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Space Odyssey – Mission zu den Planeten [2004]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. November 2004
Genre: Unterhaltung / Dokumentation / Science Fiction

Originaltitel: Space Odyssey: Voyage to the Planets
Laufzeit: 101 min. (deutschsprachige Version) / 118 min. (Originalversion)
Produktionsland: Großbritannien / USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Joe Ahearne
Musik: Don Davis
Darsteller: Martin McDougall, Rad Lazar, Joanne McQuinn, Mark Dexter, Michelle Joseph, Mark Tandy, Hélèn Mahieu, Colin Stinton, John Schwab, Lourdes Faberes


Kurzinhalt:
Auch wenn auf der Erde viele Bereiche noch nicht erkundet wurden, seit jeher zieht es den Menschen zu den Sternen. Die Technik ist grundsätzlich so weit, die willigen Astronauten auf die nächstgelegenen Planeten zu schicken, wenn das Budget den Vorhaben nicht einen Strich durch die Rechnung machen würde. In der von der BBC produzierten Dokumentation versuchen sich fünf Astronauten, darunter der Leiter der Mission Tom Kirby (Martin McDougall), der Flugingenieur Yvan Grigorev (Rad Lazar), die Wissenschaftlerin Zoe Lessard (Joanne McQuinn), der Mediziner John Pearson (Mark Dexter) und Biologin Nina Sulman (Michelle Joseph) an einer waghalsigen Mission: Im längsten Raumflug der Geschichte der Menschheit, möchten sie mit ihrem Raumschiff Pegasus alle Planeten des Sonnensystems besuchen und den meisten Proben entnehmen.
Sechs Jahre dauert ihre Reise, führt von der Venus über die Sonne bis hin zum Pluto. Während bei der NASA im Mission Control Center die Ärztin Claire Granier (Hélèn Mahieu) die Gesundheit der Astronauten überwacht und der leitende Wissenschaftler Alex Lloyd (Mark Tandy) für den wissenschaftlichen Aspekt der Mission verantwortlich ist, muss der Flight Director Fred Duncan (Colin Stinton) alle Aspekte der Mission im Blick behalten. Doch Millionen Kilometer von der Erde entfernt können die Astronauten keinen Schutz von der Erde erwarten – und während Pearson durch Strahleneinwirkung schwer erkrankt, steuert die Pegasus ihrem gefährlichsten und letzten Ziel entgegen: Einem Kometen.


Kritik:
Mit seiner bahnbrechenden Dokumentation Dinosaurier – Im Reich der Giganten [1999] und deren Fortsetzung Die Erben der Saurier - Im Reich der Urzeit [2001] wurde der britische Produzent Tim Haines über Nacht nicht nur berühmt, sondern zu einem der gefragtesten Männer im Königreich. Dabei hält er sich bei seinen neueren Projekten meist im Hintergrund, produziert mit seiner Firma 'Impossible Pictures' und erweckte unter der Regie von Joe Ahearne in einer "einzigartigen Zusammenarbeit zwischen der Hollywood-Unterhaltungsindustrie, den weltgrößten Weltraumforschungseinrichtungen und erstklassigen Spezialeffektkünstlern von 'Framestore' die genaueste Vision der Erforschung der Menschen ihrer Nachbarplaneten in dieser Reihe zum Leben", wie er selbst sagt. Großteils, so viel sei unbestritten, stimmt das auch; der Effektereigen ist wirklich herausragend und kann mit zahlreichen Kinoproduktionen konkurrieren, auch wenn viele Effekte als solche zu erkennen sind. Der wissenschaftliche Gehalt wird ansprechend dargebracht und nimmt auch genügend Raum in der zweistündigen Dokumentation ein, aber doch scheint die Miniserie von Grund auf fehlkonzipiert. Geht man einmal von neun Planeten im Sonnensystem aus, von denen die Astronauten die Erde ja nicht mehr besuchen müssen (Merkur wird auch ausgelassen), und rechnet den Kometen hinzu, den die Mission ebenfalls untersuchen möchte, hat man immer noch stolze acht Himmelskörper, die es zu erforschen gilt – dabei werden aber mehrere Monde in der Dokumentation auch mit abgedeckt. Überträgt man das einmal auf die 118 Minuten Laufzeit, ergeben sich pro Planet nur magere 14 Minuten. Dabei sind aber die Vorbereitungen der Astronauten und die Starts, die Probleme an Bord und die Interaktionen der Crew noch gar nicht berücksichtigt. Im Endeffekt bleiben für jeden Planeten nicht einmal 10 Minuten, dabei gäbe es so viel mehr zu berichten, so viel mehr zu zeigen und zu dokumentieren.
Doch statt die Miniserie wirklich als kleine Reihe, beispielsweise als zehn-teilige 30-Minuten-Serie zu konzipieren und sich in jeder Episode einem anderen Gestirn zuzuwenden, werden viele Planeten hier nur kurz gestreift, der Dokumentationsgehalt herunter gehetzt und der Zuschauer dafür immer wieder mit jubelnden NASA-Mitarbeitern und Startsequenzen gelangweilt, die man vor wenigen Minuten schon bei einem anderen Planeten zu sehen bekommen hat.
Als wäre das aber nicht genug, wurde die zweistündige Dokumentation für das deutsche Fernsehen von ProSieben nochmals um 20 Minuten gekürzt (unverständlicherweise), so dass hier viele Abschnitte noch gehetzter und gezwungener aussehen, als ohnehin schon. Über diese Einschnitte kann auch nicht hinwegtäuschen, dass die Dokumentation auf der britischen BBC knapp 10 Tage eher Fernsehpremiere feierte, als hierzulande. Denn während in Großbritannien eine DVD-Edition der Dokumentation ungeschnitten verfügbar ist, gibt es die hiesige Ausgabe nur in der auf ProSieben gezeigten Lauflänge – und ist damit für Fans uninteressant.

Inhaltlich versucht das Drehbuch von Joe Ahearne einen Brückenschlag zwischen den Charakteren und dem wissenschaftlichen Inhalt, doch auf Grund der Lauflänge kommen die Figuren leider deutlich zu kurz, und auch die Landungen und Starts auf den verschiedenen Himmelskörpern nehmen im Vergleich zu den Szenen auf den Planeten zu viel Platz ein. Ob die NASA zudem auf die wirklich wahnwitzige Idee käme, mit einem über einen Kilometer langen Raumschiff auf wenige Hundert Meter an einen Kometen heran zu fliegen, und es direkt in einer Position hinter dessen Flugbahn zu behalten, darf bezweifelt werden. Doch damit, und mit kleinen Höhepunkten und spannenden Szenen auf den einzelnen Planeten, möchte der Autor die Zuschauer interessieren und zum Einschalten animieren. Prinzipiell ist das auch eine gute Idee, nur sind die meisten Szenen (abgesehen von derjenigen auf dem Mars) schlicht zu kurz und zu schnell vorbei, als dass man die Action genießen könnte, oder von dem Geschehen mitgerissen würde.
Gewöhnungsbedürftig ist die Ausgangslage der Dokumentation, die sich als eben solche versucht, also die Darsteller interviewt und das Geschehen wie ein Beobachter einfängt. Zu Beginn mag das Ganze ja noch Sinn machen, wenn aber dem Kameramann und Interviewer mehrmals gesagt wird, dass er in einer kritischen Situation "gar nicht hier sein dürfte", und "jetzt kein Interview bekommt", macht das schon beinahe einen unfreiwillig komischen Eindruck. Verstärkt wird das auch dadurch, dass die deutschsprachige Version nicht wie bei Dokumentationen üblich mit einem "Voice-Over" überlegt wurde, also die deutschen Sprecher zusätzlich lauter zu den Originalaufnahmen zu hören sind, sondern die Figuren wirklich synchronisiert wurden. Zwar ist die Synchronisation durchaus gut gelungen, das "Voice-Over" hätte hier aber gepasst, um die Stimmung der Dokumentation besser zu vermitteln.
Abgesehen davon packt der Autor viele Hintergrundinformationen in seinen Film, die auch vom Erzähler ansprechend dargebracht werden. So funktioniert Space Odyssey zwar als Populär-Dokumentation, vernachlässigt aber die Figuren und handelt die Planeten trotzdem zu schnell ab. Mit einem längeren Konzept wäre definitiv mehr heraus zu holen gewesen.

Die Darsteller geben sich sichtlich Mühe, ihre Charaktere zum Leben zu erwecken, am meisten gefordert ist dabei Mark Dexter, der John Pearson mimt und dem das traurigste Schicksal der Mission widerfährt. Er überzeugt in seinen wenigen Szenen mit einem natürlichen und doch zurückhaltenden Schauspiel; seine Kollegen Martin McDougall, Rad Lazar, Joanne McQuinn und Michelle Joseph tun es ihm dahingehend gleich. Sie alle überzeugen in ihren Rollen, auch wenn gerade Joseph kaum etwas zu tun hat.
Die Darsteller des Kontrollzentrums werden von Hélèn Mahieu und Mark Tandy angeführt, beide in Film- und Fernsehen keine Unbekannten, die ihre Rollen souverän vorbringen und auch für den notwendigen Ernst sorgen, um die gespannte Lage spürbar zu machen.

Zwar mussten gerade die Astronauten-Darsteller zuerst ein Training über sich ergehen lassen, das auch den Parabolflug mit Schwerelosigkeit enthielt, die wirklichen Stars der Dokumentation sind aber die Pixelkünstler von 'Framestore', die hier eine überragende Arbeit abgeliefert haben.
Auch wenn geschulte Augen viele digitale Effekte als solche enttarnen, die Masse und der Aufwand, der hinter Space Odyssey steckt ist beeindruckend. Nicht nur, dass die Aufnahmen im Weltall sehr gut gelungen sind, auch die Effekte auf den einzelnen Planeten mit Tag- und Nachtwechseln, Partikeln, Stürmen und vulkanischen Ausbrüchen verblüffen.
So basieren die Erkenntnisse der vorherrschenden Atmosphäre der verschiedenen Planetoiden auf den tatsächlichen Theorien, der wissenschaftliche Gehalt wurde mit Experten der ESA und NASA zusammen ausgearbeitet und auch bei der Konstruktion der Raumschiffe und Fähren waren Spezialisten der Weltraumbehörden am Werk. So wiegt das Mutterschiff Pegasus ganze 400 Tonnen, hat eine Länge von 1,3 Kilometern und kann Temperaturen von über 5000 °C standhalten. Seine Spitzengeschwindigkeit von 288,000 km/h wird mittels eines Nuklearantriebs erreicht, der 158 Millionen PS freisetzt – und im Inneren finden zehn Flugzeuge Platz. Ähnlich detailreich sind die Angaben zu den einzelnen Landefähren, Orpheus (Venus), Ares (Mars), Clyde (Pluto) und Messier, der auf dem Planeten landet.
Auch wenn sich die Macher zum Budget der Miniserie ausschweigen, der finanzielle Aufwand dahinter war immens und hat sich was die visuelle Umsetzung angeht auf jeden Fall ausgezahlt.

Auch wenn man in einer richtigen Miniserie mehr Zeit gehabt hätte, die einzelnen Himmelsgestirne zu beleuchten, die Macher geben sich sichtlich Mühe, die Zuschauer sowohl zu unterhalten, als auch so viele Informationen wie möglich in den kleinen Rahmen hinein zu packen.
Regisseur Joe Ahearne setzt das alles auch solide um, verleiht der Sendung einen dokumentarischen Stil und strapaziert dabei trotz allem bei der Mars-Expedition den Zuschauer mit ständigen (natürlich nachträglich eingefügten) Störsignalen, und Bildausfällen, die aber weder dramaturgisch, noch inhaltlich eine derartige Spannung erzeugen, wie es beispielsweise bei Apollo 13 [1995] der Fall war. Die Hand- und Helmkameras sind zwar anfangs gewöhnungsbedürftig, stören aber nicht weiter, vor allem, weil man auf jeder Welt mit atemberaubenden Bildern verwöhnt wird, die einen wirklich staunend zurücklassen. Doch während der Regisseur gerade hier punkten kann, wirken die dokumentarischen Schnipsel in der Pegasus bisweilen aufgesetzt, man ist sich nie ganz klar, wo die Kamera denn gerade sein soll (was man sich auch bei manchen Planeten-Aufnahmen fragt, die bei der NASA ankommen), und mit wem die Crew denn spricht.
Dramaturgisch fällt das aber kaum ins Gewicht, im Gegensatz zu den ständigen Rückblenden in die Trainingsphase der Astronauten, die den Zuschauer für nicht einmal eine Minute immer aus der Erzählebene an Bord des Raumschiffes herausreißen. So wäre es besser gewesen, man hätte diese Szenen vor die Erkundung jeder einzelnen Welt gestellt, anstatt die Sequenzen dadurch immer wieder zu unterbrechen. Insgesamt ist Space Odyssey aber zumindest sauber gefilmt und gut umgesetzt, die Szenen sind bisweilen spannend aufgebaut, wenn auch nicht ausgenutzt, da man innerhalb von zwei Minuten eben keine Actionsequenz einleiten, sie durchspielen und zum Abschluss bringen kann.

Die Musik von Don Davis gibt sich angenehm klassisch und hält sich doch dezent im Hintergrund. Der Hollywood-Komponist schuf eine angenehme Untermalung, die auch in den actionreicheren Szenen gut zu den Bildern passt und die Atmosphäre treffend unterstreicht. Zwar hört man die Beschränkung des kleinen Orchesters heraus, doch das macht seinen Score nicht schlechter.
Schade ist nur, dass einem trotz des hymnenartigen Themas keine Melodie im Gedächtnis bleibt.

Mit einem Experten-Stab, der jede Hollywood-Produktion blass aussehen lässt, vieler wissenschaftlicher Infos und einem sichtlichen Aufwand gelang der BBC in Koproduktion mit ProSieben ein wirkliches kleines Highlight der Fernsehlandschaft. Nur leider wird die Reise zu den Sternen in einem Tempo durchexerziert, dass einem beinahe der Spaß daran vergeht. Mit nur wenigen Minuten pro Himmelskörper, noch weniger an Bord der Pegasus und so vielen Fragen, die nicht beantwortet werden, macht Space Odyssey vor allem den Eindruck, als sei es mindestens eine halbe Stunde zu kurz, wenn nicht mehr.
Aus dem Konzept hätte man eine bahnbrechende Miniserie machen können und auch müssen. Doch statt das Potential auszunutzen entschieden sich die Macher für ein bewährtes Format, das der Serie leider mehr schadet als nützt. So bleibt am Ende eine sehr gut gemachte Unterhaltungs-Dokumentation im Gedächtnis, die handwerklich kaum Schwächen aufweist und sich allenfalls als Dokumentation zu ernst und wichtig nimmt, als dass man den Film als das sehen könnte, was er sein will: Eine möglichst realistische Science Fiction-Vision der Raumfahrt von übermorgen.


Fazit:
2246 Tage dauert der Flug der Pegasus – über 13 Milliarden Kilometer. Aber trotz einer so langen Reise, so vieler faszinierender Planeten und einer gut zusammengestellten Crew wird die Mission in weniger als zwei Stunden herunter gehetzt. Statt sich zweieinhalb oder drei Stunden lang dem Thema zu widmen, vielleicht sogar einen Kinofilm daraus zu machen, entschlossen sich die Produzenten, den TV-Mehrteiler als Dokumentation zu vermarkten und schicken Darsteller vor, die die wissenschaftlichen Inhalte vorbringen sollen. Das klappt dank der guten Akteure auch großteils problemlos, täuscht aber nicht über die viel zu kurz gekommenen Besuche der einzelnen Planeten hinweg.
So nimmt sich Space Odyssey zu wenig Zeit für die Figuren und für die meisten Planeten, vom Schiffsinnern selbst bekommt man ebenfalls kaum etwas zu sehen und auch wenn der Film nie langweilig ist, wirklich spannend ist er auch nicht. Höhepunkte gibt es zwar zuhauf (pro Planeten eigentlich einen), aber die sind allesamt zu rasch vorbei und zu schnell aufgebaut. Was am Ende bleibt ist ein Fest für die Augen, die mit Bildern verwöhnt werden, die man so wirklich noch nie gesehen hat (und vermutlich auch nie sehen wird). Wenn man sich aber überlegt, was daraus hätte werden können, hätte sich die BBC zu einer wirklichen "Miniserie" durchgerungen, kann man nur enttäuscht den Kopf schütteln.


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