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Stealth – Unter dem Radar [2005]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Oktober 2005
Genre: Action / Thriller / Science Fiction

Originaltitel: Stealth
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rob Cohen
Musik: BT
Darsteller: Josh Lucas, Jessica Biel, Jamie Foxx, Sam Shepard, Richard Roxburgh, Joe Morton, Ian Bliss, Ebon Moss-Bachrach, Michael Denkha, Rocky Helton


Kurzinhalt:
In naher Zukunft hat die US Navy ein neuartiges Kampfsystem entwickelt: in einem modernen Kampfjet wurde eine Künstliche Intelligenz, EDI, untergebracht, ausgestattet mit der Fähigkeit zu lernen. Das speziell ausgewählte Pilotentrio Ben Gannon (Josh Lucas), Kara Wade (Jessica Biel) und Henry Purcell (Jamie Foxx) soll unter der Leitung von Projektmanager Captain George Cummings (Sam Shepard) EDI in das Team aufnehmen und es trainieren.
Doch auch wenn Gannon dem neuen Flügelmann sehr skeptisch gegenübersteht, die Überlegenheit der Künstlichen Intelligenz ist nicht zu leugnen, ihre Effektivität ebensowenig. Doch als EDIs Flugzeug nach einer Mission vom Blitz getroffen wird, ändert sich das Verhalten – statt Befehle zu befolgen, sieht EDI eigenständig geplante Missionen durch, darunter auch ein hypothetisches Szenario, das es zu verhindern gilt. So macht sich EDI allein auf den Weg nach Russland, um eine vermeintliche Basis zu vernichten.
Während EDIs Programmierer Dr. Keith Orbit (Richard Roxburgh) versucht, den Fehler im Code zu entdecken, müssen Gannon, Wade und Purcell EDI um jeden Preis aufhalten, um einen Krieg zu verhindern ...


Kritik:
Als vor etwa 20 Jahren Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel [1986] die Kinocharts stürmte und zum erfolgreichsten Film des Jahres avancierte, legte er den Grundstein für steile Karrieren vieler Beteiligten, darunter vor allem Hauptdarsteller Tom Cruise, Regisseur Tony Scott und das Produzenten-Duo Don Simpson und Jerry Bruckheimer. Wodurch Top Gun jedoch in Erinnerung blieb, abgesehen vom erstklassigen Soundtrack, waren die beeindruckenden Flugszenen, die seither kaum herausgefordert, und allenfalls in dem ebenfalls von Bruckheimer produzierten und von Michael Bay inszeniertem Kriegs-Liebesdrama Pearl Harbor [2001] übertroffen wurden. Mit Stealth macht sich Filmemacher Rob Cohen, xXx – Triple X [2002] und Daylight [1996], daran, einen ebenso von der US-Navy gesponsorten und deswegen wenig kritischen Unterhaltungsfilm im Stile von Top Gun vorzustellen, der jedoch die Dynamik in den Flugszenen weniger durch schnelle Schnitte, Farbfilter und zeitgenössische Musik erzeugt, als durch lange Kamerafahrten, interessante Perspektiven und eine ansich recht ernste Story, die gerade in der zweiten Hälfte einen Schritt weiter geht, als man erwarten würde, aber letztlich in Bezug auf die Ausgangslage des Films doch ohne Wertung bleibt.

Das Skript stammt dabei aus der Feder von W.D. Richter, der zwar in Hollywood kein Unbekannter ist, aber in den letzten 30 Jahren recht wenig von sich reden machte. So zeichnet er zwar unter anderem für die Vorlage von Die Körperfresser kommen [1978], die Story zu Brubaker [1980] und das Drehbuch zur Stephen King-Adaption Needful Things - In einer kleinen Stadt [1993] verantwortlich, reichte jedoch in den letzten acht Jahren keine Drehbücher mehr ein – als Regisseur trat er unter anderem bei Late for Dinner - Eine zeitlose Liebe [1991] in Aktion.
Seine Vorlage zu Stealth verquickt ganz offensichtlich viele Elemente aus bekannten Filmthemen, darunter 2001: Odyssee im Weltraum [1968] und das bereits erwähnte Top Gun; dass die US Navy auch hier trotz einiger kleiner Szenen eher als Retter der Welt, und ansich als Opfer des Umstandes geschildert wird, statt an der Entwicklung neuer Waffentechnologien Kritik zu üben, liegt schon daran, dass die Navy Material zur Verfügung stellte und deswegen verständlicherweise in gutem Licht präsentiert werden wollte. Tatsächlich ungewöhnlich ist allerdings, dass der Film nach etwa zwei Dritteln einen regelrechten Knick erfährt, der die Story für das Finale in eine ganz andere Richtung lenkt – überraschenderweise wird hier auch jegliche Kritik an der Künstlichen Intelligenz zurückgefahren, so dass der Film schlussendlich zur Thematik der von Computern durchgeführten Kriegsführung keine Stellung bezieht, sondern Menschliches Versagen in den Mittelpunkt rückt.
Sieht man darüber jedoch hinweg, fallen vor allem die sehr flachen Figuren und ebenso banalen, doch nicht weniger unterhaltsamen Dialoge auf, die von dem Charakter Henry Purcell angenehm aufgelockert werden. Die Story selbst kommt schnell in Fahrt und wird durch zahlreiche Actionszenen auch genügend in Schwung gehalten – unvorbereitet trifft den Zuschauer allerdings eine sehr mutige Entscheidung des Autors zur Hälfte des Films, die dann auch klar macht, dass im weiteren Verlauf bedeutend mehr geschehen kann, als man erwarten würde. Dass das Finale mit dem etwas aufgesetzten Szenario zu lang erscheint, ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.
Insgesamt macht das Skript einen sehr zwiespältigen Eindruck, vermag es weder, eine einfallsreiche Story zu präsentieren, noch vielschichtige Figuren zu erschaffen, andererseits sind die drei Hauptcharaktere alle sympathisch geraten, sodass man mit ihnen mitfiebert, und auch die Story hält die ein oder andere Überraschung bereit. Als Vorlage für einen unterhaltsamen Actionfilm reicht Richters Arbeit sicherlich aus, und unterscheidet sich in der Qualität auch nicht von der von Top Gun, etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit hätte dem Drehbuch dennoch nicht geschadet.

Bot Top Gun seinerzeit das Sprungbrett für viele Hauptdarsteller, wollten die Macher von Stealth wohl etwas ähnliches erreichen und verpflichteten eine Schauspielriege, die zwar nicht unbekannt ist, bei der aber große Namen fehlen, und die allesamt nicht an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden.
Der bekannteste der drei Hauptakteure ist sicherlich Jamie Foxx, der für seine Darbietung in Ray [2004] den Oscar bekam und zuvor mit Tom Cruise in Collateral [2004] von sich reden machte. Er trägt sichtlich zur lockeren Atmosphäre vor der Kamera bei und hinterlässt einen soliden, wenn auch nicht überragenden Eindruck.
Josh Lucas gehört zu der Generation Darsteller, die von den Studios als neue große Namen etabliert werden sollen, dabei blieb Lucas trotz guter Rollen in A Beatuiful Mind – Genie und Wahnsinn [2001] und Hulk [2003] der große Erfolg verwehrt. Auch hier macht er seine Sache wirklich gut und wirkt auch in den anspruchsvolleren Szenen sehr natürlich – er wird auch im kommenden Wolfgang Petersen-Film Poseidon [2006] zu sehen sein.
Die sowohl physisch wie mimisch anspruchsvollste Rolle fällt allerdings Jessica Biel zu, die in der Serie Eine himmlische Familie [seit 1996] ihre ersten Erfolge feiern konnte und zuletzt in Texas Chainsaw Massacre [2003], Final Call - Wenn er auflegt muss sie sterben [2004] und Blade: Trinity [2004] zu sehen war. Sie meistert ihren Part überraschend gut, wirkt sowohl den schauspielerischen Herausforderungen gewachsen und überzeugt im letzten Drittel mit ihren körperlich anstrengenden Szenen – sie hinterlässt neben ihren beiden sympathischen Ko-Darstellern auch den besten Eindruck und man darf gespannt sein, ob sie in Zukunft ähnliche Rollenangebote bekommen wird.
Auch die übrigen Beteiligten leisten eine solide Arbeit, allen voran Sam Shepard und Joe Morton, die zwar beide etwas wenig zu tun haben, doch zumindest Shepard darf einige Male in Aktion treten.
Unterfordert ist auch Richard Roxburgh, der im Gegensatz zu Mission: Impossible II [2000] hier so gut wie gar nicht körperlich hervortreten darf.
Die Besetzung macht einen stimmigen Eindruck und auch das Fehlen von bekannten Akteuren fällt nicht weiter ins Gewicht; mit ihrem unstreibaren Sympathiewerten gelingt es den drei Hauptdarstellern, den Zuschauer für ihr Schicksal zu interessieren – etwas, das der Vorlage leider nicht in dem Sinne vergönnt ist.

Sieht man sich die bisherigen Werke von Rob Cohen an, fällt schnell auf, dass er trotz sehr jugendlicher Themen wie in xXx oder auch The Skulls - Alle Macht der Welt [2000] ein routinierter Regisseur ist, der es versteht, sowohl die ruhigen Passagen eines Films, als auch die Actionsequenzen ansprechend umzusetzen. Selbiges gilt auch für Stealth, der mit vielen interessanten Kamerawinkeln und Kamerafahrten aufwarten kann – dabei gerade in den Luft-Actionszenen unterstützt von modernsten Effekten, die aber bis auf zwei kurze Ausnahmen allesamt hervorragend gelungen sind.
Dass die Action wie in einem Unterhaltungsfilm üblich meist der Logik trotzt, versteht sich von selbst, doch sie ist nie unübersichtlich eingefangen, sondern in interessante Bilder gekleidet und mit einem temporeichen, aber nicht hektischen Schnitt versehen. Die auch im Trailer gezeigte Szene eines in der Luft explodierenden Feuerrings gehört zwar zu einem der unwahrscheinlichsten Elemente im Film, ist aber dank der erstklassigen Effektearbeit aus dem Hause Digital Domain (Titanic [1997]) schlichtweg atemberaubend. In der Tat ist meist nicht zu sehen, wo die Realaufnahme endet und der Spezialeffekt beginnt. Dadurch rechtfertigen sich auch die hohen Produktionskosten von 100 Millionen Dollar.
Und gerade in dem Punkt unterscheidet sich Stealth von dem oft verglichenen Top Gun: musste Regisseur Tony Scott auf schnelle Schnitte und sich wiederholende Einstellungen zurückgreifen, serviert Cohen einen ansich schon konventionell gefilmten, immer wieder mit langen Einstellungen geschmückten Actionfilm, in dem er die Flugaction auch mit exzellenten Zeitlupen nach allen Regeln der Kunst auskosten kann. Hier wäre schlicht nichts besser zu machen gewesen.

All diejenigen, die sich bei xXx daran störten, dass die ansich sauber inszenierte Action mit einer unpassenden, lauten Heavy-Metal-Musik untermalt wurde, können bei Stealth immerhin ein wenig aufatmen, denn auch wenn in einigen kurzen Actionszenen eine ähnliche Musik zu hören ist, der Score von BT, der unter anderem bei Cohens The Fast and the Furious [2001] beteiligt war, ist ansich sehr gelungen und untermalt mit düsteren bis dynamischen Themen das Geschehen auf der Leinwand gekonnt.
Rhythmische, basslastige und doch nie aufdringliche Stücke passen sich dem Geschehen ebenso an, die thailändisch angehauchte Melodien, die gut zur Szenerie passen. Wie gut BT dabei die elektronischen Themen durch klassische Instrumente wie Klavier oder Pauken untermalt, die Action sehr aggressiv und doch nicht laut unterstützt, ist beeindruckend und erinnert an die mitreißenden Actionscores von Hans Zimmer, oder jüngst auch Klaus Badelt.
Der Score wirkt sehr stimmig und nie aufgesetzt, dabei doch erfrischend anders und eigenständig, ein Hörtipp für Soundtrack-Sammler. Weswegen der im Trailer gelistete Randy Edelman letztlich nicht für den Soundtrack verantwortlich war, ist bislang leider nicht bekannt.

Dass die Produktion sehr aufwändig war, steht außer Frage: für eine in Alaska gedrehte Explosion wurden 2000 Liter Benzin verbracht – die Explosion selbst war so groß, dass zuvor die NASA informiert werden musste, um Unstimmigkeiten zu vermeiden. Auf Probleme trafen die Filmemacher beim Dreh in den Blue Mountains, Nordostoregon, wo Umweltschützer gegen die Crew und den Dreh protestierten; sie zogen sowohl die Produktionsfirma, als auch die Regierungsstelle, die die Drehgenehmigung erteilte, vor Gericht, wo sie letztlich gewannen – daraufhin musste ein neuer Drehort gefunden werden.

Ansich bietet Stealth alle Zutaten für einen erfolgreichen Sommerfilm: interessante Orte, ansprechende, sympathische Darsteller, eine Story ohne Tiefgang, bei der das Mitdenken des Zuschauers gar nicht erwünscht ist, und perfekt gemacht Actionszenen, die wirklich im Gedächtnis bleiben – und doch spielte Rob Cohens Film bislang international nur knapp zwei Drittel seines Produktionsbudgets wieder ein. Das wunderte jedoch nicht nur das Studio, sondern auch diejenigen Analysten, die Stealth selbiges Ergebnis in den ersten zwei Wochen in den USA allein vorausgesagt hatten.
Woran das Desinteresse der Zuschauer letztlich lag, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn als das, was Stealth sein soll, funktioniert der Film tadellos. Dabei erhebt er von Grund auf keinen Anspruch auf politische oder technische Korrektheit, sondern bedient sich ganz offen bei Genrekollegen, um eine ansprechende Story für zwei Stunden kurzweilige Unterhaltung zu bieten – da darf auch die obligatorische Szene nach dem Abspann nicht fehlen, die Fans zweifelsohne an Christine [1983] – oder genauer an eine Episode aus der Science Fiction-Serie Knight Rider [1982-1986] – erinnern wird. Sitzen bleiben lohnt sich also.


Fazit:
Wie weit die militärische Forschung tatsächlich davon entfernt ist, Künstliche Intelligenzen in moderner Kriegsführung einzusetzen, ist glücklicherweise ein Geheimnis der Militärs. Dass ein Szenario wie in Stealth alles andere als wahrscheinlich ist, ist ebenfalls offensichtlich – doch wollten die Filmemacher hier lediglich einen Denkanstoss bieten, um in ihrem Actionfeuerwerk zwei Stunden lang zu unterhalten.
Gelungen ist das Regisseur Rob Cohen tadellos, dank einfallsreicher Kamerafahrten, herausragend gemachten Actionsequenzen und exzellenten Effekten, bietet Stealth momentan das Beste, was im Bereich der Flugszenen zu machen ist. Auch die Darsteller scheinen ihre Arbeit trotz der Unterforderung durch das Drehbuch genossen zu haben, und insbesondere Jessica Biel bleibt im Gedächtnis haften, zumal sie die forderndste Rolle bekommen hat.
Es ist lediglich das Skript, das nicht so recht überzeugen mag, sich im letzten Dritten auch aus aller Kritik der digitalen Kriegsmaschinerien zurückzieht, und lediglich mit einer Entscheidung vollkommen überrascht. Dass der Film abgesehen davon mit dem aufgesetzten Finale etwas lang geraten ist, verzeiht man dank der temporeichen Umsetzung gern. Sicherlich wäre mit einer besseren Vorlage mehr aus der ohnehin zusammen geklaubten Grundstory zu holen gewesen, man sollte sich allerdings fragen, was man tatsächlich von einem Sommeractionfilm erwartet – und wer auf sehr gut gemachte Action in einer Story ohne Denkanspruch hofft, wird nicht enttäuscht.


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