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Super 8 [2011]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. August 2011
Genre: Science Fiction / Action / Unterhaltung

Originaltitel: Super 8
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.J. Abrams
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Kyle Chandler, Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee, Gabriel Basso, Zach Mills, Ron Eldard, Noah Emmerich, Richard T. Jones, Glynn Turman, Jessica Tuck, Joel McKinnon Miller, Amanda Michalka, Andrew Miller, Jade Griffiths, Jakob Miller, Britt Flatmo, David Gallagher


Kurzinhalt:
Vier Monate sind vergangen, seit ein plötzlicher Verlust einen Keil in die Beziehung zwischen Joe (Joel Courtney) und seinen Vater Jackson (Kyle Chandler) getrieben hat. Joe versucht in der Schule einen Weg in die Normalität zu finden, während sich Jackson in die Polizeiarbeit flüchtet. Heilen können ihre Wunden so nicht wirklich. Ein Freizeitprojekt von Joes Freund Charles (Riley Griffiths), der für ein Filmfestival einen Zombifilm mit seiner Super 8-Kamera drehen möchte, sorgt immerhin für ein wenig Abwechslung. Dass er Alice Dainard (Elle Fanning) überreden konnte, mitzuspielen, scheint so etwas wie ein Wunder.
Bei einem nächtlichen Dreh an den nahegelegenen Zuggleisen beobachten die Jugendlichen, darunter auch Feuerwerkspezialist Cary (Ryan Lee), Martin (Gabriel Basso) und Preston (Zach Mills) ein verheerendes Zugunglück. Was immer die Fracht gewesen ist, scheint dabei entkommen zu sein. Wenig später riegelt die Air Force unter Leitung von Nelec (Noah Emmerich) die Unglücksstelle ab und seltsame Vorfälle ereignen sich in der Stadt ...


Kritik:
In Super 8 erzählt Filmemacher J.J. Abrams die Geschichte eines Sommers im Leben von fünf Freunden im Jahr 1979. Es ist im Alter der Jugendlichen eine wichtige Zeit und eine, in der etwas geschieht, das ihr Leben für immer verändern wird. Der Film zeichnet dieses Porträt vor einem actiongeladenen und fantastischen Hintergrund und verliert dabei doch nicht aus den Augen, dass es die Figuren sind, die uns interessieren und derentwegen wir die zweite Filmhälfte über überhaupt mitfiebern. Wer jene Zeit miterlebt hat, wird von dem charmanten Flair sofort eingenommen werden; Kinder, die ihre Freizeit draußen verbringen, mit dem Fahrrad die meisten Strecken zurücklegen. Es ist eine Zeit, in der die Haustüre nicht abgeschlossen wird, weil man seine Nachbarn kennt und ihr Besuch immer willkommen ist. Wer damals noch nicht auf der Welt war, mag sich an das Gefühl erinnern, das zahlreiche andere Filme vermitteln, die in jenen Jahren entstanden. Nicht wenige von Produzent Steven Spielberg selbst. Ob Abrams eine Hommage an Spielbergs Werke im Sinn hatte, sei einmal dahingestellt. Es scheint vielmehr, als wolle er damit seiner eigenen Jugend einen Besuch abstatten.

Diesen zeichnet er dabei auf eine so liebevolle und detailreiche Art, dass man sich zurecht fragen muss, weswegen viele Filmemacher dies inzwischen verlernt zu haben scheinen. Wir bekommen Joe vorgestellt, in einem der Momente, in denen er am verletzlichsten ist. Ihm ist jemand genommen worden, der nicht ersetzt werden kann, und sein Vater Jackson hat ebenso mit seiner Trauer zu kämpfen, ohne zu wissen, wie er Joe helfen kann. Und doch wird Joe durch den Verlust nicht wütend, er steht dem Mann, der an seinem Verlust in gewissem Sinne eine Teilschuld trägt, nicht als trotziger Junge gegenüber, oder wünscht ihm Schlechtes. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich selbst im Klaren zu werden, wie er nun klar kommen soll. Diese kindliche Offenheit fehlt den beteiligten Erwachsenen, worunter ihre Kinder, darunter auch Alice, zu leiden haben.
Super 8 verzichtet erfreulicherweise darauf, die Beziehung der Figuren untereinander durch Worte oder gar einen Kommentar aus dem Hintergrund zu erklären. J.J. Abrams zeigt die Situationen und lässt den Zuseher selbst seine Schlüsse ziehen. Erinnert man sich an seine bisherigen Regiearbeiten, darunter Star Trek [2009] und Mission: Impossible III [2006], verblüfft hier, wie viel Zeit er den Figuren gibt, sich zu entwickeln. Es sind auch alle verschiedenen Charaktere dabei, an die man sich in seiner eigenen Kindheit erinnern kann: der Organisator, nach dessen Anweisung alle marschieren (hier verkörpert durch Charles, der einen Zombie-Film mit seiner Super 8-Videokamera aufnehmen möchte und seine Freunde dafür einspannt), das Sorgenkind, das stets verängstigt immer das Schlimmste erwartet, der Pyromane, der immer mit einem Feuerzeug herumspielt, und der Mitläufer, auf den man zählen kann, solange es nicht zu haarig wird. Mit Charles, Cary, Martin und Preston hat Joe all das in seinem Umfeld. Sie stellen Fragen, die Kinder stellen und sie benehmen sich, wie sich Kinder auch benehmen. So haben sie Wünsche und Sorgen, mit denen wir mitfühlen können und die uns wichtig sind, zumal Abrams auch in der zweiten Filmhälfte immer wieder Momente findet, in denen er seine Figuren ins Zentrum rückt.

Ihre Geschichte beginnt, als sie sich nachts zum Dreh für Charles Zombie-Film an den nahe der Stadt gelegenen Gleisen treffen. Zum ersten Mal ist auch Alice dabei, deren Schicksal mit Joes verwobener ist, als wir ahnen, und die als einziges Mädchen in der Jungenclique genau für das sorgt, wofür Mädchen in dem Alter meist sorgen. Während des Drehs werden die Jugendlichen Zeugen eines verheerenden Zugunglücks, bei dem sie selbst nur knapp mit dem Leben davon kommen. Doch irgendetwas war in den großen Frachtcontainern und ist entkommen. Joes Vater bekommt als Hilfssheriff unerwartet viel zu tun, denn es häufen sich die Berichte von seltsamen Diebstählen, Zerstörung, entlaufene Hunde und sogar Menschen verschwinden. Dass all das mit dem Zugunglück zusammenhängen muss, ahnt Jackson sowie die Kinder, weil die Air Force das gesamte Gebiet abriegelt und um Ausreden nicht verlegen ist.
Was dann folgt sollte man nicht verraten, denn es würde vorweg nehmen, was Super 8 letztlich enthüllt.

Kyle Chandler unterstreicht in der führenden Rolle erfreulicherweise, wie gut dem charismatischen Darsteller ein solches Projekt liegt. Doch hinter ihm brauchen sich Joel Courtney, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee und Gabriel Basso nicht zu verstecken. Dank ihnen wirkt das Porträt jener Freunde authentisch. Noah Emmerich und Richard T. Jones sorgen hierbei für die notwendigen Gegenpole.
Manche Zuschauer mögen dem Film vorhalten, dass er nicht überraschend genug sei, oder die zweite Hälfte zu actionreich – das mag durchaus sein, immerhin geht es J.J. Abrams in erster Linie auch nicht darum. Ihm geht es vorrangig um Joe und um seinen Vater. Weiter auch um Joes Freunde, die in jenem Sommer etwas Außergewöhnliches erleben, das Joe und Jackson ungeahnt dabei hilft, mit dem Geschehenen abzuschließen. So ist Super 8 trotz mancher Elemente eine menschliche Geschichte, die genau darum interessiert.


Fazit:
Wer nach den bewusst offen gehaltenen Vorschauvideos einen Monsterfilm erwartet, wird enttäuscht werden. Vielmehr nutzt Regisseur Abrams diesen Hintergrund dazu, eine sehr persönliche Geschichte um Verlust und das Loslassen zu erzählen. Hier mögen die Kinder zwar die Protagonisten sein, die Botschaft richtet sich jedoch an alle Altersklassen und wird von Erwachsenen vermutlich auch besser verstanden werden.
Eingefangen in einem spürbaren und authentischen Flair der späten 70er Jahre, zu welchem auch der gelungene Soundtrack, sowie die hervorragende Inszenierung beitragen, weckt Super 8 Erinnerungen nicht nur an jene Zeit, sondern auch an Filme aus jenen Jahren. Anspielungen an das Genre finden sich ebenfalls genug. Dank der tollen Besetzung gelingt die Balance zwischen Jugendfilm und Actionunterhaltung tadellos, wenn das Publikum bereit ist, sich auf die Figuren einzulassen. Sie sind nicht nur der Kern der Geschichte, sondern auch ihr größter Pluspunkt. Fans gefühlsloser Zerstörungsorgien können sich in anderen Filmen transformieren lassen.


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