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Steve Jobs - The Lost Interview [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Januar 2015
Genre: Dokumentation

Originaltitel: Steve Jobs: The Lost Interview
Laufzeit: 69 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012 / 1995
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Paul Sen
Musik: -
Personen: Steve Jobs, Robert X. Cringely


Hintergrund:

Für die dreiteilige Dokumentation The Triumph of the Nerds: The Rise of Accidental Empires [1996], die tiefe Einblicke in die Entwicklung des Computers gewährte, interviewte Autor Robert X. Cringely dutzende Industriegrößen. Manche von ihnen waren schon seit Jahrzehnten in ihren Firmen tätig, andere sollten es erst noch werden.
Es finden sich darin Namen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Steve Ballmer oder Steve Wozniak. Auch zeigt die Dokumentation ca. 10 Minuten eines Interviews mit Apple-Mitbegründer Steve Jobs – eines der wenigen, die er gab. Das ganze, etwas mehr als eine Stunde dauernde Interview galt lange Zeit als verschollen, bis Regisseur Paul Sen nach Jobs Tod im Jahr 2011 eine VHS-Kopie des ungeschnittenen Materials entdeckte und zugänglich machte.


Kritik:
Steve Jobs - The Lost Interview ist dabei in gewissem Sinne beides, es ist eine Dokumentation so sehr wie ein Interview. Aufgenommen im Jahr 1995, zehn Jahre, nachdem Jobs die von ihm mitgegründete Firma Apple verlassen musste, war Steve Jobs in einer außergewöhnlichen Position: Nach seinem Weggang von Apple hatte er die Firma NeXT gegründet, die erst Jahre später ihre ersten Profite abwerfen würde. Er konnte die Entwicklung von Apple aus einem neuen Blickwinkel betrachten und die Verbindungen zur gesamten Industrie erkennen, die er in seiner Position bei Apple nicht hatte sehen können.

Befragt nach der Entwicklung des Personal Computers und angesprochen auf die größten Rivalen seines ehemaligen Konzerns, wirkt Jobs hier weder hitzig, noch in Bezug auf seinen Rauswurf bei Apple verbittert. Auch wenn ihm die Erinnerung daran offensichtlich nahegeht, die zeitliche und räumliche Distanz ermöglichen ihm Feststellungen, die aus heutiger Sicht zutreffender scheinen, als es damals der Fall gewesen war. Auch blitzen hier Jobs Visionen eines vernetzten Büros durch, die Möglichkeiten, die er im Internet sah, lange bevor es die Massen erreichen würde und seine Vision einer internetgestützten Kommunikation, die heute als "Cloud" in aller Munde ist.

Steve Jobs - The Lost Interview wirft den Blick auf einen Visionär der Branche, der hier abseits der Erinnerungen an seine vergangenen Projekte bei Apple immer noch die Schuld für seinen Absturz in der von ihm gegründeten Firma bei den Menschen um sich herum, aber nicht bei sich selbst sieht. Wer sich mit dem Werdegang von Steve Jobs und der Entwicklung von Apple beschäftigt hat, wird hier durchaus Diskrepanzen seiner Wahrnehmung zu den belegten Ereignissen erkennen, die in The Lost Interview nicht kommentiert oder herausgearbeitet werden. Dies ist auch gar nicht Sinn und Zweck des Films.
Vielmehr stellen die Macher hiermit das Rohmaterial einer eigentlichen Dokumentation zur Verfügung, unbearbeitet und ohne weitere Hintergrundinformationen. Dies in eine wirkliche Chronik der Person oder der Firma eingearbeitet zu sehen würde auch weniger informierten Zuschauern tiefe Einblicke ermöglichen. So ist es jedoch nur denjenigen zu empfehlen, die sich beispielsweise durch Walter Isaacsons Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers [2011] bereits mit der Thematik beschäftigt haben.

Leider sieht man dem Ausgangsmaterial die inzwischen 20 Jahre durchaus an. Das unscharfe Bild, der dumpfe Ton – all das spricht nicht unbedingt dafür, dass hier eine aufwändige Restaurierung vorgenommen wurde, wobei die VHS-Quelle die Zeit sicher nicht so gut überstanden hat, wie es bei dem ursprünglichen, verlorenen Material der Fall gewesen wäre. Und doch bleiben angesichts der überzogenen Farben, der gelegentlich auftretenden Bildfehler und Artefakte (auch außerhalb des sichtbaren Bilds) das Gefühl, als hätte man mit möglichst wenig Aufwand Umsatz generieren wollen.


Fazit:
An Informationen bietet Steve Jobs - The Lost Interview nichts, was man nicht bereits weiß, wenn man sich mit der Thematik beschäftigt hat. Doch die Großaufnahmen des Gesprächspartners Steve Jobs ermöglichen es, seine Reaktion auf bestimmte Fragen, seinen bohrenden Blick und die Veränderung seiner Haltung angesichts bestimmter Themen zu beobachten. Einen Blick hinter seine Fassade zu werfen und seine Zukunftsvision zu hören ein Jahr, bevor er NeXT an Apple verkaufen und zwei, bevor er dorthin zurückkehren würde, macht den eigentlichen Reiz des Interviews aus.
Zu einer Zeit, da er nicht wissen konnte, wie sehr er die Industrie noch formen und die von ihm gegründete Firma zur wertvollsten der Welt machen würde, scheint er erstaunlich unbefangen. Insofern ist es rückblickend ein prägendes Zeitdokument, wenn auch eines, mit dem nur ein spezielles Publikum etwas wird anfangen können.    


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