James Van Praagh (Ted Danson) hat eine Gabe: Bereits seit seiner Kindheit kann er tote Menschen sehen. Lange Zeit ignorierte er diese Fähigkeit, doch als seine Mutter sterbenskrank wird, sprechen die Toten wieder mit ihm.
Eine Gruppe Kinder bringt ihn auf die Spur eines Serienmörders, der seit sieben Jahren kleine Jungen tötet. Seine Arbeitskollegin und Freundin Midge Harmon (Queen Latifah) ermutigt ihn, sich der Gabe zu stellen und sie zu nutzen – doch was die Verblichenen ihm tatsächlich sagen wollen, kann Van Praagh nicht immer verstehen.
Zusammen mit Polizistin Karen Condrin (Mary Steenburgen) versucht er, bei der Lösung der Mordfälle um die Kinder zu helfen, allen Kritikern und Unkenrufen, dass er ein Betrüger oder selbst der Täter sei, zum Trotz.
Selbst sein Vater Allan (Jack Palance) steht der Begabung kritisch gegenüber.


Kritik:
"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als die Philosophie sich träumen lässt" – das schrieb William Shakespeare in Hamlet bereits 1601 und behielt zweifellos bis heute recht. Doch ob man wirklich übersinnliche Fähigkeiten von sogenannten "medial begabten Menschen", die angeblich mit Verstorbenen in Kontakt stehen oder die Zukunft vorhersagen können, zu dieser Aussage zählen kann, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
James Van Praagh behauptet von sich, diese Fähigkeit zu besitzen und unterstützte die Polizei einige Zeit bei der Aufklärung bestimmter Fälle. Als sein Bekanntheitsgrad stieg, verfasste er nicht nur einige Bücher, sondern bekam auch seine eigene Fernsehsendung, in der er auserwählten Gästen Kontakt mit ihren verstorbenen Verwandten gewährte – gegen Bezahlung verständlicherweise. Viele Prominente kamen zu ihm; dennoch war seiner Sendung kein Erfolg vergönnt – ob er das wohl vorhersah?

Die zweiteilige TV-Produktion Talking to Heaven, bei der Van Praagh auch als Produzent fungierte, basiert zum Teil auf seinem autobiografischen Esoterik-Ratgeber Und der Himmel tat sich auf – Jenseitsbotschaften [1997]. Darüber hinaus wurde die Story des Films um fiktive Krimi-Elemente ergänzt. Weshalb Hauptdarsteller Ted Danson so wenig Ähnlichkeit mit dem wahren Van Praagh hat, sei dahingestellt, denn bei dem Werk steht ansich die Unterhaltung im Vordergrund, gleichwohl es einen sehr großen spirituellen Anteil gibt.
Betrachtet man den Film für sich allein und nicht so sehr als Autobiografie, dann werden neben der interessanten Grundhandlung einige Mängel offensichtlich, und selbst den Vergleich mit dem Welterfolg The Sixth Sense [1999] darf der TV-Film schon aufgrund der Thematik nicht scheuen. Dass er in direkter Konkurrenz klarer Verlierer ist, sollte potentielle Zuschauer allerdings nicht abschrecken, erweist sich Talking to Heaven doch als erfreulich klischeefreier, unterhaltsamer und bisweilen recht spannender Mystery-Thriller, der durchaus einen Blick wert ist.

Das Skript hätte dabei zugegebenermaßen noch zusätzliche Überarbeitung verdient. Hier wird leider deutlich, dass der Film mehr oder weniger verkrampft auf zwei rund 90 Minuten lange Teile ausgedehnt wurde, anstatt einen kompakteren, dafür spannenderen zwei Stunden langen Thriller zu erzählen.
So driftet das Geschehen im Mittelteil unnötig in Richtungen, für die sich die Story letztendlich doch nicht entscheiden kann, und insgesamt 20 Minuten hätten in der Mitte und kurz vor Schluss ohne Weiteres entnommen werden können. Queen Latifahs Filmcharakter Midge Harmon wirkt zwar, wie die Schauspielerin selbst, sehr charmant, für die eigentliche Handlung des Films ist sie aber schlicht überflüssig, und sie trägt zur "Selbstfindung" von Van Praagh nicht wirklich bei. Ohne diesen Nebenstrang wäre das Hauptgeschehen straffer verlaufen und Van Praaghs Familie hätte stärker in den Mittelpunkt gerückt werden können. Beispielsweise wird die Beziehung zwischen James und seinem Vater schön vorbereitet, am Schluss bricht selbige jedoch einfach ab, ohne zu erklären, wie es mit Allan Van Praagh weiterging. Während der Mittelteil also unnötig lang erscheint, ist das Ende in gewissem Sinne zu kurz geraten.
Die Auflösung der Thriller-Story trifft den Zuschauer tatsächlich überraschend, aber vor allem aus dem Grund, weil man als Zuschauer den entscheidenden Hinweis im Verlauf des Films gar nicht mitbekommt, um selbst am "Wer ist der Täter?"-Ratespiel teilnehmen zu können.
Ein Grundproblem des Drehbuchs ist insbesondere der Zeitrahmen der Ereignisse – als Zuschauer bekommt man davon leider nichts gesagt, so könnte Talking to Heaven ebenso gut in drei Monaten, oder verteilt auf zwei Jahre stattfinden; nicht einmal anhand Midge Harmons Krankheit ist das einzuschätzen.
Abgesehen von den genannten Kritik-Punkten ist das Skript allerdings überwiegend gut geraten, obwohl der Drama/Thriller-Anteil nicht immer ausgewogen ist. Dank der soliden Inszenierung fällt in Bezug auf die Drehbuch-Schwächen ohnehin nur der vor sich hin mäandrierende Mittelteil ins Gewicht.

Die Darsteller wurden offenbar gewissenhaft ausgewählt, gleichwohl man Ted Danson, Becker [1998-2004], nicht unbedingt in einer derart ernsten Rolle erwarten würde. Er wird seiner Aufgabe aber durchaus gerecht und verkörpert Van Praagh mit der nötigen Unsicherheit, damit sein Charakter glaubhaft rüber kommt. Trotz aller Mühen seinerseits wirken die eigentlichen "Erfahrungssequenzen", in denen er in die Haut der Opfer schlüpft, dennoch wie ein billiger Exorzist [1973]-Abklatsch. Selbst wenn sich Van Praagh bei seinen Begegnungen mit den Toten in der Tat so gefühlt haben mag, funktioniert das im Film einfach nicht, sondern sind bisweilen eher unfreiwillig komisch.
An den restlichen Akteuren, auch den Kinder-Darstellern, gibt es ansich wenig auszusetzen. Einzig Mary Steenburgen – die mit Ted Danson seit 1995 verheiratet ist – scheint in ihrer Rolle als Polizistin fehlplatziert. Zu unterkühlt, zu emotionslos, beinahe schon gelangweilt stapft sie vor der Kamera umher. Denkt man an eine ihrer bekanntesten Rollen in Zurück in die Zukunft III [1990] zurück, hat man das Gefühl, dass ihr Talking to Heaven keinen Spaß machte.
Die charismatische Queen Latifah (Der Knochenjäger [1999]) spielt wie gewohnt überzeugend, obgleich sie nicht allzu viel zu tun hat.
Der inzwischen 83-jährige Jack Palance (bürgerlicher Name Vladimir Palanuik) hat ebenfalls nichts von seinem Charisma verloren, macht in seinen Szenen aber verständlicherweise einen müden Eindruck. Bislang war Talking to Heaven seine vorletzte Rolle.
Ebenfalls zu erwähnen ist Diane Ladd, die in Kürze in Stephen Kings Mini-Serie Kingdom Hospital [2004] – ein amerikanisches Remake von Lars von Triers Geister [1994/1997] – hierzulande zu sehen sein wird und in Talking to Heaven eine routinierte Schauspielleistung zeigt – als Van Praaghs Mutter ist ihr Auftritt sogar größer als der von Jack Palance.

Nicht nur im Hinblick darauf, dass Talking to Heaven fürs Fernsehen produziert wurde, kann die Inszenierung durchaus gefallen; lediglich manche Schnitt-Wechsel, in denen Van Praagh in die Haut der Opfer versetzt wird, sind weniger gelungen – besonders dann nicht, wenn man Van Praagh wieder in der Wirklichkeit auf dem Boden liegend gezeigt bekommt und die beklemmende Spannung seiner Erfahrung dadurch zunichte gemacht wird. Hier wäre es klüger gewesen, hätte man ihn das Geschehen aus der Sicht des Opfers erfahren lassen, ohne den Zuschauer immer wieder in die "Realität" zurückzuholen.
Glücklicherweise drückt Regisseur Stephen Gyllenhaal (Vater von Maggie und Jake Gyllenhaal) nicht auf die Tränendrüsen, sondern setzt das Geschehen trotz des schwierigen Themas stilvoll und mit Respekt um, was auch für das Finale selbst gilt. Die Darsteller fordert er allerdings nicht bis zum Letzten und an M. Night Shyamalans The Sixth Sense reicht hier weder die Schauspielführung, noch die Inszenierung im Ansatz heran. Dennoch sorgt der Film streckenweise für gute Gänsehautstimmung.

Über die Musik von Normand Corbeil, der unter anderem für den Thriller Doppelmord [1999] verantwortlich war, kann man nicht viele Worte verlieren.
Sein Score hält sich dezent im Hintergrund, kommt aber auch ohne nennenswertes oder einprägsames Thema daher. Zu den Szenen passt die Musik einwandfrei und ist nie aufdringlich.

Wer aufpasst, kann den richtigen Van Praagh im Film sogar als Orgelspieler entdecken.
Inwiefern das Werk dagegen auf echten Fakten beruht und wieviel reine Fiktion ist, darüber lässt sich zweifellos streiten. Nach den knapp zweieinhalb Stunden bleibt die Gewissheit, dass der Film niemanden bekehren wird: Wer schon vorher an Medien, Hellseher und Gespräche mit Toten geglaubt hat, wird sich allenfalls bestätigt fühlen, wer dem Thema schon zuvor skeptisch gegenüberstand, wird von Van Praaghs Erlebnissen immer noch nicht überzeugt sein.
Als Film selbst ist Talking to Heaven ohne Frage gut gelungen und einen Blick wert, wenn man sich auf die ruhige Erzählweise einlassen möchte.


Fazit:
Einschalten kann man bei Stephen Gyllenhaals Regie-Arbeit bedenkenlos. Hat man jedoch im Hinterkopf, dass The Sixth Sense das Thema inklusive Drama perfektionierte und Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt [1999] den nervenaufreibenden und atmosphärischen Thriller lieferte, stellt sich die Frage, wer Talking to Heaven wirklich benötigte.
Die Darsteller können überzeugen, manche Sequenzen sind spannend geraten – der Mittelteil aber definitiv zu lang, und die Geschichte wirkt insgesamt etwas unausgeglichen.
Talking to Heaven ist sicher was für Mystery-Fans und solche, die es werden wollen, solange man die unterschwellige Selbstbeweihräucherung des Protagonisten ignoriert.


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