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Solaris [2002]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. März 2003
Genre: Science Fiction / Drama

Originaltitel: Solaris
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Steven Soderbergh
Musik: Cliff Martinez
Darsteller: George Clooney, Natascha McElhone, Viola Davis, Jeremy Davies, Ulrich Tukur


Kurzinhalt:
Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft:
Nach dem Selbstmord seiner psychisch labilen Frau Rheya (Natascha McElhone), vegetiert der Psychologe Chris (George Clooney) vor sich hin.
Als ihn sein Freund Gibarian (Ulrich Tukur) bittet, an Bord eines Raumschiffs zu kommen, das um den seltsamen Solaris-Planeten kreist, willigt er ein, zumal er schlicht nichts Besseres zu tun hat. An Bord muss er allerdings feststellen, dass auf dem Raumschiff samt dem floureszierenden Planeten etwas nicht stimmt. Zwei Tote, darunter Gibarian, das Blut eines Rettungstrupps, der nie zurückgekehrt ist, und die beiden verstörten Crewmitglieder Helen Gordon (Viola Davis) und Snow (Jeremy Davies) geben dem Wissenschaftler Rätsel auf.
Auch Chris selbst muss bald feststellen, dass hinter Solaris mehr steckt, als man vermuten könnte: Erst sieht er Gibarians Sohn (Shane Skelton), der eigentlich wohlbehütet auf der Erde ist, und wenig später sogar seine verstorbene Frau. Sie verhält sich, als wäre sie nie von ihm gegangen – bis Chris dahinter kommt, dass Solaris sie aus seiner Erinnerung geschaffen hat. Als diese "neue" Rheya erkennt, dass sie nur eine Kopie ist, versucht sie, ihrem Leben ein Ende zu bereiten, doch Chris möchte das nicht zulassen.


Kritik:
Stanislaw Lem
wurde am 12. September 1921 geboren und gilt als einer der meistübersetzten Schriftsteller Polens. Er studierte Medizin, musste dieses Studium jedoch aufgrund des Zweiten Weltkrieges unterbrechen. Danach setzte er es fort und erweiterte es um die Fächer Philosophie, Physik und Biologie. Nachdem er bereits im Alter von 21 Jahren mit dem Schreiben angefangen hatte, veröffentlichte er im Jahre 1951 seinen ersten Science-Fiction-Roman. 10 Jahre später erschien Solaris, ein tiefsinniges Science-Fiction-Drama, das die Literatur bis heute prägte.
1972 wurde der Stoff bereits schon einmal von dem russischen Regisseur Andrei Tarkovsky verfilmt. 20 Jahre später nahm sich der amerikanische Starregisseur Steven Soderbergh nun des Themas an.
Kommerziell blieb ihm der Erfolg verwehrt und auch künstlerisch scheiden sich an dem Werk die Geister.
Während der Dreharbeiten soll es Streitereien mit Produzent James Cameron gegeben haben, der ursprünglich selbst Regie führen wollte, sie dann aber doch abgab.
In den USA erlangte der Film Publicity, da er vom zuständigen amerikanischen Gremium zunächst eine Freigabe "Ab 17 Jahren" erhielt. Grund war, dass George Clooneys Hintern zwei Mal unbedeckt im Film zu sehen ist – in den USA skandalös. Regisseur Soderbergh klagte jedoch gegen die Einstufung und erhielt sogar Recht. Nun ist der Film dort ab 13 Jahren freigegeben, geholfen hat es ihm allerdings an den Kinokassen nichts. Bei einem Budget von mehr als 45 Millionen Dollar spielte das Drama nicht einmal 15 in den USA wieder ein. Nach Erfolgen wie Erin Brockovich [2000], Traffic - Die Macht des Kartells [2000] oder Ocean's Eleven [2001] ein herber Rückschlag für den Regisseur. Zumal seine Hollywood-Dramedy Full Frontal [2002] ebenfalls ein Reinfall sowohl bei den Zuschauern, als auch Kritikern war.

Ob Solaris als Romanverfilmung, oder im Vergleich zum ersten Film überzeugen kann, maße ich mir nicht an, zu beurteilen, weil ich weder den Roman, noch den ersten Film kenne.
Als eigenständiger Film ist Soderberghs Drama allerdings alles andere als überzeugend – und das liegt hauptsächlich am Hauptdarsteller.
Der sonst so routinierte George Clooney, der durch seine Rolle in ER – emergency room [1994-1999] weltweit bekannt wurde, und sich mit From Dusk Till Dawn [1996] Kultstatus erarbeitete, wirkt in diesem Film ausgesprochen lust- und farblos, woran auch seine gelegentlich freizügigeren Szenen nichts ändern. Clooney war für Soderbergh nicht die erste Wahl, und doch arbeiteten sie einmal mehr zusammen – vielleicht hätte der Regisseur aber auf einen anderen Darsteller setzen sollen. Kernthema des Films ist die Beziehung zwischen Rheya und Chris; um ihre Handlungen zu verstehen ist es wichtig, die Art und Weise ihrer Liebesbeziehung zu begreifen und zu erfahren, wie weit ihre Liebe wirklich ging.
Doch genau das ist das Problem von Soderberghs Solaris. Während Natascha McElhone überzeugend und ergreifend spielt (in einigen Szenen kann man beinahe miterleben, wie ihr die Zusammenhänge klar werden), wirkt ihr Pendant gerade in den intimen und privaten Szenen völlig gelangweilt. Ihre Berührung, das Gespräch mit ihr und auch sie zu küssen, scheint ihm keinen Spaß gemacht zu haben. Seltsamerweise wendet sich das Blatt, als Chris auf Rheya wütend wird. Hier spielt Clooney ausgesprochen gut.
Kurz gesagt, das Hauptmanko des Filmes ist die Tatsache, dass fast jegliche emotionale oder gar erotische Chemie zwischen McElhone und Clooney fehlt; der smarte, publicityscheue Junggeselle war für die Rolle leider eine glatte Fehlbesetzung. Während Rheya verletztlich wirkt und ihr Konflikt sichtbar wird, fragt man sich als Zuschauer, was George Clooneys Chris überhaupt antreibt.
Abgesehen von den beiden Hauptdarstellern haben die übrigen nicht viel zu tun, Viola Davis wirkt zu verbittert, zu steiff und ohne Hintergrund, Jeremy Davies macht einen mit seinen weit ausholenden Gestikulierungen und seinem ständigen "ich weiß es nicht" in Quasi-Zeitlupe nur wütend. Als Charakter ist er bis zu seiner vorletzten Szene völlig überflüssig. Vor allem versteht man seine langsame Art beim besten Willen nicht. Eben dadurch, dass er in den Gesprächen ansich keine Antworten gibt und bis auf wildes Herumfuchteln nichts weiter tut, würde man ihm von Zeit zu Zeit gerne einen mehr oder weniger leichten Schlag auf den Hinterkopf verpassen.
Dass Chris angesichts des Verhaltens der beiden Crewmitglieder anteilnahmslos bleibt, macht die ganze Sache nicht besser.

Während der 100 Minuten Film fällt dem aufmerksamen Zuschauer noch so manch weitere Ungereimtheit auf, angefangen beim unausgegorenen Drehbuch, bis hin zur Inszenierung.
Während das Skript auf den ersten Blick einige interessante Fragen aufwirft und auch den Charakter von Rheya beleuchtet, vergaß Drehbuchautor Soderbergh leider vollständig, die Motivation der Filmfiguren einzubauen, geschweige denn letztendlich eine Erklärung für die Vorkommnisse zu präsentieren.
Die Schlusssequenz ist so unspektakulär wie vorhersehbar, und wirkt in gewissem Sinne sogar unlogisch. Wieso Solaris diese Auswirkungen hat, was ansich damit bezweckt wird, wird nicht weiter erklärt. Auch das Schicksal der anderen Nebencharaktere bleibt völlig im Dunkeln. Das Drama selbst weist zwar interessante Ansätze auf: Beispielsweise könnte man die Rheya-Kopie, die sich ihrer selbst bewusst wird, auch auf die heutige Frage des Klonens übertragen, und die philosophische Frage, ob man sich das Recht herausnehmen darf, eine solche Kopie am Leben zu erhalten, selbst wenn diese es nicht will. Eben diese Ansätze stammen bereits aus der Romanvorlage und werden im Film irgendwie auch nicht beantwortet. Die Themen werden aufgeworfen, aber keine Lösung angeboten. Soderbergh versucht gar nicht erst, den Zuschauer darauf aufmerksam zu machen und ihn zum Nachdenken anzuregen, sie wirken vielmehr wie eine Begleiterscheinung auf Chris' Odyssee zum Wendepunkt seines Lebens.

Ähnlich ist die Inszenierung, die von der reinen Optik her, insbesondere in den Raumschiffaufnahmen, wirklich überzeugen kann und etwas leicht Hypnotisierendes besitzt. Doch gerade in den zahlreichen Rückblenden (in denen die Begegnungen zwischen Chris und Rheya geschildert werden) täuscht der Regisseur mittels einer verwackelten Handkamera einen Dokumentarstil vor, der den Gesprächen eine unnötige Dynamik verpasst und es so erscheinen lässt, als würde das Erzähltempo angezogen.
Die "unverzichtbare" Handkamera setzte Soderbergh schon im preisgekrönten Traffic – Die Macht des Kartells nicht immer passend ein, in den ruhigen Szenen von Solaris ist sie völlig fehl am Platz.
Abgesehen davon wirken die Szenen selbst nicht so durchdacht oder komponiert wie beispielsweise bei 2001 – Odyssee im Weltraum [1968], owohl sich die Macher eindeutig bei dem legendären Film bedienten. Die langen Einstellungen mit den Spezialeffekten, die betont gemächlichen Dialoge und auch die häufigen Schnittwechsel, die das Verstehen eines Charakters verdeutlichen sollen (beispielsweise wenn Rheya merkt, dass sie von Solaris erschaffen wurde), sind zu lang, zu ausgewalzt. Während man als Zuschauer schon nach zwei Querschnitten bemerkt hat, wie der Hase läuft, verweilt Soderbergh nochmals einige Schnitte bei derselben Einstellung und nimmt so Tempo aus der ohnehin schleppenden Erzählweise.
Von Zeit zu Zeit begegnen dem Zuschauer sogar recht spannende Szenen, in denen mit flackerndem Licht oder einem unangenehmen Geräusch eine beunruhigende Atmosphäre aufgebaut wird. Doch diese Szenen besitzen keinerlei Höhepunkt, sondern steigern sich eine Zeit lang, bevor sie wieder abebben. Der Erzählstil wirkt uneinheitlich, auf Krampf künstlerisch anspruchsvoll und trotzdem bis auf die offensichtlich auf "Kunst" getrimmte Inszenierung leer und fade.

Die Musik von Cliff Martinez passt sich den Szenen gut an, baut in den entsprechenden Sequenzen rhythmisch Spannung auf und nimmt den Zuschauer mit sphärischen Klängen auf den ungewohnten und fremdartigen Planeten mt. Während man im Kino selbt die Melodie noch eingängig fand, ist sie nach dem Filmbesuch allerdings – wie viele Eindrücke aus Solaris – wie weggeblasen. Insofern ist die Musik stimmig und doch ohne einen bleibenden Charakter.

Da Solaris einige Jahrzehnte in der Zukunft spielt, war es interessant, die Bauten und auch die Einrichtungen der Zukunft zu sehen und dabei einmal mehr einen Einblick in das Design der Zukunft zu erhalten. Immerhin basieren sowohl das Raumschiff, als auch die Raumanzüge oder die gewöhnliche Kleidung auf Studien und Konzepten, die sich heute in der Entwicklung befinden.
Von der Zukunftsstadt selbst bekommt man leider nichts zu sehen, die Macher umschiffen dieses Thema – wohl auch aus Budgetgründen – mit akribischer Gründlichkeit. Doch die Bauten der Raumstation sind ansich ordentlich geraten, wirken mancherorts allerdings zu plastikartig, zu hell und mit zu viel Plexiglas versehen. Es gibt viel zu viel Freiraum, ohne dass der Raum dazwischen mit etwas Sinnvollem ausgenutzt wäre. Einmal mehr hat man den Eindruck, das Set wäre zu groß gewesen und die Designer hatten alle Mühe, es mit Requisiten auszustatten.
Zwar gibt es in der Raumkapsel mehr bunte Knöpfe, als in alten Science-Fiction-Serien, trotzdem kann die Technik überzeugen. Die Raumanzüge wirken funktionell, bieten jedoch keine Innovationen und erinnern frappierend (schon farblich) an die Anzüge aus der jüngsten Star Trek-Serie Enterprise [seit 2001].
Sehr interessant und überzeugend geraten ist die futuristische Kleidung, die sich die Kostümbildner einfallen ließen. Schick und doch funktionell; Mode, die man auch heutzutage anziehen könnte, und die nicht aufgebläht oder überdesignt ist, wie es auf Modemessen unserer Tage immer wieder zu sehen ist.
Die Quartiere der Besatzungmitglieder können ebenfalls überzeugen und wirken durchdacht, ohne überfrachtet zu erscheinen – den Verantwortlichen kann man hier nur gratulieren.

Dies ist leider nicht bei allen Beteiligten der Fall.
Als Film ist Solaris ein langatmiges, hölzernes, verkrampft anspruchsvolles Science-Fiction-Drama, das nicht wirklich neue Ansätze zu Themen bietet, die zwar nicht unbedingt basierend auf Stanislaw Lem, aber trotzdem schon oft genug verfilmt wurden. Der Produktionsstandard ist – wie zu erwarten – erfreulich hoch, die Krux jedoch eindeutig die Besetzung und das unentschlossene Drehbuch, das sich weder für den emotionalen Konflikt der Figuren, noch für die Science-Fiction-Story entscheiden kann.
Man wird als Zuschauer das Gefühl nicht los, dass Steven Soderbergh viel zu sehr darauf aus ist, einen weiteren Oscar in Händen zu halten, anstatt gute Filme zu drehen (was sich natürlich nicht grundsätzlich ausschließen muss); anders ist es nicht zu erklären, dass er aus einem derart guten Filmstoff ein so zähes Werk fabriziert hat.
Das Talent der meisten Darsteller wurde verschwendet, Natascha McElhone spielt auch dann noch verzweifelt gegen das unausgegorene Drehbuch an, als viele der Beteiligten offensichtlich schon resigniert hatten. Aus der Besetzung hätte man was machen können, mit einem unmotivierten George Clooney in der Hauptrolle klappt weder die eine, noch die andere Story.
Vielleicht wäre aus dem Film unter der Regie von James Cameron mehr geworden, doch das werden wir nie erfahren.


Fazit:
Solaris ist vollkommen auf Hauptdarsteller George Clooney zugeschnitten – und genau das ist der Hauptfehler des Filmes.
Gäbe es zwischen ihm und seiner Partnerin McElhone irgendeine Chemie oder emotionale Verbindung, hätte zumindest das menschliche Drama überzeugen können – der Science-Fiction-Aspekt wird sowieso nach kürzester Zeit aus den Augen verloren. Doch so wirken die verschiedenen Themen wie Rohschnitte, die Inszenierung wie der betont langatmige Versuch, zusätzlich künstlerischen Anspruch in eine ohnehin philosophische Story zu pressen.
Steven Soderbergh führte mit dem Kopf Regie und versuchte, ein menschliches Drama nüchtern zu erzählen – klingt unmöglich? Ist es auch.


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